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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2026

Die Stille vor der Wahrheit

Home Before Dark
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Das Buch überzeugt bereits durch den Prolog mit einem ungewöhnlichen Einstieg. Statt einer klassischen Szene beginnt die Handlung mit einem Traum bzw. dem Gefühl, nach einem Traum aufzuwachen. Dies wirkt ...

Das Buch überzeugt bereits durch den Prolog mit einem ungewöhnlichen Einstieg. Statt einer klassischen Szene beginnt die Handlung mit einem Traum bzw. dem Gefühl, nach einem Traum aufzuwachen. Dies wirkt direkt beklemmend, da man nicht weiß, welche Begebenheit sich dahinter verbirgt und ob es mehr ist als nur ein Traum.

Auch die folgenden Seiten lesen sich sehr spannend und sorgen für eine Reihe an Fragen. Zentrales Thema ist das ungeklärte Verschwinden von Stina, Marsibels Schwester. Nun, viele Jahre später, traut sich Marsibel, dieser Frage aktiv nachzugehen und sich ihren Schuldgefühlen zu stellen.

Die parallelen Erzählstränge, Stina im Jahr 1967 und Marsibel 1977, sind klar voneinander abgegrenzt und durch unterschiedliche Zeitformen zusätzlich markiert. Die Ich-Perspektive bei beiden Strängen sorgt für Nähe und das Gefühl, den Szenen beizuwohnen, während Rückblenden und Erinnerungen die Handlung sinnvoll ergänzen.

Es gibt keine neuen technischen oder polizeilichen Erkenntnisse. Die Story beruht alleine auf den privaten Nachforschungen von Marsibel und ist somit von Erinnerungen und Gesprächen mit Freunden und Bekannten geprägt. Dadurch entsteht ein schmaler Spagat zwischen dem Gefühl, dass nichts Nennenswertes passiert, und gleichzeitig dem Spiel mit Andeutungen und klitzekleinen Ungereimtheiten, welche die Handlung dennoch Schritt für Schritt voranbringen. Aber genau dieses subtile Spiel mit Andeutungen hat mir in diesem Buch besonders gut gefallen. Es ist der Fantasie des Lesers überlassen, damit umzugehen. Denn einerseits ist klar, dass die eingestreuten Informationen aus dem Zusammenhang gerissen sind und einen völlig harmlosen Hintergrund haben können. Gleichzeitig ist man als Leser auf der Hut, um keine Ungereimtheit zu verpassen, denn natürlich könnte sich auch etwas Größeres dahinter verbergen. Es ist also diese Unsicherheit, die die Autorin geschickt einzusetzen weiß und ausnutzt. So ist es auch kein Wunder, dass hier etliche Personen ins Visier geraten und potenziell etwas mit dem Verschwinden von Stina zu tun haben könnten.

Doch bei all den Verdächtigen bleiben über weite Strecken die zentralen Fragen bestehen, ob Stina oder Marsi das Ziel war und ob Stina nicht vielleicht doch freiwillig verschwunden ist.

Fazit: Ein leiser und ruhiger Thriller, der mir sehr gut gefallen hat. Er kommt ohne Brutalität aus, weiß aber mit dem Spiel der Möglichkeiten zu überzeugen. Er vermittelt permanent das Gefühl, völlig im Dunkeln zu tappen, und ist wunderbar geeignet, um mitzurätseln, gespannt zu verfolgen, was ans Licht kommt, und sich von der Auflösung überraschen zu lassen.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Nicht nur im Moor lauern Gefahren

Moorland. Die Zwillinge
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Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein ...

Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein tolles Setting für einen Thriller.

Doch dies alleine reicht natürlich nicht aus, um Spannung erzeugen und uns Leser fesseln zu können. Unterstützt wird dies hier durch kurze Kapitel, authentische Bewohner und einen Fall, der immer größer und größer wird. Aber der Reihe nach.

Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen und die Gemeinde Moorbach hineingeworfen. Da muss man sich zunächst orientieren und mit den Bewohnern und ihren Beziehungen vertraut machen. Schon hier wird klar, dass nicht jeder mit jedem kann und nicht jeder sympathisch ist. Von forsch und fordernd bis sehr zugewandt ist alles an Charakteren vertreten. So lebt das Buch von den Geheimnissen der Dorfbewohner, von Antipathien und Vertuschung. Da bildet nicht einmal die Kommissarin Malia mit ihrer Familiengeschichte eine Ausnahme.

