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Veröffentlicht am 08.05.2026

Zwischen Fernstraße, Freiheitsdrang & weiblicher Wut

Wir Königinnen
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„Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser ist am 27.02.2026 im Berlin Verlag erschienen und wurde bereits mit dem Literaturpreis Fulda 2026 ausgezeichnet. Der Roman erzählt von zwei sehr unterschiedlichen ...

„Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser ist am 27.02.2026 im Berlin Verlag erschienen und wurde bereits mit dem Literaturpreis Fulda 2026 ausgezeichnet. Der Roman erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Frauen, die sich zufällig in den piemontesischen Alpen begegnen: einer rastlosen Wanderin und der pragmatischen Lkw-Fahrerin Anna, die trächtige Kühe Richtung Türkei transportiert. Aus einem spontanen Mitfahren wird ein intensiver Roadtrip durch Europa – voller Gespräche, Missverständnisse und Fragen danach, wie man eigentlich leben will.

Meine Meinung

Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, weil allein die Prämisse schon so anders klingt als vieles, was man aktuell liest – und genau das hat der Roman für mich auch eingelöst. „Wir Königinnen“ ist keine klassische Roadnovel mit romantischer Verklärung von Freiheit, sondern eine staubige, manchmal unbequeme Reise durch Themen wie Care-Arbeit, weibliche Erschöpfung, Arbeitsbedingungen, Einsamkeit und Solidarität.

Besonders gefesselt hat mich die Sprache. Der Roman ist voll von Sätzen, die man markieren möchte. Gleich zu Beginn heißt es: „Das hier ist lebensgefährlich ohne Anführungszeichen.“ (S. 12) – und genau dieses Gefühl zieht sich durch das ganze Buch: zwischen Ironie und Ernst, zwischen Überforderung und schwarzem Humor.

Sehr beeindruckt haben mich auch die Gespräche zwischen den beiden Frauen, die oft über einen teilweise halluzinierenden Handy-Übersetzer laufen. Dadurch entstehen gleichzeitig absurde und unglaublich berührende Momente. Einer meiner liebsten Sätze war: „In unserer Familie Mutterschaft kommt immer eine Generation zu spät.“ (S. 50) Dieser Satz trifft so vieles im Kern, worum es in diesem Roman geht: Weitergabe von Verletzungen, verpasste Nähe und die Frage, wie Frauen trotz allem füreinander da sein können.

Auch gesellschaftlich hochaktuelle Fragen werden im Buch verhandelt. So haben mich die Passagen über die Realität von Fernfahrer und Ausbeutung innerhalb Europas noch sehr lange nach dem Lesen beschäftigt: „Wenn Sie billige Arbeitskräfte suchen [...], dann suchen Sie nicht in Deutschland.“ (S. 93) Der Roman schaut hin, ohne belehrend zu werden.

Was man allerdings wissen sollte: Das Buch fordert seine Leser:innen durchaus. Viele Dialoge sind auf Englisch geführt – wenn man damit Schwierigkeiten hat, könnte der Lesefluss leiden. Außerdem ist die Erzählweise stellenweise sehr assoziativ und literarisch. Ich mochte das total, aber es ist definitiv kein „nebenbei“-Buch.

Fazit
„Wir Königinnen“ ist ein besonderer Roman, der sich nicht glattliest, sondern Reibung erzeugt – sprachlich wie thematisch. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mit feministischen Themen, ungewöhnlichen Perspektiven und starken Bildern mögen. Nichts für Leser:innen, die einen klassischen Wohlfühl-Roadtrip erwarten. Vielen Dank an den Berlin Verlag & netgalley.de für das digitale Rezensionsexemplar! Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Anatomie eines Verrats

Eine Hymne an das Leben
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„Die Scham muss die Seite wechseln.“ (S. 22) Dieser Satz ist kein bloßer Slogan, er ist eine Verschiebung der Statik in einem Machtgefüge, das seit Jahrhunderten auf dem Schweigen von Betroffenen basiert. ...

