Platzhalter für Profilbild

Emacado

Lesejury-Mitglied
offline

Emacado ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Emacado über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.05.2026

Einsamkeit auf der Insel

John of John
0

Mit Shuggie Bain und Young Mungo hat Douglas Stuart die Messlatte für mich extrem hoch gelegt – beide Bücher haben mich auf Englisch vollkommen mitgerissen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an ...

Mit Shuggie Bain und Young Mungo hat Douglas Stuart die Messlatte für mich extrem hoch gelegt – beide Bücher haben mich auf Englisch vollkommen mitgerissen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an John of John, die am Ende leider eher enttäuscht wurden.

Vor allem der Einstieg zieht sich sehr. Cal kehrt nach einem Anruf seines Vaters auf die Insel zurück, von der er stammt, und lebt dort gemeinsam mit seinem Vater John und seiner Großmutter, der Mutter seiner verstorbenen Mutter. Die Atmosphäre der Insel ist dabei zwar dicht und bedrückend beschrieben, gleichzeitig hatte ich aber lange das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt.

Interessant fand ich vor allem die Dynamik zwischen den Figuren. Die Beziehungen auf der Insel sind stark verwoben, jeder scheint eigene Geheimnisse zu haben und vor allem die eigenen Interessen zu verfolgen. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht. Besonders tragisch ist die Beziehung zwischen Cal und seinem Vater: Beide können über vieles nicht sprechen, wodurch auch Homosexualität ein unausgesprochenes Tabuthema bleibt. Diese Sprachlosigkeit gehört definitiv zu den stärkeren Aspekten des Romans.

Trotzdem wirkten einige Handlungsstränge auf mich seltsam oder nicht ausreichend ausgearbeitet. Der Briefkontakt, den Cal aufbaut, erschien mir teilweise eher merkwürdig, ohne dass daraus wirklich etwas Tiefgründiges entstanden wäre. Auch die Beziehung zu seinem Jugendfreund hätte deutlich mehr Raum verdient, weil dort eigentlich viel emotionales Potenzial gelegen hätte.

Was mich letztendlich doch noch überzeugt hat, war das Ende. Dort schafft Douglas Stuart es endlich, die emotionale Intensität zu entfalten, die ich mir über weite Strecken des Buches gewünscht hätte. Insgesamt ist John of John für mich trotzdem ein gutes Buch – atmosphärisch stark und mit interessanten Figuren –, aber im Vergleich zu Shuggie Bain und Young Mungo bleibt es deutlich weniger eindrucksvoll. Rückwirkend hätte ich aber auch lieber die englische Originalversion gelesen.

Gesamt: 3,5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2026

Eine Reise mit Hindernissen

Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello
0

Der Roman begleitet Lena, die mit ihrem Bulli „Berta“ nach Italien aufbricht, um ihrem Alltag zu entfliehen – doch eine Panne zwingt sie, ihre Pläne loszulassen und sich auf eine unerwartete innere Reise ...

Der Roman begleitet Lena, die mit ihrem Bulli „Berta“ nach Italien aufbricht, um ihrem Alltag zu entfliehen – doch eine Panne zwingt sie, ihre Pläne loszulassen und sich auf eine unerwartete innere Reise einzulassen.


Leicht und flüssig geschrieben, versprüht das Buch sommerliche Urlaubsstimmung und eignet sich gut als entspannte Lektüre. Inhaltlich steht weniger die Handlung als vielmehr die Selbstreflexion im Fokus: Affirmationen und innere Dialoge machen Lenas Gedankenwelt greifbar und geben dem Buch eine klare Coaching-Note. Für mich persönlich war das etwas zu viel.


Die Geschichte selbst bleibt dabei eher schlicht und vorhersehbar. Wer jedoch einen inspirierenden, unkomplizierten Roman mit persönlichem Mehrwert sucht, wird hier fündig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein wichtiger Roman mit gemischtem Eindruck

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1)
0

Triggerwarnung: Essstörung

Die Geschichte von Mila ist alles andere als leicht: Durch einen plötzlichen Umzug verliert sie den Kontakt zu ihren engsten Freunden, während ihre Eltern selbst mit eigenen ...

Triggerwarnung: Essstörung

Die Geschichte von Mila ist alles andere als leicht: Durch einen plötzlichen Umzug verliert sie den Kontakt zu ihren engsten Freunden, während ihre Eltern selbst mit eigenen Problemen beschäftigt sind und kaum für sie da sind. In dieser Einsamkeit rutscht Mila immer tiefer in eine Essstörung.

