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Veröffentlicht am 16.05.2026

sehr skurril

Verlorene Schäfchen
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Die Leseprobe von „Verlorene Schäfchen“ hat mich richtig neugierig gemacht, da sie eine humorvolle, spritzige und leicht überspitzte Geschichte versprach, die die aktuelle gesellschaftliche Situation in ...

Die Leseprobe von „Verlorene Schäfchen“ hat mich richtig neugierig gemacht, da sie eine humorvolle, spritzige und leicht überspitzte Geschichte versprach, die die aktuelle gesellschaftliche Situation in den USA aufs Korn nimmt.

Im Mittelpunkt steht Familie Flynn, deren Familienleben gehörig aus den Fugen gerät: Die Mutter Catherine ist unglücklich in ihrer Ehe und will diese öffnen, um ein Techtelmechtel mit dem Nachbarn anzufangen. Das stürzt ihren Mann Bud in eine tiefe Krise, der fortan in Van übernachtet. Beide verlieren ihre Töchter aus dem Blick, die mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Die 17-jährige Abigail zieht durch ihre Schönheit das Interesse halbseidener Männer auf sich, Louise gerät auf der Suche nach Aufmerksamkeit in religiös-fundamentalistische Kreise und Harper stellt gewagte Verschwörungstheorien auf.

Madeline Cashs Schreibstil voller hintergründigem, trockenem Humor und äußerst unterhaltsam. Messerscharf greift sie die prägenden Themen unserer Zeit auf und verflicht sie zu einer tragikomischen Geschichte mit skurrilen Charakteren. Und dennoch sprang bei mir insgesamt der Funke nicht über, und das Schicksal der Familie ließ mich seltsam kalt. Das lag daran, dass die Handlung zunehmend überladen wirkte, als hätte die Autorin letztlich zu viel gewollt. Den Figuren fehlte es an Tiefgang, und manches war recht vorhersehbar. Durchaus möglich, dass auch die eine oder andere Pointe nur zündet, wenn man mit den Feinheiten der US-amerikanischen Gesellschaft vertraut ist.

Das Hörbuch wurde von Britta Steffenhagen lebendig und mit angenehmer Sprechgeschwindigkeit eingelesen. Ihrer etwas dunkleren Stimme habe ich sehr gerne gelauscht.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr spezieller Schreibstil, aber spannend bis zum Schluss

Das letzte Buch von Marceau Miller
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„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) ...

„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) Autor geschrieben ist, der im Buch gleich im Prolog tödlich verunglückt. Dies ist so nicht ganz richtig. Zwar spielt sein letztes Manuskript eine wichtige Rolle und ist auch Teil des Buches, nimmt aber vergleichsweise wenig Raum ein. Stimmiger hätte ich es als gefunden, wenn ein anderer Autor auf dem Cover gestanden hätte.

Sarah, Marceaus Ehefrau, setzt alles daran, den Tod ihres Mannes aufzuklären, denn sie ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich um keinen Unfall handelt. Der Großteil des Thrillers ist aus ihrer Perspektive erzählt. Sarah ist ein höchst ungewöhnlicher Charakter: Sie neigt zu Impulshandlungen und Wutausbrüchen, ist unausgeglichen, teilweise völlig neben der Spur. Einerseits verständlich angesichts ihrer Situation, andererseits auch ein bisschen zu viel für mich. Vor allem, dass sie ihre beiden Kinder, die immerhin ihren Vater verloren haben, völlig links liegen lässt, passt für mich nicht ins Bild. Ich wurde mit Sarah nicht warm und hatte nicht das Gefühl, es mit einer Figur aus Fleisch und Blut zu tun zu haben, sondern eher mit einer Kunstfigur. Das galt leider für sämtliche Personen in diesem Thriller. Einen großen Anteil daran hat sicher der sehr poetische, öfters ins Kitschige abdriftende Schreibstil, der mir eine Spur zu „drüber“ war. Die Verklärung von nahezu symbiotischen Freundschaften wirkte auch mich wenig glaubhaft, und auch die Geheimnisse, die Marceaus Leben und das seiner Clique umgaben, waren mir zu viel und letztlich nicht glaubwürdig. Hinzu kommen kleinere logische Fehler (so liegt zwischen den 22. April und dem 16. Mai nicht nur eine Woche, wie mehrfach behauptet).