„Die Scham muss die Seite wechseln.“ (S. 22) Dieser Satz ist kein bloßer Slogan, er ist eine Verschiebung der Statik in einem Machtgefüge, das seit Jahrhunderten auf dem Schweigen von Betroffenen basiert. In ihrer Autobiografie „Eine Hymne an das Leben“ (geschrieben mit Judith Perrignon, erschienen 2026 bei Piper) wird deutlich, dass das, was Gisèle Pelicot widerfahren ist, kein isolierter „Einzelfall“ ist. Es ist die radikale Zuspitzung einer patriarchalen Realität, in der weibliche Körper als verfügbares Material begriffen werden.

Worum geht's genau?
Pelicot beschreibt einen Verrat, der das Vorstellbare sprengt, weil er im vermeintlichen Schutzraum des Intimen stattfand. Über ein Jahrzehnt lang setzte ihr Ehemann sie systematisch unter Drogen, um sie dutzenden fremden Männern für Vergewaltigungen auszuliefern. Das Buch seziert präzise, wie diese Gewalt durch die „chemische Unterwerfung“ unsichtbar gemacht wurde, während ihr eigener Körper durch gynäkologische Probleme und unerklärliche Erschöpfung längst Alarm schlug. Pelicot reflektiert hierbei bitter: „Verdächtig war dieser Frauenkörper, der sich nicht altersgerecht verhielt. Verdächtig war also die Frau.“ (S. 51). Es ist die klassische Täter-Opfer-Umkehr, die sie hier bereits innerhalb ihrer Ehe antizipiert.

Besonders analytisch sind die Passagen, in denen Pelicot die gesellschaftliche Dimension benennt. Sie schreibt über die Erziehung der Nachkriegsgeneration, über Väter, die „Haltung“ über Emotionen stellten, und über ein Frauenbild, das Sexualität als „männliches Naturbedürfnis“ akzeptierte. Diese Sozialisierung ebnete den Weg für das jahrelange Wegsehen. Dass die Täter im Gerichtssaal ihre Taten damit rechtfertigten, sie seien „keine Vergewaltiger“, weil das Opfer ja schlief oder sie sich sonst „etwas Hübscheres genommen hätten“ (S. 212), entlarvt die tief sitzende Misogynie und das völlige Fehlen von Konsens-Verständnis.

Fazit
Das Buch verzichtet auf reißerische Adjektive oder die Stilisierung als „Monster“. Es ist ein nüchternes, fast distanziertes Protokoll der Selbstbehauptung. Gisèle Pelicot nutzt ihre Sichtbarkeit als politische Waffe. Sie entscheidet sich gegen die Anonymität, um das System der Männergewalt vorzuführen. Auch wenn der Text an einigen Stellen sehr pathetisch in die familiäre Ahnenreihe ausgreift, bleibt der Kern unnachgiebig: Die Weigerung, die Scham der Täter weiter selbst zu tragen. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Was der Kanon verschweigt – und was Literatur wirklich kann

Und jetzt queer!
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„Queere Literatur ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich." (S. 10)
„Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm“ ist am 3. März 2026 im Leykam Verlag erschienen. Verfasst wurde es von Bianca-Maria ...

„Queere Literatur ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich." (S. 10)
„Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm“ ist am 3. März 2026 im Leykam Verlag erschienen. Verfasst wurde es von Bianca-Maria Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller, begleitet von wunderschönen Illustrationen von Jasmina El Bouamraoui (El Boum).

Worum geht’s?

Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die queere Literatur – ihre Geschichte, ihre Genres, ihre Verlage, ihre Kämpfe und ihre Zukunft. Es geht der Frage nach, warum der klassische Literaturkanon nur einen kleinen Teil der Welt abbildet, und zeigt gleichzeitig auf, dass queeres Schreiben und queere Kunstschaffende schon immer fester Bestandteil der Literaturgeschichte waren. Ergänzt wird das Werk durch ein Glossar, eine umfangreiche Leseliste und hilfreiche Linktipps.

