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anushka

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Ein grandioses Gedankenspiel, das aber nicht an den Vorgänger herankommt

Das Geschenk
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In ihrem neuen Buch widmet sich Gaea Schoeters wieder einem sehr interessanten Gedankenspiel. Im Regierungsviertel Berlins, und später in der ganzen Stadt, tauchen plötzlich Elefanten auf. Wie der überraschte ...

In ihrem neuen Buch widmet sich Gaea Schoeters wieder einem sehr interessanten Gedankenspiel. Im Regierungsviertel Berlins, und später in der ganzen Stadt, tauchen plötzlich Elefanten auf. Wie der überraschte Bundeskanzler Hans Christian Winkler feststellen muss, sind sie ein Geschenk des Präsidenten von Botswana, als Reaktion auf ein neues Gesetz, dass die Einfuhr von Jagdtrophäen einschränkt. Nun sollen die Europäer mal mit Megafauna leben, so wie sie es im Geiste des Artenschutzes von anderen Ländern verlangen.
In relativ knappem Umfang lässt die Autorin eine neue Realität entstehen. Deutschland ist bald auch von fremden Plfanzen überwuchert, die Natur passt sich an. Den Menschen fällt es eher schwerer, es kommt zu Konflikten mit den Tieren. In einer pollitischen Satire nimmt die Autorin die heutige Denk- und Handlungsweise der Politik aufs Korn, zeigt die politischen Spielchen auf, die zwischen verschiedenen Parteien und Ministerien stattfinden, mit teils abstrusen Ideen zum Umgang mit den Elefanten. Auch, wie die ganze Situation den Populisten in die Hände spielt, ist sehr treffend nachgezeichnet, die Parallelen zum Umgang mit Migration und Flucht sind kaum zu übersehen. Viele kluge Gedanken und Ideen werden absolut zielgenau platziert, die Figuren glaubhaft und realistisch ausgearbeitet. Man leidet förmlich mit dem fiktiven Bundeskanzler mit, wie er versucht, mit der Situation umzugehen und die Regierungskoalition zu retten.
Die Autorin schafft eine unterhaltsame Geschichte mit einer guten Prise Humor und Satire, legt aber gleichzeitig, wie schon bei ihrem vorherigen Buch, den Finger in die Wunde. Welche Mitschuld haben die europäischen Staaten an der Situation der afrikanischen Länder? Was verlangen sie von anderen Bevölkerungen für ihr eigenes Verständnis von Umwelt- und Artenschutz? Welche Lebensrealitäten der einheimischen Menschen ignorieren sie dabei? Neben jeder Menge interessanten Wissens über die Elefanten selbst, bietet die Autorin wieder viele kluge Denkanstöße, die einen noch länger beschäftigen. Für mich kommt dieses Buch dennoch nicht ganz an den Vorgänger "Trophäe" heran. Die Autorin zeigt eine beeindruckende Kenntnis der deutschen Politik, ich hätte mir jedoch einen etwas längeren Roman gewünscht und weniger große Zeitsprünge. Die Geschichte hätte noch etwas intensiver und noch stärker an den Tieren und der Bevölkerung sein können. Insgesamt schreibt die Autorin aber auf einem ganz eigenen Level wunderbar kluge Geschichten mit gesellschaftlicher Relevanz.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Raue See, starke Frau - Trude Teiges Debütroman überzeugt

Der Gesang der See
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Norwegens Küste ist zerklüftet. Hunderte kleine Inseln liegen hier im Wasser, bevor man am Festland ankommt. Da braucht es Lotsen, um Schiffe sicher hindruch zu geleiten. Kristiane lebt Mitte des 19. Jahrhunderts ...

Norwegens Küste ist zerklüftet. Hunderte kleine Inseln liegen hier im Wasser, bevor man am Festland ankommt. Da braucht es Lotsen, um Schiffe sicher hindruch zu geleiten. Kristiane lebt Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Fischerdorf auf einer dieser Inseln nahe Ålesund. Die Landschaft ist geprägt von Fjorden und Bergen. Als ihr Mann stirbt, ist Kristiane am Boden zerstört. Doch es kommt noch schlimmer: als reiner Frauenhaushalt soll die Familie die Lotsennummer abgeben, die seit Generationen in der Familie ist. Kristiane kann eine Frist heraushandeln bis zu der sie neu verheiratet sein muss. Lars, ein Freund aus Kindertagen, scheint hier die perfekte Wahl. Doch dann trifft Kristiane bei einem Besuch in Ålesund den Sohn eines Großhändlers, Frederik, und Pflichtbewusstsein steht plötzlich in Konflikt mit Leidenschaft.

