Platzhalter für Profilbild

aoibheann

Lesejury Profi
offline

aoibheann ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit aoibheann über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2022

Wenn das Leben auf den Kopf gestellt wird

Das Vorkommnis
0

Auf einer Lesung wird eine Frau, eine Autorin, von einer ihr fremden Frau angesprochen. Sie eröffnet ihr, dass sie den gleichen Vater haben. Noch am gleichen Abend trennen sich ihre Wege wieder, ohne das ...

Auf einer Lesung wird eine Frau, eine Autorin, von einer ihr fremden Frau angesprochen. Sie eröffnet ihr, dass sie den gleichen Vater haben. Noch am gleichen Abend trennen sich ihre Wege wieder, ohne das sie länger miteinander gesprochen haben. Diese Begegnung wird von der Protagonistin als "das Vorkommis" bezeichnet. Es ist ein Auslöser für ein sich drehendes Gedankenkarrussel. Jeder in der Familie hat eine eigene Meinung dazu, wie mit der veränderten Situation umzugehen ist. Jeder hat eine andere Strategie um das vor langer Zeit Geschehene für sich zu verarbeiten. Auch eine berufliche Reise in die USA stellt für die Protagonistin eher eine Flucht dar. Fliehen, Abstand bekommen, nicht daran denken müssen.

Die Protagonistin, ihre Kinder, ihre Familie - alle bleiben namenlos. Und für mich auch irgendwie konturlos. Es ist mir nicht gelungen, diesen Figuren für mich ein Gesicht zu geben. Sie werden auch eher abstrakt beschrieben, z.B. "das ältere Kind". So sehr auch über das vorliegende Gefühlschaos berichtet wird, in dem die Erzählerin sich befindet, so bleibt bei mir trotzdem eine gewisse Distanz erhalten. Ich habe das Gefühl, die Autorin möchte mir zwar ihre Geschichte erzählen, mich aber gleichzeitig trotzdem nicht zu nah an sich heranlassen.
Dabei ist das Erzählte alles andere als belanglos. Die Protagonistin lässt ihr Leben gedanklich Revue passieren und stellt dabei auch ihre familiären Beziehnungen auf den Prüfstand. Für meinen Geschmack schießt sie dabei in Bezug auf ihren Mann allerdings gewaltig übers Ziel hinaus.
Dabei schreibt sie einige sehr schöne und vor allem sehr kluge Sätze, die mich als Leser unwillkürlich inne halten lassen. Und darüber nachdenken lassen, wie es denn in der eigenen Familie so ist. Oder wir man selbst gehandelt bzw. gefühlt hätte.

Allerdings hatte ich im Verlauf das Buches das Gefühl, dass sich die Gedanken wiederholten und man sich im Kreis drehte. Manche Einwürfe aus ihrer Kindheit oder Begebenheiten aus ihrem Leben konnte ich nicht so recht in Zusammenhang mit den aktuellen Situation bringen. Wobei das auch daran liegen mag, dass ich um einiges jünger als die Autorin bin und mir schlicht und ergreifend die für das Verstehen notwendige Lebenserfahrung fehlt. Ein Umstand, für den die Autorin absolut nichts kann.

"Das Vorkommnis" bildet den Auftakt einer Trilogie. Ich hatte mir aber etwas anderes versprochen. Es ist ein gutes Buch. Tiefgründig und authentisch, subtil und nachdenklich machend. Aber es hat mich leider nicht restlos begeistern können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.05.2026

Konnte mich nicht überzeugen

Das Mosaik der Frauen
0

Mich konnte das Buch leider nicht so richtig überzeugen. Gefallen haben mir die Beschreibungen von Damaskus, über die Menschen, die Entwicklung Syriens und die persönlichen Herausforderungen der Menschen. ...

Mich konnte das Buch leider nicht so richtig überzeugen. Gefallen haben mir die Beschreibungen von Damaskus, über die Menschen, die Entwicklung Syriens und die persönlichen Herausforderungen der Menschen. Man bekommt einen recht authentischen Einblick in ein Land und seine doch sehr drastische Entwicklung, auf der Suche nach einer nationalen Identität. Diese Abschnitte waren interessant zu lesen, wenn sie auch oft nicht viel mehr eigentlichen Handlung zu tun haben.
Der Erzähler schweift immer wieder von seiner eigentlichen Erzählung ab, mal mehr und mal weniger weit. Manche der Anekdoten habe ich schlicht nicht verstanden bzw. habe ich nicht verstanden, wie sie zur restlichen Handlung passen. Flüchtige Bekanntschaften nehmen teilweise mehr Platz ein als die Geschichte der jeweiligen Frau, über die eigentlich grade erzählt wurde. Ich muss gestehen, dass mich das zunehmend genervt hat. Wann immer mal wieder der Satz fiel ähnlich wie „Da fällt mir ein...“ oder „Das erinnert mich an...“ habe ich wirklich mit den Augen gerollt. Für mich hat es den Lesefluss kaputt gemacht.
Der Stil ist leicht und einfach zugänglich. Was ich grundsätzlich als einen Pluspunkt empfinde. Es kippt aber auch und schrammt dann hart an der Schwülstigkeit vorbei. Vor allem dann, wenn Lebensweisheiten eingestreut werden, die sich dann für mich schon fast wie Kalendersprüche anhören.

Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, wirklich ein Mosaik aus Frauen in den Geschichten entdecken zu können. Es wird nur selten deutlich, was der Erzählung aus der jeweiligen Beziehung mitgenommen hat. Es wirkt auf mich konstruiert und nicht wie die Erkenntnisse eines langen und aufregenden Lebens. Letztlich habe ich mich doch ziemlich schwer getan das Buch zu beenden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Nett, aber für mich zu oberflächlich

Zeit für meine Träume
0

Ich tue mich hier ein bisschen schwer. Es ist im Prinzip eine Kurzgeschichte. Leicht geschrieben, hat durchaus einen gewissen Charme und Herzenswärme, eine kleine Feier der Freundschaft. Mich stört aber ...

Ich tue mich hier ein bisschen schwer. Es ist im Prinzip eine Kurzgeschichte. Leicht geschrieben, hat durchaus einen gewissen Charme und Herzenswärme, eine kleine Feier der Freundschaft. Mich stört aber sehr, wie stark oberflächlich alles gehalten ist. Die Hauptfigur hat nicht einmal einen Namen. Über jede Figur erfährt man nur das absolut Notwendigste, niemand hat in seinem Charakter unterschiedliche Facetten. Dabei hätte gerade das sehr hinreißende Senioren-Trio mehr Ausarbeitung verdient. Die Gesprächsthemen klingen teilweise wie eine Abhandlung gesellschaftlicher Reizpunkte. Dadurch klingen die Dialoge dann auch holprig und gestellt.
Ich möchte das Büchlein eigentlich gar nicht so negativ sehen, weil es irgendwie schon auch etwas schönes an sich hat, dass sich beim Lesen einfach nur gut anfühlt. Aber unterm Strich ist es mir einfach zu nichtssagend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2026

Ungewöhnlich, interessant, mit sehr speziellem Ton

Alma
0

Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, ...

Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, für mich schon an der Grenze zum depressiven. Es hat mich oft heruntergezogen und ich hatte immer nach wenigen Seiten das Gefühl, als würde mir beim Lesen jegliche Freude ausgesaugt werden. Ich empfand es daher auch als unglaublich anstrengend wieder in die Handlung reinzukommen, wenn ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt hatte.
Die Geschichte baut sich sehr langsam auf. Da musste ich dann wirklich auch durchhalten, bis die interessanten Abschnitte kommen. Und die gibt es glücklicherweise in dem Buch auch. Immer dann, wenn ein Stückchen mehr über Almas Beziehung zu ihrem Vater oder zu Vili und ihren Berufen enthüllt wird, entstehen da ganz tolle, fast schon philosophische Momente. Die Schilderung von Almas Gefühlen während der Balkankriege, weil sie emotional zwischen allen Stühlen hängt - das waren wirklich großartige Momente. Die Zerrissenheit ihrer Heimatstadt spiegelt sich auch in Alma und den Gefühlen gegenüber ihrer Familie wider. Immer zwischen den Welten wandelnd, nie irgendwo wirklich fest verwurzelt, immer die Wahrheit für sich selbst suchend.
Grundsätzlich mag ich Geschichten, die sich gemächlich entwickeln. Hier war es mir dann aber doch zu langsam. Da hätte ich mir etwas mehr Tempo in der Erzählung gewünscht, es fühlte sich häufig für mich an, als würde die Handlung auf der Stelle treten.

Es ist ein durchaus interessantes Buch. Keines, das man mal eben so nebenbei liest. Auf das man sich einlassen muss und dessen doch sehr spezieller Ton einem liegen muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2025

Hat mich nicht überzeugt

Die Insel meiner Schwester
0

Ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, denn es hat Punkte, die eine Geschichte grundsätzlich interessant für mich machen. Aber ich fand es ganz fürchterlich langweilig zu lesen.
Beide Frauen finde ich ...

Ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, denn es hat Punkte, die eine Geschichte grundsätzlich interessant für mich machen. Aber ich fand es ganz fürchterlich langweilig zu lesen.
Beide Frauen finde ich dazu noch nicht einmal sympathisch. Mirjam betreibt zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit eine unheimliche Nabelschau. Auch wenn die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, mir fehlt an vielen Stellen eine andere Sicht auf das Geschehen. Mirjams Ansicht ist die einzig richtige, ihre Handlungen die einzig logischen. Schon als Kind ist sie emotional von Nia in einer merkwürdigen Art abhängig, fühlt sich zurückgewiesen, wenn diese etwas mit anderen unternimmt. Dieses Muster zieht sich auch durch ihre Beziehungen als Erwachsene weiter.
Auch in Nias Beziehungen kristallisiert sich ein bestimmter Männer-Typ heraus. Noch eine Frau, die in eine Abhängigkeit gerät. Untereinander hat ihre Beziehung eine ziemlich ungesunde Dynamik.

Die Geburtstagsfeier auf der Insel hätte richtig gut werden können. Mir fehlt es dort vor allem an Spannung und Dynamik. Die Figuren agieren ganz merkwürdig miteinander, die Dialoge wirken aufgesetzt und künstlich. Und immer dann, wenn dann doch mal so etwas wie ein wenig Schwung in die Geschichte kommt, gibt es eine Rückblende und einen langen Monolog von Mirjam über die gemeinsame Vergangenheit mit Nia. Da war der Lesefluss dann wieder weg und die Rückblicke empfand ich als so zäh und langweilig, dass ich mich wirklich durchgekämpft habe. Dieses Abschweifen zu unwichtigen Details, die absolut gar nichts für die Handlung tun, hat mich so sehr genervt.

Vielleicht wurde hier etwas viel gewollt. Es wirkt auf mich, als ob hier eine möglichst psychologische Handlung aufgebaut werden sollte. Auf mich wirkte das zu sehr gewollt, dafür haben mir die unterhaltenden Aspekte zu sehr gefehlt. Am Ende hat es schlicht keinen Spaß gemacht das Buch zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere