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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein spannender Roman mit Sogwirkung

Der Fährmann
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In ihrem neuen Roman „Der Fährmann“ erzählt Regina Denk eine Geschichte über ein düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, ...

In ihrem neuen Roman „Der Fährmann“ erzählt Regina Denk eine Geschichte über ein düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Neid, Liebe und Schuld, während der aufkeimende Nationalismus die Gemeinschaft spaltet. Der Fährmann Hannes Winkler und seine Jugendliebe Elisabeth stehen im Zentrum eines tragischen Konflikts, der durch den Krieg und persönlicher Intrigen verschärft wird.

Die zwei Dörfer, das deutsche Hohenwart und das österreichische Siegering sind getrennt durch die Salzach, die nur mit einer Fähre überquert werden kann und dazu bedarf es eines Fährmanns. Die Dörfler bestimmen über den jungen Hannes Kopf hinweg, dass er der neue Fährmann wird. Die Aufgaben eines Fährmanns bedeuten immer zur Stelle zu sein, wenn einer übergesetzt werden möchte. Seine sorglose Kindheit mit seinen besten Freundinnen Annemarie und Elisabeth ist von einem Tag auf den anderen vorbei. Hannes ist verzweifelt, liebt er doch Elisabeth aber als Fährmann darf er ja nicht heiraten und dann wird seine große Liebe auch noch dem reichen Hoferben, Josef Steiner versprochen und selbst Annemaries Hoffnung, zerschellt.
Elisabeth muss sich fügen auch wenn ihr Herz für Hannes schlägt, denn die Eltern haben die Ehe so verhandelt und besiegelt. Selbst zu ihrer Hochzeit darf sie nicht mal ihre Freundin Annemarie die Wirtstochter einladen, weil sie unter ihrem Stand steht. Elisabeths Ehe verläuft nicht glücklich und bald erfährt sie Gewalt und Missbrauch, doch wie sollte sie sich wehren. Selbst von ihrer Mutter wird sie mit ihren Sorgen abgewiesen und zurück zu ihrem Mann geschickt.

Während sich die zwischenmenschlichen Beziehungen atmosphärisch und tiefgründig zuspitzen, droht im Hintergrund der Erste Weltkrieg, der die Welt verändert. Die Männer müssen fort. Jetzt sind es die Frauen, die sich neu organisieren müssen und das Heft in der Hand halten, doch nicht jedem der zurückkehrenden Männer gefällt das. War es schon vor dem Krieg kaum auszuhalten, so wird es jetzt erst richtig tragisch.

Die kurzen Kapitel mit Zeitangabe wechseln zwischen Elisabeth zu Hannes und zu Annemarie, während auch Josefs Perspektive erläutert wird. Hannes, der vom Kriegsdienst als Fährmann freigestellt wird, fängt die beiden jungen Frauen immer wieder auf.

Fazit:
Der Autorin gelingt es, mit ihrem bildhaften und eindrucksvollen Schreibstil das düstere Familiendrama und die Stimmung der damaligen Zeit in einer bewegenden Atmosphäre, einzufangen. Die Spannung wird sehr gut, von Kapitel zu Kapitel, aufgebaut Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und trotz ihrer grausamen Schicksale oder gerade deswegen, konnten sie mich tief berühren. Eine historische Geschichte, die mich sehr fesseln konnte und die ich sehr gerne gelesen habe.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Eine großartig erzählte Geschichte

Ein weites Leben
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„Ein weites Leben“ von M. L. Stedman ist ein großartiger Roman voller Tragik und Lebenskraft, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man die Geschichte gelesen hat.

Inhalt:
Seit Generationen lebt ...

„Ein weites Leben“ von M. L. Stedman ist ein großartiger Roman voller Tragik und Lebenskraft, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man die Geschichte gelesen hat.

Inhalt:
Seit Generationen lebt die Familie der MacBrides auf der entlegenen Schaffarm Meredith Downs in Westaustralien. Bis eines Tages ein Unfall alles ändert. Während der Vater und der älteste Sohn ihr Leben verlieren, übersteht der 17-jährige Matthew das Unglück mit schweren Beeinträchtigungen. Und doch findet er zielstrebig zurück nach Meredith Downs, zurück zu Mutter und Schwester, als das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt. Aber diesmal steht nicht nur Matts Leben auf dem Spiel, sondern seine Seele – und zwar auf eine Weise, die kaum jemand vorhersehen, geschweige denn hätte überleben können.

Westaustralien 1958 - Ein Lastwagen, drei Männer, ein Moment der Unachtsamkeit – von einer Sekunde auf die andere ist das Leben der MacBrides ein anderes und hier beginnt die Geschichte …

In unterschiedlichen Handlungssträngen und aus unterschiedlichen Perspektiven werden die einzelnen Charaktere, Stück für Stück, zum Leben erweckt. Besonders gelungen finde ich die Schilderungen über das Leben selbst auf der entlegenen Schaffarm und der wundervollen Landschaftsbeschreibungen. Erst dadurch wird klar, wie einsam und abgeschieden das Leben auf Meredith Downs ist.

Was folgt, ist kein lautes Drama, sondern eine sensible, tiefgehende Erzählung über Trauer, Schuld, Verantwortung und darüber, was Menschen trägt, wenn alles ins Wanken gerät.

Die tragische Lebensgeschichte von Matthew hat mich von Anfang bis zum Ende tief berührt.

Ein trauriges aber versöhnliches Ende.

Fazit:
Die Autorin schafft eine ruhige Atmosphäre, aber oft mit vielen Zeitsprüngen, mitten in einer aktuellen Handlung und schafft damit Längen, die nicht unbedingt sein müssten. Die Entwicklung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen, denn sie fühlen sich dadurch greifbar und authentisch an. Geschickt konnte mich die Autorin mit einigen Wendungen und Entwicklungen überraschen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung für alle, die Familiengeschichten lieben

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Die Geister der Vergangenheit

Letzter Akt
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In seinem neuen Roman zeigt der in Berlin lebende Autor Andreas Schäfer, einfühlsam das Zusammenspiel von Leben und Kunst und erzählt feinfühlig von einer Befreiung, die alles verändert.

„Letzter Akt“ ...

In seinem neuen Roman zeigt der in Berlin lebende Autor Andreas Schäfer, einfühlsam das Zusammenspiel von Leben und Kunst und erzählt feinfühlig von einer Befreiung, die alles verändert.

„Letzter Akt“ ist eine stille, intensive Geschichte, die sich langsam aber stetig in drei Handlungssträngen entfaltet.

Der erste Handlungsstrang erzählt die berührende Geschichte des Kennenlernens der beiden Protagonisten.
London, 2005:
Nach vielen Jahren beim Film steht die Schauspielerin Dora wieder auf einer Theaterbühne – mit Anfang vierzig kann sie auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Als sie nach der Premiere in einer Bar auf den Maler Victor trifft, ist sie fasziniert: Wer ist dieser Mann, der noch nie von ihr gehört hat? Dora sieht in diesem Kennenlernen eine Chance, sich zu verstecken: vor ihrer Mutter, die ständig aus Frankfurt anruft, vor ihrer Agentin, die sie überzeugen will, auch mal andere Rollen zu spielen, vielleicht auch vor ihrem unsympathischen Kollegen, der immer wieder ihre Grenzen testet.
Nach einigen gemeinsamen Wochen beschließt Dora, dass Victor sie malen soll – doch als sie das Gemälde sieht, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg und lang vergessene Erinnerungen kehren zurück. Das Bild offenbart etwas über Dora, das Victor nicht wissen konnte.

Im zweiten Handlungsstrang kehren Doras Erinnerungen in die Jahre 1982 ihrer Jugend zurück. In Frankfurt am Main ist sie in einfachen Verhältnissen aufgewachsen aber sie sehnt sich nach Freiheit und auf der Bühne zu stehen. Versprechungen die sie gemacht hat, ignoriert sie. Nach ihrem Abitur kehrt sie ihrer Heimatstadt den Rücken und London wird für sie zu einer Zuflucht, zu einem Ort, an dem sie ihre Herkunft als Dorothea hinter sich lassen und sich als Dora neu erfinden kann. Sie schafft es, eine berühmte Schauspielerin, zu werden.

Im dritten Handlungsstrang im Jahr 2010 findet sie endlich den Mut sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Fazit:
Der Autor erzählt die Liebesbeziehung zwischen Dora und Victor von Anfang an mit Distanz, trotz seines flüssigen und feinfühligen Schreibstils. Mir hat die Geschichte vielleicht gerade deshalb so gut gefallen. Sicher wird „Letzter Akt“ nicht mein erstes und letztes Buch von Andreas Schäfer, bleiben.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Eine überzeugend aufgebaute Atmosphäre

Moosland
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Mir hat das Buch „Moosland“ von Katrin Zipse unfassbar gut gefallen, denn die Autorin erzählt anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte von den knapp dreihundert jungen Frauen aus Deutschland, die ...

Mir hat das Buch „Moosland“ von Katrin Zipse unfassbar gut gefallen, denn die Autorin erzählt anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte von den knapp dreihundert jungen Frauen aus Deutschland, die dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt sind, um dort für ein Jahr auf den Höfen zu arbeiten. Die Bauern hofften nicht nur auf Arbeitskräfte sondern auch auf Heiratskandidatinnen, denn viele Isländerinnen sind in die Städte abgewandert oder nach dem Krieg, den abzieheneden Gls in die USA gefolgt.

