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Veröffentlicht am 15.05.2026

✎ Lissa Lehmenkühler - Der Zauber der Tinte 1 Totales Klassenchaos

Der Zauber der Tinte – Totales Klassenchaos (Der Zauber der Tinte 1)
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„Der Zauber der Tinte 1 Totales Klassenchaos“ hat uns zunächst als Hörbuch begleitet. Schon nach den ersten Kapiteln wurde klar, dass in dieser Erzählung mehr steckt als ein turbulentes Schulabenteuer ...

„Der Zauber der Tinte 1 Totales Klassenchaos“ hat uns zunächst als Hörbuch begleitet. Schon nach den ersten Kapiteln wurde klar, dass in dieser Erzählung mehr steckt als ein turbulentes Schulabenteuer mit einer Prise Magie. Weil ich gehört hatte, dass die Printausgabe Illustrationen enthält, durfte sie schließlich auch bei uns einziehen.

Die kleinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Phine Wolff verleihen der Handlung zusätzlichen Charme. Gerade für Kinder sind sie eine schöne visuelle Ergänzung, weil sie Wandas Welt noch greifbarer machen. Schade ist lediglich, dass sich die Motive zu Beginn der Kapitel wiederholen. Besonders spannend wirken dagegen die Illustrationen mitten im Buch, wenn sie konkrete Szenen aufgreifen und die Fantasie noch einmal befeuern.

Besonders gelungen ist, wie Lissa Lehmenkühler wichtige Themen in die Geschichte einwebt. Es geht um zerbrochene Freundschaften, neue Verbindungen, Mut zur Veränderung und den Glauben an die eigene Vorstellungskraft. Wanda muss lernen, dass nicht alles so bleiben kann, wie es ist, und dass gerade in Unsicherheit oft etwas Wertvolles und Wunderbares entsteht. Diese Botschaft trifft mitten ins Herz.

Die kurzen Abschnitte machen das Buch ideal für Kinder ab etwa acht Jahren. Wer noch nicht lange am Stück lesen möchte, bekommt überschaubare Einheiten, die dennoch genug Spannung aufbauen, um immer weiterzulesen. Das macht den Band zu einem guten Einstieg für junge Bücherfans, die Magie, Schule und Freundschaftsgeschichten mögen. Die leicht lesbare Struktur und die kindgerechte Gestaltung sind eine klare Stärke.

Trotz der positiven Eindrücke blieb bei mir als erwachsener Zuhörerin das Gefühl, dass einzelne Aspekte nur angerissen werden. Die Geschichte funktioniert für sich und hat ein rundes Ende, aber einige Figuren und Entwicklungen hätten für meinen Geschmack mehr Raum verdient.

Erst nach dem Hören habe ich entdeckt, dass es bereits einen zweiten Band gibt. Das hat mich ehrlich erleichtert. Ich möchte unbedingt erfahren, wie es mit Wanda und der magischen Tinte weitergeht. Wenn die Fortsetzung offene Fäden aufgreift und einige Figuren noch stärker ausarbeitet, könnte aus einer ohnehin schon bezaubernden Geschichte eine Reihe werden, die man nur schwer wieder aus der Hand legt.

„Der Zauber der Tinte 1 Totales Klassenchaos“ ist ein fantasievolles Kinderbuch über Freundschaft, Kreativität und Selbstvertrauen. Kurze Kapitel, liebevolle Illustrationen und eine warmherzige Botschaft machen es zu einer klaren Empfehlung für junge Lesende. Besonders bleibt das Gefühl, dass aus Chaos manchmal genau die Geschichten entstehen, die man nicht mehr vergessen möchte.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.05.2026

✎ N.R. Walker - Upside Down: Die Welt steht Kopf

Upside Down - Die Welt steht Kopf
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Vor fast genau zwei Jahren habe ich mit „Loveless“ mein erstes Buch gelesen, welches sich ganz bewusst mit Asexualität und Aromantik auseinandersetzt. Damals kannte ich zwar die meisten Buchstaben aus ...

