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Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein Zauberer, der nicht zurückkommt

Herwig und Elsie – Wo ist der große Zauberer?
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Herwig hat sein ganzes Leben in ziemlich klaren Verhältnissen verbracht: Er gehört zum Zauberer Hokus van Pokus, wird aus dem Hut gezaubert, wieder hineingesetzt und wieder herausgezaubert. Er hat eine ...

Herwig hat sein ganzes Leben in ziemlich klaren Verhältnissen verbracht: Er gehört zum Zauberer Hokus van Pokus, wird aus dem Hut gezaubert, wieder hineingesetzt und wieder herausgezaubert. Er hat eine eingeschliffene Routine, die ihm Sicherheit und einen festen Platz bietet. Bis genau das plötzlich wegfällt. Hokus ist verschwunden, zurück bleiben ein Brief, ein paar Zauberutensilien und vor allem eine ziemlich große Lücke. Herwig macht sich auf die Suche. Aber statt seines Zauberers taucht erst einmal Elsie auf, eine Elefantendame mit ganz eigenen Sorgen.

Im Kern des Buches geht es um den Umgang mit dem Thema Verlust. Es wird nicht dramatisch ausgeschmückt, aber auch nicht weggelächelt. Der Tod des Zauberers steht im Raum, wird angedeutet, aber nicht komplett erklärt. Das kann irritieren, gerade wenn Kinder konkret nachfragen. Gleichzeitig schafft es Raum für Gespräche, was ja auch gut sein kann.

Herwig ist keine Figur, die sofort an der neuen Herausforderung wächst und alles meistert. Er bleibt lange vorsichtig, teilweise ängstlich und muss sich erst an die Welt außerhalb seines bisherigen Lebens gewöhnen. Elsie bringt etwas mehr Entschlossenheit mit, ohne dabei überzeichnet zu sein. Ihre Freundschaft entwickelt sich über das gemeinsame Unterwegssein.

Die Geschichte selbst bleibt eher ruhig. Es gibt kleine Episoden, Begegnungen, auch mal chaotische Zauberversuche, die nicht ganz so laufen wie gedacht. Das sorgt für leichte, oft auch witzige Momente, ohne dass das Buch seinen ernsteren Kern verliert. Es passiert nicht ständig etwas Neues und manche Abschnitte ziehen sich ein wenig. Dafür bleibt genug Zeit, die Figuren wirken zu lassen.

Die Illustrationen von Ute Krause passen sehr gut zur Geschichte. Sie sind warm, leicht schräg und greifen genau die Momente auf, die den Text tragen. Gerade Herwig wirkt oft ein bisschen verloren.

Insgesamt ein Vorlesebuch, das sich mehr traut, als man zunächst erwartet. Es erzählt nicht nur eine Geschichte über Freundschaft, sondern auch über Verlust und Neuanfang.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wenn ein Räuber plötzlich zum Fall für die Agentur für Arbeit wird

Räuberbuch
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Dieses Bilderbuch kommt mit einer ziemlich schrägen Ausgangsidee daher: Ein Räuber purzelt einfach aus einem Buch heraus und landet in einer ziemlich profanen Realität. Kein Wald, kein Beutezug, keine ...

Dieses Bilderbuch kommt mit einer ziemlich schrägen Ausgangsidee daher: Ein Räuber purzelt einfach aus einem Buch heraus und landet in einer ziemlich profanen Realität. Kein Wald, kein Beutezug, keine Räuberbande. Stattdessen steht die Frage im Raum, was man mit so einem Räuber eigentlich anfängt. Ehe der Räuber irgendein krummes Ding drehen kann, beschließt das Mädchen, aus dessen Buch er gefallen ist, die Sache pragmatisch anzugehen und bringt ihn zur Agentur für Arbeit.

Dort wird dann erstaunlich optimistisch geprüft, wofür der Räuber geeignet sein könnte. Auf seiner Liste mit besonderen Fähigkeiten hat er eingetragen, dass er klettern kann, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und Kenntnisse über Goldschätze besitzt. Für einen Räuber ist das natürlich ein tadelloser Lebenslauf. Für die reguläre Arbeitswelt sieht das schon etwas komplizierter aus.