Ungeachtet dessen ist der Thriller bis zum Schluss temporeich, voller überraschender Wendungen und spannend, so dass ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt habe.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

unterhaltsam, aber mit Schwächen

Noch fünf Tage
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Lis ist eine Spitzenköchin und arbeitet für die superreiche Unternehmerfamilie Harman. Als sie dieser ein opulentes Silvestermenü kredenzt, stirbt die ganze Familie an einer giftigen Substanz im Essen. ...

Lis ist eine Spitzenköchin und arbeitet für die superreiche Unternehmerfamilie Harman. Als sie dieser ein opulentes Silvestermenü kredenzt, stirbt die ganze Familie an einer giftigen Substanz im Essen. Lis hat zwar überlebt, allerdings hat auch sie eine tödliche Dosis der Substanz abbekommen und wird innerhalb der nächsten fünf Tage sterben. Vom Krankenhaus aus setzt Lis alles daran, den Mörder zu finden und das Leben ihrer minderjährigen Tochter abzusichern.

Das Setting – todgeweihte Figur sucht im Wettlauf gegen die Zeit ihren Mörder – ist nicht neu, aber immer wieder spannend. Auch bei „Noch fünf Tage“ habe ich bis zum Schluss mitgerätselt. Allerdings würde ich den Roman eher als Krimi denn als Thriller einordnen, da die Aufklärung des bereits im Vorfeld geschehenen Verbrechens im Vordergrund steht und der Spannungsbogen für einen Thriller nicht groß genug ist.

Weder Lis noch die in Rückblenden beschriebene Familie Harman waren mir sympathisch, so dass ich nicht so richtig emotional mitgefiebert habe. Bei Lis dreht sich alles um Spitzengastronomie und elaborierte Speisen; das wurde mir irgendwann zu viel. Die Harmans entsprechen dem Klischee abgehobener, verwöhnter Milliardäre, die es gewohnt sind, dass alle nach ihrer Pfeife tanzen.

Was mich leider ziemlich gestört hat, waren die – angesichts der Ursache der Vergiftung – völlig unzureichenden und unglaubwürdigen Sicherheitsvorkehrungen. Das würde in der Realität sicher ganz anders ablaufen. Auch die Substanz selbst kann so, wie sie im Roman beschrieben wird, nicht existieren (ist chemisch Unsinn; da ich nicht spoilern möchte, kann ich nicht näher darauf eingehen). Insgesamt konnte mich die Auflösung nicht so recht überzeugen.

Fazit: „Noch fünf Tage“ sorgt für unterhaltsame Lesestunden, aber echte Nähe zu den Figuren kommt nicht auf. Hinzu kommen logische Mängel, so dass ich letztlich 3 Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, ...

Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, und ein zweiwöchiges Achtsamkeitstraining beim berühmten Coach Alex Grow soll Abhilfe schaffen. Alex´ Coaching-Akademie steckt in den roten Zahlen, und der Fortbestand der Akademie hängt davon ab, ob er bei Marlene Erfolg hat. Denn nur dann will Aviola die kompletten Mitarbeiter-Coachings in seine Hände legen. Und dummerweise ist Marlene widerspenstiger als gedacht.

Ich mag die Bücher von Maxim Leo sehr und war daher voller Vorfreude auf „Einatmen. Ausatmen.“ Wie gewohnt ist der Schreibstil flüssig zu lesen, unterhaltsam und pointiert. Allerdings können mich Charaktere und Handlung diesmal nicht überzeugen. Die Figuren wirken klischeehaft und überzogen, und mit fortschreitender Seitenzahl wird die Geschichte immer unglaubwürdiger und abstruser. Ich hatte beim Lesen leider nicht das Gefühl, es mit echten Menschen, sondern eher mit Abziehbildern zu tun zu haben. Schade, aber diesmal hat mich Maxim Leo nicht erreicht.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Gelbe Monster
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Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen ...

Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen, einer von knapp 140.000 jedes Jahr? Doch Charlie ist diejenige, die zum Antiaggressionstraining muss, nicht ihr Freund Valentin. Was ist passiert und warum?

„Gelbe Monster“ widmet sich einem Thema, das gesellschaftlich wenig Beachtung findet: Der partnerschaftlichen Gewalt gegen Männer. Auch wenn über 80% der Opfer von Gewalt in Beziehungen weiblich sind und auch die Schwere der Verletzungen bei ihnen deutlich höher ist (BKA, Statistik 2024), muss auch über Gewalt gegen Männer gesprochen werden.

Clara Leinemann erzählt aus der Sicht von Charlie und springt hierbei zwischen zwei Zeitebenen: Die erste spielt in der Gegenwart und ist im Präsens verfasst. Charlie ist vorübergehend bei ihrer Freundin Ella untergekommen, geht zur Therapie und versucht, ihr Leben nach der Trennung von Valentin wieder in den Griff zu bekommen. Die zweite schildert im Präteritum die Ereignisse in der Vergangenheit, beginnend mit dem Kennenlernen der beiden. Obwohl die Zeitsprünge nicht durch Kapitel voneinander abgetrennt sind, hatte ich keine Schwierigkeiten, diese entsprechend zuordnen zu können. Generell mag ich diese Art des Erzählens sehr.

Der Klappentext verspricht eine „Antiheldin, [die] so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.“. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Charlie war mir von Beginn an unsympathisch: Sie ist unsicher, verplant, oberflächlich und macht sich ständig Gedanken um ihre Außenwirkung. Sie ist nicht in der Lage, eine reife Beziehung einzugehen, ihre Bedürfnisse angemessen zu kommunizieren und ihren Partner so wahrzunehmen, wie er ist. Stattdessen lebt sie in einer Art Traumwelt mit einer idealisierten, stark von Äußerlichkeiten geprägten Vorstellung einer Beziehung. Auch Valentin, den man als Leser:in nur aus Charlies subjektiver Sicht erlebt, wirkt unreif und bleibt blass. Auch ihre berufliche Situation finde ich als Mathematikerin wenig realistisch – wer seine Doktorarbeit monatelang so stark vernachlässigt und eine PostDoc -Stelle in Madrid ausschlägt, dürfte sich keine Hoffnung machen, dieselbe Stelle zwei Jahre später nochmals angeboten zu bekommen – dazu sind die wissenschaftlichen Stellen in diskreter Mathematik viel zu umkämpft.

Durch die Erzählweise bleibt sehr lange im Dunkeln, was nun genau vorgefallen ist und zu Charlies Verletzung geführt hat. Auch die Gründe für Charlies Unsicherheit und ihre mangelnde Selbstliebe werde nur angedeutet. Insgesamt werden viele wesentliche Aspekte kaum oder nur kurz angesprochen, so dass man am Ende mit vielen Fragen zurückbleibt. Hier hätten dem sehr kurzen Roman weitere 50 Seiten sehr gutgetan, um mehr Tiefe zu erreichen. So bleibt alles sehr oberflächlich und eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik findet nicht statt.

Problematisch finde ich, dass sowohl bei Valentin als auch bei den Fällen, die im Antiaggressionstraining geschildert werden, suggeriert wird, dass der Mann eine gewisse Mitschuld an der Gewalt trägt. Wenn der Freund der Frau auch vor Dritten zwischen die Beine oder an den Hintern fasst, wer kann da eine Ohrfeige verdenken? Natürlich ist zu beachten, dass wir als Leser:in nur die unzuverlässige Sichtweise der Täterinnen kennenlernen, dennoch bleibt ein unangenehmer Nachhall.

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