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Veröffentlicht am 01.05.2026

Potenzial nicht ganz ausgeschöpft

Der Schrein
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Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen reingegangen. Japanischer Horror, düstere Legenden, ein verfluchter Ort - genau mein Ding. Und am Anfang dachte ich auch: Okay, das könnte richtig gut werden. Diese ...

Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen reingegangen. Japanischer Horror, düstere Legenden, ein verfluchter Ort - genau mein Ding. Und am Anfang dachte ich auch: Okay, das könnte richtig gut werden. Diese leise, fast schon fremdartige Erzählweise, wie ein Theaterstück, distanziert, kühl, beobachtend. Irgendwie faszinierend. Aber auch seltsam leer.

Und genau da beginnt das Problem. Denn während ich weitergelesen habe, hatte ich ständig das Gefühl, dass gleich etwas passiert. Dass sich die Spannung aufbaut. Dass dieser unterschwellige Horror irgendwann zuschlägt. BÄMM! Aber dieses „gleich“ kam einfach nicht. Stattdessen: Gedanken. Zweifel. Angst, die sich in den Figuren aufbläht, ohne dass ich wirklich greifen oder verstehen konnte, warum.

Ich saß da und dachte: Übersehe ich etwas? Passiert der Horror vielleicht zwischen den Zeilen? Oder passiert hier einfach nichts?

Und trotzdem - und das macht es so widersprüchlich - hatte das Ganze eine gewisse Wirkung. Diese ruhigen, beinahe meditativen Passagen. Dieses bewusste Innehalten. Diese kleinen Details, die fast zu lange betrachtet werden. Das ist kein lauter Horror. Kein Blut, keine Schockmomente. Eher ein schleichendes Unbehagen, wenn man sich darauf einlässt.

Aber genau das ist der Punkt: Man muss sich darauf einlassen wollen. Denn wenn ihr eine klare Handlung erwartet, Wendungen, echte Spannung usw., dann wird euch dieses Buch wahrscheinlich eher frustrieren. Die Figuren bleiben auf Distanz, besonders die Protagonistin. Ich konnte sie nie wirklich greifen. Ihre Entscheidungen? Oft widersprüchlich. Ihr Verhalten? Eher ausweichend als mutig. Und irgendwann habe ich gemerkt, wie mich das mehr ermüdet als fesselt.

Und trotzdem… diese Idee dahinter. Diese leise, fast schon moralische Ebene. Der Gedanke, dass hinter alten Legenden mehr steckt. Dass etwas zurückfordert, was genommen wurde. Das hatte Kraft. Das hätte richtig unter die Haut gehen können. Hat es aber für mich leider nicht ganz geschafft.

Ich bin also zwiegespalten zurückgeblieben. Einerseits enttäuscht, weil so viel Potenzial da war und ich mir ehrlich gesagt deutlich mehr Horror, mehr Intensität gewünscht hätte. Andererseits fasziniert von dieser ungewöhnlichen Art zu erzählen, die sich komplett gegen das stellt, was wir normalerweise von Thrillern erwarten.

Wenn ihr also etwas Schnelles, Packendes sucht, lasst lieber die Finger davon. Aber wenn ihr bereit seid für etwas Ruhiges, Unheimliches, etwas, das mehr andeutet als zeigt, dann könnte euch genau dieses diffuse Gefühl verfolgen, das mich jetzt noch nicht ganz loslässt.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik

Noch fünf Tage
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Lis ist Köchin bei der superreichen Familie Harman. Nach dem gemeinsamen Silvesteressen ist jedoch die gesamte Familie tot – vergiftet. Auch Lis selbst ist mit dem tödlichen Gift in Berührung gekommen. ...

Lis ist Köchin bei der superreichen Familie Harman. Nach dem gemeinsamen Silvesteressen ist jedoch die gesamte Familie tot – vergiftet. Auch Lis selbst ist mit dem tödlichen Gift in Berührung gekommen. Ihr bleiben nur noch etwa fünf Tage bis zu ihrem Tod. Fünf Tage, um die Zukunft ihrer Tochter zu regeln und um herauszufinden, wer für den Mord verantwortlich ist.

Das Thema des Romans ist von Beginn an äußerst spannend und emotional aufgeladen. Die Autorin schildert eindrucksvoll, mit welchen Gedanken, Ängsten und Entscheidungen sich Lis in den letzten Tagen ihres Lebens auseinandersetzen muss.

Zitat S. 6:
„Als die Wucht dessen, dass ich bald nicht mehr hier sein werde, zu mir durchsickert, ist da nur noch Angst. Nicht die Art von komfortabler Angst, die du hast, wenn du weißt, dass du noch eine Weile am Leben sein wirst, dass du Dinge wiedergutmachen oder es zumindest versuchen kannst. Nein, jegliche Möglichkeit fehlt und das ist der blanke Horror.“

Im Krankenhaus erzählt Lis ihrer Krankenschwester von ihrem Verhältnis zu den einzelnen Mitgliedern der Familie Harman. Dabei entblößt sich nach und nach die typische Machtposition von Reichen, die glauben, sich alles erlauben zu können. Diese Rückblicke sind nicht nur charakterzeichnend, sondern auch gesellschaftskritisch und zeigen, wie Abhängigkeit, Demütigung und Schweigen Teil des Alltags von Dienstpersonal werden können.

Gleichzeitig verfolgt Lis ein klares Ziel: Sie muss den Fokus auf jemand anderen legen, um weiterhin ihre Tochter sehen zu dürfen. Verdächtige mit einem möglichen Motiv gibt es einige, was die Spannung kontinuierlich aufrechterhält. Die letztliche Auflösung ist erschreckend und unerwartet.

Kritisch anzumerken ist jedoch der Mittelteil des Buches. Die ausführlichen Schilderungen der Dienste, die Lis den Harmans geleistet hat, ziehen sich stellenweise unnötig in die Länge. Die Detailtiefe ist teilweise so dominant, dass sie den Lesefluss hemmt und die emotionale Intensität abschwächt. Hier hätte eine stärkere Straffung der Handlung dem Roman durchaus gutgetan.

Das Ende hingegen überzeugt wieder deutlich. Es überrascht, wirkt authentisch und schließt die Geschichte emotional stimmig ab.

Fazit: Der Roman punktet mit einem starken Grundthema, einer glaubwürdigen Protagonistin und einer gelungenen Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik. Trotz eines etwas zähen Mittelteils bleibt die Geschichte bis zum Schluss interessant und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Interessante Grundidee mit Luft nach oben

ZIMMER 706
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Ein Hotelzimmer als Schauplatz, ein verbotenes Treffen, draußen Chaos und drinnen… spürbare Stille. Was nach einem nervenaufreibenden Kammerspiel klingt, entwickelt sich eher zu einer ruhigen, stark auf ...

Ein Hotelzimmer als Schauplatz, ein verbotenes Treffen, draußen Chaos und drinnen… spürbare Stille. Was nach einem nervenaufreibenden Kammerspiel klingt, entwickelt sich eher zu einer ruhigen, stark auf Innenperspektive setzenden Erzählung.

Kate steckt fest – räumlich, emotional und erzählerisch. Statt äußerer Dramatik dominieren Bettlaken, Rückblenden und eine Affäre, die weniger als Skandal denn als leises, lange schwelendes Geheimnis inszeniert wird. Das ist konsequent, verlangte mir jedoch jegliche Geduld ab.

Die angekündigte Ausnahmesituation, die alles verändern soll, bleibt überraschend zurückgenommen. Angst und unmittelbare Gefahr stehen nicht im Vordergrund; vielmehr richtet sich der Fokus auf Kates Alltagsbewältigung im Ausnahmezustand. Während draußen angeblich die Welt ins Wanken gerät, klickt sie sich durch Online-Shops, organisiert To-do-Listen und führt Gespräche (sogar mit Verstorbenen). Das lässt sich als Versuch psychologischer Vertiefung lesen, wirkt stellenweise jedoch konstruiert und nimmt der Geschichte an Dringlichkeit und Authentizität.

Kapitel um Kapitel greift der Roman auf Rückblicke zurück: Wie alles begann, wer wen wann liebte, warum es so weit kommen musste. Diese Passagen gehören zu den stärkeren Momenten des Buches, weil sie Figuren und Motivationen greifbarer machen. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch, dass der gegenwärtige Handlungsstrang allein nicht genügend Spannung trägt. Die Richtung der Geschichte bleibt lange unklar, Wiederholungen und einige Unglaubwürdigkeiten bremsen den Lesefluss.

Wenn schließlich das Ende erreicht ist, stellt sich weniger ein emotionaler Nachhall als ein Gefühl der Abrundung ein. Die großen Themen – Liebe, Verantwortung, Krise – sind erkennbar angelegt, entfalten jedoch nicht die Wucht, die sie versprechen. Letztendlich ließ mich das Ganze ziemlich unbefriedigt zurück.

Fazit: Ein Roman mit durchaus ehrgeizigem Anspruch und interessanter Grundidee, der vor allem in seinen Rückblicken und im psychologischen Ansatz überzeugt. In der Umsetzung fehlt es jedoch an Spannung und erzählerischer Konsequenz. Statt eines intensiven Kammerspiels entsteht ein ruhiges, mitunter zu ausgedehntes Porträt innerer Zustände. Literarisch ambitioniert, aber nicht durchgehend packend.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Düster, bissig, mit schwarzem Humor

Das Blut der Sünder
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Dunkel liegt Oldcastle unter einer bleiernen Stille – einer Stille, die täuscht. Denn irgendwo in den Schatten zählt jemand die Tage. Immer wieder. Unerbittlich. Und wenn die Frist abläuft, bleibt Grauen ...

Dunkel liegt Oldcastle unter einer bleiernen Stille – einer Stille, die täuscht. Denn irgendwo in den Schatten zählt jemand die Tage. Immer wieder. Unerbittlich. Und wenn die Frist abläuft, bleibt Grauen zurück.

Mitten hinein in dieses beklemmende Spiel gerät Angus MacVicar – ein Mann, der eigentlich nur beweisen will, dass er dazugehört. Doch statt eines Neubeginns erwartet ihn ein Albtraum aus verstörenden Tatorten, verschlossenen Gesichtern und einem Team, das kaum Zeit hat, ihm zu vertrauen. An seiner Seite: ein brillanter, beißend sarkastischer Psychologe, der mit Worten schärfer schneidet als jedes Skalpell und dessen eigene Abgründe nur flüchtig aufblitzen.

Was folgt, ist kein reiner Wettlauf gegen die Zeit, sondern ein Tanz auf Messers Schneide. Zwischen schwarzem Humor und brutaler Realität entfaltet sich ein Geflecht aus Lügen, falschen Fährten und verborgenen Motiven. Nichts ist, wie es scheint. Und je tiefer man blickt, desto mehr entzieht sich die Wahrheit.

Die Geschichte lebt von ihren Gegensätzen: von Angus’ unbeholfener Menschlichkeit und Fifes schneidender Kälte, von Momenten, die ebenso zum Lachen reizen wie zum Zusammenzucken. Die Morde sind grausam, beinahe unerträglich, und doch ist es nicht nur die Gewalt, die unter die Haut geht, sondern das leise Unbehagen, das sich zwischen den Zeilen einnistet.

Trotz gelegentlicher Umwege verliert die Erzählung nie ganz ihren Sog. Denn etwas zieht einen weiter – vielleicht die Hoffnung, vielleicht die Neugier. Oder die Ahnung, dass hinter allem ein Muster liegt, das man erst im letzten Moment erkennt. Der Plot ist clever konstruiert und lässt sich nicht in die Karten gucken. Und wenn schließlich die Masken fallen, bleibt nur eines zurück: Dunkelheit, die einfach nicht verschwindet.

Fazit: Eine düstere, bissige und zugleich überraschend unterhaltsame Reise in die Abgründe menschlicher Psyche. Trotz kleiner Längen fesselt die Geschichte mit starken Figuren, schwarzem Humor und einer unterschwelligen Bedrohung, die nie ganz greifbar wird. Kein makelloses, aber ein eindringliches Leseerlebnis, das sich definitiv lohnt.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Zeitportale und viktorianische Geheimbünde

Manche Schuld vergeht nie
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Im Mittelpunkt steht Ali Dawson: fünfzig, taff, alleinerziehende Mutter eines erwachsenen Sohnes. Und Mitglied einer streng geheimen Londoner Spezialeinheit, die Cold Cases nicht nur neu aufrollt, sondern ...

Im Mittelpunkt steht Ali Dawson: fünfzig, taff, alleinerziehende Mutter eines erwachsenen Sohnes. Und Mitglied einer streng geheimen Londoner Spezialeinheit, die Cold Cases nicht nur neu aufrollt, sondern sie direkt vor Ort überprüft. Möglich macht das eine brillante Physikerin mit Hang zum Risiko und ein ziemlich wackeliges Zeitreise-Protokoll. Was als Ausflug ein paar Jahre zurück begann, katapultiert Ali nun mitten ins Jahr 1850. Korsett statt Lederjacke, Kutschengeratter statt Großstadtlärm.

Der Auftrag kommt von ganz oben: Ein ehrgeiziger Minister will den dunklen Schatten von seinem Stammbaum wischen lassen. Sein exzentrischer Vorfahr soll Teil eines obskuren Männerzirkels gewesen sein, die Aufnahmeprüfung offenbar tödlich. Ali soll klären, was wirklich geschah. Klingt nach Routine, wäre da nicht das viktorianische London mit all seinen gesellschaftlichen Abgründen, merkwürdigen Sammlern, moralischen Doppelmessern und der Tatsache, dass Ali plötzlich länger feststeckt als geplant.

Gerade dieser Kulturschock macht den Reiz aus. Durch Alis moderne Perspektive wirken die Lebensumstände des 19. Jahrhunderts rau, fremd und erstaunlich gefährlich. Die Autorin spielt gekonnt mit zwei Zeitebenen, legt falsche Fährten und lässt Figuren auftreten, die sich nie ganz in die Karten schauen lassen. Anfangs nimmt sich die Geschichte Zeit, um Welt und Konzept zu entfalten, vielleicht einen Tick zu viel. Doch sobald in der Gegenwart ein weiterer Mord geschieht und ausgerechnet Alis Sohn ins Visier gerät, zieht das Tempo spürbar an. Plötzlich geht es nicht mehr nur um historische Wahrheit, sondern um alles.

Der Mix aus Krimi, Zeitreise und historischem Setting ist originell und atmosphärisch dicht. Nicht jede Wendung sitzt perfekt, und das Finale kommt etwas abrupt um die Ecke, mit ein paar offenen Fragen im Gepäck.

Fazit: Mit ihrer neuen Reihe schlägt Elly Griffiths ein ganz anderes Kapitel auf als in ihren bekannten Ruth-Galloway-Reihe. Statt Küstenarchäologie gibt’s hier Zeitportale, viktorianische Geheimbünde und eine Ermittlerin, die zwischen zwei Jahrhunderten pendelt. Ein solider Auftakt mit einem Ermittlerteam, das seine Vergangenheit noch lange nicht hinter sich hat.

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