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Veröffentlicht am 11.05.2026

Es geht weiter auf Goldcrest Manor

Goldcrest Manor - Sunlit Grove
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Ich habe eine gewisse Pause gemacht, um jetzt endlich die „Goldcrest Manor“-Reihe von Yvy Kazi fortzusetzen. Auch wenn ich den ersten Band wahrlich nicht schlecht war (gerade der Pferdeanteil war neu und ...

Ich habe eine gewisse Pause gemacht, um jetzt endlich die „Goldcrest Manor“-Reihe von Yvy Kazi fortzusetzen. Auch wenn ich den ersten Band wahrlich nicht schlecht war (gerade der Pferdeanteil war neu und echt), aber es fehlte so der Reiz, um zu sagen, das muss ich sofort nach Veröffentlichung weiterverfolgen.

Für Band 2, „Sunlit Grove“ habe ich dann auch zum Hörbuch gegriffen, um dann mit Stimmen die Charaktere Maeve und Archie zum Leben erweckt zu bekommen. Mit Louis Friedemann Thiele hat man ja schon einen absoluten Pro in dem Genre dabei, aber auch Lea Roser war eine gute Wahl. Ich war anfangs nur erschreckt, als ich die Stimme von Bernd Reheuser hörte. Ich hatte zuvor nicht geschaut, wer als Sprecher dabei ist und befürchtete dann, dass er Archie spricht. Aber dass er letztlich die Benimmtipps von Archies Vorfahr gelesen hat, das war sehr cool und hat stimmlich hervorragend gepasst. Ich mag es schon sehr, wenn man sich als Verlag solche Gedanken macht und was anbietet, was Eindruck hinterlässt.

Kommen wir aber nun zum Inhalt. Bei Kazi ist mir schon öfters aufgefallen, dass sie ihre Perspektiven sehr ungleichmäßig verteilt, das war hier auch wieder der Fall. Gerade bei einem Hörbuch fällt das dann mehr auf, weil ich mir denke, hmm, jetzt hast du die andere Stimme lange nicht gehört. Das hat natürlich auch inhaltliche Konsequenzen. Selbst wenn wir Archie durch Maeves Perspektive erleben, aber es ist doch ein Unterschied, ob man nur von außen oder doch von innen schaut. Ich hatte mich im Vorfeld sehr gefreut auf diesen Band, weil Archie mit seinem aristokratischen Hintergrund eine gewisse Faszination auslöste. Eigentlich sind so stillere, zurückhaltendere Figuren genau die, die erst in ihren eigenen Bänden Faszination erwecken können, aber Archie wirkte so ganz anders, sodass ich schon in Band 1 dachte, dass ich ihn kennenlernen muss. Dementsprechend fand ich es schade, dass das erste Viertel mehr Maeve gehört. Zum Glück hat Kazi das in der zweiten Hälfte besser im Griff gehabt, weil es dort eine bessere Verteilung bei den Figuren gab.

Für mich hat das Paar leider letztlich auch keine absolute Faszination ausgelöst. Es ist schwer zu packen, woran das liegt. Aber die Andeutungen von Band 1 wurden einfach nicht reproduziert. Der Fake Dating-Teil war für mich viel zu inkonsequent umgesetzt, zumal der Trope ohnehin nie so gut funktioniert, wenn wie hier Archie und Maeve eigentlich gut miteinander auskommen. Aber gerade Maeve wirkte trotz ihrer Erfahrungen mit ihrem Reitlehrer so entspannt in vielem, was ich wohl intuitiv anders gestaltet hätte. Deswegen habe ich mit ihr auch nicht so mitfühlen können, wie ich das in Band 1 mir ausgemalt habe. Zwar zeigt Maeve gewisse Verhaltensweisen, die typisch für die Storyline sind, aber nicht konsequent genug. Nicht hilfreich war auch, dass die Mutterfigur mir erneut nicht gefallen hat. Sie ist keine Antagonistin, sie ist meilenweit weg davon, aber sie kommt einfach nicht rüber. Auch die Schwesternbeziehung hätte ich mir stärker gewünscht, weil Kenzie und Maeve viel aufzuarbeiten hätten, aber es passieren ähnliche Fehler wie im Vorgänger.