"Der Gesang der See" ist der Debütroman von Trude Teige, der sie in Norwegen bekannt gemacht hat. Sie verarbeitet hier literarisch die Geschichte ihrer Ururgroßmutter. Da es wenig reale Aufzeichnungen gibt, handelt es sich hier weitestgehend um eine fiktionale Erzählung. Teige stellt darin das raue Leben in einem Fischerdorf dar, das den Elementen ausgeliefert ist und dessen Wohlstand jeden Tag von einem guten Fang, aber auch fairen Preisen abhängt. Als der Großhändler in Ålesund versucht, die Preise zu drücken, nimmt Kristiane die Sache in ihre Hand und verhandelt auf eigene Faust. In einer patriarchischen Welt kommt das natürlich nicht gut an und Kristiane macht sich zur Außenseiterin, während die Dorfgemeinschaft versucht, sie an ihren Platz zurück zu verweisen. Das hat mich berührt, denn Kristiane ist keine historisch unrealistische Feministin, sondern tut, was sie tun muss, um ihre Familie bestehend aus einer kranken Mutter, einer zurüchaltenden Schwester und einem Baby über die Runden zu bringen. Ihre Bodenständigkeit und Durchsetzungsfähigkeit dabei fand ich authentisch, ihre Enttäuschung über die Reaktionen des Dorfes nachfühlbar. Den Konflikt zwischen Pflicht und Leidenschaft konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, aber dafür fehlt mir vielleicht auch die Vorstellung der damaligen gesellschaftlichen Bedingungen, die es vielleicht einer Frau nicht erlaubten, sich umzuentscheiden. Dieser Konflikt steht auch weitgehend im Vordergrund der Handlung, sodass die eigentliche Tätigkeit der Lotsen für mich zu kurz kommt. Ansonsten erschafft die Autorin die eindringliche Atmosphäre einer rauen Fischerinsel, die von Meer und Bergen umgeben und den Elementen ausgeliefert ist. So ist das Buch realistisch, kurzweilig und berührend, und hat mir teilweise besser gefallen als die späteren Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Vielversprechend, aber unausgewogen - Roman über Herkunft und Schönheitsideale zwischen Tiefe und Längen

Das schönste aller Leben
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Ende der 1980er fliehen Vios Eltern mit ihr von Glogowatz in Rumänien nach Deutschland. Die Familie versteht sich als Deutsche, sind sie doch Nachfahren der “Banater Schwaben”: Deutsche, die im 18. Jahrhundert ...

Ende der 1980er fliehen Vios Eltern mit ihr von Glogowatz in Rumänien nach Deutschland. Die Familie versteht sich als Deutsche, sind sie doch Nachfahren der “Banater Schwaben”: Deutsche, die im 18. Jahrhundert in Rumänien angesiedelt wurden, um diese nur dünn besiedelte Gegend nutzbar zu machen. Doch sie merken schnell, dass sie als Fremde betrachtet werden. Und nachdem Vio in ihrer Kindheit einige schwierige Erfahrungen machen musste, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, dass ihr die Integration erleichtern sollte, hadert sie nun damit, dass ihre eigene Tochter durch ihre Unachtsamkeit Narben im Gesicht hat. Sie ergeht sich in Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen, weil sie glaubt, dass ihre Tochter nun wohl nie vom “pretty privilege” profitieren wird, das ihrer Vorfahrin Theresia im 18. Jahrhundert nichts weiter als ein Leben in der rauen Einöde des Banats eingebracht hat. Auch die Banater Erde kommt in diesem Roman in kurzen Einschüben zu Wort.
Insgesamt bietet dieser Debütroman zahlreiche Denkanstöße. Es geht viel um Heimat, Herkunft und Verbundenheit. Eindrücklich schildert der Roman, welche Schwierigkeiten (Spät)Aussiedler:innen haben, sich in einer Kultur zurechtzufinden, die sie doch eigentlich als ihre eigene wahrgenommen haben. Stattdessen werden sie zurückgewiesen und ausgelacht. Gerade aus Vios Sicht wird deutlich, wie sehr sie sich schämt und versucht, sich von den Großeltern zu distanzieren, die an den alten Gewohnheiten und Einstellungen festhalten. Interessant ist, wie diese deutsche Minderheit überhaupt nach Rumänien kam, beispielhaft an Theresias erschütterndem Schicksal als entrechtete Waise und argwöhnisch betrachtete Frau dargestellt. Für mich stand der Herkunftsaspekt deutlich stärker im Vordergrund als das vielzitierte Schönheitsideal. Dieses fand ich nicht so tragend, außer im Handlungsstrang von Vios Ich-Perspektive, deren Selbstmitleid und einziger Fokus auf die unversehrte Schönheit ihrer Tochter auf Dauer leider ermüdend wurden, ohne etwas Neues zu bieten. Durch die Unterteilung der Handlungsstränge in Vios Kindheit und Vios Ich-Perspektive als Mutter hatte Vios Geschichte ein deutliches Übergewicht und Theresias Geschichte, die mehr Potential gehabt hätte, kam etwas zu kurz. Das Buch hätte etwas länger sein und lose Enden verknüpfen können. An einigen Stellen hätte eine Straffung gut getan, während an anderer Stelle mehr Tiefe toll gewesen wäre. Insgesamt ist “Das Schönste aller Leben” aber eine lesenswerte Geschichte einer Familie über die Zeit und Grenzen hinweg.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Lose verbunden, weltweit verstrickt - Geschichten von globaler Ausbeutung