Meine Meinung

Mich hat das Buch direkt zu Beginn abgeholt, weil es genau weiß, was es sein will – und was nicht. Die drei Autor:innen benennen im Intro klar ihre eigene Positionierung: queere, weiße, österreichische und deutsche Perspektiven, teils aus nicht-akademischen Familien, teils neurodivers, mit einem eurozentrisch geprägten Blick und bewussten Leerstellen. Für mich ist es bei einem Sachbuch (eigentlich bei jedem Buch) essenziell, dass sich Autor:innen ihrer eigenen Privilegien bewusst sind und aufzeigen, wie sie Leerstellen ausgleichen – etwa indem sie Betroffene direkt zu Wort kommen lassen.

Was „Und jetzt queer!“ zudem auszeichnet, ist seine enorme Breite. Es ist weder ein reiner Essay noch eine Monografie, sondern ein echtes Kompendium. Es behandelt die Definition queerer Literatur, erklärt die politische Relevanz queerer Buchhandlungen als Orte der „Bibliodiversität“ und berichtet von Zensur sowie den kolonialen Ursprüngen anti-queerer Gesetze. Die Reise führt von Lyrik über Science-Fiction bis hin zur Frage, warum ein Kafka-Kapitel in einen queeren Kanon genauso gehört wie eines über Audre Lorde. Besonders stark: Intersektionalität ist hier keine Randnotiz, sondern zieht sich durch die Themen Klasse, Race, Neurodiversität und trans Sichtbarkeit wie ein roter Faden.

Besonders relevant war für mich das Kapitel zur queeren Kinder- und Jugendliteratur, da ich in meiner beruflichen Arbeit täglich erlebe, wie wichtig Repräsentation für junge Menschen ist. Dass die österreichischen Lehrpläne 2025 das Lesen ganzer Bücher nicht mehr vorsehen, ist schockierend. In Bezug auf einen diversen Kanon möchte ich hier ergänzend auf Teresa Reichl verweisen, die in ihrem Buch „Muss ich das gelesen haben?“ in jugendgerechter Sprache den Literaturkanon auseinandernimmt. Dieser Tipp hat mir in der ansonsten hervorragenden Liste von „Und jetzt queer!“ noch gefehlt, gerade wenn es um den Schuleinsatz geht.

Ein weiterer Pluspunkt ist die flexible Struktur: Man kann das Buch, wie von den Autor:innen vorgeschlagen, wortwörtlich „que(e)r lesen“. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Querverweise auf Seitenzahlen, die in der Praxis nicht immer ganz konsistent funktionieren, wenn ein Titel mehrfach im Buch auftaucht.

Last but not least: Die Illustrationen von El Boum. Mir fällt dazu nur ein: Ein wahres Feuerwerk an Farben! Ich weiß, „never judge a book by its cover“, aber allein wegen der Gestaltung ist dieses Buch ein absolutes Must-have :D

Fazit

„Und jetzt queer!“ ist für mich kein Buch, das man nur einmal liest. Ich sehe mich schon jetzt die umfangreichen Literaturtipps nach und nach „abarbeiten“. Die Autor:innen haben hier ein Standardwerk geschaffen, das queere Literatur nicht als Nische behandelt, sondern als das, was sie ist: ein zentraler, politisch relevanter und ästhetisch reicher Teil der Literaturgeschichte. Für alle, die lesen. Wirklich für alle. Herzlichen Dank an den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar! 🙏

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Was die Ahnen hinterlassen

Die Stimmen der Nacht
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„Er war nicht nur auf der Suche nach seinen Wurzeln, wollte nicht nur Verantwortung übernehmen für die Vergangenheit. Nein, er war gefahren, weil er der Sohn seines Vaters war. Weil das Land und sein Volk ...

