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Veröffentlicht am 08.04.2023

Reality-TV extrem – wenn Menschen aufeinanderprallen

Stranded - Die Insel
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Eine einsame Insel, acht völlig unterschiedliche Charaktere, wenig zum Überleben: Mit ihrem Debütthriller „Stranded – Die Insel“ nimmt uns Sarah Goodwin auf ein extremes TV-Experiment mit und macht uns ...

Eine einsame Insel, acht völlig unterschiedliche Charaktere, wenig zum Überleben: Mit ihrem Debütthriller „Stranded – Die Insel“ nimmt uns Sarah Goodwin auf ein extremes TV-Experiment mit und macht uns zum stillen Beobachter, in einer immer mehr eskalierenden Gemeinschaft.

Um was geht es?
Maddy hat es geschafft. Sie hat sich für ein besonderes TV-Experiment qualifiziert. Gemeinsam mit sieben weiteren Personen soll sie auf einer einsamen schottischen Insel für 12 Monate abgeschieden von der Außenwelt leben. Nur mit dem, was die Insel bietet. Doch das TV-Team hat es auf Quote angelegt. Unterschiedlicher könnten die Charaktere kaum sein und innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Situation. Nur eines ist klar, nicht alle werden überleben. Aber was ist geschehen?

Die Hauptpersonen in dem Buch sind völlig konträr: vom Alphatier, über Egoisten, Mitläufer und die graue Maus ist alles vertreten. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Wir erleben die Geschichte aus Sicht von Maddy, einer durch einen Schicksalsschlag tief traumatisierten jungen Frau, die auf der Insel zu sich selbst finden möchte und sich plötzlich in einem Kampf ums Überleben wiederfindet. Als Leser durchlebt man im Laufe der Story ein Wechselbad der Gefühle – Mitleid, Wut, Entsetzen, Überraschung, Fassungslosigkeit, Ablehnung und noch so viel mehr.

Sarah Goodwin schafft es mit einem Kunstgriff extrem viel Spannung aufzubauen. An sich ist die Schilderung des Experiments nicht sonderlich spannend. Man lässt sich berieseln wie beim Ansehen des Dschungelcamps. Wären da nicht die Zwischenseiten, die dem Leser vermitteln, dass auf der Insel etwas unglaublich Schreckliches passiert sein muss und nicht alle überleben. Gerade diese Zwischensequenzen mit Maddy, die in einer Art Interviewstil gehalten sind und zeitlich nach dem Experiment liegen, verraten so viel und gleichzeitig so wenig, dass man einfach Seite für Seite weiterlesen muss, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Dieser Pageturner hat mich nach seinem Ende so nachdenklich und betroffen zurückgelassen, wie selten ein anderes Buch. Immer wieder habe ich mich gefragt, wie ich mich selbst in der einen oder anderen Situation verhalten hätte. Ob ich menschlicher reagiert oder eventuell auch nur an mich gedacht hätte. Eine echte Antwort habe ich darauf nicht gefunden.

Fazit:
Das Buch ist für alle Thrillerfans, die sich nicht vom „Dschungelcamp extrem“ abschrecken lassen, bestens geeignet und wird für viele spannende Lesestunden sorgen. Ebenso ist es für alle Leser geeignet, die sich für menschliche Abgründe interessieren, denn letztlich handelt es sich bei „Stranded“ um ein furchtbar schief gegangenes Sozialexperiment. Ich freue mich bereits heute auf den nächsten Thriller von Sarah Goodwin, mit dem sie hoffentlich an dieses Buch anschließen kann.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 15.02.2023

Actionreicher Thriller in einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt

Der Riss
5

Ein besonderer Schauplatz, menschliche Gier, eine sensationelle Entdeckung, ein vermisster Bruder. Das ist das Rezept dieses actionreichen Thrillers von Thilo Winter.

Um was geht es?
Die Vulkanologin ...

Ein besonderer Schauplatz, menschliche Gier, eine sensationelle Entdeckung, ein vermisster Bruder. Das ist das Rezept dieses actionreichen Thrillers von Thilo Winter.

Um was geht es?
Die Vulkanologin Antonia Rauwolf wird auf die Forschungsstation Neumayer III in die Antarktis geschickt. Dort soll sie prüfen, ob ein frisch entdecktes Vulkanfeld aktiv ist. Doch Antonia hat andere Pläne. Sie möchte sich auf die Suche nach ihrem Bruder Emilio machen. Der Biologe ist mitsamt seines Kollegen Pietro Malatesta nach einer Expedition verschollen. Antonia geht entgegen aller Widerstände auf ihre aussichtslose Rettungsmission, nicht wissend was für einen Strudel an Ereignissen sie damit auslöst. Denn für Profit und Reichtum geht so mancher über Leichen.

Antonia Rauwolf ist die Protagonistin dieses Thrillers mit Zügen einer Antiheldin. Sie ist nicht glatt und lieb, sondern hat Ecken und Kanten, ist stur und bringt damit nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Den einen oder anderen Leser mag dies abschrecken. Ich persönlich mag es aber, wenn die Helden der Geschichte nicht immer strahlende Figuren sind und mitunter impulsiv und unvernünftig handeln. Zahlreiche Nebencharaktere unterschiedlichster Art versuchen mit Antonia und ihrem Verhalten klarzukommen, sie mal zu unterstützen, mal in ihre Schranken zu weisen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Das macht auch die Beziehungen und deren Weiterentwicklung zwischen den einzelnen Charakteren so spannend.

Der Schauplatz Antarktis ist äußerst ungewöhnlich. Es ist ein sehr isolierter Raum mit vielen klimatischen Besonderheiten, die im Rahmen der Handlung erklärt werden und die Geschichte um eine zusätzliche interessante Komponente erweitert. Denn nicht immer können die Personen so agieren, wie sie es gerne möchten. Einfach, weil es das menschenfeindliche Klima nicht gestattet.

Die Geschichte liest sich leicht und flüssig und ist mehr ein actionreicher Roman als ein Wissenschafts-Thriller. Der Roman erinnert ein wenig an James Bond meets Indiana Jones & Lara Croft. Wissenschaftliche Fakten werden zwar eingestreut, aber sind nicht der Kern der Handlung. Im letzten Drittel des Buches war es mir persönlich ein bißchen zu viel Action. Hier noch eine Wendung, da noch eine Überraschung, hier noch ein Angriff, da noch eine Katastrophe. Da wäre weniger mehr gewesen. Aber sowas ist dann doch immer Geschmackssache.

Besonders hervorheben möchte ich das Nachwort des Buches, in dem auf sieben Seiten wichtige, interessante, wissenschaftliche Fakten zur Antarktis für den Leser aufbereitet worden sind. Das hat mich persönlich dazu animiert, mich noch einmal selbst mit der Antarktis auseinanderzusetzen.

Fazit:
Wer einen kurzweiligen, actiongeladenen Thriller sucht, ist hier genau richtig aufgehoben. Wer allerdings auf viele wissenschaftliche Fakten im Verlauf der Handlung hofft, sollte besser nicht zugreifen. Dieser Leser wird eher enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Spannender Auftakt der schwedischen Krimi-Trilogie

Doppelspiel
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Das Autorenduo Dahl / Moström legt mit „Doppelspiel“ den Grundstein zu einer spannenden Krimi-Trilogie, in der Fiktion auf einmal Wirklichkeit wird.

Um was geht es?
Tom Borg ist gefeierter Bestsellerautor ...

Das Autorenduo Dahl / Moström legt mit „Doppelspiel“ den Grundstein zu einer spannenden Krimi-Trilogie, in der Fiktion auf einmal Wirklichkeit wird.

Um was geht es?
Tom Borg ist gefeierter Bestsellerautor der Thrillerreihe rund um Nic Castillo. Nachdem er seinen Protagonisten hat sterben lassen, befindet er sich in einer tiefen Schreibblockade. Lediglich zwei, konzeptlose Seiten eines Klima-Thrillers hat er bis jetzt zustande gebracht. Der Kern: Ein Nachtclub, ein Jacuzzi, eine Sexarbeiterin, eventuell ein Umweltminister und ein Mord. Doch eine wirkliche Idee zum Plot hat Tom Borg noch nicht. Bis er in seiner Lesung Nicole kennenlernt, eine Frau, die ihn fasziniert und in einem Nachtclub arbeitet. Die mit ihm in diesem Nachtclub in einen Jacuzzi steigt und dort vor seinen Augen ermordet wird. Deren Mord ihm in die Schuhe geschoben werden soll. Tom versucht fortan seine Spuren zu verwischen und selbst den Täter und das Motiv ausfindig zu machen. Denn die Tat ähnelt zu sehr seinem zweiseitigen Manuskript. Doch die Ermittlerinnen Olivia und Nazrin sind ihm schon dicht auf den Fersen.

Protagonist des Buches ist Tom Borg, gefeierter Bestseller-Autor, der sich in einer waschechten Schreibkrise befindet. Er ist Klima-Influencer auf YouTube und möchte in seinem neuen Roman die Klimakrise im Thriller-Format den Menschen näherbringen. An sich ein interessanter Gedanke, hätte er nur den Funken einer Idee, wie. Das macht ihn schwer depressiv und irgendwie haltlos. Als er sich plötzlich in seinem eigenen, zweiseitigen, schlecht zusammengeschusterten Manuskript wiederfindet, agiert er teilweise kopflos, teilweise aber auch sehr überlegt. Von Depression keine Spur mehr, sondern er ist voller Energie und Ideen. Dieser Zweispalt in seinen Handlungen zieht sich durch die ganze Story. Im Verlauf des Krimis gerät er mehr als einmal mit seinen eigenen Werten und Moralvorstellungen in Konflikt. Das zeigt sich auch immer wieder in Gesprächen mit seinem Freund Lennart oder der Interaktion mit anderen Nebencharakteren sowie seinen eigenen Gedanken. Wichtigster Nebencharakter ist die Ermittlerin Olivia, die mit inneren Dämonen kämpft, eine clevere Polizistin ist, sich durch ihre fehlende Impulskontrolle aber gerne mal selbst im Weg steht. So entsteht ein interessantes Spannungsfeld zwischen Jäger und Gejagtem.

Das Buch selbst liest sich leicht und flüssig und bereitet viele spannende Lesestunden. Ab und an sind regelrechte Action-Szenen enthalten, die manchen Lesern zu unrealistisch vorkommen mögen, mich aber gut unterhalten haben. An der einen oder anderen Stelle haben mich die Reaktionen von Tom etwas irritiert. Aber letztlich wirkt er im ganzen Buchverlauf wie ein zwiegespaltener, etwas haltloser Charakter und insofern ist das für mich gut erklärbar. Das Ende des Krimis hat mich nicht so überzeugt. Letztlich habe ich mir das aber damit erklärt, dass „Doppelspiel“ Auftakt einer Trilogie ist und ich denke, dass die entstehenden offenen Handlungsfäden sich in den nächsten beiden Bänden auflösen werden. Deswegen war das okay für mich und ich freue mich schon auf die Folgebände und hoffentlich ähnlich spannende Lesestunden.

Eine Anmerkung noch: Ich habe den Krimi im Rahmen einer Leserunde gelesen. Einige der Teilnehmer sind davon ausgegangen, dass in dem Krimi das Thema Klima / Klimakrise eine größere Rolle einnimmt, es sich vielleicht sogar um einen Klima-Krimi handelt. Dem ist nicht so. Deswegen besser die Finger davonlassen, wenn Ihr einen echten Klima-Thriller mit entsprechendem Plot lesen wollt.

Fazit:
„Doppelspiel“ hat mir viele spannende Lesestunden beschert und mich gut unterhalten. Das Ende ist sehr offen gestaltet und mit vielen losen Handlungsfäden, die erst kurz vor Schluss entstehen. Mich persönlich hat das nicht gestört, da ich bereits im Vorfeld wusste, dass „Doppelspiel“ der Auftakt einer Krimi-Trilogie ist. Wer das nicht mag, sollte dringend die Finger von dem Krimi lassen. Außerdem ist das Buch nicht für Leser geeignet, die sich hier einen Schwerpunkt auf das Thema Klimakrise erhoffen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 01.02.2026

Fitzek wie man ihn kennt – ein Garant psychologischer Thriller-Spannung

Der Nachbar
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Im aktuellen Thriller von Sebastian Fitzek erlebt die Protagonistin Sarah die Sonnen- und Schattenseiten eines überfürsorglichen „Nachbarn“.

