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Veröffentlicht am 04.04.2026

Verursacht ein intensives Kopfkino!

Villa Rivolta
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Daniel Specks Roman Villa Rivolta erscheint im Fischer Verlag.

Bresso 1945:
Die Kinder Piero, Sohn des Automobilherstellers Renzo Rivolta, und Valeria, Tochter der Haushälterin Caterina Fabrizi, lernen ...

Daniel Specks Roman Villa Rivolta erscheint im Fischer Verlag.

Bresso 1945:
Die Kinder Piero, Sohn des Automobilherstellers Renzo Rivolta, und Valeria, Tochter der Haushälterin Caterina Fabrizi, lernen sich im Garten der Villa Rivolta kennen und versprechen sich eine lebenslange Freundschaft. Direkt neben der Villa liegen die Produktionsstätten für Kühlgeräte, in denen später Motorroller, die bekannte Isetta und luxuriöse Sportwagen hergestellt wurden.

Valeria und Piero verbringen ihre Jugend in den goldenen Jahren Italiens, doch später kippt die Stimmung im Land und Streiks, soziale Unruhen und Klassenkämpfe verändern den gesellschaftlichen Frieden. Von Piero wird erwartet, dass er das Familienimperium übernimmt, während Valeria versucht unabhängig zu werden und sich in den Arbeitersohn Flavio verliebt, der sich dem Kampf gegen Ausbeutung und gesellschaftliche Unterschiede widmet.

Mailand 1979:
Valerias 14-jähriger Sohn Tonino findet auf einer Baustelle eine Wehrmachtspistole und macht den Fehler und nimmt die Waffe mit in die Schule. Beim Versuch sie gegen einen Walkman zu tauschen, wird er erwischt und die Polizei erfährt von der Waffe. Als Valeria davon erfährt, fährt sie unverzüglich zu Piero. Auf der Fahrt erzählt sie Tonino eine lang verschwiegene Wahrheit, die auch ihr Schicksal geprägt hat.

"Man sagt, es gäbe eine große Liebe im Leben. Tatsächlich aber gibt es zwei: eine, die du nie bekommst und eine, die du nie vergisst." Zitat Seite 7

In diese große, gesellschaftliche Themen betreffende Familiengeschichte bin ich tief eingetaucht und war den Figuren eng verbunden. Zum Lesen habe ich mir bewusst viel Zeit genommen, weil ich die Geschichte möglichst lange auskosten wollte. Das bildhaft geschilderte Lebensgefühl Italiens war absolut spürbar, ich wurde an Federico Fellinis Film La dolce vita erinnert, erlebte vor dem Hintergrund sozialer Unterschiede und politischer Umbrüche eine Liebe zweier Seelenverwandter, die sich lebenslang verbunden fühlen. Doch im gesamten Verlauf des Romans wird deutlich, dass Herkunft und die gesellschaftlichen Unterschiede der Liebe im Weg stehen.

Daniel Speck hat die erzählerische Gabe, seinen Figuren intensiv Leben einzuhauchen und sie in einem authentisch geschilderten Kontext der Zeitgeschichte so einzubinden, daß beim Lesen das Kopfkino anspringt. In seinem Roman verarbeitet er die biografisch angehauchte Geschichte Piero Rivoltas und lässt uns am Bau der Isetta teilhaben, zeigt die unternehmerischen Schwierigkeiten des Familienunternehmens, das Leben der Reichen und die soziale Schieflage der arbeitenden Bevölkerung, sowie die Differenzen zwischen Nord- und Süditalien.

Valeria steht für eine Frau, die sich emanzipieren möchte, in einer Männerwelt und einer Zeit, als Frauen eher in einer Ehe landeten als in einem Beruf. Als der industrielle Aufschwung erst Dolce Vita versprach und dann in eine kulturelle Revolution führte.

In Villa Rivolta wird ein komplexes Gerüst aus Schicksalen, menschlichen Beziehungen und gesellschaftlichem Wandel beschrieben, die in ihrer Gesamtheit das Lebensgefühl und den Zeitgeist sichtbar machen. Die gezeigten Emotionen und das Handeln der Figuren werden vor dem Hintergrund eines besonderen Familiengeheimnisses spannend aufgeklärt und bekommen damit sichtbare Bedeutung.