Liefern
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Filmon versucht in Tel Aviv als Lieferfahrer genügend Geld zu verdienen, um zu seiner Frau und Tochter nach Deutschland zu reisen. Nina verliebt sich während eines Austauschsemesters in Neu Delhi in den ...

Filmon versucht in Tel Aviv als Lieferfahrer genügend Geld zu verdienen, um zu seiner Frau und Tochter nach Deutschland zu reisen. Nina verliebt sich während eines Austauschsemesters in Neu Delhi in den Argentinier Rámon. Sachin muss in Neu Delhi als alleinstehende, seltene weibliche Essenslieferantin die Existenz ihrer kleinen Familie sichern. Der Erzähler reist mit einem Freund zur Haartransplantation nach Istanbul und trifft dort auf den studierten Essenslieferanten Resul. Ciervo versucht in Argentinien der drohenden Armut als Essenslieferant und Onlinespieler zu entgehen. Akiny findet in Kenia endlich Arbeit auf einer Rosenfarm.

All diese Handlungsstränge und Schicksale verbindet der Autor geschickt miteinander, sodass sie sich teilweise nur an den Rändern berühren und dennoch mitunter großen Einfluss aufeinander haben. Erzählt wird dadurch in Episoden und mit dem Fokus auf verschiedene Einzelschicksale, die wenig miteinander zu tun haben und dadurch wenig zusammenhängend wirken. Über einzelne Figuren würde man teilweise gern mehr wissen, andere bekommen dagegen zu viel Raum. So wirkt der Abschnitt über die Reise des Erzählers nach Istanbul zur Haartransplantation unnötig selbstverliebt in die Länge gezogen und detailliert. Ich wollte mich nur ungern derart intensiv mit dem kahlen Kopf des Erzählers und seiner dadurch entstandenen Männlichkeitskrise beschäftigen. Dieses "weltumspannende Gegenwartsepos" öffnet die Augen für die prekäre Situation von eingewanderten und armen Menschen in einer globalisierten Wirtschaft, die davon profitiert, Produktionen in andere Länder zu verlagern und prekäre SItuationen auszunutzen um prekäre Anstellungsverhältnisse zu schaffen. Wir sehen, wie sich Menschen für ihre Träume in Abhängigkeiten begeben, aus denen sie nur schwer wieder herauskommen können. Das ist einfühlsam und öffnet die Augen für die Menschen, die uns - zumindest in Großstädten - täglich begegnen und die täglich um ihre Existenz kämpfen. Ein wenig hat mir aber auch die Reflexion in diese Gruppe hinein gefehlt. Zum Beispiel könnte man beleuchten, was es auch mit den Kundinnen macht, wenn die Liefer-App einen weiblichen Namen anzeigt, dann aber unerwarteterweise ein männlicher Lieferant vor der Tür steht (weil er den Account von einer Mittelsperson kaufen musste). So ist es nicht verwunderlich, dass Kundinnen den direkten Kontakt zum Lieferanten vermeiden. Oder auch das rücksichtslose Fahren auf Gehwegen und quer über Kreuzungen wird im Zuge von häufigen Unfällen nicht thematisiert. Ja, es ist ein Roman vor allem über das Lieferdienstgeschäft, aber an einigen Stellen war er mir ein wenig zu einseitig. Auch hätte ich gern erfahren, wie die einzelnen Figuren dort angekommen sind, wo sie am Ende waren. Das wurde leider ausgespart und so hatte ich das Gefühl, dass das Buch ruhig ein paar Seiten mehr vertragen hätte.
Insgesamt fand ich den Roman aber gelungen und anregend, da er ein zeitgemäßes Thema aufgreift und die Geschichten von Menschen beleuchtet, über die man sich im Alltag möglicherweise manchmal ärgert, aber ansonsten wenig nachdenkt. Hier gelingt es dem Autor, einen Perspektivenwechsel anzuregen. Zudem ist das Buch weitgehend kurzweilig, interessant und schafft es, auch fremde Orte lebensnah erscheinen zu lassen.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Vielschichtiger Familienroman vor der Kulisse der Staatsgründung Israels

