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Veröffentlicht am 23.04.2026

Intensiv

Finstere Schatten
1

Nancy und ihr Freund Felix brauchen nach schweren Zeiten einen Neustart und ziehen um. Nancy, eine ehemalige Restaurantbesitzerin sowie Köchin, hat ein Burnout hinter sich, das in psychotische Episoden ...

Nancy und ihr Freund Felix brauchen nach schweren Zeiten einen Neustart und ziehen um. Nancy, eine ehemalige Restaurantbesitzerin sowie Köchin, hat ein Burnout hinter sich, das in psychotische Episoden mündete, weshalb sie es nun ruhiger angehen lassen muss. Felix hat ihr einen Home-Office-Job besorgt, doch die neue Wohnung entpuppt sich als feuchte Zumutung, außerdem sind die Nachbarn sehr laut. Als eine Nachbarin tot aufgefunden wird und die Polizei den Fall schnell als Selbstmord abtut, glaubt Nancy nicht an diese Erklärung. Sie beginnt nachzuforschen und macht sich damit unbeliebt: Felix macht ihr Vorwürfe, weil sie sich nicht schont und seine Fürsorge ablehnt, die Nachbarn reagieren feindselig auf ihre Fragen und die Hausbesitzerin verbreitet Lügen, die Nancy zum Verhängnis werden.

Meiner Meinung nach braucht dieser Thriller etwas Anlauf, aber dann entwickelt sich die Handlung vom erschütternden Psychodrama zum nervenaufreibenden Psychothriller.

Aus Nancys Perspektive erlebt man hautnah, wie sie sich in der neuen Wohnung fühlt, wie sie mit ihrer Krankheit ringt und wie ihre eigenwilligen Ermittlungen in eine entsetzliche Abwärtsspirale führen.

Parallel dazu folgt man einer Ermittlerin der Met (Metropolitan Police Service), die sich in einem dysfunktionalen Polizeiapparat behaupten muss. Ihr Feingefühl, ihr Scharfsinn und ihre Beharrlichkeit lassen die Kollegen alt aussehen, was sie zur Außenseiterin macht. Als sie den voreilig abgeschlossenen Fall von Nancys Nachbarin wieder aufrollt, weil sich der zuständige Ermittler eine Auszeit genommen hat, gilt ihr Engagement als unkollegial!

„Finstere Schatten“ ist ein ungemein tiefschürfender, fesselnder Thriller, der langsam, aber sicher immer vielschichtiger, düster sowie spannender wird. Die gelungene Gesellschaftskritik – die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, die Belohnung von Mitläufern bzw. die Bestrafung eigenständigen Denkens, die problematischen Strukturen in Psychiatrien und die Gefährlichkeit gekränkter Männeregos, weil ihr Anspruchsdenken nicht bedient wird – stellt eine faszinierend verstörende Nebenhandlung dar!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Wenn der Traumjob am Meer zum Horrortrip wird

Die Finca
1

Die Reisebloggerin Rosi freut sich auf ihren Housesitting-Job auf Mallorca. Doch als sie an der Tür der abgelegenen Villa klingelt, öffnet ihr Fabian – der Housesitter! Er behauptet für den Job engagiert ...

Die Reisebloggerin Rosi freut sich auf ihren Housesitting-Job auf Mallorca. Doch als sie an der Tür der abgelegenen Villa klingelt, öffnet ihr Fabian – der Housesitter! Er behauptet für den Job engagiert worden zu sein und kann es beweisen, genau wie Rosi. Da das Ehepaar, dem die Villa gehört, im Urlaub nicht gestört werden will, und die Kontaktperson nicht erreichbar ist, schlägt Fabian vor, sich gemeinsam um das Haus zu kümmern. Rosi zieht also ein, obwohl sie ein ungutes Gefühl dabei hat. Dann häufen sich beunruhigende Begebenheiten …

Der ausdrucksstarke Schreibstil erzeugt zusammen mit dem Handlungsaufbau von Anfang an eine beklemmende Atmosphäre. Erzählt wird aus Rosis sowie Fabians Sicht und man erfährt, wenn auch lange nur durch vage Andeutungen, dass beide Geheimnisse haben. Die zwei Hauptfiguren sind außergewöhnlich: Rosi ist in jeder Hinsicht tough, während der BWL-Student Fabian so lässig wie ein Aussteiger-Surfer daherkommt. Sie bemühen sich um eine friedliche Koexistenz, spielen aber auch subtile Psycho-Spielchen und das Misstrauen zwischen ihnen ist mit Händen zu greifen. Die vielen verstörenden Vorfälle ändern jedoch alles, sodass das Housesitting und der gegenseitige Argwohn in den Hintergrund geraten. Was dann passiert ist bewegend, überraschend, nervenaufreibend …

Ich fand “Die Finca” nonstop spannend: Die wechselhafte Dynamik zwischen Rosi und Fabian ist faszinierend, die mysteriösen Geschehnisse machen neugierig, es gibt interessante Einblicke in die Vergangenheit der beiden sowie erschütternde Enthüllungen und das Wahnsinnsende hat mich umgehauen!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Toxische Traditionen hinter paradiesischer Kulisse

Die Touristin
1

Toxische Traditionen hinter paradiesischer Kulisse

Die traditionellen weiß getünchten Gebäude, der strahlend blaue Himmel und die pittoreske Hafengegend begeistern Juno, eine 39‑jährige Engländerin, ...

Toxische Traditionen hinter paradiesischer Kulisse

Die traditionellen weiß getünchten Gebäude, der strahlend blaue Himmel und die pittoreske Hafengegend begeistern Juno, eine 39‑jährige Engländerin, als sie die Insel Inios betritt. Sie ist allerdings keine typische Touristin; sie sucht ihren Vater, den sie nie kennengelernt hat. Doch es ist keine gute Idee, die Geister der Vergangenheit an diesem Ort voller gefährlicher Geheimnisse heraufzubeschwören …

Die Handlung entfaltet sich aus zwei Blickwinkeln auf mehreren Zeitebenen: Man lernt Estelle, Junos Mutter, kennen und erfährt, was sie in den Sommern 1984/85 auf Inios erlebt hat. In der Gegenwart erzählt Juno von ihrer ungewöhnlichen Kindheit, ihrer problematischen Ehe, warum sie ausgerechnet jetzt ihren Vater finden will, vor allem aber von ihren Erfahrungen auf der Insel.

Ich muss zugeben, dass mir Juno zunächst eher unsympathisch war: Ich empfand sie als passive People-Pleaserin, die sich nach den Erwartungen anderer richtet, um nicht zu enttäuschen. Im Laufe der Handlung macht sie allerdings eine tolle Entwicklung durch!

Estelle ist komplexer, widersprüchlicher: Sie ist bereits als Jugendliche charakterstark, steht für ihre Werte ein, doch sie hat sich in Inios verliebt und Liebe taucht alles in ein schmeichelndes Licht. Sie erkennt die Schattenseiten, will die Insel gleichzeitig als perfekten Zufluchtsort sehen, denn sie kann mit dem Leben, das im grauen, kalten Manchester auf sie wartet, nichts anfangen.

Der ausdrucksstarke Erzählstil voller lebendiger Eindrücke ist mitreißend, es gibt viele undurchsichtige Figuren, die von Misstrauen sowie Bedrohung geprägte Atmosphäre sorgt für Spannung und die Gegebenheiten einer kleinen Partyinsel werden perfekt genutzt!

“Die Touristin” ist ein fesselnder Thriller um mehr als nur ein dunkles Familiengeheimnis, der mit interessanten Charakteren, greifbarem Urlaubsflair und vielen erschütternden Enthüllungen im Rahmen einer ereignisreichen, ausgeklügelten Handlung überzeugt!

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Veröffentlicht am 10.04.2026

WOW!

Ein guter Blick fürs Böse
1

Kalifornien, 1966: Die selbstbewusste Margo, die verzagte Beverley und die verhuschte Elsie haben etwas gemeinsam – ihre Ehemänner sind überführte Serienkiller. Die Öffentlichkeit nimmt ihnen das übel ...

Kalifornien, 1966: Die selbstbewusste Margo, die verzagte Beverley und die verhuschte Elsie haben etwas gemeinsam – ihre Ehemänner sind überführte Serienkiller. Die Öffentlichkeit nimmt ihnen das übel – wie kann es sein, dass sie das Böse in ihren Männern nicht gesehen haben? Nicht mitbekommen haben, was sie getan haben? Sind die vielleicht sogar Komplizinnen gewesen? Als ein neuer Frauenmörder für Angst und Schrecken sorgt, beschließen die Drei ihn aufzuspüren, denn wer mit einem Killer verheiratet war, hat einen guten Blick fürs Böse – wenn auch erst im Nachhinein.

Margo war Teil der High Society, jetzt arbeitet sie als Verkäuferin, doch sie bewegt sich immer noch in Promikreisen – kann es sein, dass sie bei einer Party etwas Entscheidendes aufgeschnappt hat? Elsie ist Redaktionsassistentin bei einer Zeitung und somit bestens informiert, genau wie Beverley, die eine Affäre mit einem Polizisten hat.

Die Protagonistinnen sind toll gezeichnet: Sie haben interessante, bewegende Hintergründe, jede hat eigene Stärken und Schwächen. Aber alle sind scharfsinnig, stellen die richtigen Fragen und lassen sich nicht entmutigen, obwohl es Frauen, die sich für Mordfälle interessieren, in den 1960ern schwer haben, ernst genommen zu werden.

Es hat gedauert, bis dieser Krimi mich so richtig packen konnte, denn die Handlung entfaltete sich für meinen Geschmack eher langsam. Die großartigen Figuren, die rätselhaften Morde und die besondere Atmosphäre (das bittersüße 1960ies-Flair, die damaligen sozialen Spannungen, das unerträglich heiße, gleißend sonnige Kalifornien) haben mich dennoch immer weiterblättern lassen. Ab dem zweiten Drittel fand ich das Geschehen richtig fesselnd: Man taucht tiefer in die Vergangenheit der Frauen ein, lernt sie und ihre Beweggründe besser kennen und begleitet sie bei ihren analytischen, ereignisreichen, gefährlichen Ermittlungen. Die kurzen Kapitel aus der Sicht eines Opfers sind ein mitreißendes Extra!

“Ein Blick fürs Böse” ist nicht nur ein cleverer, aufregender Krimi mit gelungenen Überraschungen, das Buch bietet auch pointierte Gesellschaftskritik, ergreifende Einblicke in schwierige Lebenssituationen, Freundschaft und Loyalität sowie eine faszinierende Zeitreise in die schrecklich schönen 1960er. Dass die drei Frauen ihre entsetzlichen Erfahrungen in etwas Nützliches verwandeln, kommt fast einem Triumpf über Ungerechtigkeit gleich und das erschütternde Ende ist der Wahnsinn!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Die langen dunklen Schatten der deutschen Schreckensherrschaft

Unter dem Strand
1

Der lebendige Erzählstil, die coole, toughe Protagonistin mit Ecken und Kanten und das historisch bedeutende wie auch spannende Thema haben mich sofort gepackt.

Ich liebe es, wenn Fiktion auf wahre Begebenheiten ...

Der lebendige Erzählstil, die coole, toughe Protagonistin mit Ecken und Kanten und das historisch bedeutende wie auch spannende Thema haben mich sofort gepackt.

Ich liebe es, wenn Fiktion auf wahre Begebenheiten trifft, und in „Unter dem Strand“ ist das wirklich gut gemacht. Am 3. Mai 1945 kamen in der Lübecker Bucht Tausende Gefangene des NS‑Regimes ums Leben. Die Ereignisse sind gut dokumentiert, doch einige Details (Verantwortlichkeiten, Absichten) sind bis heute umstritten.

Zum 80. Jahrestag 2025 soll die Journalistin Cay einen entsprechenden Beitrag verfassen, nach einem beruflichen Misserfolg traut sie sich allerdings gar nichts mehr zu. Andererseits ist sie fest entschlossen, das Ruder herumzureißen und mehr zu leisten – sie will auch über das kaum bekannte "Massaker von Neustadt" schreiben. Dann entdeckt sie eine Leiche am Strand und trifft eine moralisch fragwürdige Entscheidung, die weitere Schritte dieser Art nach sich zieht, aber es ist ja für einen guten Zweck – die Wahrheit!

Die Handlung entfaltet sich aus mehreren Blickwinkeln auf mehreren Zeitebenen: Man lernt Heinrich, Rita (die ein Doppelleben führte), Oscar sowie Leon kennen und erfährt, was sie in den 1940er Jahren erlebten. Im April 2025 erzählt Cay von ihren Motiven, Recherchen und Erfahrungen.

„Unter dem Strand“ ist ein vielschichtiger, fesselnder Krimi! Der ausdrucksstarke, gewitzte Erzählstil voller greifbarer Eindrücke, die interessanten Figuren und die ereignisreiche, tiefschürfende Handlung machen dieses Buch zu einem großartigen Leseerlebnis!

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