Eine von den 300 jungen Frauen ist Elsa, sie hat keine Angehörigen mehr und um der Not im Nachkriegsdeutschland zu entkommen, folgt sie dem Aufruf. Traumatisiert und ohne Sprachkenntnisse kommt sie auf einen Bauernhof. Eine Verständigung mit der Familie und ihren beiden Söhnen, ist nicht möglich aber die Bauersfrau weiß sich zu helfen und zeigt Elsa, ihre Aufgaben, die sie langsam selbständig übernehmen kann. Die Arbeit auf dem abgelegenen Hof ist sehr anstrengend und hart aber dafür kann Elsa sich endlich satt essen. Nicht nur bei der Bäuerin findet sie langsam Anerkennung für ihre Leistung sondern auch bei den Männern, die sie bei anfallenden Arbeiten außerhalb des Hofes unterstützt.

Immer wieder verfolgen Elsa Erinnerungen an ihre Heimat und ihre Trauer um ihre Freundin Sola. Wird sie je ihren Schmerz überwinden …

Mit der Zeit findet der Knecht des Hofes Zugang zu Elsa und versucht ihr langsam aber sicher die Sprache des Landes beizubringen. Elsa ist und bleibt aber trotzdem verschlossen und schweigt weiterhin, dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben. Ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Jeder der beiden Söhne wirbt auf seine Art um Elsa, doch ob sie die ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten.
Elsa kommt nach und nach hinter ein Geheimnis, das als dunkler Schatten über der Familie hängt.

Zum Ende gelingt der Autorin eine elegante und überraschende Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hätte, mich aber voll überzeugen konnte.

Fazit:
Gefallen haben mir die bildhaften Beschreibungen der Weite und Kargheit Islands und das Leben auf einem abgelegenen Bauernhof. Mit ihrer hervorragenden Recherche, gelingt es der Autorin, eine glaubhafte historische Atmosphäre zu schaffen und Elsas Fremdheitsgefühle überzeugend darzustellen. Ein detailliertes Nachwort rundet die historischen Fakten perfekt ab.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Fesselndes Leseerlebnis

Kala
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Selten fühlt sich der Blick zurück so gegenwärtig an wie in Colin Walshs mitreißendem Debütroman „Kala“.

Im Sommer 2003 gehörten Helen, Joe und Mush zu einer unzertrennlichen Clique um die mutterlose ...

Selten fühlt sich der Blick zurück so gegenwärtig an wie in Colin Walshs mitreißendem Debütroman „Kala“.

Im Sommer 2003 gehörten Helen, Joe und Mush zu einer unzertrennlichen Clique um die mutterlose und ungestüme Kala Lanann – das strahlende Zentrum ihres Universums. Bis sie kurz darauf spurlos verschwand. Die Ermittlungen blieben ergebnislos und der Fall wurde nie aufgeklärt.

Nach 15 Jahren treffen Helen, Joe und Mush sich in der Kleinstadt Kinlough an der Westküste Irlands wieder.
Helen, arbeitet als freiberufliche Journalistin in Kanada und reist nach Kinlough, um an der Hochzeit ihres Vaters und Pauline teilzunehmen und um Paulines Zwillingsmädchen Donna und Marie, kennenzulernen. Joe, ist ein berühmter Musiker geworden und legt in seinem Heimatdorf Kinlough eine Pause ein um seinen verletzten Arm, zu kurieren. Mush hat Kinlough nie verlassen und führt gemeinsam mit seiner Mutter ein Café.

Ist es Zufall, dass ausgerechnet jetzt menschliche Überreste im Wald nahe einer Baustelle gefunden, werden? Schnell stellt sich heraus, dass es sich um die sterblichen Überreste von Kala handelt. Plötzlich stehen die drei Freunde im Fokus, denn Gegenwart und Vergangenheit prallen heftig aufeinander, denen sie sich stellen müssen.

Im Wechsel erzählen Helen und Mush aus der Ich-Erzähler Perspektive, während Joe aus der ungewöhnlichen Du-Perspektive über ihre Freundschaft zu Kala und ausgelassenener Erlebnisse aus der Vergangenheit und deren Folgen bis in die Gegenwart erzählen. Die Abgrenzung der Erzählungen zwischen der Gegenwart 2018 und der Vergangenheit 2003, ist bei allen drei Protagonisten nicht immer eindeutig.

Wie ein Puzzle zerlegen die drei Freunde jede noch so kleinste Erinnerung, gehen Hinweisen nach und offenbaren immer mehr dunkle Abgründe, die eine überraschende Wendung, in die Geschichte bringt.

Fazit:
Mit „Kala“ ist dem Autor ein Debüt mit einer spannenden Geschichte gelungen, die mir sehr gut gefallen hat Gerade die vielschichtigen Charaktere sind gut ausgearbeitet und konnten mich von Anfang an überzeugen. Insgesamt konnte mich die gesamte Atmosphäre der Geschichte fesseln und sehr gut unterhalten.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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