Villa Rivolta ist ein wunderbarer, detailreich erzählter Roman über Seelenverwandte, italienisches Lebensgefühl, über Macht und Einfluss und über Existenzsorgen und soziale Ungerechtigkeit. Der Roman hat mich gefesselt und wunderbar atmosphärisch unterhalten.

Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein atmosphärischer und eindrucksvoll geschriebener Roman

Moosland
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Im Dumont Verlag erscheint mit Moosland das Debüt von Katrin Zipse.

Im Sommer 1949 kommt Elsa als eine von vielen jungen Frauen aus dem katastrophalen Nachkriegsdeutschland in Island an, um dort ein ...

Im Dumont Verlag erscheint mit Moosland das Debüt von Katrin Zipse.

Im Sommer 1949 kommt Elsa als eine von vielen jungen Frauen aus dem katastrophalen Nachkriegsdeutschland in Island an, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Weil viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind, gibt es Frauenmangel und die Deutschen werden nicht nur als Arbeitskräfte dringend erwartet, sondern auch als Heiratskandidatinnen. Auch Elsa hat es nach Island verschlagen, sie kennt weder die Sprache noch die Menschen in der Bauernfamilie und braucht eine Weile, um sich durch den täglichen Ablauf am Hof einzufinden und die neue Heimat näher kennen zu lernen.

Elsa wird von der Bauernfamilie auf dem entlegenen Hof freundlich aufgenommen und in die tägliche harte Arbeit eingeführt. Sie muss sich an das einfache Leben gewöhnen, es gibt weder Kanalisation noch Elektrizität und ohne Kenntnisse der isländischen Sprache kann sie den Gesprächen der Bauern nicht folgen. Lange Zeit bleibt die Sprache für sie ein Buch mit sieben Siegeln, aber sie spürt, dass die Familie ein Geheimnis verbirgt.

Wir begleiten Elsa bei der täglichen Arbeit, wie sie kocht, Wäsche im Fluss wäscht und auch bei der Heuernte und dem Schaftreiben hilft. Durch diese Tagesabläufe gewöhnt sie sich an ihre neuen Umgebung und baut eine Beziehung zur Familie auf und sie fängt an, die karge Schönheit der Natur zu sehen. Mit dem Erlernen der Sprache wächst auch ihr Verständnis und die Zuneigung zu Island und seinen Bewohnern.
Der ruhig erzählte Roman führt uns die Natur, die Tierhaltung und die Witterungsverhältnisse Islands vor Augen, aber auch die Schwierigkeiten mit der Sprache sowie Elsas Traumatas. Ich habe mich in diese besondere Atmosphäre einfühlen können, die Figuren haben mich berührt und war gefesselt von Katrin Zipses eindringlicher Geschichte der jungen Frau, die in dem fremden Land ein neues Leben beginnt.

Große Leseempfehlung für diesen Islandroman!

PS: Wer Joachim B. Schmidts Romane Kalmann und Ósman mochte, wird auch diesen Roman lieben!

Veröffentlicht am 13.03.2026

Oma ist die Beste!

Oma teilen
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Im Annette Betz Verlag erscheint Johanna Lindemanns Bilderbuch Oma teilen mit Illustrationen von Andrea Stegmaier.

Anna freut sich auf die Ferien bei ihrer Oma, denn da verbringen sie Zeit mit Gesellschaftsspielen, ...

Im Annette Betz Verlag erscheint Johanna Lindemanns Bilderbuch Oma teilen mit Illustrationen von Andrea Stegmaier.

Anna freut sich auf die Ferien bei ihrer Oma, denn da verbringen sie Zeit mit Gesellschaftsspielen, essen tolle Sachen und sie hat Oma ganz für sich allein. Doch diese Ferien werden ganz anders, denn auch Annas Cousin Tarek will seine Ferien bei Oma verbringen. Und weil beide Kinder Oma ganz für sich allein haben wollen, beschließen sie Oma in zwei Hälften zu teilen.