„Er war nicht nur auf der Suche nach seinen Wurzeln, wollte nicht nur Verantwortung übernehmen für die Vergangenheit. Nein, er war gefahren, weil er der Sohn seines Vaters war. Weil das Land und sein Volk dort immer nach ihm rufen würden, ganz gleich, wo in der Welt er sich befand." (S. 227–228)
„Die Stimmen der Nacht" von Tochi Eze ist am 30.03.2026 beim Pfaueninsel Verlag erschienen (352 Seiten), übersetzt aus dem Englischen von Agnes Krup.

Worum geht's?
Lagos, 1960er Jahre. In einer Stadt voller Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit lernen die selbstbewusste Margaret und der in Großbritannien geborene Benjamin einander kennen. Er auf der Suche nach seinen nigerianischen Wurzeln, sie mit einem Geheimnis, das größer ist als sie selbst. Als Jahrzehnte später ihr gemeinsamer Enkel beginnt, Zeichen zu zeigen, die Margaret aus ihrer eigenen Vergangenheit kennt, müssen beide sich Fragen stellen, die sie längst hinter sich gelassen glaubten. Der Roman spannt einen Bogen von einem kleinen Dorf in Igboland um 1905 über das Lagos der Sechziger bis ins Atlanta des Jahres 2005.

Meine Meinung

Was diesen Roman von Beginn an auszeichnet, ist die thematische Dichte: Schuld und ihre Weitergabe über Generationen, Glaube und Fluch, psychische Erkrankung zwischen spiritueller Deutung und medizinischer Diagnose, Kolonialismus als anhaltende Wunde, Identität in der Diaspora, die Frage, wessen Erklärung für Leid gilt und wessen Heilung legitim ist. Margaret leidet unter dem, was die Moderne Schizophrenie nennen würde, was in ihrer Herkunftsgemeinschaft als Fluch gedeutet wird. Die Autorin lotet alle Möglichkeitsräume dazwischen aus, ohne eine Seite zu privilegieren. Das ist wirklich schlau gemacht und respektvoll zugleich.

Was mich am Anfang gefordert hat waren die vielen Figuren, zwischen denen ich mich ich erst orientieren musste. Ein Glossar oder eine Figurenübersicht wäre hier eine echte Hilfe gewesen.

Eine Stelle möchte ich explizit ansprechen: Das N-Wort wird im Text ausgeschrieben (S. 10). Ich verstehe, dass es in einem historischen Kontext steht; aber die Frage, ob eine Übersetzung ins Deutsche dieses Wort 1:1 übernehmen muss oder ob es sensiblere Lösungen gäbe, ist berechtigt. Ich hätte mir da jedenfalls einen Hinweis im Buch gewünscht und war etwas schockiert.

Was dem Roman bleibt, ist eine Stärke, die über die Einzelkritik hinausgeht: Er erzählt von Frauen, die in einer patriarchalischen Welt bestehen mit einer stillen Unnachgiebigkeit, die sich ins Gedächtnis brennt.

Fazit

„Die Stimmen der Nacht" ist ein anspruchsvolles Debüt, das seinen Lesenden einiges abverlangt aber definitiv was zurückgibt, wenn man sich darauf einlässt. Empfehlung für alle, die literarische Unterhaltung mit Tiefgang suchen, sich für nigerianische Geschichte und Igbo-Kultur interessieren und Romane mögen, die über Generationen hinweg denken. Wer einen leicht zugänglichen Einstieg erwartet, sollte etwas Geduld mitbringen.

Herzlichen Dank an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Vorhang auf für eine Generation unter enormen Druck

Einmachglas
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TW: Suizd: „Eigentlich habe ich keinen Grund, mich umzubringen, aber auch keinen, es nicht zu tun. Niemand würde sich freuen. Niemand würde um mich trauern. Sogar zum Sterben zu langweilig." (S. 11) – ...