Gerade diese nüchterne Gegenüberstellung von Räuberkompetenzen und Berufsalltag ist herrlich witzig. Der Räuber versucht sich als Dachdecker, doch das Ergebnis sieht eher nach Sturmschäden als nach professionellem Handwerk aus. Beim Schlüsseldienst zeigt sich schnell, dass sein Verständnis von Öffnen nicht ganz dem entspricht, was man unter professionellem Kundenservice versteht. Auch als Koch ist er weniger eine Bereicherung als ein Sicherheitsrisiko, und bei der Bank scheitert es letztlich nicht nur am Umfeld, sondern auch daran, dass ein Räuber in voller Montur zwischen geschniegelt auftretenden Angestellten einfach denkbar fehl am Platz wirkt.

Das Schöne ist aber, dass das Buch sich nicht damit begnügt, eine lustige Szene an die nächste zu reihen. Der Räuber ist keine bloße Witzfigur. Er ist traurig, als keiner dieser Jobs wirklich passt, wodurch die Geschichte eine ganz andere Wärme bekommt. Hinter dem Humor steckt eben auch die Frage, wohin jemand gehört, dessen Fähigkeiten zwar echt sind, aber nirgendwo so recht hineinpassen.

Als das namenlose Mädchen ihn dann mit in die Schule nimmt, ist das mehr als nur die nächste Station. Dort öffnet sich endlich eine Tür, die nicht nur für eine Pointe gut ist, sondern tatsächlich zu ihm passt. In der Bibliothek wird Personal gesucht und ausgerechnet dort findet dieser Räuber, der ursprünglich aus einem Buch gefallen ist, seinen Platz wieder zwischen Geschichten. Das ist als Idee so schön rund, dass man beim Vorlesen automatisch schmunzeln muss. Und dass am Ende offenbar ein paar zusätzliche Bücher in der Bibliothek gelandet sind, setzt der Geschichte noch so ein freches kleines Augenzwinkern auf.

Auch die Gestaltung passt hervorragend dazu. Die Illustrationen haben etwas Eigenwilliges und Unaufgeregtes, das sehr gut mit dem Humor des Textes harmoniert. Sie wollen nicht geschniegelt niedlich sein, sondern tragen diesen trockenen, leicht schrägen Ton mit. Gerade dadurch wirken sie passend. Man spürt in ihnen Bewegung, Komik und zugleich etwas angenehm Altmodisches, das der Geschichte gut steht.

Insgesamt ist Räuberbuch für mich vor allem eine sehr unterhaltsame, kurze Vorlesegeschichte mit einer ungewöhnlichen Idee, die nicht auf Klamauk reduziert wird. Der Humor funktioniert, weil der Räuber nicht bloß Chaos anrichtet, sondern mit ernsthafter Überzeugung versucht, irgendwo unterzukommen. Unterhaltsam, originell und mit einem sehr schönen, augenzwinkernden Ende.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Ein skurriler Zauberer und eine unterschätzte Heldin

Faye Fableheart, Band 1 - Das magische Schloss
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Faye wächst in einem ziemlich ungewöhnlichen Zuhause auf. Zusammen mit ihrem Vater bewohnt sie ein Baumhaus voller Bücher und leuchtender Pilze. Faye und ihr Vater kümmern sich um die Ländereien von Schloss ...

Faye wächst in einem ziemlich ungewöhnlichen Zuhause auf. Zusammen mit ihrem Vater bewohnt sie ein Baumhaus voller Bücher und leuchtender Pilze. Faye und ihr Vater kümmern sich um die Ländereien von Schloss Celudur, einem magischen Schloss, das ein Eigenleben zu führen scheint. Als der zuständige Zauberer stirbt (was er selbst nicht wahrhaben will), muss schnell ein Nachfolger her, und zwar per Turnier. Total ungerecht, dass daran ausschließlich Jungen teilnehmen dürfen. Dabei wäre Faye eigentlich die deutlich bessere Wahl.

Faye ist diejenige, die den Laden am Laufen hält. Seit ihr Vater verschwunden ist, ist sie das Mädchen für alles, sie kümmert sich um alles, und denkt vor allem mit. Genau deshalb fühlt es sich beim Lesen die ganze Zeit ein bisschen sehr gemein an, dass sie außen vor bleiben soll.

Mit dem Turnier wird die Geschichte deutlich lebendiger. Neue Figuren tauchen auf, jeder bringt seine eigene Portion Selbstbewusstsein mit, und die Prüfungen sind … überraschend. Man merkt schnell, wer mehr Schein als Sein ist und wer vielleicht doch mehr draufhat, als es zunächst wirkt.

Parallel dazu wird immer deutlicher, womit Faye zusätzlich zu kämpfen hat. Ihre Verwandlung sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern auch für blöde Kommentare und spürbare Ausgrenzung. Außerdem greift die böse Schattenkönigin nach der Herrschaft und nur Faye ist ihr gewachsen.

Der Schreibstil ist angenehm direkt. Nicht oberflächlich, sondern eher mit einigem schwarzen Humor. Die Kapitel sind kurz gehalten, allerdings ist das Thema und die Handlung schon so komplex, dass es eher für erfahrenere Leseratten eine passende Lektüre ist. Selbst als Erwachsener mit einer Vorliebe für Fantasy kommt man hier auf seine Kosten.

Bei den Illustrationen bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Figuren sind im Manga-Stil geeignet und eigentlich ganz passend. Bei den größeren Illustrationen stimmt aber die Atmosphäre nicht. Da haben die Bilder nichts mit der Geschichte zu tun und lassen Tiefe missen.

Am Ende ist das ein gelungener Auftakt mit vielen guten Ideen, einer starken Hauptfigur, einem echt schrägen untoten Zauberer und genug Spannung, um dranzubleiben.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Das größte Maul vom Seerosenteich

Großmaul
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Der Frosch ist sich sicher: Am Seerosenteich hat niemand ein größeres Maul als er. Also schnappt er sich kurzerhand eine Fliege und fühlt sich dabei ziemlich cool. Doch lange kann er seinen Triumph nicht ...

Der Frosch ist sich sicher: Am Seerosenteich hat niemand ein größeres Maul als er. Also schnappt er sich kurzerhand eine Fliege und fühlt sich dabei ziemlich cool. Doch lange kann er seinen Triumph nicht auskosten. Denn kurz darauf taucht ein Storch auf und verschluckt den Frosch, der die Fliege verschluckt hat. Und dann kommt der Fuchs. Und danach ein noch größeres Tier. So steigert sich die Geschichte von Seite zu Seite, bis schließlich jemand auftaucht, der zwar das größte Maul hat, aber mit der Angeberei wenig anfangen kann und dem Ganzen endlich ein Ende setzt.

Das Prinzip der Handlung ist ziemlich simpel: Immer kommt noch ein Tier dazu, das größer ist als das vorherige. Meine Kinder sind mit Begeisterung dabei, weil sich die Geschichte durch dieses einfache Schema leicht erschließt und schnell ein Mitsprech-Rhythmus entsteht. Besonders witzig fanden sie außerdem, dass man das nächste Tier häufig schon auf den Bildern entdecken kann, bevor es überhaupt ins Geschehen eingreift. Dieses gemeinsame Suchen und Entdecken hat beim Vorlesen fast noch mehr Spaß gemacht als der eigentliche Text.

Der Text selbst ist knapp gehalten und arbeitet viel mit Wiederholungen. Das sorgt dafür, dass Kinder schnell ein Gefühl für den Aufbau bekommen und sich die Passagen einprägen. Nach kurzer Zeit konnten meine Kinder die „Verschluck-Kette“ schon mitsprechen und hatten sichtlich Freude daran, die Reihenfolge selbst weiterzuführen. Insbesondere für das empfohlene Alter ab drei Jahren passt das sehr gut.

Die Illustrationen von Sabine Kranz greifen den Humor der Geschichte schön auf. Sie sind farbenfroh, etwas frech gestaltet und bieten einige Details. Besonders die Gesichtsausdrücke der Tiere haben uns immer wieder schmunzeln lassen. Inhaltlich bleibt die Geschichte bewusst einfach. Die Handlung konzentriert sich ganz auf die sich steigernde Kette der „Großmäuler“. Das reicht den Kiddies, auch wenn ich mir an manchen Stellen ein wenig mehr gewünscht hätte. Die Geschichte ist recht schnell erzählt und auch das Ende kommt zügig.