Um was geht es?
Sarah ist nach traumatischen Erlebnissen in ...

Im aktuellen Thriller von Sebastian Fitzek erlebt die Protagonistin Sarah die Sonnen- und Schattenseiten eines überfürsorglichen „Nachbarn“.

Um was geht es?
Sarah ist nach traumatischen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit mit ihrer Tochter Ruby nach Berlin gezogen. Statt weiterhin als Strafverteidigerin zu arbeiten, betreibt sie einen Späti. Auf einmal geschehen seltsame Dinge in ihrem Umfeld. Ihr Kühlschrank ist voll, obwohl sie nicht einkaufen gehen konnte. Sie fühlt sich beobachtet und verfolgt. Und auf einmal geschieht in ihrem Umfeld ein erster Mord – einen, den sie selbst in ihrem therapeutischen Dunkelbuch beschrieben hat. Dreht sie langsam durch oder gibt es doch einen ominösen „Wohltäter“, der über das Ziel hinausschießt?

Protagonistin des Buches ist die ehemalige Strafverteidigerin Sarah, die in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt hat und deswegen bereits seit ihrer Kindheit in Therapie ist. Hat sie doch aus Versehen ihren kleinen Bruder getötet. Auch ihr Ex-Mann und Vater ihrer Tochter Ruby war ein Psychopath, der Säuglinge mit Säure verätzt hat. Alle diese Erlebnisse haben sie aus der Bahn geworfen und sie kämpft mit ihrem täglichen Leben, auch wenn sie im Alltag zu funktionieren scheint. Ihr Charakter stellt eine interessante Mischung dar: Verunsicherung und People-Pleasing auf der einen Seite, ein Kämpferherz und intelligentes Taktieren auf der anderen Seite, insbesondere wenn es darum geht, ihre Lieben zu schützen. Das Verhalten des „Nachbarn“ holt dabei immer mehr ihre kämpferische, selbstsichere Seite hervor und es macht großen Spaß, ihre persönliche Entwicklung im Verlauf des Buches und ihre Interaktionen mit den zahlreichen Nebencharakteren zu verfolgen – seien es ihre beste Freundin, die Polizisten oder ihr Lebensgefährte.

Fitzek schafft es wie gewohnt, innerhalb kürzester Zeit in seinem aktuellen Psychothriller eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Wir erleben fast die gesamte Story aus Sicht von Sarah. Trotzdem gibt es immer wieder kurze Zwischenepisoden, die entweder Ausflüge in die Vergangenheit darstellen oder das Leiden der aktuellen Opfer aufzeigen, die bestialisch gequält werden. Die Geschichte lässt viel Raum für Spekulationen, was den weiteren Verlauf und den Täter angeht. Das liebe ich sehr. Ich finde auch, dass dieses Buch im Vergleich zu den letzten Fitzek-Thrillern positiv hinsichtlich Spannung und Storyentwicklung hervorsticht. Eigentlich war es für mich ein klares 5/5-Sterne Buch, wäre da nicht das Ende gewesen. Dieses fand ich persönlich ein Stück weit zu konstruiert. Aus diesem Grund muss ich einen Stern in meiner Gesamtbewertung abziehen.

Fazit:
Fans von Fitzek werden dieses Buch lieben, generell werden alle Fans von Thrillern und Psychothrillern voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Viele spannende Lesestunden sind garantiert und das Buch lässt sich nur schwer aus der Hand legen. Lediglich das Ende hat mir persönlich nicht so gut gefallen, da es mir zu konstruiert war. Deswegen insgesamt sehr gute vier Sterne 😊

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Eine spannende Story, ein ungewöhnlicher Ermittler – Jo Nesbø, wie wir ihn lieben

Minnesota
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Im neuen Kriminalroman „Minnesota“ von Jo Nesbø ermittelt der psychisch angeschlagene Ermittler Bob Oz in einer Verbrechensserie, die ihren Ursprung in der Vergangenheit zu haben scheint.

Um was geht ...