Vor fast genau zwei Jahren habe ich mit „Loveless“ mein erstes Buch gelesen, welches sich ganz bewusst mit Asexualität und Aromantik auseinandersetzt. Damals kannte ich zwar die meisten Buchstaben aus LGBTQIAP+, aber das A war für mich noch weitgehend unentdecktes Terrain. Umso besonderer war es, einen Roman zu entdecken, der genau diesen Teil queerer Identität in den Mittelpunkt stellt.

Als ich dann „Upside Down - Die Welt steht Kopf“ entdeckt habe, war meine Freude entsprechend groß. Bücher über das asexuelle Spektrum sind noch immer selten. Dabei ist das Thema wichtiger, als viele denken. In einer Welt, in der Sexualität allgegenwärtig ist und oft als selbstverständlicher Bestandteil jeder Liebesbeziehung dargestellt wird, fühlen sich viele Ace-Menschen schnell unsichtbar. Genau deshalb sind Geschichten wie diese so wichtig.

Dass mich dieses Buch so berührt hat, liegt auch daran, wie eng es mit der Lebensrealität von N. R. Walker verknüpft ist. In einem Gastbeitrag auf Love Bytes Reviews schreibt sie: „This book is my story.“ Walker beschreibt sich selbst als gray-asexuell und erklärt, dass deutlich mehr von ihr in Jordan steckt, als ihr zunächst bewusst war. Dieses Wissen verleiht dem Roman eine besondere Ehrlichkeit. Man spürt in jeder Szene, dass hier jemand schreibt, der aus eigener Erfahrung schöpft. Own-Voice-Geschichten wie diese sind wertvoll und werden dringend gebraucht.

Jordan und Hennessy könnten unterschiedlicher kaum sein, und gerade das macht ihren gemeinsamen Weg so reizvoll. Jordan ist unsicher, grübelt viel und versucht noch herauszufinden, wo sein Platz ist. Hennessy ruht längst in sich selbst. Er begegnet Jordan mit Geduld, Wärme und einem tiefen Verständnis. Zusammen ergeben die beiden ein Paar, das sich nicht durch große Dramen, sondern durch leise Zwischentöne ins Herz schleicht.

Besonders gelungen fand ich, dass sich ihre Beziehung ganz ohne Hektik entwickelt. Nichts wirkt konstruiert oder überstürzt. Stattdessen begleitet man Jordan Schritt für Schritt bei seiner Selbstfindung. Diese ruhige Erzählweise macht den Roman unglaublich authentisch und gibt den emotionalen Momenten viel Raum.

Auch das Umfeld der beiden bleibt in Erinnerung. Die Freundeskreise von Jordan und Hennessy sowie die Suppentruppe fühlen sich lebendig und echt an. Obwohl die Nebenfiguren nicht ständig im Mittelpunkt stehen, besitzen sie Persönlichkeit und tragen viel zur besonderen Atmosphäre des Romans bei. Dazu kommt ein trockener Humor, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht und die ernsteren Themen wunderbar ausbalanciert hat.

Das Hörbuch gewinnt zusätzlich durch die Sprecher Felix Graf und Leonard Hohm. Beide verleihen den Figuren eine eigene Stimme und transportieren Unsicherheiten, Wärme und die feinen emotionalen Nuancen auf eine Weise, die das Zuhören zu einem echten Erlebnis macht.

Ein kleiner Kritikpunkt jedoch war für mich Jordans Vorliebe für ein bestimmtes Schimpfwort, das sehr häufig verwendet wird. Da ich mit solchen Ausdrücken wenig anfangen kann, hat mich das stellenweise aus dem Hörfluss gerissen. Manche Dialoge wirkten auf mich zudem etwas zu erklärend; hier hätte ich mir an einigen Stellen mehr Subtilität gewünscht. Wirklich ins Gewicht fällt das jedoch kaum, weil der Roman insgesamt so viel Herz besitzt.

