Es geht weiter auf Goldcrest Manor
Goldcrest Manor - Sunlit GroveIch habe eine gewisse Pause gemacht, um jetzt endlich die „Goldcrest Manor“-Reihe von Yvy Kazi fortzusetzen. Auch wenn ich den ersten Band wahrlich nicht schlecht war (gerade der Pferdeanteil war neu und ...
Ich habe eine gewisse Pause gemacht, um jetzt endlich die „Goldcrest Manor“-Reihe von Yvy Kazi fortzusetzen. Auch wenn ich den ersten Band wahrlich nicht schlecht war (gerade der Pferdeanteil war neu und echt), aber es fehlte so der Reiz, um zu sagen, das muss ich sofort nach Veröffentlichung weiterverfolgen.
Für Band 2, „Sunlit Grove“ habe ich dann auch zum Hörbuch gegriffen, um dann mit Stimmen die Charaktere Maeve und Archie zum Leben erweckt zu bekommen. Mit Louis Friedemann Thiele hat man ja schon einen absoluten Pro in dem Genre dabei, aber auch Lea Roser war eine gute Wahl. Ich war anfangs nur erschreckt, als ich die Stimme von Bernd Reheuser hörte. Ich hatte zuvor nicht geschaut, wer als Sprecher dabei ist und befürchtete dann, dass er Archie spricht. Aber dass er letztlich die Benimmtipps von Archies Vorfahr gelesen hat, das war sehr cool und hat stimmlich hervorragend gepasst. Ich mag es schon sehr, wenn man sich als Verlag solche Gedanken macht und was anbietet, was Eindruck hinterlässt.
Kommen wir aber nun zum Inhalt. Bei Kazi ist mir schon öfters aufgefallen, dass sie ihre Perspektiven sehr ungleichmäßig verteilt, das war hier auch wieder der Fall. Gerade bei einem Hörbuch fällt das dann mehr auf, weil ich mir denke, hmm, jetzt hast du die andere Stimme lange nicht gehört. Das hat natürlich auch inhaltliche Konsequenzen. Selbst wenn wir Archie durch Maeves Perspektive erleben, aber es ist doch ein Unterschied, ob man nur von außen oder doch von innen schaut. Ich hatte mich im Vorfeld sehr gefreut auf diesen Band, weil Archie mit seinem aristokratischen Hintergrund eine gewisse Faszination auslöste. Eigentlich sind so stillere, zurückhaltendere Figuren genau die, die erst in ihren eigenen Bänden Faszination erwecken können, aber Archie wirkte so ganz anders, sodass ich schon in Band 1 dachte, dass ich ihn kennenlernen muss. Dementsprechend fand ich es schade, dass das erste Viertel mehr Maeve gehört. Zum Glück hat Kazi das in der zweiten Hälfte besser im Griff gehabt, weil es dort eine bessere Verteilung bei den Figuren gab.
Für mich hat das Paar leider letztlich auch keine absolute Faszination ausgelöst. Es ist schwer zu packen, woran das liegt. Aber die Andeutungen von Band 1 wurden einfach nicht reproduziert. Der Fake Dating-Teil war für mich viel zu inkonsequent umgesetzt, zumal der Trope ohnehin nie so gut funktioniert, wenn wie hier Archie und Maeve eigentlich gut miteinander auskommen. Aber gerade Maeve wirkte trotz ihrer Erfahrungen mit ihrem Reitlehrer so entspannt in vielem, was ich wohl intuitiv anders gestaltet hätte. Deswegen habe ich mit ihr auch nicht so mitfühlen können, wie ich das in Band 1 mir ausgemalt habe. Zwar zeigt Maeve gewisse Verhaltensweisen, die typisch für die Storyline sind, aber nicht konsequent genug. Nicht hilfreich war auch, dass die Mutterfigur mir erneut nicht gefallen hat. Sie ist keine Antagonistin, sie ist meilenweit weg davon, aber sie kommt einfach nicht rüber. Auch die Schwesternbeziehung hätte ich mir stärker gewünscht, weil Kenzie und Maeve viel aufzuarbeiten hätten, aber es passieren ähnliche Fehler wie im Vorgänger.
Stark war aber erneut die Pferdethematik. Auch wenn Maeves Olympia-Traum für mich Lichtjahre entfernt scheint und als Motivation kaum herhält, so ist ihre Liebe für die Pferde deutlich zu merken. Die verschiedenen Beziehungen zu ihren Reitpferden wurden gut rübergebracht. Es gab auch sehr unterschiedliche Schwerpunkte mit Krankheit und psychisch auffälligem Verhalten bei den Tieren. Maeves Eigenschaften haben sich im Umgang mit den Tieren am besten gezeigt. Ich fand es auch gut, wie sich Archie den Pferden immer mehr angenähert hat. Seine Geschichte war auch deutlich besser und einnehmender gestaltet. Auch wenn es immer schwer ist, so abscheuliche Charaktere zu erleben, aber sie haben Archies Geschichte ergänzt. Genauso hat für mich gepasst, wie alles bei Goldcrest Manor weitergeführt wird und dass ein konsequenter Aufbau für etwas Größeres zu erkennen ist. Auch wenn es sicherlich keine Lieblingsreihe werden wird, aber der Abschluss reizt mich noch sehr.
Fazit: „Sunlit Grove“ hat ähnliche Stärken und Schwächen wie der Vorgänger. Alles rund um die Pferde und den Alltag auf dem Gestüt kommt gut und überzeugend rüber. In den Beziehungen wünsche ich mir oft mehr und auch die Schwerpunkte sind nicht immer ideal gesetzt. Aber Kazi kann erzählen, sodass sie auch mit Schwächen mich immer noch genug in ihren Bann ziehen kann.