Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Eine religiöse Erzählung über eine innere Wandlung

Die Lichtflamme. Eine Ostergeschichte
0

“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ...

“Die Lichtflamme” ist eine religiöse Erzählung von Selma Lagerlöf. Sie handelt von Raniero, einem draufgängerischen, rücksichtslosen Mann, der sein Umfeld durch sein Verhalten tyrannisiert. Als seine Frau ihn verlässt, schließt er sich dem Ersten Kreuzzug an und zieht als einer der Ersten in Jerusalem ein. Dort entzündet er am Heiligen Grab eine Lichtflamme, die er zurück nach Florenz bringen möchte. Auf diesem Weg geschieht Raniero allerlei Wundersames, sodass eine Läuterung bei ihm einsetzt. Die Erzählung hat dadurch einen legendarischen Charakter. Erzählt wird die Handlung linear, von einem allwissenden Erzähler, der zwischendurch als Ich durchblitzt. Die Wortwahl ist etwas altertümlich, allerdings für die Handlungszeit passend. Bei allen archaischen Elementen merkt man der Erzählung aber auch ihre Modernität an: Das rücksichtslose Verhalten Ranieros - insbesondere seiner Frau gegenüber - wird deutlich als solches markiert und verurteilt. Auch die Kreuzzüge werden nicht gutgeheißen, wobei Lagerlöf einen interessanten erzählerischen Kniff benutzt: Die Figur eines Narren kritisiert den Ersten Kreuzzug, indem er einen Dialog zwischen Petrus und Jesus Christus darstellt, in welchem Petrus die Eroberung Jerusalems als Blutbad bewertet. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein kurzes Nachwort, in dem einerseits der Lebensweg von Selma Lagerlöf skizziert und andererseits das florentinische Fest “Scoppio del Carro” vorgestellt wird, dessen Entstehungsgeschichte den Hintergrund der Erzählung bildet. Insgesamt ist “Die Lichtflamme” eine sich behutsam entfaltende Erzählung über eine innere Wandlung, die man - insbesondere aufgrund des Schlusskapitels - gerade als Osterlektüre empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Sechs schöne Geschichten zum Vorlesen

Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden
0

“Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden” beinhaltet sechs Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende ...

“Geschichten von Peter Hase und seinen Freunden” beinhaltet sechs Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten von Mr McGregor geht - obwohl die Mutter ihn strikt davor gewarnt hatte. Man vermutet es schon: Der Ausflug wird nicht problemlos verlaufen, sodass “Die Geschichte von Peter Hase” eine kleine Abenteuergeschichte wird. Die zweite Erzählung, “Die Geschichte von Benjamin Bunny”, schließt an die erste an: Peter Hase und sein Cousin Benjamin Bunny machen sich erneut auf den Weg in Mr McGregors Garten, um Salat zu mümmeln. Auch hier geraten die beiden in eine brenzlige Situation, aus der sie sich nicht selbst befreien können. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von den Flopsy-Häschen”, den Kindern von Benjamin Bunny. Auch diese verirren sich in den Garten von Mr McGregor, wo sie von ihm gefangen werden. Zum Inhalt möchte ich darüber hinaus nicht zu viel verraten. Nur: Die Erzählung ist im Kern eine Schelmengeschichte. In den folgenden Geschichten wird ein Perspektivwechsel vorgenommen. Helden von “Die Geschichte von den beiden frechen Mäusen” und “Die Geschichte von Johnny Stadtmaus” sind Mäuse. Bei beiden handelt es sich um humorvolle Geschichten. Während in der einen Mäuse in ein Puppenhaus einbrechen, lebt die andere von der augenzwinkernd dargestellten Differenz von Stadt- und Landmäusen. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von Jemima Matschel-Ente”, in der eine naive Ente auf Nistplatzsuche ist - mit potentiell dramatischen Konsequenzen. Die Geschichten eint: Die Welt, in der sie spielen, wird idyllisch beschrieben, ist irgendwie noch heil. Klar, Mr McGregors Garten, die Stadt oder der Nistplatz sind Paradies, Versuchung und Gefahr zugleich, aber irgendwie kommt es dann doch zu einem Happy End (sodass sich die Geschichten auch gut zum Vorlesen eignen). Die idyllischen Beschreibungen werden auch in den zahlreichen Aquarellen ausgebreitet, die die Handlung illustrieren. Zwar sind die Hauptfiguren durch ihre Kleidung und ihre Art zu denken vermenschlicht, doch jedem gezeichneten Tier wohnt - in Körperhaltung und Ausdruck - ein realistischer/naturalistischer Zug inne. Abgerundet wird der Band durch ein Nachwort der Übersetzerin Bettina Wilpert, in der kurz das Leben von B. Potter, ihr Zeichenstil sowie die Entstehung ihrer Geschichten eingegangen wird. Insgesamt ist “Ostern mit Peter Hase” eine feine Sammlung von Tiergeschichten, die man schön vorlesen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Eine feine Sammlung von Ostergeschichten