Im neuen Kriminalroman „Minnesota“ von Jo Nesbø ermittelt der psychisch angeschlagene Ermittler Bob Oz in einer Verbrechensserie, die ihren Ursprung in der Vergangenheit zu haben scheint.

Um was geht es?
Der Ermittler Bob Oz wird zu einem Tatort gerufen. Das vermeintliche Opfer: Marco Dante, illegaler Waffenhändler, der die Gangs in Minnesota beliefert. Vor Ort entdeckt Bob nicht nur, dass Dante noch lebt, sondern auch, dass hier ein Profi mit einem Scharfschützengewehr am Werk gewesen sein muss. Ist der legendäre Auftragskiller Lobo wieder aktiv? Zumindest sagt Bob Oz untrügerischer Polizeiinstinkt, dass mehr hinter dem Attentat stecken muss. Und schon geschieht das nächste Verbrechen.

Protagonist im Krimi „Minnesota“ ist Ermittler Bob Oz – engagiert und genial in seinem Job. Gleichzeitig trinkt er zu viel, ist unfreundlich bis unverschämt, schleppt reihenweise Frauen ab und hat definitiv ein Problem mit seiner Impulskontrolle. Da verwundert es kaum, dass er nach einem Gewaltausbruch in der Polizeiwache suspendiert wird. Doch er kann nicht anders – er muss trotzdem in seinem aktuellen Fall weiterermitteln, auch wenn das seine Probleme noch verschlimmert. Ganz nebenbei erfahren wir im Verlauf der Hauptstory auch nach und nach die persönliche Geschichte von Bob, entwickeln Mitleid und Verständnis für ihn und drücken ihm die Daumen, dass er den „Bogen kriegt“. Ob er das schafft, wird hier nicht verraten. Aber wir erleben viele spannende Interaktionen mit seinen Mitmenschen. Von Fremdschämen bis überraschend Positives ist hier alles dabei. Ich persönlich liebe das.

Nesbø treibt seine Geschichte über mehrere Handlungsstränge voran. Da ist zum einen ein Autor, der ein True Crime Buch über den Fall aus 2016 schreiben möchte, um den es schwerpunktmäßig in „Minnesota“ geht. Er besucht „nur“ einige Orte, gibt der Geschichte aber auf diese Weise Erzähl-Struktur. Das Jahr 2016, in dem die Hauptstory spielt, erleben wir aus zwei verschiedenen Perspektiven: einmal aus Sicht des Ermittlers Bob Oz und einmal aus Sicht des rachsüchtigen Attentäters. Zusätzlich gibt es noch Rückblenden in die persönliche Geschichte von Bob Oz – eine spannende Nebenhandlung, die aber nie die Hauptstory stört, sondern eher unterstützt. Scheinen die psychischen Probleme von Bob Oz ähnlich denen des Attentäters in einem früheren Stadium zu sein. Obwohl wir diese unterschiedlichen Handlungsstränge und Zeitschienen haben, ist das Buch so clever aufgebaut und strukturiert, dass man sich als Leser leicht zurechtfindet und die Spannung dadurch gesteigert wird, bis man das Buch nicht mehr weglegen will.

Schön fand ich auch das abschließende Kapitel, in dem das weitere Leben der wichtigsten Personen des Buches beschrieben wird. Das lässt mich zu dem Schluss kommen, dass wir es hier mit einem Stand-Alone und nicht mit dem Auftakt einer Reihe zu tun haben.

Fazit:
Bei „Minnesota“ handelt es sich um einen typischen Krimi à la Jo Nesbø – gut strukturiert, eine spannende Story, ein düsterer Ermittler. Wer Nesbø mag, wird „Minnesota“ lieben. Aber auch generell werden Krimifans auf ihre Kosten kommen und viele spannende und schöne Lesestunden mit dem Buch verbringen. Besonders schön fand ich die Nebenhandlung mit Bob Oz persönlicher Geschichte, die aber keinesfalls die Haupthandlung gestört hat. Wer Nebenhandlungen oder psychisch instabile Ermittlertypen nicht mag, sollte vielleicht besser die Finger von dem Buch lassen oder seine Erwartungen etwas reduzieren.

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