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Veröffentlicht am 30.05.2018

atmosphärischer Schmöker

Die letzte Stunde
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1348 – in Südengland ist die Pest ausgebrochen. Der schwarze Tod rafft ganze Dörfer innerhalb weniger Tage dahin. Lady Anne hat in Abwesenheit ihres Mannes die Verantwortung für Gut Develish übernommen ...

1348 – in Südengland ist die Pest ausgebrochen. Der schwarze Tod rafft ganze Dörfer innerhalb weniger Tage dahin. Lady Anne hat in Abwesenheit ihres Mannes die Verantwortung für Gut Develish übernommen und schützt seine Bewohner nun mit allen Mitteln. Keiner darf die Burg betreten, niemand sie verlassen, damit die Krankheit nicht weiter um sich greift. Auch ihrem Mann, der von einer Reise zurückkehrt, verweigert Anne den Zutritt. Doch dann geschieht ein Mord innerhalb der Mauern und auch dort scheint es plötzlich nicht mehr sicher zu sein.
Die Autorin Minette Walters kannte ich bisher nur von ihren Krimis. Ein historischer Roman aus ihrer Feder hat mich dann doch sehr neugierig gemacht. Nicht zuletzt weil ich Romane aus dem alten England ohnehin besonders gerne lese.
Atmosphärisch ist diese Geschichte sehr gelungen. Das Düstere und Bedrohliche wird super vermittelt. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, sodass die Lage innerhalb und außerhalb der Burg beleuchtet wird. Einmal wäre da Lady Anne. Lange von ihrem Mann unterdrückt, die nun endlich Stärke zeigen kann und sehr besonnen und fortschrittlich mit der Krankheit umgeht. Auch dem Volk gegenüber zeigt sie sich als starke aber gerechte Frau. Doch sie muss sich immer wieder gegen Männer mit sehr mittelalterlichem Frauenbild, engstirnigen Gottesfürchtigen und nicht zuletzt gegen ihre Tochter zur Wehr setzten. Die Tochter Eleanor hat salopp gesagt einen an der Waffel. Ich habe selten so einen unsympathischen, fiesen und dummen Charakter erlebt. Sie tut der Geschichte gut, aber mich hat sie einfach tierisch genervt. Thaddeus – den neuen Verwalter, der ursprünglich nur ein Diener war, mochte ich sehr. Auch er setzt sich für die anderen ein, ist klug, mutig und ehrgeizig. Aus seiner Sicht erfährt der Leser, was außerhalb der Burg vor sich geht. Auffällig ist jedoch wirklich die schwarz - weiß Zeichnung der Charaktere.
Der Schreibstil ist für einen Krimi eher ruhig gehalten. Hin und wieder etwas altertümlich und gestelzt, was den Lesefluss möglicherweise ein bisschen verlangsamt, aber super zur der Zeit und Atmosphäre passt. Leider kommt es auf den 650 Seiten dann doch ein paarmal zu langatmigen Passagen, auf denen ich der Geschichte gerne einen kleinen Schubs gegeben hätte. Insgesamt jedoch ein toller historischer Schmöker. Ich bin gespannt was die Fortsetzung mit sich bringt.

Veröffentlicht am 21.02.2018

alte Story neu erzählt

Save Me
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Ruby Bell möchte nur eins: In Ruhe ihren Abschluss an der Eliteschule Maxton Hall machen, damit sie ihren größten Traum näher kommen kann - ein Studium in Oxford.
Doch eines Tages sieht sie etwas, dass ...

Ruby Bell möchte nur eins: In Ruhe ihren Abschluss an der Eliteschule Maxton Hall machen, damit sie ihren größten Traum näher kommen kann - ein Studium in Oxford.
Doch eines Tages sieht sie etwas, dass sie niemals hätte erfahren dürfen. James Beaufort, der reiche „König“ der Schule, der sie sonst niemals angesehen hätte, droht ihr den Weg nach Oxford zu verbauen…

Hach, es ist schon niedlich, wie Monika Kasten sich die zwei Helden annähern lässt. Ein bisschen wie bei Aschenputtel. Das Mädchen aus einfachen Verhältnissen, klug, verantwortungsbewusst, etwas streberhaft. Der Junge, beliebt, arrogant, und steinreich. Leider wirklich nichts Neues. Aber nett gemacht. Anfangs haben mich die vielen Klischees ein wenig gestört - alle reichen Kids scheinen oberflächlich und abwertend den anderen gegenüber zu sein. Aber nach und nach wird klar, dass auch unsere wohlhabenden Protagonisten ganz eigene Sorgen und Probleme haben, was sie dann doch ein ganzes Stück sympathischer macht. Ruby und James haben sehr unterschiedliche Charaktere, so entsteht das ein oder andere hitzige, manchmal humorvolle Wortgefecht, wenn die zwei auf einander treffen. Es hat Spaß gemacht zu lesen, wie die zwei sich weiterentwickeln und langsam Vertrauen zueinander fassen.
Der Schreibstil ist schön locker und gut zu lesen. Und die Handlung steuert viele kleine Spannungshöhepunkte an, sodass man immer mitfiebern kann.
Das Cover ist natürlich ein echter Blickfang. Welches Mädchen wird nicht von soviel Flitter angezogen? ?
Alles in allem also eine alte Geschichte, aber gut umgesetzt.

Veröffentlicht am 21.02.2018

krimi im emsland

Deichfürst
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1999 im Emsland – im Emssperrwerk wird die Leiche eines alten Mannes gefunden. Offenbar musste er kläglich in seinem Holzsarg ersticken. Es handelt sich um Tadeus de Vries. Ein ziemlich unbeliebter Geselle ...


1999 im Emsland – im Emssperrwerk wird die Leiche eines alten Mannes gefunden. Offenbar musste er kläglich in seinem Holzsarg ersticken. Es handelt sich um Tadeus de Vries. Ein ziemlich unbeliebter Geselle mit nicht gerade blütenweißer Vergangenheit. Und so trauert auch niemand wirklich um seinen Tod. Doch der Kreis der Verdächtigen wird dadurch leider nur größer. Kriminalhauptkommissar Stephan Möllenkamp ist der Ermittler in diesem Fall. Er ist neu in der Gegend und Reporterin Getrud Boekhoff hilft ihm, sich mit den Einwohnern und deren Gewohnheiten zurechtzufinden.
Rückblicke zeigen wie zwei Geschwister nach dem Krieg 1946 nach Ostfriesland fliehen und versuchen sich dort mit Müh und Not durchzuschlagen – bis die ältere Schwester verschwindet.

Es ist ein ruhiger Krimi. Sehr detailreich was die Umgebung und politischen Verhältnisse betrifft. Vielleicht manchmal etwas zu detailreich, sodass hin und wieder langatmige Passagen entstehen, die aber nicht wirklich zu einer Lösung führen. Andererseits hat es mir auch wieder ziemlich gut gefallen, wenn die Autorin auf die Landschaft einging, sie scheint das Emsland wirklich liebgewonnen zu haben. Ich komme aus der Gegend und dann ist es natürlich klasse, wenn bekannte Orte auftauchen oder in Mundart gesprochen wird.
Leider bin ich auch mit den Charakteren Stephan und Gertrud nicht richtig warm geworden. Sie bleiben eher blass und ich konnte mich schlecht in sie hineinversetzen. Dafür waren die Rückblenden von Marion und ihrem kleinen Bruder umso interessanter und spannender für mich.
Insgesamt ein solider Krimi mit einem interessanten historischen Hintergrund, der sich aber etwas schleppend entwickelt.

Veröffentlicht am 01.02.2026

solide, aber kein Hightlight

A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1
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Tamsyn wurde als kleines Mädchen am Hofe des Königreichs Penterra aufgenommen. Als Spielgefährtin und Prügelmädchen der Prinzessinnen. Tamsyn muss die Verfehlungen der Prinzessinnen auf sich nehmen und ...

Tamsyn wurde als kleines Mädchen am Hofe des Königreichs Penterra aufgenommen. Als Spielgefährtin und Prügelmädchen der Prinzessinnen. Tamsyn muss die Verfehlungen der Prinzessinnen auf sich nehmen und wird dafür hart bestraft, während die Prinzessinnen daraus lernen sollen. Als der Grenzkrieger Fell an den Hof kommt, um eine der Prinzessinnen zur Frau zu nehmen, wird ihm stattdessen Tamsyn untergeschoben - der Krieger schwört Rache und Tamsyn muss in einem fremden Reich ihrem Schicksal gegenübertreten.


Leider konnte mich der Reihenauftakt von Sophie Jordan nicht packen. Ich habe schon einige ihrer Bücher gelesen und bin deshalb mit hohen Erwartungen an "a fire in the sky" gegangen. Die erste Hälfte des Buches passiert unheimlich wenig, ich war kurz davor das ganze abzubrechen. Glücklicherweise kam dann doch noch ein Twist, der ein bisschen mehr Schwung in die Geschichte gebracht hat.
Ich war überrascht wie spicy die Story doch war - vom Schreibstil her und auch der Handlung selbst, hatte ich eigentlich eher das Gefühl in einem Jugendbuch zu sein. Aber manche Szenen haben mich dann doch überrascht. Das hätte es für mich tatsächlich nicht gebraucht.
Grundsätzlich habe ich einen schlechten Zugang zu den Protagonisten gefunden. Ihre Gefühlswelt beschränkt sich auf die gegenseitige Anziehung, dabei sollte gerade Tamsyn mit all den Herausforderungen echt andere Sorgen haben. Auch den Enemies to Lovers Trope habe ich kaum gespürt - die zwei verstehen sich eigentlich ganz prächtig.
All das führte dazu, das mich das Buch insgesamt einfach zu wenig überraschen und mit einer ausgeklügelten Fantasywelt überzeugen konnte, um wirklich zum Pageturner zu werden. Solide Jugend-Romantasy für Zwischendurch.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

viel Spice - wenig Handlung

Rabid
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Die Knoten sind zurück!


Eigentlich sollte es ein ganz besonderer Moment sein, wenn ein Mensch mit seinem Wolf verbunden wird. Für Seneca geht bei diesem Ritual so einiges schief und es wird zu ihrem ...

Die Knoten sind zurück!


Eigentlich sollte es ein ganz besonderer Moment sein, wenn ein Mensch mit seinem Wolf verbunden wird. Für Seneca geht bei diesem Ritual so einiges schief und es wird zu ihrem Alptraum. Die junge Frau wird von ihrem Rudel verstoßen und sinnt auf Rache.

Ich weiß gar nicht so recht, wie ich das Buch einordnen soll. Einerseits war es gut geschrieben, ich konnte einfach am Ball bleiben und war auch gefesselt. Aber andererseits ist so viel weniger passiert, als ich mir erhofft hätte. Letztendlich liegt der Focus auf einer sehr intensiven Liebesgeschichte (viel Wolfspaarung, Knoten und wenig Gefühlsentwicklung). Seneca findet langsam aus ihrem toxischen Umfeld und ihren kreisenden Gedanken heraus und einen echten Zugang zu ihrer Wölfin und damit auch zu ihrem Selbstwertgefühl. Aber ein richtiger Aktionsstrang hat mir in der Handlung einfach gefehlt. Man hätte viel mehr aus der Rivalität der Rudel oder Senecas Wunsch nach Rache herausholen können. Weniger Spice und dafür ein bisschen mehr Dynamit hätten der Geschichte wirklich gut getan.
Aber für alle Knoten-Fans - ein Muss.

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