„Upside Down: Die Welt steht Kopf“ ist ein berührender Gay-Romance-Roman über Selbstakzeptanz, Identität und die Erkenntnis, dass Liebe keinem gesellschaftlichen Standard entsprechen muss, um vollkommen zu sein. Dieses Buch schenkt Sichtbarkeit, macht Mut und erinnert daran, wie wichtig Repräsentation in der Literatur ist. Für mich war es ein leiser, ehrlicher Roman, der noch lange in mir nachhallt.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 31.03.2026

✎ Annette Herzog - Das nächste Mal, wenn du verreist

Das nächste Mal, wenn du verreist
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Unser Stapel ungelesener Bilderbücher schrumpft spürbar. Dieses Mal haben wir „Das nächste Mal, wenn du verreist“ von Annette Herzog aus dem Regal gezogen.

Auslöser war der Klappentext. Diese Übertreibung ...

Unser Stapel ungelesener Bilderbücher schrumpft spürbar. Dieses Mal haben wir „Das nächste Mal, wenn du verreist“ von Annette Herzog aus dem Regal gezogen.

Auslöser war der Klappentext. Diese Übertreibung aus Kindersicht trifft einen Nerv: Zehn Tage fühlen sich nicht nach einer überschaubaren Zeitspanne an, sondern nach einer gefühlten Ewigkeit. „Hunderttausend Millionen Mal“ - das beschreibt ziemlich genau, wie intensiv Kinder Abwesenheit wahrnehmen. Diese Perspektive zieht sich durch das ganze Buch und macht es emotional zugänglich.

Gleich zu Beginn stolperte ich allerdings über Details, die irritierten. Eine Krokodiltasche wirft Fragen auf, die man als Erwachsener nicht einfach ausblendet. Auch die scheinbar beiläufig eingestreute Botschaft rund um Klimaneutralität auf dem Bus wirkt erstmal eher aufgesetzt als organisch in die Geschichte eingebettet.

Inhaltlich funktioniert die Geschichte vor allem dort, wo sie das Durchhalten thematisiert. Der kleine Elefant scheitert, probiert weiter, verliert zwischenzeitlich den Fokus - und genau dann gelingt plötzlich der Durchbruch. Diese Dynamik wirkt glaubwürdig und nah an der Lebensrealität von Kindern.

Doch vor allem visuell überzeugt das Buch. Die Illustrationen sind ausdrucksstark, transportieren Emotionen unmittelbar und laden zum genaueren Hinsehen ein. Dabei entfalten sie eine leise Melancholie, die sich erst nach und nach erschließt und zunächst unauffällige Elemente in ein anderes Licht rückt. Gefallen hat uns speziell, wie viele zusätzliche Aspekte sich in den Bildern verbergen, ohne im Text aufgegriffen zu werden. Gerade das macht ihren Reiz aus: Man bleibt länger hängen, entdeckt immer wieder Neues und kommt darüber ins Gespräch. Die anfangs befremdlichen Details verlieren somit deutlich an Härte, ohne sie belanglos wirken zu lassen. Besonders gelungen ist die Entwicklung des kleinen Elefanten, dessen äußeres „Wachstum“ seine innere Entwicklung widerspiegelt. Mimik und Körpersprache sind dabei so klar gestaltet, dass sich seine Gefühle unmittelbar erschließen.

Die zentrale Botschaft bleibt klar: Übung führt zu Fortschritt und Rückschläge gehören dazu. Gerade bei Trennungssituationen, etwa wenn ein Elternteil verreist, kann die Geschichte Orientierung geben. Sie zeigt, dass Unsicherheit Raum für Entwicklung schafft, dass man wachsen kann, auch wenn jemand fehlt. Und dass Stolz nicht nur von außen kommen sollte, sondern im besten Fall von innen entsteht.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 17.03.2026

✎ Nicola Anker - Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei

Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer (Band 1) - Das gestohlene Drachenei
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Ich bin, ehrlich gesagt, mit ganz anderen Erwartungen an „Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei“ von Nicola Anker herangegangen. In meinem Kopf war das ein Entscheidungsbuch, ...

Ich bin, ehrlich gesagt, mit ganz anderen Erwartungen an „Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei“ von Nicola Anker herangegangen. In meinem Kopf war das ein Entscheidungsbuch, bei dem man durch eigene Wahl den Verlauf bestimmt. Tatsächlich handelt es sich um ein interaktives Mitmachbuch, bei dem die Geschichte vorgegeben ist und die Beteiligung auf andere Weise funktioniert. Dieses Konzept kannte ich bisher nur für die Allerkleinsten.

Die ersten Seiten waren für uns ein Dämpfer. Der Textanteil ist stellenweise hoch, ganze Doppelseiten bestehen aus Fließtext. Für ein Kind, das beim Lesen schnell abschweift, wird das zur Hürde. Ich habe dann auch gemerkt, wie die Motivation kurz ins Wanken geriet, weil genau diese Leichtigkeit fehlte, die ich mir erhofft hatte.

Im weiteren Verlauf verändert sich die Dynamik spürbar. Die Handlung gewinnt an Tempo, Dialoge strukturieren den Text und lockern die Seiten auf. Gleichzeitig wird das Kind stärker einbezogen. Dieser Wechsel macht einen enormen Unterschied. Ab da entsteht dieses Gefühl, wirklich Teil der Geschichte zu sein, nicht nur passive Mitlesende. Der Unterschied liegt weniger im Umfang des Textes als in seiner Aufbereitung.

Die Figuren werden klar geführt. Statt Sprechblasen, kommen kleine Porträts zum Einsatz, die anzeigen, wer spricht. Das sorgt für Orientierung und verhindert visuelle Überladung, gerade für ungeübte Lesende.

Auch inhaltlich trägt die Geschichte. Die Charaktere selbst bringen genau die richtige Portion Eigenwilligkeit mit. Es gibt Humor, kleine sprachliche Spitzen und genug Charme, um dranzubleiben. Die Figuren wirkten auf uns originell. Besonders die direkte Ansprache funktioniert erstaunlich gut. Mein Kind hatte wirklich das Gefühl, angesprochen zu werden, nicht nur mitzulesen. Genau hier entfaltet das Buch seine eigentliche Stärke.

Die Illustrationen von Marek Bláha prägen das Gesamtbild stark. Schon das Cover ist ein echter Blickfang, aber auch im Inneren bleibt das Niveau konstant hoch. Kräftige Farben, viele Details, eine visuelle Welt, in der man sich gerne verliert. Bild und Text arbeiten hier zusammen, nicht nebeneinander.

Am Ende bleibt ein gemischter, insgesamt jedoch positiver Eindruck. Der Einstieg fordert Geduld, weil Struktur und Umfang nicht sofort zugänglich sind. Mit zunehmendem Verlauf entwickelt das Buch jedoch eine klare Stärke in seiner Kombination aus Interaktion, Erzählweise und visueller Gestaltung. Wir sind jedenfalls neugierig genug, um Iggy, den Bücherwurm, auch beim nächsten Abenteuer wieder zu begleiten.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 06.02.2026

✎ Susanne Siegert - Gedenken neu denken

Gedenken neu denken
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Schon lange setze ich mich intensiv mit der NS-Zeit auseinander. Ich lese Erfahrungsberichte, Sachbücher und selten schaue ich auch mal Dokumentationen. Dieses Thema begleitet mich nicht aus Pflichtgefühl, ...

Schon lange setze ich mich intensiv mit der NS-Zeit auseinander. Ich lese Erfahrungsberichte, Sachbücher und selten schaue ich auch mal Dokumentationen. Dieses Thema begleitet mich nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es mich nicht loslässt. Vielleicht auch, weil ich immer wieder merke, wie brüchig unser Umgang mit Erinnerung ist.

