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Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine gute Ehe

Ich bin ein Laster
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Eigentlich sind sie eher französische Kanadier, doch wegen der Arbeit leben sie im englischsprachigen Teil des Landes. Agathe und Réjean führen eine gute Ehe. Nun gut, sie würde manchmal lieber Rock hören ...

Eigentlich sind sie eher französische Kanadier, doch wegen der Arbeit leben sie im englischsprachigen Teil des Landes. Agathe und Réjean führen eine gute Ehe. Nun gut, sie würde manchmal lieber Rock hören und er sagt nicht immer die Wahrheit darüber, wo er hingeht. Aber das sich doch Kleinigkeiten und bald naht ein Hochzeitstag, der begangen werden muss. Eifrig bastelt Agathe an einem Geschenk. Da kommt Réjean von einer Fahrt zum Angeln nicht nach hause. Unfassbar. Was kann nur passiert sein. Da sein Fahrzeug keine Spuren aufweist, geht die Polizei davon aus, dass er freiwillig gegangen ist.

Plötzlich allein muss Agathe einiges in ihrem Leben umstellen. Natürlich hofft sie zunächst, dass ihr Mann wieder auftaucht. Doch irgendwann wird das Geld weniger und sie muss notgedrungen arbeiten gehen. Im Job lernt sie die lebensfrohe Debbie kennen. Von ihr lernt Agathe Auto zu fahren und sie lässt sich von ihrer neuen Freundin an den Rock’n Roll heranführen. Genau genommen tut es Agathe richtig gut, dass sie ihr Leben anders organisieren muss. Und doch lässt sie der Gedanke an ihren Mann nicht los, oder?

Die Sache mit dem Laster kann man beim Lesen des Buches entdecken. Es lohnt sich. Ob einen die Geschichte von Agathe und Réjean sonst so begeistert, wird wohl von den Lesenden unterschiedlich entschieden. Hätte man Réjean geheiratet oder hast man lieber das Weite gesucht. Davon zu lesen, welche Entwicklung Agathe durchlebt, macht richtig Spaß. Neugierig bleibt man immer. Besonders hervorzuheben ist die sehr schöne Gestaltung des Buches. In rotes Leinen gebunden mit weißer Schrift und einem kleinen Bildausschnitt. Das macht sich gut in jeder Hand und auch in jedem Regal.

Veröffentlicht am 08.04.2026

Brooklyn

Der andere Arthur
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Der 58jährige Arthur Opp hat sein Haus in Brooklyn seit Jahren nicht verlassen. Schon immer hat er gerne gegessen mal aus Lust eher aber aus Frust. Inzwischen wiegt er über 250 Kilo und ist kaum noch in ...

Der 58jährige Arthur Opp hat sein Haus in Brooklyn seit Jahren nicht verlassen. Schon immer hat er gerne gegessen mal aus Lust eher aber aus Frust. Inzwischen wiegt er über 250 Kilo und ist kaum noch in der Lage, sich zu bewegen. Da erhält er einen Anruf von einer ehemaligen Studentin. Charlene Turner war es die sich ewig nicht gemeldet hat und jetzt nimmt sie den Kontakt wieder auf? Zwar freut sich Arthur, aber er wird auch nervös. Er hat sich doch sehr verändert. Der 17jährige Kel braucht Hilfe, um seinen Schulabschluss zu machen. Und er will Baseballprofi werden.

Zwei Menschen, die wohl als Außenseiter angesehen werden können. Arthur Opp, der einstige Professor, hat sich von der Welt zurückgezogen. Soll er wieder auf die Menschen zugehen? Wie werden sie auf ihn und sein Äußeres reagieren? Der junge Kel hat mit anderen Problemen zu kämpfen. Er spielt sehr gut Baseball, ist aber kein besonders guter Schüler. Alles wird überschattet von der Sorge um seine Mutter, die schon seit langem nicht mehr gesund ist. Alles wird besser werden, wenn er seinen Profi-Vertrag hat. Das jedenfalls ist seine Hoffnung. Auf welchem Weg werden Arthur und Kel zueinander finden, wenn es überhaupt zu einem Treffen kommt.

Im Original erschien der Roman bereits im Jahr 2012 erschienen. In manchen Momenten merkt man das auch. Doch insgesamt ist die Handlung so zeitlos, dass das Erscheinungsdatum nicht relevant ist. Arthur und Kel sind auf ihre Art alleine. Arthur hat sich selbst zurückgezogen. Bei Kel scheint es so als sei es eher der Schulwechsel gewesen. Die Handlung des Romans deprimiert allerdings nicht, denn die beiden Hauptpersonen sehen die Möglichkeit des Resignierens, doch sie resignieren nicht. Aus Kleinigkeiten versuchen sie; Mut zu schöpfen. Auch wenn sie einem beim Lesen erst nach und nach sympathisch werden, so hofft man doch für Beide, dass sie eine gemeinsame Basis finden. Familie hat man und man hat sie sich nicht ausgesucht. Freunde findet man und vielleicht können sie manchmal auch eine Art Familie sein. Ein lesenswertes Debüt, dass Interesse an den weiteren Werken weckt.

Veröffentlicht am 08.04.2026

Chicken Hill

Himmel & Erde
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In Pottstown, Pennsylvania, soll ein neues Baugebiet erschlossen werden. Bei den ersten Arbeiten wird in einem alten Brunnen ein Skelett gefunden. Vor mehr als dreißig Jahren ist es dort gelangt. In den ...