Stark war aber erneut die Pferdethematik. Auch wenn Maeves Olympia-Traum für mich Lichtjahre entfernt scheint und als Motivation kaum herhält, so ist ihre Liebe für die Pferde deutlich zu merken. Die verschiedenen Beziehungen zu ihren Reitpferden wurden gut rübergebracht. Es gab auch sehr unterschiedliche Schwerpunkte mit Krankheit und psychisch auffälligem Verhalten bei den Tieren. Maeves Eigenschaften haben sich im Umgang mit den Tieren am besten gezeigt. Ich fand es auch gut, wie sich Archie den Pferden immer mehr angenähert hat. Seine Geschichte war auch deutlich besser und einnehmender gestaltet. Auch wenn es immer schwer ist, so abscheuliche Charaktere zu erleben, aber sie haben Archies Geschichte ergänzt. Genauso hat für mich gepasst, wie alles bei Goldcrest Manor weitergeführt wird und dass ein konsequenter Aufbau für etwas Größeres zu erkennen ist. Auch wenn es sicherlich keine Lieblingsreihe werden wird, aber der Abschluss reizt mich noch sehr.

Fazit: „Sunlit Grove“ hat ähnliche Stärken und Schwächen wie der Vorgänger. Alles rund um die Pferde und den Alltag auf dem Gestüt kommt gut und überzeugend rüber. In den Beziehungen wünsche ich mir oft mehr und auch die Schwerpunkte sind nicht immer ideal gesetzt. Aber Kazi kann erzählen, sodass sie auch mit Schwächen mich immer noch genug in ihren Bann ziehen kann.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Lahmer Ausflug nach Quincy

Garnet Flats | Die Edens 3 |
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Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine ...

Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine Ausnahme war. Da Band 2 mich dennoch überzeugen konnte, war mir der gravierende Unterschied auch egal. Doch hier in „Garnet Flats“ habe ich mir dann doch manches Mal erhofft, dass wir doch wieder zurückkehren könnten, um die Geschichte mehr anreichern zu können.

Mich hat an diesem dritten Band wohl am meisten gestört, was für eine relativ absurde Geschichte sich ausgedacht wurde, um die zweite Chance für Talia und Foster erzählen zu können. Es gibt sicherlich einiges auf der Welt, was man nicht genauer durchdenken möchte, aber hier kam es für mich einfach zu dicke zusammen, vor allem vor dem Hintergrund, dass gleich mehrere Figuren sich so zum Spielball haben machen lassen, ohne aktiv mal einen Weg heraus zu suchen. Second Chance ist in der Buchbubble auch ein Trope, der nicht unbedingt zu den beliebtesten gehört. Für mich ist das eigentlich nicht so, aber das Buch hat mich sehr zweigeteilt darüber denken lassen. Anfänglich fand ich Foster echt abstoßend. Er hat keine Grenzen respektiert, er war sehr aufdringlich und stellenweise fühlte es sich an, als wolle er runterspielen, was Talia erlebt hat und dadurch fühlt. Auch wenn es natürlich Szenen geben musste, in denen die nach wie vor vorhandene Anziehung präsent wurde, aber da hätte ich mir dann Talia aktiver gewünscht, gerade wegen der Vorgeschichte.

Auch wenn ich als Leserin irgendwann genau wusste, was passiert ist, aber ich konnte auch in der Nachschau Fosters Verhalten nicht rechtfertigen. Er hätte definitiv mehr Geduld und Verständnis haben können. Gleichzeitig wird die gemeinsame Liebesgeschichte irgendwann natürlicher und gerade durch die Ergänzung um Cadence hat Foster noch andere Seiten bekommen, die ihn immer sympathischer gemacht haben. Auch sein Respekt vor der Eden-Familie hat mich berührt. Erst später kamen dann wieder Momente, wo ein Tritt nicht schlecht gewesen wäre, weil Foster echt stur und dabei auch schon mal ungerecht ist. Aber ich habe mich definitiv mehr für ihn erwärmen können, als ich das zwischendurch erwartet hätte.

Talia mochte ich eigentlich echt sehr. Ich fand ihr Gefühlsleben sehr nachvollziehbar. Ich fand ihre Präsenz in der verrückten Familie sehr ausgleichend und ich habe ihr einfach durchgängig das Beste gewünscht. Da wir schon vorher wussten, dass Talia Ärztin ist, hatte ich mir schon ausgemalt, wie man das sinnvoll einbinden kann und muss da echt sagen, dass Perry da einiges hat liegen lassen. Während Fosters Beruf sehr präsent war, haben wir bei Talia einen größeren Szenenverlauf, aber auch nicht richtig aktiv. Hätte man Talia zur Hausärztin gemacht, dann hätte man es wieder anders gestalten können, aber wir haben sie an der vordersten Front im Krankenhaus und da hätte ich mir einfach mehr Spannung gewünscht. Gerade weil bei Talia ein großes Thema ist, dass sie sich wegen den Einflusses ihrer Familie nicht richtig ernst genommen fühlt, hätte ich gerne mitverfolgt, wie sie sich richtig beweist. Und man hätte ja doch etwas verweben können, um Talia an die Grenzen zu treiben. So war das einfach echt verschenkt.