Dem Instagram-Projekt @keine.erinnerungskultur folge ich noch nicht lange, doch es ist schnell zu einer der wichtigsten Stimmen für mich geworden. Susanne Siegert verbindet dort persönliche Biografie mit einer klaren Kritik daran, wie Erinnerung in Deutschland häufig praktiziert wird. Sie fordert eine Erinnerungskultur, die aktiv, pluralistisch und verantwortlich ist, statt sich auf ritualisierte Gedenkformen zu verlassen oder nur symbolische Akte zu wiederholen. Ihr Anspruch ist unbequem: Erinnerung soll nicht beruhigen, sondern herausfordern.

Besonders deutlich wurde das für mich in ihrer Auseinandersetzung mit „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“. Als ich sah, wie sie diesen Film kritisch einordnet, musste ich an meine eigene Reaktion vor Jahren denken. Auch ich hatte das Buch gelesen und sofort gespürt, dass hier etwas nicht stimmt. Trotzdem habe ich damals keine kritische Rezension veröffentlicht. Die Angst vor Reaktionen, vor Missverständnissen, vor moralischer Empörung war größer. Siegerts Analyse hat mich rückblickend darin bestärkt, dass dieses Unbehagen berechtigt war. Manche Darstellungen der NS-Zeit vereinfachen, emotionalisieren falsch oder verschieben Perspektiven - und richten damit mehr Schaden an, als sie aufklären.

Im Buch springt die Autorin immer wieder zwischen persönlichen Erinnerungen und größeren historischen sowie gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das hat mich stellenweise irritiert. Ich hatte ein stärker analytisches Sachbuch erwartet, eine distanziertere Sprache. Stattdessen ist der Ton häufig sehr nah, sehr ich-bezogen. Gleichzeitig wäre es zu einfach, genau das als Schwäche abzutun. Diese persönliche Direktheit senkt Hürden, macht das Thema zugänglich und zwingt Leserinnen, sich selbst zu positionieren. Mein Unbehagen speist sich weniger aus der Methode als aus der Spannung zwischen Erwartung und Umsetzung.

Überzeugend ist für mich, wie konsequent Siegert den Blick weitet: weg von etablierten Gedenkorten, hin zu vergessenen Schauplätzen, marginalisierten Opfergruppen und den Nachkommen der Täter
innen. Sie zeigt, wie selektiv Erinnerung funktioniert und wie bequem es ist, Verantwortung an abstrakte Systeme auszulagern. Nicht jede Begriffswahl hat mich dabei überzeugt, manche Formulierungen wirkten auf mich unnötig zugespitzt, doch der Kern ihrer Argumentation bleibt stark.

Ein Punkt hat mich jedoch nachhaltig gestört: die sprachliche Inkonsistenz beim Gendern. Einzelbegriffe wie „Täter:innen“ werden gegendert, zusammengesetzte Begriffe wie „Tätergesellschaft“ hingegen nicht. Das zieht sich durch das Buch und wirkt nachlässig. Gerade bei einem Werk, das Sprache als Machtinstrument ernst nimmt, fällt diese Unschärfe besonders ins Gewicht.

Ich wünsche mir, dass Lehrende, die sich ernsthaft mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, dieses Buch lesen und im Unterricht nutzen. Vor allem die kritische Einordnung populärer Filme und Bücher sollte weitergeführt werden. Solche Werke prägen Geschichtsbilder oft stärker als Schulbücher - und bleiben dennoch häufig unhinterfragt.

Ich werde die Arbeit von @keine.erinnerungskultur weiter aufmerksam verfolgen. Nicht, weil sie einfache Antworten liefert, sondern weil sie Fragen stellt, die unbequem sind. Und weil Erinnerung nur dann Sinn hat, wenn sie uns zwingt, genauer hinzusehen, statt uns moralisch zu entlasten.

©2026 Mademoiselle Cake