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Veröffentlicht am 09.07.2023

Den bock zum Gärtner machen

Elbe Hafen Bulle
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Eigentlich könnte Gerd endlich seinen Ruhestand genießen, doch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Einmal Bulle immer Bulle. Und da wird aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit am Hafen doch mal schnell ...

Eigentlich könnte Gerd endlich seinen Ruhestand genießen, doch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Einmal Bulle immer Bulle. Und da wird aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit am Hafen doch mal schnell eine Ermittlung im Rauschgiftmilieu. Seine ehemaligen Kollegen nehmen ihm seine Einmischung jedoch nicht krumm. Ganz im Gegenteil, sie haben auch gleich Lunte gerochen und die Fährte aufgenommen. Gerds Frau ist jedoch wenig begeistert von seinem Tatendrang. Wollte sie sich doch zusammen mit Gerd um die kleine Emilia kümmern, dessen Vater im Gefängnis sitzt. Doch auch sie muss feststellen, Gerd kann einfach nicht anders. Besonders gut hat mir in diesem Kriminalroman gefallen, dass er ohne Leiche auskommt. Das hier ein Insider am Werk war kann man deutlich spüren. Wohl durchdachte Polizeieinsätze, passendes Vokabular und trotz allem nicht langweilig. Zwischenzeitlich hatte ich doch das Gefühl wie eine Praktikantin mit der Polizei zusammen auf Verbrecherjagd zu sein. Sehr gut hat mir auch das Setting gefallen. Hamburg ist einfach eine tolle Stadt. Ich war vor kurzer Zeit das erste Mal dort und ganz begeistert. Umso mehr habe ich mich gefreut die neu entdeckten Orte hier wiederzufinden. Was mir persönlich etwas gefehlt hat, war das Rätseln nach den Tätern, dass ich an Krimis so liebe. Dafür konnte ich interessante und liebenswerte Charaktere kennenlernen und würde mich sehr freuen noch weitere Fälle mit ihnen erleben zu dürfen.

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Veröffentlicht am 16.05.2023

Wenn der Morgen graut

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Der Morgen beginnt mit einer Leiche. Und das mitten auf dem Großen Stern in Berlin. Es ist der erste Fall für die junge und ehrgeizige Kommissar-Anwärterin Nele Tschaikowski. Doch dann wird auf der entblößten ...

Der Morgen beginnt mit einer Leiche. Und das mitten auf dem Großen Stern in Berlin. Es ist der erste Fall für die junge und ehrgeizige Kommissar-Anwärterin Nele Tschaikowski. Doch dann wird auf der entblößten Frauenleiche die Adresse des Bundeskanzlers entdeckt, die dort mit Farbe auf ihren Bauch geschrieben steht. Eindeutig nichts für Anfänger. Und so wird der erfahrene Ermittler Artur Mayer hinzugezogen. Dem ist nicht ganz klar, wie es dazu kommt, denn eigentlich ist er bei der Polizeiführungsriege gerade in Ungnade gefallen. Für Spannung und Tempo sorgen die Perspektivwechsel. Neben dem winterlichen Berlin der Gegenwart wird uns auch eine Geschichte des sommerlichen Berlins der Vergangenheit erzählt. Hier steht eine Gruppe Jugendlicher im Fokus. Eine Clique und ein Junge der unbedingt dazugehören will. Schnell wird klar, dass es hier eine Verbindung gibt. Das Buch ist der Auftakt zur neuen Thrillerreihe von Marc Raabe. Nach der Babylon-Reihe war ich total gespannt auf das neue Buch. Die Figuren Nele und Artur gefallen mir sehr gut und scheinen sehr viel Potenzial für weitere Storys zu haben. Bis zur Mitte des Buches konnte ich kaum von Selbigem lassen, hab mitgerätselt und ermittelt. Für meinen Geschmack wurde es dann in der zweiten Hälfte etwas langsam und vollgepackt. Der Dramatik zum Ende hin tat das jedoch keinen Abbruch. Das Buch ist auf jeden Fall ein würdiger Babylon-Nachfolger.

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Veröffentlicht am 12.02.2023

Finde deine Wurzeln

Die sieben Schwestern
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In einem herrlichen Anwesen am Genfer See lebte ein geheimnisvoller Mann der nach und nach Mädchen aus allen Teilen der Welt adoptierte und ihnen ein wunderbares Zuhause gab. So lebten bald sechs eng verbundene ...