Zumal Band 3 für mich nach hinten raus auch kein Ausrufezeichen mehr hat. Band 1 war am Ende ein einziges wildes Spektakel und auch Band 2 hat es geschafft, einen klaren inhaltlichen Höhepunkt aufzubauen. Das war hier aber nicht. Es hätte noch spannend werden können, aber es gab nur einen kleinen Puff. Man merkt also deutlich, dass Perry sich bei dieser Reihe viele Freiheiten nimmt und das kann dann einfach nach hinten losgehen. Die gemeinsame Geschichte von Talia und Foster wird mir jedenfalls nicht bedeutend lange in Erinnerung bleiben.

Fazit: „Garnet Flats“ erführt uns bereits zum dritten Mal nach Quincy, doch diesmal war der Ausflug nicht so schön oder spannend wie zuvor. Der Aufbau der Second Chance-Romance war doch arg übertrieben und hat der Figurenzeichnung nicht gut getan. Es geht zwar danach aufwärts, aber am Ende wird es kaum spannend. Also ein durchschnittlicher Eden-Ausflug.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Wenig Kyra Groh-Essenz

The Iced Caramel Coffee Agreement
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Kyra Groh halte ich wirklich schon lange die Treue. Deswegen war es schon etwas seltsam, dass sie inzwischen einer größeren Masse der Buchbubble ein Begriff ist, denn spätestens die Lower Whilby-Reihe ...

Kyra Groh halte ich wirklich schon lange die Treue. Deswegen war es schon etwas seltsam, dass sie inzwischen einer größeren Masse der Buchbubble ein Begriff ist, denn spätestens die Lower Whilby-Reihe hat sie echt durch die Decke schießen lassen und alle haben „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ in die Kamera gehalten. Mehr Leute bedeutet mehr Meinung und so habe ich doch auch einige entdeckt, die von Groh keine Fans sind. Geschenkt, dafür sind Geschmäcker da, aber oh Schreck, hat mich das vielleicht irgendwie beeinflusst?

Ich stelle die Frage so in den Raum, weil mich „The Iced Caramel Coffee Agreement“ leider nicht abholen konnte. Dabei war ich im Vorfeld eigentlich genau auf den Band gespannt. Wir haben Eleanore und Dex beide schon in Band 1 kennengelernt und dementsprechend fand ich die angedeuteten Gegensätze sehr vielversprechend. Ich bin wieder per Hörbuch eingestiegen. Sandra Voss und Jesse Grimm sprechen Eleanore und Dex und ich fand beide nicht passend. Voss klang für mich für Eleanore zu alt und Grimm klang für Dex nicht frech und draufgängerisch genug. Er hat eine schöne warme Stimme, aber für so einen halben Rockstar hätte es das etwas Kantigeres gerne sein können. Grundsätzlich finde ich beide Stimmen für sich gut und sie haben die Vorlage auch gut eingesprochen, aber weil die Geschichte mich schon nicht so wie gewünscht packen konnte, kamen dann die Stimmen noch oben drauf, weil sie eine weitere Barriere waren. Echt schade.

Warum habe ich aber inhaltlich nicht den Einstieg gefunden? Die leichteste Antwort dafür ist wohl vor allem, dass es einfach zu viel Geschichte gab. Aber da war nicht genug Handlung drin, die mich atemlos bei der Stange gehalten hat. Stattdessen fand ich viele der inneren Prozesse von beiden Figuren zu langatmig, dann waren einige Umstände in der Stadt einfach echt absurd und so stapelte sich eins aufs andere. Da ich im letzten Jahr immer mehr Hörbücher hatte, stellt es sich bei mir kaum noch ein, dass beim Hören meine Gedanken wegwandern, aber hier passierte es leider wieder und es hat mich geärgert, weil ich das bei der Geschichte nicht wollte. Was mich aber wohl am meisten enttäuscht hat, dass war auch, dass der Humor für mich nicht überspringen wollte. Groh ist für mich Humor, das ist ihre Stärke und ich war mir auch sicher, dass sich Eleanore bestens eignet, aber es wollte nicht zünden. Jetzt mag es auch daran liegen, dass Eleanore eine Figur ist, die mir echt sehr nah ist. Ich erkenne mich in vielem davon wieder und auch wenn ich manches selbst schon in den Griff bekommen habe, anderes nicht, so sind es natürlich trotzdem Themen, die auch wehtun können und dementsprechend waren manche von Eleanores Gedanken oder auch geäußerten Bemerkungen echt schmerzhaft, weil ich sie am liebsten dafür geschüttelt hätte.

