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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn Arroganz auf echte Gefühle trifft

Whitestone Hospital - Colliding Hearts
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Als großer Fan der Reihe habe ich dem Finale entgegengefiebert. Ava Reed schafft es auch hier, die typische Whitestone-Atmosphäre einzufangen, doch für mich gab es bei der Umsetzung der Charaktere ein ...

Als großer Fan der Reihe habe ich dem Finale entgegengefiebert. Ava Reed schafft es auch hier, die typische Whitestone-Atmosphäre einzufangen, doch für mich gab es bei der Umsetzung der Charaktere ein paar Defizite.

Es ist ein schöner Abschluss der Reihe. Es fühlt sich gut an, noch einmal in die Flure des Krankenhauses zurückzukehren und die liebgewonnenen Charaktere aus den vorherigen Bänden wiederzusehen. Der emotionale Schreibstil von Ava Reed sorgt wie gewohnt für Gänsehautmomente.

Ians Geschichte: Obwohl Ian einer der spannendsten Charaktere der Reihe ist, kam mir seine persönliche Geschichte in diesem Band leider etwas zu kurz. Vieles wurde eher nebenbei behandelt, was schade ist, da sein sarkastisches und arrogantes Wesen so viel Potenzial für eine tiefere Analyse geboten hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass sein Weg und seine Beweggründe mehr Raum einnehmen, anstatt nur die Rahmenhandlung zu begleiten.

Jess als Künstlerin bringt eine tolle Energie in die Geschichte. Die Chemie zwischen ihr und Ian ist spürbar, und die „Grumpy x Sunshine“-Dynamik funktioniert gut, auch wenn das Gleichgewicht der Charaktertiefe für mich persönlich etwas zu sehr zu Gunsten von Jess gekippt ist.

Die medizinischen Notfälle und der Klinikalltag bilden wieder den gewohnt authentischen Rahmen und geben der Liebesgeschichte die nötige Ernsthaftigkeit.

„Colliding Hearts“ ist ein würdiger und emotionaler Abschied vom Whitestone Hospital. Auch wenn Ians Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich blieb, ist es ein Muss für alle, die die Reihe bis hierhin begleitet haben. Ein schönes Buch über das Heilen – sowohl von Patienten als auch von Herzen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Mit einem Kreidestrich nach Anderswo

Heute fahren wir nach Anderswo
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Klaus Baumgart nutzt hier ein visuelles Konzept, das mich sofort begeistert hat und das ich so bisher noch nicht kannte: Die Hauptfiguren sind in seinem gewohnt professionellen, weichen Stil gezeichnet. ...

Klaus Baumgart nutzt hier ein visuelles Konzept, das mich sofort begeistert hat und das ich so bisher noch nicht kannte: Die Hauptfiguren sind in seinem gewohnt professionellen, weichen Stil gezeichnet. Doch sobald die Reise beginnt, wird die Welt von „Anderswo“ durch kindliche Kreidezeichnungen erschaffen. Dieser Kontrast ist grafisch wunderschön umgesetzt und macht sichtbar, wie die Fantasie der Kinder die reale Welt „übermalt“.

In dieser Geschichte brauchen die Kinder keinen teuren Fuhrpark und nicht einmal einen Pappkarton. Alles, was sie haben, ist ein Stück Kreide. Damit zeichnen sie sich ihr eigenes Gefährt direkt auf den Boden und fahren einfach los. Diese Reduktion auf das Wesentliche ist eine wundervolle Botschaft: Fantasie braucht kein Material, sie braucht nur einen Impuls.

Besonders hervorzuheben ist der wenige Text. Was auf den ersten Blick kurz wirken mag, entpuppt sich als große Stärke: Die knappen Sätze animieren herrlich zur eigenen Interpretation. Man wird als Vorleser förmlich dazu eingeladen, innezuhalten und mit den Kindern ins Gespräch zu gehen: „Wo fahren sie wohl als Nächstes hin?“ oder „Was würdest du dir jetzt mit Kreide malen?“ Das Buch wird so zu einer interaktiven Reise, die bei jedem Lesen ein bisschen anders verlaufen kann.

„Heute fahren wir nach anderswo“ ist ein optisches und pädagogisches Highlight. Der innovative Mix aus professioneller Illustrationskunst und kindlicher Kreidezeichnung macht das Buch zu etwas ganz Besonderem. Es inspiriert dazu, die Welt öfter mal mit den Augen der Fantasie – und vielleicht mit einem Stück Kreide in der Hand – zu sehen.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein fesselndes Familiendrama im Schatten der Vergangenheit

Die Nacht der Bärin
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Kira Mohn beweist hier, dass sie mehr kann als „nur“ Liebesgeschichten. „Die Nacht der Bärin“ ist ein tiefgründiger Roman über das Schweigen zwischen den Generationen.

Das Haus am Waldrand wird fast schon ...

Kira Mohn beweist hier, dass sie mehr kann als „nur“ Liebesgeschichten. „Die Nacht der Bärin“ ist ein tiefgründiger Roman über das Schweigen zwischen den Generationen.

Das Haus am Waldrand wird fast schon zu einem eigenen Charakter. Die Stimmung ist dicht, stellenweise beklemmend und sehr bildgewaltig. Man spürt förmlich, dass die Abgründe, von denen der Klappentext spricht, in jeder alten Kiste und hinter jeder verschlossenen Tür lauern.

