Berührend, humorvoll und überraschend
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie warInhalt:
Joachim ist noch ein Kind, als er seinen ersten Toten sieht und dieses Erlebnis macht ihn kurzzeitig zum Helden seiner Schule. Er wächst inmitten des Geländes einer Kinder- und Jugendpsychiatrie ...
Inhalt:
Joachim ist noch ein Kind, als er seinen ersten Toten sieht und dieses Erlebnis macht ihn kurzzeitig zum Helden seiner Schule. Er wächst inmitten des Geländes einer Kinder- und Jugendpsychiatrie als jüngster Sohn deren Direktors auf. Begegnungen mit Patientinnen und Patienten sind an der Tagesordnung und die Schreie, die er beim Einschlafen aus den Zimmern der Psychiatrie hört, gehören für ihn zur Normalität. Auch seine ihm ganz eigene Wut, die Liebe zum Familienhund und ausgeklügelte Pläne, um seinen Willen auch als jüngstes Kind durchzusetzen, prägen seinen Alltag.
Dieser zweite Band der Reihe erzählt eine Kindheit, die im ersten Band der Reihe bereits vorbei ist und steuert auf eine Tragödie zu, die wir ebenfalls aus dem ersten Band kennen. Es erstaunt also nicht, dass sich der Skurrilität sowie den freudigen, überschwänglichen Erinnerungen zum Trotz eine tiefe Traurigkeit und Melancholie durch den gesamten Roman ziehen.
Meine Meinung:
Eine Kindheit inmitten von körperlich und geistig behinderten Menschen, die sicher keine moderne Pflege erhalten und oft sediert, verwahrlost und vereinsamt in einer Ecke sitzen oder über das Gelände der Psychiatrie streunern, sind für ein mitten in diesem Chaos aufwachsendes Kind ganz sicher ein spannendes Umfeld. Gemeinsam mit unserem Ich-Erzähler erleben wir die komischsten Situationen aus seinem Alltag und seiner Schulzeit und kommen der Dynamik der Beziehung seiner Eltern sowie den aus heutiger Sicht menschenunwürdigen Zuständen der in der Psychiatrie lebenden Menschen auf die Schliche.
Was als eine bunt schillernde, aus dem vollen Leben gegriffene Erzählung beginnt, beginnt, mehr und mehr ins Melancholische zu kippen. Verlust und Sehnsucht prägen die Jugend und das frühe Erwachsenenalter unseres Protagonisten und beim Lesen hat auch mich eine grosse Verlorenheit ergriffen. Irgendwie tröstet es mich, dass ich den letzten und versöhnlichen Abschlussband der Reihe bereits gelesen habe und nun freue ich mich um so mehr auf die weiteren Entwicklungen in den nächsten drei Bänden.
Meine Empfehlung:
Auch der zweite Band der Reihe ist ein berührendes, humorvolles und immer wieder überraschendes Meisterwerk der Autofiktion. Was am Ende alles der Wahrheit entspricht ist dabei komplett irrelevant, schliesslich resultiert dabei eine grossartige Geschichte, die mich neugierig gemacht hat auf die weiteren Bände.