Dem gegenüber wirkte Dex dann viel zu unbedarft. Auch wenn ich ebenfalls glaube, dass so eine Figur wie Eleanore jemanden braucht, der in gewissen Boxen nicht denkt, so ist für mich leider nicht wirklich ein Diskurs darüber entstanden, was Eleanore fühlt. Dex hat zwar nichts falsch gemacht, aber er wirkte dann in seinen Gefühlen zu schnell und zu perfekt. Und weil so die großen Themen, die ich erwartet hätte, nicht so viel Raum bekommen haben, frage ich mich nun natürlich: Worum ging es eigentlich? Und dann wäre wir wieder bei viel Handlung, ohne dass aber wirklich exakt so viel passiert wäre. Man sollte Bücher nicht aufblähen, nur weil immer dickere Bücher immer beliebter werden. Lieber bei der Basis bleiben und die Basis von Kyra Groh habe ich hier einfach viel zu wenig entdeckt.

Fazit: „The Iced Caramel Coffee Agreement“ ist für mich das bislang schwächste Buch von Kyra Groh. Ich habe den Kern ihrer Erzählstimme hier zu wenig entdeckt und ich fand vor allem, dass es zwar viele Seiten/Hörstunden gab, aber nicht ebenso viel Inhalt. Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf die Liebesgeschichte gefreut, aber sie hat mich in diesem Korsett nicht kriegen können. So hoffe ich einfach, dass mich der Abschluss wieder versöhnen kann.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zusammengebogenes Ende

Kiss of the Broken – Seine Liebe ist ihre Verdammnis
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Mit „Kiss of the Broken“ endet schon wieder die Romantasy-Reihe von Julia Pauss, die ich im vergangenen Herbst entdeckt habe. Da ich die männliche Hörbuchstimme für Ren nicht so passend fand, habe ich ...

Mit „Kiss of the Broken“ endet schon wieder die Romantasy-Reihe von Julia Pauss, die ich im vergangenen Herbst entdeckt habe. Da ich die männliche Hörbuchstimme für Ren nicht so passend fand, habe ich diesmal zur Buchausgabe gegriffen. Es war ungewöhnlich, ein paar der Namen ausgeschrieben zu sehen, dafür hatte ich aber noch viel vom Inhalt präsent, sodass ich schnell in einen Lesefluss gekommen bin. Wie war der Abschluss?

Abgesehen von der Hörbuchstimme war für mich die größte Kritik an Band 1 das World Building, das ich als sehr knapp empfunden habe, weil wir uns nur in Lethia befinden und weil klar ist, dass darüber hinaus noch viel in der Fantasywelt los sein muss. Das wird hier natürlich etwas aufgefangen, weil wir mit den Enthüllungen rund um Scar/Ophelia in eine andere Welt eintauchen: Tenebria. Es ist dann eher die Fantasy-typische Welt, weil es nicht die Menschenwelt ist, sondern die der Dämonen. Es war hier auch doppelt clever, dass ich zum Buch gegriffen habe, denn es gibt ein Glossar und so konnte ich die verschiedenen Wesen besser sortieren. Gleichzeitig muss man aber auch wieder sagen, dass wir nicht übertrieben intensiv in diese Welt eintauchen. Diesmal haben wir das Geschehen zweigeteilt, weil Ren und Scar lange getrennt voneinander sind. Während wir bei ihm also auf altbekannte Figuren vertrauen können, gäbe es bei Scar wesentlich mehr zu entdecken, aber es war doch eher wenig. Neben Aurelian, der in Band 1 schon seinen Auftritt hatte und nun natürlich mehr beleuchtet werden kann, haben wir dann Evadne und Nymara, die für mich rausgestochen haben, aber das ist für eine neue Welt doch eigentlich wenig.

