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Karolina_Hruskova

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Intensität trotz Sprachlosigkeit

Moosland
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»Moosland« wirkte auf mich zuerst unscheinbar. Das Cover strahlt Ruhe und Frieden aus, aber unter der Oberfläche steckte so viel mehr.

Katrin Zipse rahmt ihre Handlung in einen historischen Kontext und ...

»Moosland« wirkte auf mich zuerst unscheinbar. Das Cover strahlt Ruhe und Frieden aus, aber unter der Oberfläche steckte so viel mehr.

Katrin Zipse rahmt ihre Handlung in einen historischen Kontext und setzt dabei die Sprachlosigkeit als zentrales Element ein. Elsa, die von Deutschland nach Island reist, kommt dort ohne Sprachkenntnisse an. Sie versteht die Familie nicht, in der sie unterkommt, gleichzeitig hat sie aber auch gar keine Worte mehr übrig nach dem Krieg. Diese Sprachlosigkeit in ihrer ganzen Wirkung zieht sich durch den gesamten Roman; erst zum Schluss hin wird zu beidem wieder gefunden.

Um die Leere an Worten auszugleichen, wird das Leben auf dem Bauernhof und die Natur detailliert betrachtet. Elsa lernt ihr neues Leben kennen, die Fremde um sich, kann die Distanz dazu erst nicht überwinden. Zaghaft, Schritt für Schritt, findet sie sich dann doch, lernt, beobachtet, und nimmt ihren Platz ein. Ich habe diesen Weg, die Entwicklungen, die feinen Beobachtungen und Erzählungen so sehr genossen. Ich wurde von der rauen Landschaft verzaubert, völlig vereinnahmt, und habe eine extrem ruhige, aber auch tiefe Auszeit bekommen. Gedanklich konnte ich voll und ganz eintauchen, habe die Geschichte mich einhüllen lassen. Katrin Zipse erschafft in »Moosland« mit leisen Worten eine intensive, dichte Atmosphäre, die mich verschlungen und nicht wieder ausgespuckt hat.

Am liebsten möchte ich stundenlang darüber reden, wie begeistert ich schon nach den ersten Seiten war und bis zum Ende geblieben bin. Das Setting, die Zeit, die Sprache, die Handlung, das Tempo, die Figuren - alles war so gut und trotz (oder auch wegen) der Sprachlosigkeit mit so viel Intensität. Selbst meine Rezension scheint dem Roman nicht gerecht zu werden, daher zum Schluss ein einfaches: Bravo!

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Morbide Faszination

Das Beste sind die Augen
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Ich wusste echt überhaupt nicht, auf was ich mich da einlasse: eine Ekelgeschichte? Female rage und revenge? Eine Geschichte über Identität? Wut, Obsession? Horror?? Wie können so viele Themen auf 352 ...

Ich wusste echt überhaupt nicht, auf was ich mich da einlasse: eine Ekelgeschichte? Female rage und revenge? Eine Geschichte über Identität? Wut, Obsession? Horror?? Wie können so viele Themen auf 352 Seiten Platz finden?

»Das Beste sind die Augen« macht extrem neugierig und enttäuscht letztendlich kein bisschen. Ji-Won wirkt am Anfang erst unscheinbar, sogar etwas überfordert mit der Situation, in der sie sich plötzlich befindet: die Eltern getrennt, und der neue Freund ihrer Mutter ist unausstehlich. Er ist der Inbegriff des yellow fever, fetischiert Ji-Won und ihre Teenager- Schwester, und ist respektlos ihrer koreanischen Kultur gegenüber. Ein bisschen Wut habe ich aber auch auf die Mutter gehabt, die sich mit verschlossenen Augen sehr schnell (emotional) von so einem Mann abhängig gemacht hat.

Monika Kim hat mich nicht nur mit den vielen verschiedenen Themen ans Buch gefesselt, sondern auch mit ihren sehr kurzen Kapiteln. Dabei beschränkte sie sich auf das Wesentliche; Platz für ausschweifende Details oder Nebengeschichten wurde wenig eingeräumt. Und genau davon lebt der Roman. Ji-Won verliert sich zunehmend, verstrickt sich in Obsessionen, lauert, beobachtet, manipuliert - bis sie sich nicht mehr zurückhalten kann. Ihre Gedanken waren ambivalent, wirr, aber trotzdem auf ihre Art verständlich.

Ja, ein zentrales Thema sind menschliche Augen, ja, Monika Kim wird hier teilweise sehr genau. Aber vielmehr hat das ein Gesamtbild ergeben, das so morbide und gleichzeitig faszinierend ist, dass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Wirklich alle Themen sind passgenau aufeinander abgestimmt, das eine greift in das andere, keines steht alleine. Alles fühlte sich stimmig und durchdacht an und hat aus »Das Beste sind die Augen« einen echten Lesegenuss gemacht, der mir noch lange im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Lexi & Sterling: Volltreffer

Kings of Cypress Pointe - Tangled Lies
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Ich liebe, liebe, liebe den Teil der Spin-Off-Reihe! Joss und Dane konnten mich im Teil vorher leider nicht zu 100 % überzeugen, aber Lexi und Sterling? Volltreffer!

Der Prolog hat mich voll abgeholt. ...

Ich liebe, liebe, liebe den Teil der Spin-Off-Reihe! Joss und Dane konnten mich im Teil vorher leider nicht zu 100 % überzeugen, aber Lexi und Sterling? Volltreffer!

Der Prolog hat mich voll abgeholt. Ich erinnere mich an keinen Roman, der so ausdrucksstark begonnen und die Verhältnisse so klar definiert hat wie in »Tangled Lies«. Der Einstieg in die eigentliche Geschichte hat im Vergleich dann kurz gedauert, aber schon bald war ich voll im game. Lexi fand ich stellenweise etwas barsch, aber im Kontext ihrer bisherigen Erfahrungen auch nachvollziehbar. Gefallen hat mir, dass sie nicht darüber definiert wurde. Sterling hat mich krass überrascht. Anfangs noch mit dem Ruf des Fuckboys, hat er bei Lexi eine 180-Grad-Wendung hingelegt. Ich habe ihn oft als green flag wahrgenommen und als jemanden mit großem Herz.

Fake Dating mag ich generell sehr, aber hier war es besonders. Das Knistern und die Spannung zwischen Lexi und Sterling war von Anfang an greifbar, natürlich und ohne endlose Dramen oder miscommunication (das schätze ich mittlerweile sehr). Ich mochte ihren Umgang miteinander und auch wie ernste Themen integriert wurden. Und excuse me, aber nur wegen Benny, Lexis Stiefvater, hat der Teil für mich eigentlich schon gewonnen. <3

Kurzum: große Empfehlung meinerseits. Ich habe gelacht, geschmunzelt und wurde von Anfang bis zum Ende gut unterhalten. Jetzt gilt es: Kann der nächste Band mithalten? Ich bin sehr gespannt!

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Fühlt sich an wie ein warmer Sonnenstrahl im Herbst

Katzentage
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»Katzentage« ist für mich das perfekte Buch für den Herbst. Trotz seiner Kürze hat es Ewald Arenz mit seinen Worten geschafft mich zu verzaubern und in eine stimmungsvolle Atmosphäre einzuhüllen.

Paula ...

»Katzentage« ist für mich das perfekte Buch für den Herbst. Trotz seiner Kürze hat es Ewald Arenz mit seinen Worten geschafft mich zu verzaubern und in eine stimmungsvolle Atmosphäre einzuhüllen.

Paula und Peter stranden aufgrund eines Bahnstreiks ungeplant in Würzburg und entscheiden sich daraufhin, die Stadt sowie Umgebung zu erkunden. Ohne Ziel, die gewonnene Zeit nutzen, um sich einfach treiben zu lassen. Keine Verpflichtungen, keine Termine. Ewald Arenz nahm mich mit auf diesen kleinen Zwischenstopp, zeigte mir gemeinsam mit Paula und Peter wunderschöne Orte. Gespickt waren seine detaillierten Beschreibungen mit fast schon poetischen Gedanken. Liebevolle Neckereien zwischen Paula und Peter haben die Ernsthaftigkeit gemildert, wirkten sogar verspielt. Beide haben sehr offen miteinander kommuniziert und mir mit ihren Worten den Herbst in all seiner Pracht beschrieben.

Die Illustrationen von Florian Bayer haben mir gut gefallen und haben das Gesamtpaket einfach abgerundet. Auch er hat ausgewählte Szenen sehr atmosphärisch und modern eingefangen.

Ich habe mich in »Katzentage« ein kleines bisschen verliebt. Das wunderschöne Herbstwochenende war auf sanfte, nachdenkliche, aber auch lockere Art beschrieben, ich konnte mühelos eintauchen, die Stimmung genießen und viele, viele Gedanken für mich mitnehmen. Jede Seite hat sich wie ein warmer, goldener Sonnenstrahl angefühlt.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Spricht aus der Seele

Geht so
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»Geht so« ist oberflächlich eine Erzählung aus dem Alltag. Nett, ohne ausschweifende Handlung. Und ich liebe es! In erster Linie wegen der vielen feinen Beobachtungen und Gedanken zu ihrer Arbeit, die ...

»Geht so« ist oberflächlich eine Erzählung aus dem Alltag. Nett, ohne ausschweifende Handlung. Und ich liebe es! In erster Linie wegen der vielen feinen Beobachtungen und Gedanken zu ihrer Arbeit, die Marisa durchweg in einem Mix aus köstlichem und bitterbösen Humor äußert.

Und der Humor - nur alleine deshalb lohnt sich das Lesen schon! Sehr trocken, sehr direkt. Sarkasmus pur. Ungefähr auf Seite 20 war ich schon hin und weg. Marisa beobachtet ihr Umfeld, während sie "Büro spielt". Sie reflektiert sich und ihre Kollegen messerscharf und äußerst klug und ist dabei so grundauf ehrlich wie abgestumpft: Leider muss sie nämlich Geld verdienen, um sich ihren Lebensstandard aufrecht erhalten zu können. Mittlerweile ist sie im Management einer Madrider Werbeagentur gelandet, kann sich damit nicht identifizieren und hat keinen blassen Schimmer, wie das mit ihrer Arbeitsmoral eigentlich passieren konnte. Wenigstens kann sie nun endlich ihren Arbeitstag ungestört mit Youtube, Deligieren und Angstlösern, die sie wie Smarties einwirft, verbringen.

»Geht so« spricht aus der Seele. Sind wir nicht alle etwas wie Marisa? Genervt von den übereifrigen Kollegen, gelangweilt von Problemen, die eigentlich gar keine sind, und von Meetings, für die eine E-Mail gereicht hätte. In der Tiefe zeigt »Geht so« auch die Schattenseiten der Antriebslosigkeit, was passiert, wenn die Erfüllung fehlt. Wie das Wohlbefinden darunter leidet.

Jede einzelne Seite war wirklich purer Genuss. Ich hätte gerne mehr davon gehabt, mehr von Marisa, die mit ihrer gnadenlosen Ehrlichkeit stellenweise wie ein Spiegel sein kann. Und das Ende, jap, das war total überzogen und hat aber so, so gut zu Marisa gepasst. Wer den Roman nicht liest, ist selber schuld!

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