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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2026

Selbstbetrug und Wahnsinn

She’s a Star!
3

Jess möchte ein Musicalstar sein - ein Ziel, dem sie alles andere unterordnet. Eigentlich ist sie dafür nicht talentiert genug, kann keine Töne halten, hat noch nie bei wichtigen Produktionen mitgespielt. ...

Jess möchte ein Musicalstar sein - ein Ziel, dem sie alles andere unterordnet. Eigentlich ist sie dafür nicht talentiert genug, kann keine Töne halten, hat noch nie bei wichtigen Produktionen mitgespielt. In ihrer Wahrnehmung ist sie ein strahlender Star kurz vor dem großen Durchbruch, als das Theater, in dem sie als Platzanweiserin arbeitet, "Sound of Music" auf die Bühne bringt. Jess ist bereit, die Hauptrolle zu erobern - mit allen Mitteln.

Ehrlich- so ein Buch mit so einer verblendeten, narzisstischen, manipulativen Hauptfigur habe ich noch nie gelesen. Jess ist absolut unsympathisch, aber es ist faszinierend, die Welt durch ihre Augen, ihre verschrobene Sicht zu sehen. Der Leser kann dieser Protagonistin nicht trauen. Wie weit wird sie gehen? Was muss noch passieren?

Das Highlight war für mich in jeder Szene ihre sarkastische Umdeutung der Realität, ihre absolut böse Bewertung aller Personen um sie herum. Nur Jess ist strahlend, wunderschön, perfekt und anbetungswürdig.

Ich kann dieses besondere Buch nur empfehlen- trotz oder gerade wegen der fürchterlichen und faszinierenden Hauptfigur.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Spannung und Nervenkitzel pur

Der Fjord
7

Sarah Goodwin ist für spannende Unterhaltung bekannt; sie bringt ihre Protagonistinnen in gefährliche Situationen, in denen sie sich - auf sich allein gestellt- bewähren müssen. Da bildet "Der Fjord" ...

Sarah Goodwin ist für spannende Unterhaltung bekannt; sie bringt ihre Protagonistinnen in gefährliche Situationen, in denen sie sich - auf sich allein gestellt- bewähren müssen. Da bildet "Der Fjord" keine Ausnahme.

Amelia und Rose sind zwei sehr unterschiedliche Schwestern. Nach einem Streit verschwindet Rose und meldet sich nicht mehr bei ihrer Schwester. Da die Polizei nichts unternimmt, macht sich Amelia selbst auf die Suche.

Amelia findet heraus, dass Rose auf einer sehr luxuriösen Party in Norwegen bei dem reichen Lawrence Fowley zu Gast war. Nun taucht sie selbst als Freundin des Cousins des Gastgebers in die Welt der Schönen und Reichen ein. Eine aufregende Suche mit vielen Twists und Turns beginnt.

Das Besondere an diesem Buch war für mich die ständige unterschwellige bedrohliche und gefährliche Stimmung, die nie so recht zu greifen war. Amelia fühlt sich permanent unter Beobachtung, entweder von den anderen Gästen oder aus dem Waldesdickicht heraus. Das war so nervenaufreibend zu lesen, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte.

Eine Eins mit Sternchen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

80s forever

Tainted Love
2

Ein Krimi, der in den 80ern im Zonenrandgebiet spielt. Eine hessische Kleinstadt brütet in der Sommerhitze. Da wird ein versunkener Luxuswagen aus dem See gefischt. Die Lokalreporterin Christine und ihr ...

Ein Krimi, der in den 80ern im Zonenrandgebiet spielt. Eine hessische Kleinstadt brütet in der Sommerhitze. Da wird ein versunkener Luxuswagen aus dem See gefischt. Die Lokalreporterin Christine und ihr Freund Martin fragen sich, ob dahinter wohl ein Geheimnis oder gar ein Verbrechen steckt.

Die große Stärke dieses Krimis ist seine atmosphärische Darstellung der 80er. Der Leser fühlt sich wie in diese aus heutiger Sicht so friedlich und geordnet scheinende Welt zurückgebeamt. Viele alltägliche Gegenstände, fast vergessen geglaubte Gerüche und Gefühle zaubern ein wohliges Lächeln auf die Lippen. Wer kann sich noch an den Mikrokosmos gelbe Telefonzelle an einem heißen Sommertag erinnern?

Die Hauptfiguren sind unaufgeregt und wie aus dem wirklichen Leben gesprungen. Ich kann mir gut vorstellen, mit ihnen befreundet zu sein. Natürlich sind sie neugierig und wollen das Geheimnis lüften. Die Lösung fühlte sich für mich stimmig an und ich freue mich schon auf den nächsten Band der Reihe, um wieder in die 80er abtauchen zu können.

Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Gelungener Auftakt

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
0

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftakt der neuen Ostseekrimi-Reihe „Mörderische Brise“ des Autorenduos Nina Ohlandt / Jan F. Wielpütz.
Hannah Bülow kehrt in ihre Heimatstadt Ostersande an der Ostsee ...

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftakt der neuen Ostseekrimi-Reihe „Mörderische Brise“ des Autorenduos Nina Ohlandt / Jan F. Wielpütz.
Hannah Bülow kehrt in ihre Heimatstadt Ostersande an der Ostsee zurück. Sie ist frisch verwitwet und möchte mit ihrem wackeren Hund Tobby einen neuen Lebensabschnitt starten. Frohen Mutes übernimmt sie eine Stelle als Streifenpolizistin in dem kleinen Ort, eine Stelle, die ihr von ihrer alten Freundin Constanze Grotewohl, der Leiterin der Wache verschafft wurde. Hannah zieht bei ihrem Vater wieder ein, dessen Leben sie nebenbei gleich ein bisschen auf Vordermann bringen kann. Zwischen ihnen steht ein traumatisches Ereignis aus dem Jahr 1993, bei dem Hannah und ihre Freunde unbeabsichtigt einen schlimmen Bootsunfall verursacht haben.
Kurz nach Dienstantritt wird einer dieser Freunde tot am Strand aufgefunden.
Die Autoren nehmen sich Zeit, die Figuren und die Gegebenheiten zu entwickeln, schließlich soll hier eine Krimireihe entstehen. Dennoch liest sich das Buch flott und ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt. Es war für mich spannend nach und nach zu entdecken, welche Rolle die Ereignisse aus der Jugendzeit in der Gegenwart spielen.
Ein wenig hat mich gestört, dass Hannah als einfache Streifenpolizistin so stark in die Ermittlungen der Kripo aus Wismar eingebunden wird bzw. auf eigene Faust ermittelt. Wahrscheinlich kann sie ihre Kenntnisse aus der Vergangenheit hier gut einbringen.
Aufgefallen ist mir, dass sich Personen nicht den Witterungsverhältnissen entsprechend verhalten. Da werden kränkliche Kinder bei einem Unwetter zum Spielen in den Garten geschickt. Es gab den ersten Nachtfrost und Figuren tragen abends nur eine leichte Jacke.
Insgesamt ist das Buch ein solider gemachter Krimi, ein gelungener Auftakt der Reihe.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Kälte, Wind und Mord

Wolfskälte
8

Eine abgelegene schottische Insel, ein Selbstmord, der Fragen aufwirft, ein Ermittlerteam vom Festland, entweder verschlossen-feindselige oder schwatzhaft-freundliche Einwohner und Wind, Kälte, Wellen, ...

Eine abgelegene schottische Insel, ein Selbstmord, der Fragen aufwirft, ein Ermittlerteam vom Festland, entweder verschlossen-feindselige oder schwatzhaft-freundliche Einwohner und Wind, Kälte, Wellen, Unwetter - fertig ist ein spannender Mix. Der Leser wird den Krimi nicht mehr aus der Hand legen können.

Laura McCluskey hat einen Debütroman vorgelegt, der unheimlicher und spannender nicht sein könnte. Sie baut eine gruselige Stimmung auf der Insel auf. Eine wichtige Rolle spielt das Wetter: es ist grau und stürmisch, immer nass und ständig dunkel und dämmerig. Der Regen peitscht, die Gischt schäumt. Ebenfalls wirken die Gebäude dunkel und geheimnisvoll, der Putz blättert vor sich hin und seltsame heidnische Zeichen prangen über den Türen.

Die Inspektors George(ina) und Richie ermitteln zwar, aber die Befragungen der meist verschlossenen Insulaner bringen kein Licht ins Dunkle und lange wissen weder die Polizisten noch der Leser, was auf dieser Insel eigentlich los ist.

Nur ein unbestimmtes Grausen ist von Anfang an da und verstärkt sich: ein Wolfsgesicht starrt durch das Fenster, heidnische Voodoo Rituale sollen die Polizisten vertreiben, letztlich wird sogar George tätlich angegriffen. Die Inspektors kommen erst ganz zum Schluss der überraschenden Lösung des Falls gefährlich nahe.

Dem Leser wird empfohlen, es sich mit einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich zu machen und das unheimliche Gruseln zu genießen. Gänsehautgefühl garantiert.

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