Wie teilt man eine Oma, wenn sich zwei Enkelkinder um sie streiten? Könnte man sie wie bei einem Zaubertrick in der Mitte durchteilen? Oder ist es besser, wenn einer die Vorderseite bekommt und der andere die Rückseite? Alles Blödsinn! Anna und Tarek teilen Oma in eine rechte und eine linke Hälfte und Oma versucht es beiden Kindern recht zu machen. Doch zwei Dinge gleichzeitig kochen und mit beiden Kindern verschiedene Sachen spielen ist unheimlich anstrengend. Vor Erschöpfung schläft Oma noch vor den Kindern ein und da auf einmal spielen beide einfach mal ohne Oma und haben sogar Spaß dabei. Als Oma aufwacht, wird der Abend für alle drei noch richtig schön, denn beide lieben ihre Oma und finden es toll, gemeinsam zu spielen und bei ihrer Oma zu sein.

Die Texte sind klar und verständlich, aber noch mehr verdeutlicht die gelungene bildhafte Darstellung die Emotionen, Gefühle und Erlebnisse der Kinder, die sich um ihre Oma streiten weil sie jeder für sich haben möchte. Die Ideen der Kinder sind witzig, die Durchführung einfach nicht möglich und auch die geteilte Oma ist keine optimale Lösung, denn Oma ist völlig fertig, weil sie zwei Dinge gleichzeitig machen muss. Die Erschöpfung ist Oma anzusehen, das erkennen Kindern sehr schnell und sie wissen, wie schön es ist, wenn man nicht alleine spielen muss. Durch das Spielen löst sich der Streit auf und es wird deutlich gezeigt, dass sich Liebe vermehrt, wenn man sie teilt. Denn wenn sich mehrere Menschen mögen, wird auch die Liebe mehr.

Alleine spielen ist nicht so schön wie mit anderen und wenn dann noch die liebste Oma mitmacht, ist das für alle eine wunderbare Sache. Gemeinsam spielen ist schöner als allein!

Veröffentlicht am 10.03.2026

Die geniale Welt der Pflanzen: So macht Lernen Spaß!

Der Stoff, aus dem die Dinge sind
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Im Midas Verlag erscheint das großformatige Kindersachbuch Der Stoff, aus dem die Dinge sind von Jonathan Drori mit Illustrationen von Raxenne Maniquiz und Jiatong Liu.

Jonathan Drori stellt uns 30 ...

Im Midas Verlag erscheint das großformatige Kindersachbuch Der Stoff, aus dem die Dinge sind von Jonathan Drori mit Illustrationen von Raxenne Maniquiz und Jiatong Liu.

Jonathan Drori stellt uns 30 Pflanzen, Früchte, Wurzeln und Sprossen anhand ihrer Geschichten vor und erklärt kenntnisreich und auf unterhaltsame Weise, welchen Nutzen die Pflanzen haben, was ihre Besondheiten sind, wo sie herstammen und wie sie mit unserer Welt und unserer Geschichte verknüpft sind. Von den uns bekannt vorkommenden Vanille, Tee, Kakao, Tomate, Kartoffel über die Baumwolle, Zuckerrohr und Muskatnuss bis hin zum exotisch klingenden Guttapercha und der merkwürdigen Alraune - jede dieser Pflanzen hat bestimmte Eigenschaften und ihre besondere Geschichte, die für die Menschheit von Bedeutung ist.

Pflanzen gehören zu unseren wichtigsten Nahrungsgrundlagen überhaupt, wir sind zum Überleben auf Pflanzen und ihre Früchte, Sprossen und Wurzeln angewiesen. Doch Pflanzen bieten und können noch viel mehr als nur Nahrung zu sein, ihre Eigenschaften machen sie für uns als geniale Vorbilder für Erfindungen oder technische Errungenschaften.

So wird das Holz der Buche für Möbel oder Papier verarbeitet und LKW-Reifen enthalten sogar Teile vom Löwenzahn.

