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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2024

Überspitzt aber dennoch unterhaltsam

Miss Merkel: Mord auf hoher See
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Die begeisterte Krimi-Leserin und Hobby-Detektivin Angela Merkel begibt sich mit Hund Achim und Mops Pupsi auf eine Krimi-Kreuzfahrt. Die Reise beginnt bereits turbulent, denn beinahe hätte die Reisegruppe, ...

Die begeisterte Krimi-Leserin und Hobby-Detektivin Angela Merkel begibt sich mit Hund Achim und Mops Pupsi auf eine Krimi-Kreuzfahrt. Die Reise beginnt bereits turbulent, denn beinahe hätte die Reisegruppe, aufgrund der Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn die Abfahrt des Schiffes verpasst. Dieser und weitere Seitenhiebe auf meist vergangene aber auch aktuelle politische Ereignisse haben mich wieder gut unterhalten. Als an Bord der Star-Autor Florian Watzkek ermordet wird, ist Frau Merkel entsetzt aber auch voller Tatendrang den Täter oder die Täterin zu entlarven. Wenn jemand den perfekten Mord begehen kann, dann doch sicherlich Krimi-Autor*innen?

Das, was ich in den ersten zwei Bänden noch als schmeichlerische Darstellung bezeichnet habe, empfinde ich in dieser Geschichte als überspitzt und manchmal beinahe karrikativ dargestellt. Ja, der Humor ist unterhaltsam, aber manchmal ist weniger mehr. Zwischenzeitlich gab es mir zu viele Verdächtige, sodass ich kurz den Überblick verloren habe. Trotz der Kritik habe ich mich von dieser kurzweiligen Lektüre wieder super unterhalten gefühlt und viel geschmunzelt. Der zweite Handlungsstrang um Personenschützer Mike und Freundin Marie hat mir sehr gut gefallen, die beiden sind ganz klare Sympathieträger. Womöglich war der Handlungsort Kreuzfahrtschiff nicht perfekt gewählt, aber die Detektivin Miss Merkel hat es definitiv drauf! Wie sie am Ende den Fall in Miss-Marple-Manier auflöst, war wieder spannend zu lesen.

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Veröffentlicht am 20.11.2022

Eine Frau mit vielen Gesichtern

Ein Abend mit Marilyn
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Am Abend des 31. Mai 1962 sitzen mehrere Gäste in einer Bar in New York und warten auf das Geburtstagskind; niemand geringerer als Marilyn Monroe. Doch die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit lässt auf ...

Am Abend des 31. Mai 1962 sitzen mehrere Gäste in einer Bar in New York und warten auf das Geburtstagskind; niemand geringerer als Marilyn Monroe. Doch die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit lässt auf sich warten und so schwelgen Billy Wilder, Laurence Olivier und die anderen Anwesenden in Erinnerungen. Marilyn Monroe, mit bürgerlichen Namen Norma Jeane Baker, wurde wenige Tage nach ihrer Geburt in eine Pflegefamilie gegeben. Neben immer wechselnden Ersatzmüttern, wuchs sie zeitweise auch im Waisenhaus auf. Die Angst zu versagen war ihr stetiger Begleiter und prägte ihr ereignisreiches und viel zu kurzes Leben. Die Kunstfigur Marilyn scheint mit Norma Jeane nichts gemeinsam zu haben, außer dem Bewusstsein für ihre körperlichen Reize und ihre Wirkung auf Männer. In der (Alb-)Traumfabrik Hollywood zählte nicht, dass Marilyn eine ernstzunehmende Schauspielerin sein wollte, sondern nur ihr Äußeres. All das wird etwas blass und leider mit wenig Emotionen beschrieben. In der Öffentlichkeit war Marilyn ein Star, doch wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlte, wurde sie zum Nervenbündel und schließlich abhängig von Medikamenten. Trotz der verschiedenen Schilderungen ihres Charakters hätte ich mir vor allem hier mehr Tiefe gewünscht. Dieser Roman zeigt Marilyn Monroe von einer Seite, die Hollywood und die Öffentlichkeit vermutlich nie gesehen haben oder nicht sehen wollten. Mich konnte er leider nur bedingt überzeugen.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Drei sind eine zu viel

Spielverderberin
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Sophie und Lotte waren fast über die gesamte Schulzeit eng miteinander befreundet. Sie leben auf dem Land und lieben das Dorfleben. Dann taucht Romy auf, ihre Familie stammt aus München, sie ist ganz anders ...

Sophie und Lotte waren fast über die gesamte Schulzeit eng miteinander befreundet. Sie leben auf dem Land und lieben das Dorfleben. Dann taucht Romy auf, ihre Familie stammt aus München, sie ist ganz anders als die beiden und drängt sich in diese Freundschaft.

Die Geschichte beginnt beim Wiedersehen der drei nach längerer Funkstille und springt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Erzählt wird aus Sophies Perspektive. Ihre Unsicherheit und innere Zerrissenheit sind spürbar.

Ich fand die Erzählweise grundsätzlich authentisch, auch wenn sie mir das Lesen nicht immer leicht gemacht hat. Gerade zu Beginn neuer Kapitel war für mich nicht immer sofort klar, in welcher Zeit und in welchem Umfeld wir uns gerade befinden. Gleichzeitig passt diese fragmentarische Struktur gut zur Geschichte, denn vieles bleibt unausgesprochen, angedeutet oder bewusst offen. Selbstzweifel, Schuld, Eifersucht, Zugehörigkeit und das ständige Vergleichen mit anderen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman und trotzdem ist es kein typischer Coming-of-Age Roman, finde ich.

Besonders Sophie wirkt auf mich als Figur sehr unsicher. Sie orientiert sich stark an anderen und scheint ihren eigenen Weg noch nicht gefunden zu haben. Das ist einerseits glaubwürdig erzählt, hat andererseits aber auch dazu geführt, dass ich emotional eher auf Distanz geblieben bin. Das trifft auch auf die anderen Figuren zu.

Der Roman lebt von Stimmungen, Erinnerungen und zwischenmenschlichen Dynamiken. Das langsame Enthüllen eines dunklen Ereignisses aus der Vergangenheit sorgt für Spannung, auch wenn der große Knall am Ende für mich eher verhalten ausgefallen ist. Insgesamt ist dieses Debüt eine ruhige, psychologisch angelegte Geschichte über Freundschaft und ihre Schattenseiten, das bewusst keine einfachen Antworten liefert.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Kreative Idee, aber eine Umsetzung mit Schwächen

The Nightmare Before Kissmas
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Coal, der Prinz von Weihnachten, soll Iris, die Prinzessin von Ostern, heiraten, um die Feiertage politisch enger zu verbinden. Das Problem: Coal ist in Hex verliebt, den geheimnisvollen Prinzen von Halloween, ...

Coal, der Prinz von Weihnachten, soll Iris, die Prinzessin von Ostern, heiraten, um die Feiertage politisch enger zu verbinden. Das Problem: Coal ist in Hex verliebt, den geheimnisvollen Prinzen von Halloween, mit dem er ein Jahr zuvor einen einzigen, aber unvergesslichen Kuss geteilt hat.

Ich fand die Grundidee richtig kreativ: Feiertage als Königshäuser, die von Freude leben, und eine queere Romance mittendrin. Hex war für mich auch direkt ein Highlight. Seine Beschreibung als Tom-Hiddleston-Loki-Abbild hat mich natürlich sofort begeistert.

Mit Coal dagegen hatte ich über das gesamte Buch hinweg Schwierigkeiten. Ich bin einfach nicht richtig an ihn herangekommen, und wenn einem die Hauptfigur nicht sympathisch ist, färbt das leider auf die ganze Geschichte ab. Auch der Humor hat für mich nicht immer funktioniert. Vieles fühlte sich zu sehr nach New Adult an und da merke ich, dass ich inzwischen scheinbar ein Stück aus der Zielgruppe herausgewachsen bin.

Was mir hingegen extrem gut gefallen hat, war die gesellschaftskritische Ebene. Santa als machtbesessener Patriarch, der Weihnachten wie ein Unternehmen führt und Freude als Ressource nutzt, fand ich richtig stark umgesetzt. Die Kapitalismus- und Konsumkritik war clever eingebaut und hat der Handlung zumindest etwas Tiefe gegeben.

Am Ende muss ich aber sagen, dass die Idee deutlich stärker war als ihre Umsetzung. Das Setting ist spannend, ein paar Charaktere konnten mich begeistern, aber es gibt auch einige Längen in der Handlung und vom Gesamtbild habe ich mehr erwartet. Wer nach einer kurzweiligen queeren Romance sucht, könnte aber durchaus auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Sommerlektüre für zwischendurch

Summer in the City
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Elle reist für mehrere Monate nach New York, um an einem wichtigten Drehbuch zu schreiben. Doch sie steckt in einer hartnäckigen Schreibblockade und die Deadline rückt immer näher. Als ihr Nachbar sich ...

Elle reist für mehrere Monate nach New York, um an einem wichtigten Drehbuch zu schreiben. Doch sie steckt in einer hartnäckigen Schreibblockade und die Deadline rückt immer näher. Als ihr Nachbar sich als Tech-Milliardär Parker Warren entpuppt und sie bittet, über den Sommer sein Fake-Date zu spielen, lässt sie sich auf den Deal ein. Im Gegenzug verspricht er ihr die nötige Inspiration für ihre romantische Komödie.
Der Einstieg hat mir richtig gut gefallen. Der humorvolle Schreibstil hat mich an Ali Hazelwood erinnert, und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Auch Elle mochte ich – sie ist eine Protagonistin, mit der sich viele identifizieren können dürften. Mit Parker hingegen wurde ich nicht so richtig warm. Klar, das Milliardärs-Trope war angekündigt, aber wie er mit Geld um sich wirft, um die Gunst anderer zu gewinnen, war mir oft einfach zu viel. Natürlich wäscht Elle ihm diesbezüglich auch mal ordentlich den Kopf, trotzdem gab es viele Szenen, die mir zu übertrieben und zu klischeehaft waren. Du hast nichts Passendes für den Gala-Abend? Kein Problem: Hier sind zwanzig Kleider und dreißig Paar Schuhe zur Auswahl. Das war mir dann doch etwas zu drüber - mein „Prinzessinnen-Traum“ ist das nicht. Auch New York als Schauplatz blieb leider etwas blass. Man streift zwar durch die Stadt, aber Bilder im Kopf hatte ich nicht. Insgesamt wirkte vieles leider recht austauschbar.
Ich möchte das Buch gar nicht schlechter machen, als es ist. Als leichte Sommerlektüre ohne große Erwartungen kann es durchaus unterhalten - vor allem, wenn man einfach ein bisschen abschalten und sich treiben lassen möchte. Wer aber nach Tiefe oder Authentizität sucht, wird hier wahrscheinlich nicht fündig.

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