Ostern mit Peter Hase
0

“Ostern mit Peter Hase” beinhaltet drei Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten ...

“Ostern mit Peter Hase” beinhaltet drei Bildergeschichten von Beatrix Potter. Den Auftakt macht dabei die weltbekannte Erzählung “Die Geschichte von Peter Hase”, in der der titelgebende Hase in den Garten von Mr McGregor geht - obwohl die Mutter ihn strikt davor gewarnt hatte. Man vermutet es schon: Der Ausflug wird nicht problemlos verlaufen, sodass “Die Geschichte von Peter Hase” eine kleine Abenteuergeschichte wird. Die zweite Erzählung, “Die Geschichte von Benjamin Bunny”, schließt an die erste an: Peter Hase und sein Cousin Benjamin Bunny machen sich erneut auf den Weg in Mr McGregors Garten, um Salat zu mümmeln. Auch hier geraten die beiden in eine brenzlige Situation, aus der sie sich nicht selbst befreien können. Den Abschluss bildet “Die Geschichte von den Flopsy-Häschen”, den Kindern von Benjamin Bunny. Auch diese verirren sich in den Garten von Mr McGregor, wo sie von ihm gefangen werden. Zum Inhalt möchte ich darüber hinaus nicht zu viel verraten. Nur: Die Erzählung ist im Kern eine Schelmengeschichte. Alle drei Geschichten eint: Die Welt, in der sie spielen, wird idyllisch beschrieben, ist irgendwie noch heil. Klar, Mr McGregors Garten ist Paradies, Versuchung und Gefahr zugleich, aber irgendwie kommt es dann doch zu einem Happy End (sodass sich die Geschichten auch gut zum Vorlesen eignen). Die idyllischen Beschreibungen werden auch in den zahlreichen Aquarellen ausgebreitet, die die Handlung illustrieren. Zwar sind die Hauptfiguren durch ihre Kleidung und ihre Art zu denken vermenschlicht, doch jedem gezeichneten Tier wohnt - in Körperhaltung und Ausdruck - ein realistischer/naturalistischer Zug inne. Insgesamt ist “Ostern mit Peter Hase” eine feine Sammlung von Hasengeschichten, die man schön zu Ostern vorlesen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2026

Eine kurzweilige Lektüre für das Osterfest

Wondrak und seine Freunde feiern Ostern
0

“Wondrak und seine Freunde feiern Ostern” ist eine Sammlung von Janosch-Texten, die sich inhaltlich mit dem Frühling und Ostern beschäftigen. Den Auftakt macht dabei ein Vorwort des Journalisten Tillmann ...

“Wondrak und seine Freunde feiern Ostern” ist eine Sammlung von Janosch-Texten, die sich inhaltlich mit dem Frühling und Ostern beschäftigen. Den Auftakt macht dabei ein Vorwort des Journalisten Tillmann Prüfer, in dem kurz der Lebensweg von Janosch und dessen Bezug zu Ostern nachgezeichnet werden sowie eine Charakterisierung der Figur Wondrak erfolgt. Den Schwerpunkt der Anthologie bilden daraufhin drei Texte von Janosch: “Hasenmotor, Antrieb vorne” (eine kleine Schelmengeschichte mit Fahrrädern), “Wie der Hase Ferien macht” (ebenfalls eine Schelmengeschichte, allerdings feiner erzählt als die vorherige) und “Du lieber guter Hasenvater” (gewissermaßen eine humorvolle Kritik an allzu höriger Erziehung). Zwischen diesen drei Erzählungen finden sich immer wieder Fragen an Herrn Janosch, die dieser mal lebensweise, mal augenzwinkernd mithilfe der Figur Wondrak beantwortet (z. B. “Was tun gegen Frühjahrsmüdigkeit?”, “Wie genießt man den Frühling richtig?”, “Was sollte man bei Pollenallergie machen?”). Zur Auflockerung sind zusätzlich klassische, thematisch passende Gedichte (bspw. von Kurt Tucholsky oder Emanuel Geibel) abgedruckt. Sowohl die drei Erzählungen als auch die Fragen und die Gedichte sind jeweils stimmig mit Aquarellen aus der Hand von Janosch verziert. Insgesamt ist “Wondrak und seine Freunde feiern Ostern” eine kurzweilige Lektüre für das Osterfest.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein spannender dritter Fall

Rachewinter
0

Inhalt: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyer erhält einen neuen, brisanten Fall: Ihre Mandantin wird des Mordes verdächtigt, wurde anscheinend sogar während der Tat gefilmt, beteuert aber ihre Unschuld. Als ...

Inhalt: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyer erhält einen neuen, brisanten Fall: Ihre Mandantin wird des Mordes verdächtigt, wurde anscheinend sogar während der Tat gefilmt, beteuert aber ihre Unschuld. Als Evelyn den Tatort genauer unter die Lupe nimmt, fallen weitere Unstimmigkeiten auf: Es finden sich keine Fingerabdrücke der Verdächtigen… Zeitgleich wird in Leipzig ein vermögender Mann tot aufgefunden; die Ermittlungen werden schnell eingestellt, scheint doch alles auf einen Unfall hinzudeuten. Kommissar Walter Pulaski lässt aus persönlichen Gründen nicht locker - und bald werden Parallelen zum Fall in Wien offenbar…

Persönliche Meinung: “Rachewinter” ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der dritte Fall um die Ermittlerfiguren Evelyn Meyer und Walter Pulaski. Zwar ist der Fall in sich abgeschlossen, allerdings finden sich kleinere Spoiler zur Handlung der vorherigen Bände, sodass ein chronologisches Lesen sinnvoll ist. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus den personalen Perspektiven der beiden Ermittlerfiguren. Weitere PoVs nehmen u.a. Flo, der neue Assistent Evelyns, sowie Nina, die Tochter Walters, ein, wobei insbesondere letztere für ein latentes Konfliktpotential sorgt, da sie eigenständig im Fall ermittelt. Die Handlung des Thrillers ist recht rasant; die Taktung der Morde ist hoch, wodurch sich eine schöne Spannungskurve ergibt. Zudem finden sich zwei überraschende Wendungen im Thriller - eine mittig, eine am Ende -, die für zusätzliche Spannung sorgen. Setting der Handlung ist ein klirrend kalter März, der insbesondere im fulminanten letzten Akt atmosphärisch zu seiner vollen Geltung kommt. Ein Thema, das in “Rachewinter” eine wichtige Rolle spielt, ist diese Transsexualität: Diesem Thema nähert sich Gruber bedacht und auf Augenhöhe, allerdings wirken einzelne Fragen, die manche Protagonist*innen zum Thema stellen, aus heutiger Perspektive “angestaubt” (Der Thriller erschien bereits 2018; die Fragen wurden vermutlich genutzt, um das Thema “Transsexualität” der Leserschaft näher zu bringen). Der Schreibstil von Andreas Gruber ist sehr anschaulich, lebendig und flüssig zu lesen, sodass der Thriller trotz seiner knapp 600 Seiten kurzweilig ist. Allein das Finale kam mir eine Spur zu lang vor, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Insgesamt ist “Rachewinter” ein spannender dritter Teil mit einem interessanten Fall, aber auch kleineren Längen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere