Die Gesellschaft im Mittelalter
Der Gesang des FalkenFrankreich 1514: Marcelle ist die uneheliche Tochter eines italienischen Adligen. Als solche ist es ihr dennoch vergönnt, als Hofdame von Königin Claude dienen zu dürfen. Dabei bekommt sie allerlei Verstrickungen ...
Frankreich 1514: Marcelle ist die uneheliche Tochter eines italienischen Adligen. Als solche ist es ihr dennoch vergönnt, als Hofdame von Königin Claude dienen zu dürfen. Dabei bekommt sie allerlei Verstrickungen der höfischen Gesellschaft mit und freundet sich mit der Engländerin Anne Boleyn an.
„Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger ist ein Mittelalterroman über höfische Sitten und Verstrickungen.
Was habe ich erwartet? Um ehrlich zu sein hatte ich mir die Geschichte der Anne Boleyn erwartet, was nicht der Fall war. Dennoch war das absolut nicht negativ.
Im Fokus steht hier Marcelle, ihre Herkunft, die Freundschaft zu Anne und zu ihrem Jugendfreund Jean. Weiterhin lernt der Leser weitere historische Persönlichkeiten kennen, u.a. Leonardo da Vinci.
Der Titel wiederum bildet quasi die Grundlage der Freundschaft zwischen Marcelle und Jean, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle.
Mit den weiblichen Charakteren Marcelle, Anne, Francoise, aber auch Königin Claude lernt man starke Persönlichkeiten kennen, denen ihre Rolle in der Gesellschaft durchaus bewusst ist, dennoch lassen sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen und stehen „ihre Frau“. Wobei ich bei Francoise teilweise nicht wusste, ob ich sie für ihre Standhaftigkeit bewundern soll oder ob ich sie für ihr Leben bedauern soll. Hierbei muss sich jeder Lesende seine eigene Meinung bilden.
Im Verlauf der Geschichte sind einige Szenen dabei, die emotional sehr berührend sind bzw. es in sich haben.
Spannend fand ich auch die Liebesirrungen und -wirrungen der Adligen. Ebenso spannend fand ich die Beziehung zwischen Jean und seinem Vater, aber auch zwischen Marcelle und ihrem Vater. Obwohl wir uns mit der Geschichte im 16. Jahrhundert befinden, finde ich beide Väter recht fortschrittlich.
Leonardo da Vinci war auch interessant beschrieben. Ich habe bisher noch keinen Roman gelesen, in der er vorgekommen ist, weshalb es für mich interessant war, einige über ihn uns sein Leben aus Romanperspektive zu erfahren.
Mein Fazit: Ich lese recht selten mittelalterliche Romane, aber dieser war wirklich interessant. Die Damen der Geschichte würden für mich sogar teilweise noch als heutiges Vorbild, weshalb ich diese Figuren wirklich geschätzt habe. Einzig hätte ich mir mehr Hinführung zum Prolog gewünscht, denn das bleibt im Verborgenen.
Wer also historische Romane mag, ist hier richtig.