Adama
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im Jahr 2009 stirbt Hannas Mutter Esther in Miami. Von ihrer Zeit vor den USA hat sie nie viel erzählt. Da sind nur ein Akzent, ein paar Brocken Hebräisch, ein paar alte Lieder und ein Aschenbecher mit ...

im Jahr 2009 stirbt Hannas Mutter Esther in Miami. Von ihrer Zeit vor den USA hat sie nie viel erzählt. Da sind nur ein Akzent, ein paar Brocken Hebräisch, ein paar alte Lieder und ein Aschenbecher mit der Gravur "Palästina". Von der Familie weiß Hanna nicht viel. Dann rollt das Buch die Familiengeschichte von Esther und ihren Vorfahren und Vorfahrinnen auf: Im Jahr 1946 erreicht die junge Ruth Palästina, um im Kibbuz Trashim zu leben und den Staat Israel für das jüdische Volk aufzubauen. Ruth selbst hat ein ungarisches KZ überlebt. Jetzt ist sie hart, überzeugte Zionistin und geht buchstäblich über Leichen. Ruth wird über Jahrzehnte eine tragende Figur des Kibbuz werden und nicht wenige ihrer eigenen Familienmitglieder werden ins Kreuzfeuer ihrer Kämpfe geraten.

"Adama" ist ein intensives, vielschichtiges Buch. Von Abschnitt zu Abschnitt bewegt man sich durch Ruths Familiengeschichte vorwärts. Das Leben im Kibbuz und der Kampf um das Land werden aus wechselnden Perspektiven erzählt. Dabei spart der Autor nicht mit verdeckter Kritik am Kibbuz-Leben sowie am Vorgehen der Zionist:innen. Die blutige und gewaltvolle Landnahme wird teils sehr detailliert dargestellt und weckt Sympathie mit den ursprünglichen Einheimischen. Auch wenn das Buch trotz des Labels kein klassischer Thriller ist, gibt es jede Menge blutige Vorfälle und Todesfälle. Das braucht manchmal einen starken Magen. Die zentrale Figur Ruth ist keine Sympathieträgerin und wird auch nicht als solche gezeichnet. Man empfindet deutlich mehr Sympathie mit ihren Nachkommen, die unter ihrer Herrschaft in der ein oder anderen Form leiden. Ruth wird zwar als starke Frau gezeichnet, jedoch nicht unbedingt im positiven Sinn: sie ist vom Leben abgehärtet, rachsüchtig und skrupellose Widerstandskämpferin gegen die britische Verwaltung sowie die einheimische Bevölkerung. Die verschiedenen Handlungsstränge hängen in sehr gelungener Form oft an dünnen Fäden zusammen, doch dadurch entsteht ein komplexes Gesamtbild, das unterschiedliche Sichtweisen und die Wirkung familiärer und transgenerationaler Traumata sichtbar macht.

Insgesamt ist "Adama" ein gelungenes, wenn auch durchaus brutales Buch, das historische Hintergründe sehr gut begreifbar macht und gleichzeitig kritisch betrachtet. Hier wird nichts beschönigt und dennoch Spannung aufgebaut, sowie Sympathie mit einzelnen Mitgliedern des Familiennetzwerks geweckt und deutlich gemacht, wie die Nachkommen unter den Traumata der vorherigen Generationen leiden. "Adama" ist definitiv kein einfaches, aber ein lohnenswertes Buch.

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