Pro Doppelseite wird in Großansicht eine Pflanze detailreich vorgestellt. Aufgelockert wird die Ansicht durch ergänzende, kurze Textteile, die viel Wissen und Fakten bereithalten, aber auch unterhaltsame Dinge beeinhalten. Hier wird man nicht mit Wissen überfordert, sondern mit interessanten Geschichten an die Hintergründe und Besonderheiten herangeführt.

Auf abwechslungsreiche Weise zeigen die naturnahen, wunderschönen Illustrationen und verständlichen Texte jungen Lesern, welche natürlichen Materialien in unseren täglich benutzten Gegenständen enthalten sind, für welche Technologie sie benutzt werden und welche speziellen Geschichten es über sie zu erzählen gibt.

Wir erfahren geniale Erfindungen, so wie Papyrus zu Papier gepresst wird und wie Kakao zu Schokolade wird. Außerdem erfährt man wie Teile der Affenbrotbäume zu Seilen werden und wie Baumwolle zu Banknoten gesponnen wird. Einige Geschichten sind sogar für Erwachsene neu und interessant.

Sehr geniale Präsentation von Pflanzen und ihrer speziellen Bedeutung für die Menschheit. So macht Lernen Spaß!

Veröffentlicht am 06.03.2026

Imaginäre Freunde ebnen den Weg für reale Freundschaften!

Mein Freund Leo Löwenherz
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Im Midas Verlag erscheint das Bilderbuch Mein Freund Leo Löwenherz von David Litchfield für Kinder ab vier Jahren.

Eine Kindheit ohne Freunde ist nicht schön, denn durch Freunde reift man, entwickelt ...

Im Midas Verlag erscheint das Bilderbuch Mein Freund Leo Löwenherz von David Litchfield für Kinder ab vier Jahren.

Eine Kindheit ohne Freunde ist nicht schön, denn durch Freunde reift man, entwickelt Selbstbewusstsein und hat jede Menge Spaß. Da kann es helfen, wenn man imaginäre Freunde hat, die einem immer zur Seite stehen, wenn man es braucht und die gedanklich als Gesellschaft dienen.

Patrick schaut oft zu, wenn die anderne Kinder spielen. Doch allein ist er nicht, weil er seinen imaginären Freund Leo Löwenherz hat, den nur er sehen kann. Leo ist immer für Patrick da, er hört ihm zu, wenn er traurig ist oder Sorgen hat und das gibt Patrick Halt und Kraft. Mit Leo fühlt er sich nicht allein.

An einem verschneiten Tag spielen die Kinder ausgelassen im Schnee, nur Patrick sitzt alleine auf einer Bank. Wobei, richtig allein ist er nicht, denn sein imaginärer Freund Leo Löwenherz ist bei ihm. Leo hört sich Patricks Sorgen geduldig an, geht mit ihm Kakao trinken, sie schaukeln und klettern auf einen Baum. Leo ist immer da! Gestärkt durch die gemeinsamen Aktionen findet Patrick schließlich den Mut, endlich einmal ein Kind auf dem Spielplatz anzusprechen. Er wird gefragt, ob er mitspielen möchte und entdeckt, dass die anderen Kinder richtig nett sind und von dem Moment an, braucht er Leo Löwenherz nur noch sehr selten.

Bei diesem Buch haben mich die Illustrationen bezaubert, mal in traumhaft schönen Pastelltönen, dann wieder in kräftigen Farben und alles mit einer magischen Ausstrahlung. David Litchfield zeigt verschiedene Ansichten der realen und der imaginären Welt, in die man versinken möchte.

Die Botschaft des Buches ist die Kraft der Freundschaft, die uns Mut macht und durchs Leben trägt. Manchmal braucht man imaginäre Freunde, denen man alles anvertrauen kann, bis man soweit ist, um sich den echten Menschen öffnen zu können.

Lehrreiche und wunderschön illustrierte Mutmachgeschichte über die hilfreiche Kraft imaginärer und echter Freunde! Denn Freundschaften führen dazu, dass wir wachsen und an uns glauben.