Ich habe auch unweigerlich gemerkt, dass ich mich mit Lethia mehr identifiziert habe, obwohl es dort ebenso Vorurteile wie auf der anderen Seite gibt. Aber wir haben eben einen vollen ersten Band in Lethia und da ist was entstanden, was Tenebria hier nicht auffangen kann, aber ich hatte auch nicht den Eindruck, dass Pauss das überhaupt wollte. Ein großer Teil des Geschehens spielt dann auch in der Schattenwelt und ich muss gestehen, dass ich hier nicht immer inhaltlich folgen konnte, was wie möglich ist. Weiterhin ist mir immer mehr aufgefallen, dass die Autorin es sich einfach macht. Immer mehr Sachen gingen zu einfach. Zwar wurde Leerlauf so vermieden, aber gleichzeitig fühlte es sich auch immer mehr zurechtgebogen an. Vor allem weil irgendwann klar war, wie Pauss die Dilogie beenden will. Bei verfeindeten Reichen ist das immer schwierig, denn wir müssen nur in unsere aktuelle Welt blicken, da ist auch keine Diplomatie zu entdecken. Also klar, es war eine Aufgabe, aber herschenken muss man es deswegen noch lange nicht.

Bleiben wir aber zuvor noch bei einem positiven Aspekt. Die gemeinsame Chemie zwischen Scar und Ren hat in Band 1 so gut funktioniert, also war ich gespannt, wie es mit der Enthüllung zwischen ihnen steht. Es gibt natürlich viel verbrannte Erde, aber man hat dennoch gemerkt, wie viel sich zwischen ihnen entwickelt hat, sodass Missverständnisse gut ausgeräumt werden konnte. Und wenn sie beieinander waren, da war da viel Innigkeit, auch Necken war drin, aber es fühlte sich ehrlich tief an, ohne aber den Inhalt des Buchs zu bestimmen. Doch ich muss auch sagen, dass Scar mich im letzten Viertel doch sehr verloren hat. Ich verstehe, dass sie wegen ihrer Geschichte nur wenig Verantwortung empfinden wollte, aber dadurch wirkte sie umgekehrt so egoistisch. Dass ihr das nicht mehr zum Verhängnis geworden ist, lag dann nur an dem einfach gestrickten Ende, denn für sie ging alles gut aus, obwohl sie das Schicksal eigentlich gar nicht wollte.

Fazit: Julia Pauss hat mit „Kiss of the Broken” für mich klar nachgelassen. Obwohl wir eine zweite Welt hätten kennenlernen können, kam da wenig. Auch wenn die Chemie des zentralen Paares stimmt, aber irgendwann war sehr offensichtlich, dass es sich die Autorin zu einfach gemacht hat, um einen Abschluss zu finden. Es über die Ziellinie zu schaffen, ist die allergrößte und schwierigste Aufgabe und die hätte ich mir hier größer erhofft und gewünscht.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Qualitative Zweiteilung

The Night We Met
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Nachdem zuletzt vor allem Neuauflagen von Abby Jimenez den Buchmarkt überschwemmt haben, gibt es mit „The Night We Met“ tatsächlich aktuellen Nachschub und ich fand es im Nachwort dann sehr interessant, ...

Nachdem zuletzt vor allem Neuauflagen von Abby Jimenez den Buchmarkt überschwemmt haben, gibt es mit „The Night We Met“ tatsächlich aktuellen Nachschub und ich fand es im Nachwort dann sehr interessant, dass das Buch ursprünglich vor „Say You’ll Remember Me“ erscheinen sollte. Ja, das sind so die kleinen, ehrlichen Infos, die eine Autorin dann auch sehr nahbar machen, denn nicht jedes Buch geht so leicht von der Hand, wie man es sich wünschen würde. Aber auch Bücher, an denen man lange sitzt, können echte Herzensprojekte werden, wie ist es bei „The Night We Met“?

Ich muss sagen, dass „The Night We Met” für mich sehr komplex und schwierig gestartet ist, um dann gerade im letzten Viertel aber einen absoluten Sog zu entfalten. Das hat mich schon länger darüber nachdenken lassen, wo es vielleicht für Jimenez gehakt hat und ob ich vielleicht genau die Stellen dann so holprig fand. Wissen werde ich es nicht. Das Erste, was mich aber sehr gestört hat, das ist eigentlich der Titel gepaart mit dem Inhalt. Es ist schon klar, worauf der Titel anspielt, aber im Grunde wird diese Nacht nie wirklich erzählt. Stattdessen bekommen wir nur von beiden Hauptfiguren, Chris und Larissa, erzählt, was da war und wie es gelaufen ist, aber es wird uns nicht als die bedeutungsvolle Nacht inszeniert, wie es der Titel hätte vermuten lassen. Die Nacht war bedeutungsvoll, denn ja, sie hat die Geschichte völlig verändert und für beide genannte Figuren etwas entstehen lassen, was sie sich in der folgenden Zeit gerne anders gewünscht hätten, aber genau deswegen wäre ich in dieser Nacht gerne intensiv dabei gewesen.

Das Zweite, was mich doch arg genervt hat, das ist definitiv der Hund. Es passiert extrem selten, dass ich in Literatur dargestellte Tiere nicht leiden kann, aber hier war es soweit. Ich fand diesen Hund viel zu extrem, ich fand die beschriebenen Szenen zu ihm und seiner Art oft regelrecht ekelhaft und wie die Figuren dann auch noch entspannt und mit Lachen darauf reagiert haben, nein, das fand ich nicht schön. Ja, es ist alles Natur, aber im domestizierten Bereich kann es doch anders laufen. Und ich muss einfach sagen, dass solche Szenen für mich nicht in ein solches Buch passen. Anderes Genre und ich hätte es wohl anders aufgenommen. Dann ist für die Contra-Seite noch zu nennen, dass es einige sehr seltsame Figuren in diesem Buch gibt und es sind wieder mal zwei Mutterrollen. Also man kann echt zur Annahme kommen, dass Jimenez ein Mutterkomplex hat, weil bei ihr viele Mütter sehr extrem und seltsam sind. Hier waren es dann vor allem Larissas Mutter und die von Mike. Letztere hatte eine doch sehr kleine Rolle, aber ich habe mir sie weit weg gewünscht. Larissas Mutter wiederum war für mich irgendwo zwischen Wärme und Wahnsinn. Sie ist sehr wichtig für Larissa und wie sie Beziehungen für sich definiert, aber die Frau war manchmal so furchtbar ichbezogen, nur um dann doch wieder sinnvolle Einschätzungen abzugeben. Aber das waren alles zusammengenommen Faktoren, die mich doch lange nicht so richtig haben einsteigen lassen, vor allem auf der emotionalen Ebene nicht.

Mit der Liebesgeschichte sind wir im Freundeskreis von Xavier und Chris, Mike und Jesse sowie Becca haben wir natürlich schon kennengelernt. Da es in „Say You’ll Remember Me“ aber viel in Kalifornien spielte, war es jetzt cool, diese Freundesgruppe besser kennenzulernen. Mike ist da sicherlich der, der die komplexeste Charakterentwicklung bekommt. Ich fand das stark, weil er beispielsweise im Gegensatz zu Larissas Mutter mehr Profil hatte. Ich habe ihn oft weggewünscht und verurteilt, aber er war so dominant in der Handlung, dass ich sehr viel zu ihm gelernt habe. Zudem ist er existentiell wichtig dafür, wie sich die Liebesgeschichte von Larissa und Chris entwickelt. Wäre er nur eine von beiden Seiten gewesen, dann hätte ich das Buch an die Wand gepfeffert, aber so war er sehr entscheidend, dass ich am Ende Frieden gefunden habe. Denn Bro Code, Girl Code, das ist ein Thema, was man doch eher selten liest, weil man sich daran echt die Finger verbrennen kann. Ich bin auch ein sehr loyaler Mensch, aber ich bin auch oft bei dem Motto dabei „was das Herz will, das will es“. Die Balance dazwischen wurde hier anschaulich erzählt und zum Glück war die Chemie von Larissa und Chris auch so stark, denn ich wollte den Erhalt der Freundesgruppe genauso wie das Happyend für die beiden. Dementsprechend war irgendwann der Sog da, denn ich musste unbedingt wissen, wie Jimenez das löst und sie hat es gut gelöst.

Fazit: „The Night We Met“ hat für mich zwei Gesichter. Gerade am Anfang habe ich an ungewöhnlichen Stellen eingehakt. Einiges war falsch gewichtet, ein Tier hat mich in den Wahnsinn getrieben und auch sonst gab es zu viele unsympathische Zeitgenossen. Aber letztlich waren es die Thematik, die sensible Art von Jimenez und die Chemie zwischen Chris und Larissa, die mich doch mitgerissen haben.

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