Das "Rebenbeben"
HeimatsommerJahrelang habe ich die historischen Romane von Petra Durst-Benning gelesen und geliebt. Auch ihre Maierhofen Saga war nett zu lesen und genau in diesem Genre hat sie nun wieder einen Wohlfühlroman geschrieben.
In ...
Jahrelang habe ich die historischen Romane von Petra Durst-Benning gelesen und geliebt. Auch ihre Maierhofen Saga war nett zu lesen und genau in diesem Genre hat sie nun wieder einen Wohlfühlroman geschrieben.
In "Heimatsommer" sind wir im deutschen Remstal im fiktiven Städtchen Goldberg. Hier leben viele vom Weinbau. Der zurückgehende Weinkonsum, wie auch das Winzersterben, macht nicht nur den örtlichen Winzern zu schaffen, sondern der ganzen Gegend.
Als Jean Claude, Weltenbummler und Koch, in seinem Heimatort auf Besuch kommt, trifft ihn der Tod von Helene, der besten Freundin seiner Mutter Agnes, heftig. Seine Kindheit hat er mit ihr, seiner Schwester Eleonore und Helenes Tochter Fleur verbracht. Bald erkennt er, dass im Städtchen zur Zeit einiges nicht rund läuft. Eleonore, die als Landrätin, die Sorgen der Region kennt, bringt die Menschen auf eine tolle Idee: das Rebenbeben entsteht. Bis in den Spätherbst sollen alle zusammenhelfen und einiges auf die Füße stellen, um den Ort wieder zu beleben. Als krönenden Abschluss soll das "Rebenbeben" stattfinden. Jean Claude, der früher eine Ausbildung zum Winzer gemacht hat, tritt die vakante Stelle des Kellermeisters an, Eleonore übernimmt die Schirmherrschaft und bemüht sich um Fördermittel und die jungen Leute im Ort planen Events und wollen diese auf Social Media posten. Die Dorfgemeinschaft ist plötzlich wie ausgewechselt und Feuer und Flamme für das Projekt....
Wie schon in ihrer Maierhofen-Reihe hat Petra Durst-Benning das Thema Gemeinschaft, Nachbarschaftshilfe und Zusammenhalt als Grundthema gewählt. Man erlebt, wie ein Dorf zusammenrückt und gemeinsam etwas auf die Beine stellt.
"Heimatsommer" vermittelt Wärme und Wohlfühlmomente....man möchte sich am liebsten in die Geschichte "einkuscheln".
Trotz der lockeren Atmosphäre und den manchmal klischeehaften Wendungen, bietet die Geschichte auch Themen zum Nachdenken und Innehalten. Sie inspiriert dazu, neue Wege zu gehen und Gewohntes hinter sich zu lassen.
Der Roman lebt von den einzelnen Figuren, die alle sehr lebendig und herzlich sind und dem locker leichten Schreibstil der Autorin. Sie versteht es Genüsse und Empfindungen bildhaft darzustellen.
Das stimmungsvolle Setting und die bildhafte Beschreibung der Kleinstadt Goldberg und den umliegenden Weinbergen war sehr atmosphärisch dargestellt. Mein Kopfkino lief auf Dauerschleife und ich hatte die Fachwerkhäuser und die Weingärten direkt vor meinem inneren Auge. Natürlich hilft es auch, dass ich selbst nicht weit vom Weinbaugebiet der Region Wachau wohne.
Natürlich werden den Einwohnern von Goldberg auch Steine in den Weg gelegt. Manche Probleme lösten sich dabei etwas zu schnell. Sehr gerne gelesen habe ich die Rückblicke in die Achziger Jahre, die ich leider viel zu kurz empfand. Hier hätte ich gerne mehr davon gehabt.
Im weiteren Verlauf verliert die Geschichte auch etwas an Tiefe, Konflikte lösen sich zu schnell auf und manche Handlungsstränge verlaufen sich.
Das Buch greift sich toll an. Es wirkt edel, die Innenklappen und -seiten sind wunderschön gestaltet und am Ende gibt es noch einige Rezepte, die in der Geschichte vorkommen. Nachdem die Temperaturen jetzt endlich ansteigen, werde ich mir demnächst einen "Heimatsommer-Schorle" mixen.
Fazit:
Ein leichter Wohlfühlroman zum Eintauchen, Abschalten und Genießen. Gerade jetzt, wo die ganze Welt verrückt spielt, nimmt man sich gerne eine kleine Auszeit. "Heimatsommer" ist der perfekte Roman dafür.