Der Fall selbst beginnt unblutig und mit einer Suchaktion nach Zwillingen, die spurlos verschwunden sind. Doch als die Ermittlungen in Gang kommen, wird klar, dass mehr dahintersteckt.

Besonders gut hat mir gefallen, wie der Autor den Fall Stück für Stück größer werden lässt. Was zunächst wie ein lokales Drama beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem komplexen Geflecht aus Spuren, Motiven und Verstrickungen. Die Kommissarin stößt dabei mit ihren begrenzten Ressourcen und dem kleinen Team schnell an ihre Grenzen und ist kaum in der Lage, allen Spuren zu folgen und mit den Entwicklungen und Erkenntnissen Schritt zu halten. Die kurzen Kapitel mit den wechselnden Perspektiven unterstützen das Gefühl, dass mehrere Ereignisse parallel stattfinden und die Dynamik und Dringlichkeit zunimmt.

Obwohl zwischenzeitlich verschiedene Personen ein Motiv haben oder sich verdächtig verhalten, hat sich für mich der Täter auf den letzten Seiten doch recht klar und eindeutig abgezeichnet. Wenn ich einen Wermutstropfen nennen müsste, wäre dies der Einzige, der mir bei diesem Buch einfällt.

Fazit: der Autor macht es uns Lesern einfach, in dieses Buch und die packende Ermittlung einzutauchen und es guten Gewissens weiterzuempfehlen.

Veröffentlicht am 01.04.2026

3 Vögel für Leo

Pina fällt aus
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Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ...

Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ausgerichtet. Denn wenn nicht alles nach Plan läuft, kann Leo damit nicht umgehen und hat Chaos in seinem Kopf. Bis sie plötzlich und unerwartet vor der Herausforderung stehen, dass „die Welt und Leo miteinander klarkommen müssen“. Was so einfach klingt, ist für Leo doch so schwer. Was also tun, wenn nichts mehr ist wie gewohnt und Pina nicht da ist?

Aus der Not machen die Hausbewohner eine Tugend. Und so erleben wir auf den folgenden Seiten, wie sie ihren Alltag umkrempeln, um für Leo da zu sein. Wie sie Stück für Stück herausfinden, was für Leo wichtig ist und wie sein Tag strukturiert sein muss. Wie aus dem Nebeneinanderleben der Hausbewohner ein Miteinander wird.

Die Autorin schafft es, eine äußerst empathische und berührende Geschichte zu erzählen, ohne dabei rührselig zu sein. Ohne erhobenen Zeigefinger oder Anklage holt sie das Thema Inklusion in die Mitte der Gesellschaft. Sie zeigt, dass diese gemeinsam gelingen kann, wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beiträgt und dass es sich lohnt, sich für seine Mitmenschen zu interessieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dass Inklusion mehr ist als die Möglichkeit der Teilhabe durch staatliche Institutionen und Organisationen, sondern dass sie auch gelebt werden muss und kann. Und dass sie im optimalen Fall keine Last, sondern eine Bereicherung ist.

Fazit: ein einfühlsames Buch mit einem ernsten und wichtigen Thema, welches trotzdem leicht und positiv erzählt wird. Es zeigt, wie Zusammenhalt, Verantwortung und gelebte Inklusion aussehen kann und wie viel gemeinsam möglich ist.

Veröffentlicht am 31.03.2026

An der Wahrheit erstickt

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen ...

Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen in der grenzübergreifenden Sondereinheit GZ Padborg gebündelt.

Das Buch präsentiert sich im weiteren Verkauf als klassischer Krimi im allerbesten Sinne. Er ist ruhig erzählt, klar strukturiert und der Fokus ist auf die Ermittlungsarbeit ausgerichtet. Die einzelnen Schritte werden super herausgearbeitet und sind absolut nachvollziehbar. Die Ermittlungen folgen dabei einer logischen Abfolge, von der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern über die Identifikation möglicher weiterer Gefährdeter bis hin zur Frage nach dem Motiv und darüber abschließend der Identität des Täters.
So konnte man der Aufklärung zu allen Zeiten wunderbar folgen, ohne dass am Ende eine Zusammenfassung nötig wäre, um uns Leser die Zusammenhänge nochmals zu erklären.