Besonders spannend finde ich die Frage: Warum schweigen Mütter? Das Buch beleuchtet sehr eindringlich, wie traumatische Ereignisse über Generationen hinweg weitergegeben werden, wenn sie nicht aufgearbeitet werden.

Kira Mohn hält die Spannung durch die schrittweise Aufdeckung der Familiengeheimnisse konstant hoch. Die Neugier darauf, was damals wirklich geschehen ist und wie es die Gegenwart beeinflusst, treibt den Lesefluss enorm an.

Ein Roman, der nachhallt. Wer Familiengeschichten mit einer Prise Düsternis und starken weiblichen Protagonistinnen mag, wird dieses Buch lieben. Es ist packend geschrieben und emotional sehr intensiv – eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne hinter die Fassaden bürgerlicher Familien blicken.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein vielschichtiges Glanzstück zum Jubiläum

Sagst du mir, was Freundschaft ist?
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Schon beim ersten Anfassen begeistert die Jubiläumsausgabe zum 10-jährigen Bestehen durch die hochwertige Goldprägung auf dem Cover. Es wirkt dadurch besonders edel und unterstreicht den zeitlosen Wert ...

Schon beim ersten Anfassen begeistert die Jubiläumsausgabe zum 10-jährigen Bestehen durch die hochwertige Goldprägung auf dem Cover. Es wirkt dadurch besonders edel und unterstreicht den zeitlosen Wert der Geschichte. Wie gewohnt verzaubert Joëlle Tourlonias mit ihren wunderschönen Illustrationen, die den Text nicht nur begleiten, sondern ihn emotional tiefgreifend unterstreichen.

Hase und Igel begeben sich auf eine Suche nach der Definition von Freundschaft – und genau hier liegt die Stärke des Buches. Es zeigt sich schnell, dass jedes Tier Freundschaft anders versteht. Diese Erkenntnis, dass Freundschaft ein vielschichtiges Konstrukt ist, wird im Kindesalter oft unterschätzt. Es ist großartig, wie die Kinder im Buch damit konfrontiert werden, dass Freundschaft für den einen „Helfen“, für den anderen „Teilen“ oder „Zuhören“ bedeuten kann.

Das Verhältnis von Text zu Bildern ist für die Altersgruppe perfekt ausbalanciert. Die Geschichte überfordert nicht, bietet aber genug Substanz, um über die Vielschichtigkeit von Beziehungen ins Gespräch zu kommen.

Ein poetisches Meisterwerk, das in der Jubiläumsedition auch optisch ein echtes Highlight ist. Es hilft Kindern dabei, ein tieferes Verständnis für ihre eigenen sozialen Bindungen zu entwickeln und zu akzeptieren, dass Freundschaft so individuell ist wie die Tiere im Wald.

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Veröffentlicht am 23.11.2022

Detailreich und fesselnd

Kalt und still
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Mit „Kalt und Still: Der erste Fall für Hanna Ahlander“ ist am 19. Oktober 2022 der erste Band der „Ein Polarkreis-Krimi“ von Viveca Stern bei dtv erschienen. Das Buch spiel in Åre, wohin sich die 34-jährige ...

Mit „Kalt und Still: Der erste Fall für Hanna Ahlander“ ist am 19. Oktober 2022 der erste Band der „Ein Polarkreis-Krimi“ von Viveca Stern bei dtv erschienen. Das Buch spiel in Åre, wohin sich die 34-jährige Polizistin Hanna Ahlander flüchtet, nachdem sie in Stockholm sowohl mit privaten als auch beruflichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Kurz vor Weihnachten verschwindet jedoch ein junges Mädchen nach einer Party. Woraufhin Hannah sich an der Suchaktion beteiligt.

Ich habe richtig gut in die Geschichte hineingefunden! Der Schreibstil und die kurzen Kapitel haben es mir schwer gemacht, das Buch auf Seite zu legen. Zu Beginn hatte ich lediglich einige Schwierigkeiten, die Personen auseinanderzuhalten.

Mir gefällt es an sich gut, dass man so viele Hintergrundinfos und detaillierte Beschreibungen bekommt. Ich hatte vor allem am Anfang etwas Sorge, dass es im Laufe des Buches zu zäh wird. Allerdings wirkte der detaillierte Schreibstil der Autorin auf mich alles andere als langatmig. Das ist für mich wirklich selten, da ich oft schnell genervt bin, wenn zu viele Kleinigkeiten beschrieben werden. Normalerweise wären mir die vielen Details und Wiederholungen viel zu langweilig. Aber irgendwie schafft es die Autorin, dass ich hellauf begeistert bin.
Mir haben auch die einzelnen Erzählstränge und Geschichten der Protagonisten gefallen, die sich nach und nach miteinanderverwoben haben.

An vielen Stellen wäre für mich eine Landkarte z.B. in den Bucheinschlägen (nennt man das so?😅) hilfreich gewesen. So hätte man etwas besser nachvollziehen können, wie das Gebiet aussieht.

Wie es oft so ist, überschlagen sich die Ereignisse gegen Ende des Buches. Hier hätte ich mich gefreut, wenn sie, wie im restlichen Buch, zumindest teilweise ebenso detailliert ausgearbeitet worden wären. Aber das ist vermutlich auch ein Mittel, um die Spannung nochmal zu erhöhen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Auch, wenn ich viele von Hannas Handlungen nicht nachvollziehen kann. Dennoch konnte mich die Geschichte überzeugen, und ich freue mich schon auf den Folgeband!

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