Schön ist außerdem, dass trotz des „Verschluckens“ der Tiere alles leicht und humorvoll bleibt. Es entsteht keine unangenehme Spannung, sondern vielmehr ein spielerischer Wettstreit, der am Ende freundlich aufgelöst wird. Die kleine Pointe zum Schluss sorgt zusätzlich noch einmal für ein Schmunzeln.

„Großmaul“ ist ein kurzweiliges Bilderbuch, das besonders durch seinen wiederkehrenden Aufbau und die humorvollen Illustrationen überzeugt. Beim Vorlesen mit meinen Kindern hat die Geschichte vor allem durch das Mitsprechen und Entdecken der verschiedenen Tiere funktioniert. Ein unkomplizierter Bilderbuchspaß für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Neuanfang, Meeresluft und eine Prise Magie

Maries Glücksküche – Die Schule am Meer
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Ein Umzug in ein anderes Land ist nie einfach, und Marie tut sich mit der neuen Situation ganz schön schwer. Neue Schule, neue Sprache und keine Freundinnen in Sicht. Während ihr Bruder schnell Anschluss ...

Ein Umzug in ein anderes Land ist nie einfach, und Marie tut sich mit der neuen Situation ganz schön schwer. Neue Schule, neue Sprache und keine Freundinnen in Sicht. Während ihr Bruder schnell Anschluss findet und das Leben am Meer genießt, fühlt sich Marie zunächst ziemlich verloren. Dass ihre Familie in einer umgebauten Turnhalle wohnt, macht die Situation nicht unbedingt leichter.

Zum Glück gibt es Oma Aveline. Sie ist warmherzig, lebensfroh und hat ein Geheimnis, in das sie Marie einweiht. Mit den richtigen Zutaten kann man beim Kochen kleine magische Effekte erzielen. Für Marie klingt das nach einer guten Möglichkeit, ihre Startschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Doch natürlich läuft nicht alles nach Plan. Ihr erster Versuch sorgt für ordentliches Chaos und plötzlich steht sogar der Job ihrer Mutter auf dem Spiel.

Die Grundidee von Maries Glücksküche – Die Schule am Meer hat mir sofort gefallen. Zauberkochen, ein Neuanfang an der französischen Küste und eine sympathische Hauptfigur. Das alles bringt eine schöne Wohlfühlatmosphäre mit sich. Besonders die Szenen rund ums Kochen und die magischen Zutaten haben mir gefallen. Hier steckt viel Liebe zum Detail drin und einige Einfälle sind wirklich herrlich witzig.

Gleichzeitig bleibt die Geschichte insgesamt eher überschaubar. Viele Themen werden angerissen, ohne sehr ausführlich erzählt zu werden. Das betrifft sowohl Maries Eingewöhnung in der neuen Schule, die Nebenfiguren als auch das Zauberkochen, das durchaus noch mehr Raum hätte bekommen können. Allerdings passt das gut zur Zielgruppe. Die Geschichte bleibt dadurch leicht zugänglich, übersichtlich und angenehm zu lesen. Gerade für Kinder ab etwa neun Jahren ist das so ideal.

Marie selbst ist eine sympathische Hauptfigur. Ihre Unsicherheit, ihr Wunsch dazuzugehören und ihr vorsichtiger Neuanfang wirken nachvollziehbar. Besonders die Beziehung zu ihrer Oma hat mir gut gefallen.

Auch die Schwarz-Weiß-Illustrationen lockern den Text schön auf und passen gut zum Ton der Geschichte. Die Rezepte am Ende sind zudem eine nette Ergänzung und greifen die Idee der Glücksküche noch einmal auf. Omas Magi(e) ist zum schieflachen.

Maries Glücksküche – Die Schule am Meer ist ein ruhiger, unkomplizierter Reihenauftakt mit einer guten Portion Magie und einem überschaubaren Handlungsrahmen. Eine angenehme Lektüre für Kinder ab etwa 9 Jahren und für alle, die Geschichten mit Wohlfühlatmosphäre und einem kleinen magischen Twist mögen.

Ich bin gespannt, wie sich Marie und ihre Glücksküche in den nächsten Bänden weiterentwickeln.

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