Die Geschichte überzeugt weniger durch überraschenden Wendungen, sondern lebt von den vielen kleinen Erkenntnissen und Fortschritten, die sich Stück für Stück zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Spannung schaffte die Autorin durch die kontinuierliche Annäherung an die Wahrheit und das die Identität des Täters auch bis zum Schluss nicht vorhersehbar war.

Ein direkter Vergleich zu anderen Fällen der Reihe ist mir nicht möglich. Ich habe lediglich einen der ersten Bände gelesen, aber keine Erinnerung mehr daran. Dafür bin ich erstaunlich gut mit den Figuren zurechtgekommen. Nur bei Rasmus hatte ich das Gefühl, dass sein Privatleben in früheren Bänden bereits eine größere Rolle gespielt hat. Trotzdem reichten mir die Informationen, die man im vorliegenden Band bekommt, als Hintergrundwissen aus, um seine Rolle und seine Geschichte zu verstehen.

Die ständig wechselnden Schauplätze des Buches machen es manchmal nicht leicht, die Opfer namentlich und örtlich zuzuordnen. Aber die Karte im Einband des Taschenbuches hilft bei der Orientierung und bietet eine schöne Grundlage für die geografische Einordnung der Schauplätze.

Fazit: Insgesamt hat mich dieser Krimi absolut überzeugt. Er zeichnet sich durch einen angenehmen Schreibstil, einen klaren Fokus auf die Ermittlungsarbeit und eine Auflösung aus, die stringent und nachvollziehbar bleibt.

Veröffentlicht am 16.03.2026

am Puls der Zeit – komplex, aktuell, packend

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück ...

Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück sind die folgenden Kapitel wieder besser zu ertragen. Denn zunächst wird ein komplexes Bild mit einer Fülle an Handlungssträngen entwickelt. Da ist ein großflächiger Stromausfall, der Einbruch in ein Gelddepot, eine vermisste Person und eine private Anfrage an Fabian Risk. Bei der Fülle an parallel verlaufenden Ermittlungen habe ich mitunter vergessen, welcher Ermittler sich jetzt eigentlich um welchen Fall kümmert, doch das schmälerte meinen Lesefluss nicht, war es doch lediglich eine fehlende namentliche Zuordnung meinerseits. Die Vielzahl an Handlungssträngen und die angenehme Kapitellänge sorgen hingegen für Kurzweiligkeit und Abwechslung.

Dass die unterschiedlichen Geschehnisse zusammenhängen müssen, ist dem Leser direkt klar. Aber die Frage bleibt, wie diese zusammengeführt werden können. Durch die hartnäckigen Ermittlungen zieht sich das Netz enger zusammen und erste Gemeinsamkeiten werden sichtbar. Es ist nicht nur die reine Suche nach den Attentätern und Strippenziehern, die im Mittelpunkt des Buches steht, sondern mehr und mehr auch die Frage nach deren Motivation. Vor allem in der zweiten Hälfte habe ich schon mal die Zeit vergessen, da mich das Buch so gepackt und eingenommen hat.

Besonders eindrucksvoll ist, wie Ahnhem aktuelle gesellschaftliche Themen in seine Geschichte einwebt. Angriff auf kritische Infrastruktur, mediale Manipulation und Migration bilden einen beunruhigenden und dennoch realistischen Hintergrund. Ergänzt durch zusätzliche fiktionale Elemente, entsteht ein äußerst düsteres Szenario.

Obwohl ich das Buch als vergleichsweise unblutig wahrgenommen habe und es nicht auf Schockeffekte setzt, sei eine kleine Warnung ausgesprochen. Denn da Kinder zu Opfern werden, ist dieses Buch nicht unbedingt für jeden Leser geeignet.

Fazit: ein komplexes, thematisch aktuelles Buch, das mit seiner gesellschaftlichen Relevanz und seiner stetig wachsenden Spannung überzeugt und mir viel Freude bereitet hat