Todesschach: Die Jagd beginnt
DoppelspielDie international bekannten SPIEGEL Bestseller- Autoren Arne Dahl und Jonas Moström haben mit “Doppelspiel” den ersten Band einer Trilogie vorgelegt, dessen Handlung in Stockholm angesiedelt ist. Nicht ...
Die international bekannten SPIEGEL Bestseller- Autoren Arne Dahl und Jonas Moström haben mit “Doppelspiel” den ersten Band einer Trilogie vorgelegt, dessen Handlung in Stockholm angesiedelt ist. Nicht nur Verbrechen, sondern auch die Faszination des Schachspiels bestimmen diesen Kriminalroman. Schon das geheimnisvolle Cover zeigt eine atemlose Flucht, der dreiseitige Farbschnitt ergänzt die hochwertige Ausstattung des Buches.
Tom, ein international gefeierter Autor, leidet bereits seit drei Jahren an einer Schreibblockade. Die damals fertig gestellte Verfilmung seines letzten Romans verschafft ihm auch jetzt noch große Popularität. Doch eigentlich ist Tom Umweltschützer, der gerne einen Roman mit Tiefgang schreiben würde. Seiner Verlegerin legt er nur ein kurzes Exzerpt seines neuen Kriminalromanes vor, was ihm fehlt, ist der Bezug zum realen Leben. Doch der kommt schneller als gedacht, als Tom Nicole kennenlernt, rothaarig wie seine Romanfigur, und sich mit ihr in einem Whirlpool in einem dubiosen Club wiederfindet, wieder wie in seinem Romanentwurf. Als Nicole getötet wird, steht Tom unter Verdacht. Nunmehr befindet er sich ständig auf der Flucht vor dem Mörder, der noch weitere Verbrechen begeht und den man am Tattoo einer Schachfigur an seinem Handgelenk erkennt, verfolgt von der Polizei, denn alles deutet auf Tom als Mörder hin.
Arne Dahl und Jonas Moström haben interessante Protagonisten erschaffen und diese in ihrer Rolle lebendig, aber nicht immer glaubhaft dargestellt. Toms Verfolgerin ist die Polizistin Olivia, die in einer gewalttätigen Ehe lebt, obwohl sie selbst MMA Kämpferin ist. Und die ein Merkmal mit einer Frau gemeinsam hat, die Männer überfällt, um an ihnen die Taten zu rächen, die sie Frauen angetan haben. Toms Freund Lennart ist behindert, dennoch ein großer Frauenschwarm. Er unterstützt Tom in jeder Hinsicht und bleibt sein einziger Vertrauter. Lennart benutzt eine KI, um seinen Alltag zu meistern und um mit ihr Schach zu spielen. Tom stößt bei seinen Recherchen, selbst den Mörder zu stellen, immer wieder auf Schachsymbole. Auch erhält er von Unbekannten ein Angebot, einen Roman über den Klimawandel schreiben. Soll Tom zusagen? Bald wird er seine Entscheidung bitter bereuen!
Leider weisen die Charaktere der Protagonisten Widersprüche auf, die irritieren. Tom als Autor mit Schreibblockade changiert zwischen Naivität und Verzweiflung, die Polizistin Olivia ist einerseits gewalttätig, andererseits unterwürfig. Die Rolle von Lennart bleibt undurchsichtig. Die Entwicklung des Geschehens ist nicht nachvollziehbar, offen bleibt, welche mörderische Gruppe hinter den Gewalttaten steht. Da der Roman in Stockholm spielt, werden sich vor allem Kenner der Stadt freuen, denn der Roman enthält immer sehr genaue Ortsangaben, so dass man das Geschehen und Toms Flucht minutiös verfolgen kann. Wer die Stadt nur oberflächlich kennt, wird hier vielleicht überfordert sein.
“Doppelspiel” ist ein zu Beginn spannender, flüssig geschriebener Kriminalroman mit nur teilweise stringenter Handlung. Die Organisation, die sich immer wieder eines Schachsymbols als Erkennungszeichen bedient, würde bei den heutigen technischen Möglichkeiten nach meinem Dafürhalten eher nicht auf einen Autor zurückgreifen, um ihre verbrecherischen Ziele zu erreichen, auch wenn ein bekanntes Gesicht als Testimonial hilfreich sein kann. Dennoch passt das Grundthema dieses Buches in die heutige Zeit und unterstreicht, welche Probleme und politischen Ambitionen die Gesellschaft heute bewegen. Ich gehe davon aus, dass in der Fortsetzung noch offene Handlungsstränge verknotet werden. Auch die Bedeutung des Schachspiels ist noch nicht aufgeklärt. Lesende, die ein nordisches Setting mögen und bereit sind, die Auflösung der Kriminalfälle in diesem Band nicht als final zu betrachten, haben hier das für sie richtige Buch gefunden. Ich hätte mir jedoch von diesem Buch, das von zwei renommierten Autoren stammt, mehr erwartet.