Der Schreibstil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Besonders die wechselnden Erzählperspektiven sind gelungen und geben einen intensiven Einblick in die Gedankenwelt der Figuren. Die Autorin schafft es eindrucksvoll, auf das Thema Essstörungen aufmerksam zu machen und schildert sehr detailliert, welche Gedankengänge Betroffene haben könnten – das wirkt authentisch und berührend.

Kritisch sehe ich allerdings die Liebesgeschichte: Mila verliebt sich in einen Mitarbeiter. Nicolas wird zwar als sehr lieb und einfühlsam dargestellt, dennoch wirkt diese Beziehung auf mich unprofessionell und teilweise unpassend. Gerade in einer so verletzlichen Situation könnte eine solche Dynamik problematisch sein und birgt aus meiner Sicht ein gewisses Risiko, da junge Menschen ausgenutzt werden könnten.

Außerdem hat mir das offene Ende nicht gefallen. Zwar ist es offensichtlich als Cliffhanger für den zweiten Teil gedacht, dennoch hat es bei mir eher Frust als Spannung ausgelöst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Unterhaltsamer Krimi - am Ende etwas unrealistisch

39 Grad Mord
0

In 39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen geht es um die Krimiautorin Hannah, die dringend Inspiration für ihr nächstes Buch braucht. Ihr Lektor schickt sie deshalb nach Sizilien, damit sie dort neue Ideen ...

In 39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen geht es um die Krimiautorin Hannah, die dringend Inspiration für ihr nächstes Buch braucht. Ihr Lektor schickt sie deshalb nach Sizilien, damit sie dort neue Ideen sammeln kann. Doch statt in Ruhe schreiben zu können, gerät Hannah schon nach kurzer Zeit mitten in einen echten Mordfall: Während sie als Gast in einem Haus wohnt, wird die Gastgeberin ermordet. Plötzlich stehen sowohl Hannah als auch der Ehemann der Toten, Hans, unter Verdacht.

Um ihre eigene Unschuld zu beweisen, beginnt Hannah selbst zu ermitteln. Gleichzeitig hofft sie, aus den Ereignissen auch Inspiration für ihren nächsten Krimi zu gewinnen.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass sich die Geschichte leicht lesen lässt. Besonders gut fand ich, dass der Roman nicht nur spannend, sondern stellenweise auch sehr lustig ist. Diese Mischung aus Krimi und Humor macht das Buch unterhaltsam und sorgt dafür, dass man weiterlesen möchte.

Allerdings fand ich die Handlung gegen Ende etwas unrealistisch. Vor allem eine Szene, in der Hannah mit einem angeschossenen Bein dem Täter hinterherjagt, wirkte auf mich wenig glaubwürdig. Dadurch hat das Ende für mich etwas an Spannung verloren.

Trotzdem ist 39 Grad Mord ein unterhaltsamer Krimi, der sich gut und schnell lesen lässt. Wer Krimis mit einer sommerlichen Kulisse mag, könnte an diesem Buch Spaß haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2026

Die zweite Hälfte hat mich leider nicht überzeugt

Mit anderen Augen
0

„Mit anderen Augen“ ist sprachlich wirklich stark geschrieben und hat mich vor allem mit seiner Thematik sofort abgeholt. Die Unsichtbarkeit von Frauen wird spannend und eindringlich dargestellt, ohne ...

„Mit anderen Augen“ ist sprachlich wirklich stark geschrieben und hat mich vor allem mit seiner Thematik sofort abgeholt. Die Unsichtbarkeit von Frauen wird spannend und eindringlich dargestellt, ohne platt zu wirken – gerade die erste Hälfte des Buches fand ich deshalb richtig überzeugend.

Leider hat das Buch für mich danach stark nachgelassen. Besonders der Aufenthalt im Meditationszentrum und die daraus entstehenden angeblich lebensverändernden Erkenntnisse über das eigene Leben wirkten auf mich zu konstruiert. Das Ende war mir insgesamt zu glatt, zu viel Friede-Freude-Eierkuchen, und teilweise schon fast esoterisch angehaucht.

Schade, denn die Grundidee und der Schreibstil hätten für mich das Potenzial für ein echtes Highlight gehabt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere