Tragikkomödie
Evil Grandma„Evil Grande“ von Line Baugsto erschienen im @rowohltverlag war ein Buch das mir gut gefallen hat, bei dem ich mir aber etwas anderes erwartet hatte.
Beginnen tut es genauso , wie ich es erwartet habe. ...
„Evil Grande“ von Line Baugsto erschienen im @rowohltverlag war ein Buch das mir gut gefallen hat, bei dem ich mir aber etwas anderes erwartet hatte.
Beginnen tut es genauso , wie ich es erwartet habe. Mona, 65 Jahre jung, erfährt , dass sie Großmutter wird. Die normale Reaktion wäre jetzt ja die, dass die potentielle Oma in Freudentränen ausbricht, ihren Sohn und Schwiegertochter umarmt und im selben Atemzug schon das Strickzeug auspackt, um das Enkelkind zu bestricken.
Doch Mona entspricht nicht dem „normalen“ Bild einer werdenden Oma. Statt Freudentränen in den Augen, bekommt sie eine mittelschwere Panickattacke mit Blutdruckspitzen vom 245/130 mmHg. Was ist nur los mit ihr?
Als dann noch die werdenden Eltern wegen eines Wasserschadens in der eigenen Wohnung, für einige Wochen zu Mona ziehen, spitzt sich die Situation zu. Mona überlässt dem Paar ihr Schlafzimmer samt leergeräumten Kleiderschrank und quält sich im schmalen Bett des Gästezimmers durch die Nächte. Das Verhältnis zur Schwiegertochter, die ein verwöhnter Fratz und immer nur am nörgeln ist, trägt nicht unbedingt zur Entspannung der Situation bei. Als Mona dann noch erfährt, dass ihre Schwiegertochter einen Instagram Account betreibt, auf dem sie Mona als unsympathische unsensible Großmutter darstellt, hat Mona den Kaffee auf.
Sie hat sich ihren Ruhestand anders vorgestellt, als ihre letzten schönen Jahre als Kindermädchen für ihr Enkelkind zu verbringen und wenn man sie schon als „evil grandma“ darstellt, dann will sie dem Bild auch gerecht werden. Sie lässt sich einen eigenen Instagram Account von der Tochter ihrer Freundin Annemor, mit denen sie ein Wochenende in den Bergen verbringt , erstellen und ist fortan das „Grandmamonster“das allen Vorurteilen und Darstellungen gerecht wird.
Ich habe das Buch gerne gelesen und habe mich zu Anfang köstlich amüsiert über Mona, aber auch über so manche Situationskomik. Doch die Tonart des Buches änderte sich im Laufe des Lesens. Die locker flockige Geschichte veränderte sich immer mehr hin zur Kritik an Sozial Media und seinen Auswirkungen. Monas Schwiegertochter wird zur Mami Influencerin mit allen dazugehörigen Auswüchsen.
.Sie postet jeden Schritt ihrer Schwangerschaft, beschreibt ihre Wohnsituation bei der Schwiegermutter, ohne Rücksicht auf Gefühle und ohne Monas Einverständnis und schreckt nicht davor zurück , Mona vorzuführen,veranstaltet eine Genderparty auf der Mona zwar vorbereiten darf, aber ihr nichts recht machen kann, bis ihr der Kragen platzt.
Line Baugsto trifft den Zeitgeist in ihrem Buch, übt unterschwellige Kritik am heutigen Umgehen mit Sozial Media, was Mobbing angeht, aber auch die Oberflächlichkeit, die das Ganze begleitet und bringt den Leser zum Nachdenken, aber auch zum Lachen.Aber auch die Auseinandersetzung mit dem Alter und was dies mit sich bringt, sind Themen, die ich diesem Buch entnehmen konnte.
Ein Buch, von dem ich zu Anfang dachte, dass es leichte Unterhaltung wäre, dass aber durchaus ernste Untertöne hat.