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Veröffentlicht am 05.04.2026

Subtitle Paranoia und meisterhafte Manipulation

Das Signal
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Worum geht es?
Der Traum vom Neuanfang wird für Viola Decker zum absoluten Albtraum. Denn sie erwacht im Krankenhaus mit einer schockierenden Nachricht.
Wieder zurück im Haus kann sie sich nur im Erdgeschoss ...

Worum geht es?
Der Traum vom Neuanfang wird für Viola Decker zum absoluten Albtraum. Denn sie erwacht im Krankenhaus mit einer schockierenden Nachricht.
Wieder zurück im Haus kann sie sich nur im Erdgeschoss bewegen. Ihr Mann Adam pflegt sie zwar liebevoll, aber treibt den versprochenen Hausumbau kaum voran.
Viola fühlt sich zunehmend isoliert. Vorübergehend angewiesen auf Krücken oder Rollstuhl, verschwinden ausgerechnet immer wieder diese Hilfsmittel, woraufhin sie zu GPS-Trackern greift. Was als Versuch beginnt, die Kontrolle über ihren Alltag zurückzugewinnen, wandelt sich schnell in gefährliches Misstrauen und ein beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel im eigenen Zuhause beginnt.

Meine Meinung
Ursula Poznanski schafft es meisterhaft, eine klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen, obwohl sich die Handlung über weite Strecken fast wie ein Kammerspiel anfühlt. Die unterschwellige Bedrohung ist auf jeder Seite spürbar. Besonders stark fand ich die drei hauptsächlichen Charaktere.
Viola ist eine nahbare und intelligente Protagonistin. Ihr Kampf mit der körperlichen Einschränkung und der plötzlichen Abhängigkeit wird sehr realitätsnah und gefühlvoll dargestellt.
Adam ist als Charakter schwer greifbar und gerade deshalb so beängstigend – man schwankt ständig zwischen „besorgt“ und „berechnend“.
Ein Highlight für mich ist der Nachbarsjunge Benno, der der Geschichte eine ganz besondere Note verleiht.
Ein kleiner Bonus on top ist der Stadtplan von Wien im Innencover. Und auch das Cover ist gut gelungen und passt hervorragend zur Story.

Fazit
Die Autorin hat mich mit diesem Werk komplett abgeholt. Die Verwebung von technischem Aspekt, den Trackern, und psychologischer Manipulation ist absolut fesselnd. Es ist ein eher leiser, aber unglaublich spannender Thriller, der fast ohne explizite Gewalt auskommt und stattdessen mit subtiler Paranoia spielt. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite – eine klare Leseempfehlung!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2026

Mich hat dieses Buch völlig umgeworfen

Am Meer ist es schön
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Worum geht es?
Die achtjährige Susi Lach wird 1969 vom Hausarzt als „zu dünn“ eingestuft und zur Erholung an die Nordsee geschickt. Während ihre Familie glaubt, sie erlebe eine unbeschwerte Zeit in St. ...

Worum geht es?
Die achtjährige Susi Lach wird 1969 vom Hausarzt als „zu dünn“ eingestuft und zur Erholung an die Nordsee geschickt. Während ihre Familie glaubt, sie erlebe eine unbeschwerte Zeit in St. Peter-Ording, herrscht hinter den Türen des Verschickungsheims ein brutales Regime. Als Susi nach Hause zurückkehrt, glaubt ihr niemand – ihre Schilderungen werden als blühende Fantasie abgetan. Erst Jahrzehnte später, als ihre Mutter im Sterben liegt, bricht Susanne ihr Schweigen und beginnt gemeinsam mit ihrer eigenen Tochter Julia, das Trauma aufzuarbeiten.

Meine Meinung
Obwohl ich in der DDR aufgewachsen bin und dieses spezifische Schicksal der westdeutschen Verschickungskinder mich daher nicht betrifft, hat mich dieses Buch schlichtweg umgeworfen und erschüttert.
Das Buch macht deutlich, mit welcher Systematik die Kinder für "wenige" Wochen außerhalb des Elternhauses "erzogen" werden sollten und unter welchem gesellschaftlichen Druck auch die Eltern standen, die damals oft blind dem Urteil von Ärzten und Behörden vertrauten.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und spannend. Gewechselt wird zwischen zwei Zeitebenen, dem Sommer 1969 und dem "Jetzt".
Die Charaktere sind für mich nicht immer ideal, wie Susis Schwester Edith. Für mich wurde sie etwas zu überzeichnet dargestellt. Aber wiederum lebt das Buch von solchen Gegenspielern, die ziemlich oberflächlich wirken, damit die Wucht der Thematik nicht geschmälert wird. Die Darstellung der kleinen Susi und ihres jahrelangen Schweigens ist unglaublich einfühlsam und aufwühlend.
Das Cover ist gut gelungen. Wirkt es doch still, schön und zufrieden, wenn man es vor dem Lesen betrachtet. Danach betrachtet man es völlig anders. Für mich ist es sehr passend.

Fazit
„Am Meer ist es schön“ ist ein schmerzhaftes, aber immens wichtiges Buch. Es gibt den ganz vielen betroffenen Kindern von damals eine Stimme und zeigt eindringlich, wie tief die Narben der Verschickungszeit bis heute reichen. Trotz meines kleinen Kritikpunktes am Stil, empfehle ich es allen, die sich mit der verdrängten Vergangenheit der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen wollen.
Gerade in der heutigen Zeit wäre der Zusammenhalt innerhalb von Familien so wichtig. Stattdessen spiegeln sich die allgemeinen Spaltungstendenzen in unserem Land wider, und es gibt leider kaum noch ein gegenseitiges Zuhören.
Eine klare Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Düster, magisch und meisterhaft gelesen

Schattengold – Ach, wie gut, dass niemand weiß ...
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Ich bewerte hiermit das Hörbuch:

Worum geht es?
Farah ist mit den düsteren Legenden über das „Dunkle Volk“ aufgewachsen. Um ihre Familie zu schützen, muss sie drei goldene Regeln brechen: Iss nie, was ...

Ich bewerte hiermit das Hörbuch:

Worum geht es?
Farah ist mit den düsteren Legenden über das „Dunkle Volk“ aufgewachsen. Um ihre Familie zu schützen, muss sie drei goldene Regeln brechen: Iss nie, was Feen anbieten, verrate ihnen niemals deinen Namen und lass dich unter keinen Umständen auf einen Handel mit ihnen ein. In diesem Sommer bricht sie alle drei – und begibt sich damit in ein finsteres Spiel um Identität, Erinnerungen und den hohen Preis der Magie.
Eine tiefgründige, düstere Neuerzählung des Rumpelstilzchen-Märchens.

Meine Meinung / Mein Hörerlebnis
Schon das Cover fängt die märchenhaft-gefährliche Atmosphäre perfekt ein und wirkt wie ein Versprechen auf die finstere Welt, in die man hineingezogen wird.
Christian Handel nimmt das bekannte Märchen und verwandelt es in eine atmosphärisch dichte Dark-Fantasy-Story, die an Tiefe weit über das Original hinausgeht.
Farah ist eine wunderbare, mutige Protagonistin, deren Leidensweg und Entscheidungen mich emotional mitgenommen haben. Besonders spannend fand ich die Schilderungen der Feenwelt, die schaurig-schön ausgearbeitet sind, sowie die sich langsam entwickelnde, authentische Lovestory.
Was das Hörbuch für mich zu einem absoluten Genuss gemacht hat, ist die Sprecherin Sabine Menne. Ihre Stimme passt perfekt zu dem märchenhaften und zugleich bedrohlichen Flair der Story. Sie betont so lebendig, dass ich den Wald regelrecht riechen und die Kälte im Schloss spüren konnte – man bekommt an vielen Stellen eine kleine Gänsehaut. Sie haucht den Charakteren und der düsteren Atmosphäre Leben ein und macht das Zuhören zu einer intensiven Erfahrung.

Fazit
Eine absolut meisterhafte Neuinterpretation, die mich total begeistert hat. Die Kombination aus der finsteren, tiefgründigen Story und der fabelhaften Vertonung durch Sabine Menne macht dieses Hörbuch zu einem Highlight. Wer Märchen-Retellings liebt, die erwachsener und schauriger sind, wird dieses Werk lieben.
Von mir gibt es volle 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Von wegen Klischee! Nervenaufreibender Thriller im Schnee

Eisnebel
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Inhalt
Theo hat in Connor ihren Traummann gefunden. Nun soll sie endlich seine einflussreiche und wohlhabende Familie, die Daltons, kennenlernen. Schauplatz für das erste Treffen sind die weihnachtlichen ...

Inhalt
Theo hat in Connor ihren Traummann gefunden. Nun soll sie endlich seine einflussreiche und wohlhabende Familie, die Daltons, kennenlernen. Schauplatz für das erste Treffen sind die weihnachtlichen Feiertage in „Idlewood“, dem luxuriösen, aber abgelegenen Winterdomizil der Familie in den verschneiten Bergen. Doch die festliche Stimmung ist trügerisch: Theo fühlt sich alles andere als willkommen. Während sie versucht, die skeptische Schwiegerfamilie in spe zu beeindrucken, stößt sie auf dunkle Geheimnisse und wird von Drohnachrichten und Flashbacks aus ihrer eigenen traumatischen Vergangenheit eingeholt. Als dann auch noch eine Leiche gefunden wird, wird der Aufenthalt in der isolierten Lodge zum blutigen Überlebenskampf.

Meine Meinung
Zuerst hat mich das Cover magisch angezogen, aber beim Klappentext war ich dann doch etwas skeptisch. Eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, die die reiche Familie ihres Verlobten beeindrucken will – das klang für mich zunächst nach einem Klischee. Doch mein Mut zum Risiko wurde belohnt! Kate Alice Marshall hat mich mit „Eisnebel“ komplett umgehauen.
Der Schreibstil ist klar, fesselnd und schafft eine unglaublich greifbare „Locked-in“-Atmosphäre. Die winterliche Landschaft Alaskas wird so lebendig beschrieben, dass man die Kälte beim Lesen förmlich spüren kann. Was als scheinbar ruhiger Familienbesuch beginnt, entwickelt sich rasant zu einem hervorragenden Thriller. Die Autorin versteht es meisterhaft, die Leser zunächst mit einer geheimnisvollen Stimmung einzulullen, um dann ein Feuerwerk aus Psychospielchen und unvorhersehbaren Wendungen abzufackeln.
Besonders die Protagonistin Theo ist großartig gezeichnet. Auch die anderen Charaktere sind undurchsichtig und authentisch ausgearbeitet – man weiß bis zum Schluss nicht, wem man in dieser elitären Familie wirklich trauen kann.
Das Cover ist exakt zur Story passend gestaltet.

Fazit
„Eisnebel“ ist ein vielschichtiger, raffinierter und wendungsreicher Thriller, der nonstop für pulsierende Spannung sorgt. Wer Bücher mit düsterer Atmosphäre, tiefschürfenden Charakteren und erschütternden Enthüllungen liebt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Von mir gibts, auch wenn Weihnachten schon vorbei ist, eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Nostalgie und Zeitgeschichte

Wo wir Kinder waren
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Inhalt
Sonneberg in Thüringen, die einstige Weltspielzeugstadt: Eva, Iris und Jan sind die Urenkel und Erben der ehemals prächtigen Spielzeugfabrik Langbein. Die Glanzzeiten des Familienunternehmens sind ...

Inhalt
Sonneberg in Thüringen, die einstige Weltspielzeugstadt: Eva, Iris und Jan sind die Urenkel und Erben der ehemals prächtigen Spielzeugfabrik Langbein. Die Glanzzeiten des Familienunternehmens sind längst vorbei, doch als bei einer Internetauktion eine alte, handgenähte Puppe aus ihrer Fabrik auftaucht, bricht die Vergangenheit wieder hervor. Und beim Ausräumen des alten Wohnhauses kommen nicht nur vergessene Spielzeuge ans Licht, sondern auch die bewegende Geschichte einer Familie über ein ganzes Jahrhundert hinweg.

Meine Meinung
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen. Kati Naumann verwebt hier meisterhaft die fiktive Geschichte der Familie Langbein mit realen historischen Fakten – was kein Wunder ist, da ihre eigenen Vorfahren in Sonneberg/Thüringen Spielzeug fertigten.
Der Schreibstil ist flüssig und unglaublich atmosphärisch.
Die Erzählweise auf zwei Zeitebenen – von der Gründung im Jahr 1910 bis in die Gegenwart – ist unglaublich geschickt gelöst. Fragen, die beim Ausräumen des Hauses heute entstehen, werden oft direkt im nächsten historischen Kapitel beantwortet. Das erzeugt einen wunderbaren Lesefluss.
Die detaillierten Einblicke in das fast vergessene Handwerk und die Beschreibungen, wie zur Kaiserzeit ganze Dörfer in Heimarbeit Einzelteile fertigten, die dann in der Küche der Langbeins zusammengesetzt wurden, sind plastisch und lebendig. Man merkt, wie tief die Autorin recherchiert hat. Bei dem Begriff „PIKO“ kommt sofort meine eigene Kindheitserinnerung auf.
Die Charaktere sind authentisch und liebevoll ausgearbeitet. Kati Naumann schafft es, die politische Lage Deutschlands - vom Kaiserreich bis heute - sowie den Aufstieg und Fall dieser Spielzeugindustrie und ganz private Schicksale so zu verknüpfen, dass die über 100 Jahre Erzählzeit nie gehetzt oder gar langweilig wirken.
Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist wunderbar gelungen und passt zur Story.

Fazit
„Wo wir Kinder waren“ ist ein mehr als gelungener Familienroman und ein wertvolles Stück Zeitgeschichte. Es ist eine mitreißende, flüssig geschriebene Geschichte. Für mich war es ein echtes Leseerlebnis, für das ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung ausspreche!

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