TW: Suizd: „Eigentlich habe ich keinen Grund, mich umzubringen, aber auch keinen, es nicht zu tun. Niemand würde sich freuen. Niemand würde um mich trauern. Sogar zum Sterben zu langweilig." (S. 11) – Dieser Satz steht früh im Buch und er hat mich sofort mitten hinein in die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten dieser Jugendlichen gezogen: Identität, Druck, das Gefühl, den eigenen Platz in der Welt noch nicht gefunden zu haben.

„Einmachglas" von Demian Cornu ist am 01.03.2026 beim Zeitkind Verlag erschienen, 178 Seiten. Der Schweizer Autor hat selbst zwei Kinder und ist unter anderem Co-Präsident des DeutschSchweizer PEN Zentrums, Kurator der Diskussionsreihe h
story und Torwart der Schweizer Literatur Nati. „Einmachglas" ist sein zweiter Roman.

Worum geht's?

Eine Schulklasse in einem sozialen Brennpunkt probt für ihr Abschlusstheater. Der Alltag ist geprägt von Teilnahmslosigkeit, Mobbing, Gewalt und familiären Problemen. Als ein Mitschüler plötzlich stirbt, wird das zum Wendepunkt – die Jugendlichen werden gezwungen, sich mit Verlust, Leistungsdruck und Identität auseinanderzusetzen. Das Theaterstück wird zur Katharsis. Und zur Anklage.

Meine Meinung

Was mich von der ersten Seite an überzeugt hat: Dieser Roman fühlt sich nicht an wie ein Buch über Jugendliche. Er fühlt sich an wie ein Buch von ihnen, weil sie meiner Meinung nach sehr authentisch dargestellt sind. Die Perspektiven wechseln zwischen den Schüler:innen und geben so einen tiefen Einblick in unterschiedliche Lebensrealitäten innerhalb einer Generation. Man lernt nach und nach, wer da eigentlich zu uns als Lesende spricht. Jede Figur trägt einen eigenen Rucksack, hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Sorgen. Am Anfang hat mich der recht schnelle Perspektivenwechsel gefordert, aber bin dann doch recht schnell reingekommen.

Was dem Autor meiner Meinung nach besonders gut gelingt: Die Jugendlichen sind keine Opfer und keine Held:innen. Sie sind selbstbezogen, manchmal unfair, manchmal unerträglich. Und weil sie sich in ihren Emotionen so echt anfühlen, sind sie für mich so überzeugend.

Das Theaterstück als Rahmen ist mehr als dramaturgisches Mittel. Es ist das Herzstück des Romans: Der Moment, in dem die Jugendlichen auf der Bühne sagen, was sie sonst nicht sagen können, wenn die Erwachsenen endlich ihnen zuhören müssen, ist einer der stärksten des Buches – und die Anklage an die älteren Generationen sitzt: „Wer zeigt uns, wie man schwach sein darf? Wie man liebt?" (S. 167).

Wenn ich mir was anders wünschen dürfte: noch 50 bis 100 Seiten mehr. Nicht weil die Geschichte nicht auch so wirkt, sondern weil ich mit den Figuren gerne noch länger zusammen gewesen wäre. Ein kurzer Hinweis sei noch erlaubt: Das Buch thematisiert Suizidalität, Gewalt und psychische Belastungen von Jugendlichen mit einer Direktheit, die wahrscheinlich bewusst gewählt ist. Ein kurzes Vorwort oder ein Hinweis auf Unterstützungsangebote wäre bei einer solchen Thematik wünschenswert gewesen.

Fazit

„Einmachglas" ist ein Geheimtipp, der keiner bleiben sollte. Für alle, die wissen wollen, was Jugendliche wirklich beschäftigt. Herzlichen Dank an Gabriela vom Zeitkind Verlag für das Rezensionsexemplar! 🙏

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