In einem herrlichen Anwesen am Genfer See lebte ein geheimnisvoller Mann der nach und nach Mädchen aus allen Teilen der Welt adoptierte und ihnen ein wunderbares Zuhause gab. So lebten bald sechs eng verbundene Adoptivschwestern unter einem Dach, benannt nach dem Himmelsgestirn der Plejaden (oder auch sieben Schwestern). Nach dem Tod ihres Adoptivvaters hinterlässt er den jungen Frauen ihre eigene ganz persönliche Geschichte und ermuntert sie, ihre Wurzeln zu entdecken. In diesem ersten Band geht es um die introvertierte Maia. Sie reist nach Brasilien, um dort mehr über ihre Vergangenheit und die ihrer leiblichen Familie zu erfahren.
Die Geschichte ist wirklich wunderbar erzählt. Die Charaktere sind facettenreich und interessant. Und besonders die Entdeckung des mir fremden Landes empfand ich als besonders reizvoll. Natürlich kommt hier die Liebe nicht zu kurz. Doch auch diese Geschichte empfand ich als wohl durchdacht und lebensnah. Zu beginnt hatten mich die Wechsel zwischen dem Handlungsstrang der Gegenwart und dem der Vergangenheit etwas aus dem Lesefluss gerissen. Ich denke es ist wichtig, dass man dieses Buch in zügigem Tempo lies. Ansonsten könnte man den Anschluss verlieren. Für mich war das Buch ein Seelenwärmer im grauen Februar und zu einer Zeit in der man schöne Geschichten unbedingt vertragen kann. Ich habe nun so richtig Lust die weiteren Romane dieser Reihe zu lesen.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Raffinierter Spionagethriller

Codename Herzstoß
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In den 80er Jahren war ich noch ein Kind, aber selbst mir ist das schreckliche Unglück von Rammstein noch in Erinnerung. Ich habe noch die Worte der Erwachsenen im Ohr und die Bilder aus den Nachrichten ...

In den 80er Jahren war ich noch ein Kind, aber selbst mir ist das schreckliche Unglück von Rammstein noch in Erinnerung. Ich habe noch die Worte der Erwachsenen im Ohr und die Bilder aus den Nachrichten im Kopf. Toni Garber hat in Anlehnung an diese Ereignisse eine spannende Geschichte geschrieben. Im Vordergrund steht der Kriminalkommissar Max und seine Mutter Theresa, die Verbindungen zum Geheimdienst hat. Sie suchen nach einer verschwundenen Agentin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Ihre Suche führt sie in die DDR, wo sie Bekanntschaft mit einen prominenten und unliebsamen KGB-Mitarbeiter machen. Es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd mit viel Spannung und Tempo quer durch Ost- und West-Deutschland. Ich fand die Einbindung der historischen Ereignisse sehr gelungen und die darum gesponnene Geschichte glaubwürdig. Auch das Eintauchen in die 80er Jahre hat mir viel Spaß gemacht. Die Figuren waren facettenreich und die Settings sehr bildhaft und gut beschrieben. Ein gelungener Spionagethriller mit Potenzial zur Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Still und nachhaltig

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. ...

Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. Sein Tattoo, das Erkennungszeichen, hat er sich, nie entfernen lassen. Aber um seine Geschichte herrscht großes Schweigen. Die Autorin besucht den Ort, an dem er stationiert war, versucht sich in sein damaliges Leben einzufühlen. Reist dann zu ihrer Schwester nach Italien und trifft auch dort auf die Schatten der düsteren Vergangenheit. Wir kennen sehr viele Geschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Doch hauptsächlich die der Opfer. Um die Geschichten der Täter ist es sehr still geworden. Und dennoch sind sie ja da. Die Täter leben in unseren Familien oder in den Erinnerungen unserer Familienmitglieder. Aber um die Schuld und die Taten ist es ganz still geworden. Doch was geht tief in einem Menschen vor, der dazugehörte? Ohne dem Buch hier vorzugreifen, auch die Autorin wird in diese Stille getaucht. Und gerade durch diese Geschichte, die nicht erzählt wird, wurde mir erst bewusst, wie mächtig und elementar dieses Schweigen noch immer ist. Ich liebe die Romane von Judith Hermann seit meiner Schulzeit. Aber es waren nie Geschichten, die sofort beim Lesen eine starke Wirkung auf mich hatten. Vielmehr setzte sich alles eher langsam in mir, lies mich nicht mehr los, brachte mich zum Nachdenken und wirkte so anhaltend. So ist es auch mit diesem Buch. Still und nachhaltig.

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