In Pottstown, Pennsylvania, soll ein neues Baugebiet erschlossen werden. Bei den ersten Arbeiten wird in einem alten Brunnen ein Skelett gefunden. Vor mehr als dreißig Jahren ist es dort gelangt. In den 1930er Jahren lebten in dem einfachen Viertel leben jüdische Einwanderer und schwarze Amerikaner. Moshe Ludlow und seine Frau Chona, die mit einigen Theatern angefangen haben, führen einen Lebensmittelladen. Ihre Geschäfte haben sie immer auch für ihre afroamerikanischen Nachbarn geöffnet. Obwohl das nicht jedem im Ort gefallen hat, stehen sie dazu. Doch mit Chonas Gesundheit steht es nicht zum Besten und Moshe macht sich große Sorgen um seine Frau.

Chona Ludlow ist gewissermaßen der Mittelpunkt der Gemeinde. Sie wird von den meisten Anwohnern gemocht. Bei manchen ist sie allerdings auch angeeckt. Mit einer guten Freundin ist der Kontakt beinahe abgerissen. Chona ist es versagt geblieben, eigene Kinder zu bekommen. Während Berenice mit Kindern gesegnet ist. Und nicht alle in Pottstown sind begeistert, dass Chona und Moshe immer auch Kontakt zu den afroamerikanischen Nachbarn hatten und ihre Unternehmen für sie geöffnet haben. Zu dem macht sich Moshe große Sorgen um Chonas Gesundheit. Zeitweise befürchtet er, sie könne ihm viel zu früh genommen werden.

Die Handlung des Romans verläuft etwas anders als gedacht. Zwar wird auf einer Baustelle ein Skelett gefunden, jedoch entwickelt sich kein Krimi, sondern eher ein historischer Roman. Aus dem Zusammenleben der jüdischen Einwanderer und der einheimischen Afroamerikaner, die im selben Viertel leben, entspinnt sich eine interessante Geschichte. Dabei ist der Roman in mehrere Handlungsstränge gegliedert, die fließend ineinander übergehen. Manche Beschreibungen berühren sehr und lesen sich sehr fesselnd. Man erfährt etwas über eine ungewöhnliche Gemeinschaft, die von denen, die sich als Stadtobere verstanden, nicht uneingeschränkt gut geheißen wurde. Zum Glück verstehen die handelnden Personen es, zu ihren Wünschen und Zielen zu stehen. Insgesamt ist der Roman zwar nicht wie erwartet, aber doch ein lehrreicher Beitrag über einen Teil der amerikanischen Geschichte.


Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein Renner

Das Gemälde
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Harry Lewis ist frei und sein ehemaliger Herr hat ihm versprochen, dass das vielversprechende Fohlen ihm gehört. Natürlich darf das niemand wissen, denn im Jahr 1855 darf kein Schwarzer ein Rennpferd besitzen. ...

Harry Lewis ist frei und sein ehemaliger Herr hat ihm versprochen, dass das vielversprechende Fohlen ihm gehört. Natürlich darf das niemand wissen, denn im Jahr 1855 darf kein Schwarzer ein Rennpferd besitzen. Von den Gewinnen, die ihm versprochen werden, will Harry seinen Sohn Jarret freikaufen. Doch es kommt anders. Viele Jahre später gelangt der Doktorand Theo an ein altes Gemälde, das ein Rennpferd mit seinem Pfleger zeigt. Gleichzeitig versucht Jess alles über das Skelett eines Pferdes herauszufinden, dass im Museum ausgestellt ist. Irgendetwas kommt ihr eigenartig vor. Der Zufall fühlt Jess und Theo zusammen und sie wollen mehr über das Pferd und seinen Pfleger zu erfahren.

Mit der Verknüpfung von mehreren Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen bekommt der Leser oder die Leserin die Lebensgeschichte des Rennpferdes Darley/Lexington nahegebracht. Vor den amerikanischen Sezessionskrieg war der Pferderennsport eine anerkannte Sportart. Züchter, Trainer und Pfleger suchten nach den vielversprechendsten Fohlen. Dabei hat Lexington in seiner Karriere nur wenige Rennen gewonnen. Seine Linie hat allerdings viele erfolgreiche Rennpferde hervorgebracht. Jarret ist es, der Lexington liebevoll aufzieht. Sein Vater und er haben Pläne, die allerdings durchkreuzt werden, weil schwarze Menschen manche Möglichkeiten einfach nicht haben. Dennoch schafft es Jarret immer bei seinem Pferd zu bleiben.

Von dieser Lebensgeschichte eines Rennpferdes zu erfahren, ist sehr interessant und spannend. Was das Pferd angeht, hat sich die Autorin weitgehend an die historischen Fakten gehalten. Darum hat sie eine fiktionale Handlung gesponnen, die einen nach einigen anfänglichen Gewöhnungsbemühungen wirklich packt. Der Lebenslauf von Jarret ist in seine Zeit geschrieben. Es ist bedrückend zu lesen, wie mit den Menschen umgegangen wurde. Doch Jarret findet einen Weg. Und auch die weiteren Geschichten ziehen einen in ihren Bann, vor allem wenn man nach einer Weile merkt wie geschickt alles sich zusammenfügt. Leider hat der Roman so ein inzwischen muss man sagen typisch amerikanisches Ende. Da möchte man so langsam doch mal von einem anderen Ausgang lesen. Insgesamt aber ein sehr lesenswertes Buch über ein Pferd, das beinahe eine Art Nationalheld geworden ist.

Veröffentlicht am 17.03.2026

Limoncello

39 Grad Mord
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Die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix hat einen richtig guten Roman geschrieben. Davon will aber niemand etwas wissen, auch nicht die Leser. Alle, besonders auch ihr Lektor Bastian, warten auf den ...

Die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix hat einen richtig guten Roman geschrieben. Davon will aber niemand etwas wissen, auch nicht die Leser. Alle, besonders auch ihr Lektor Bastian, warten auf den zweiten Krimi. Der steckt allerdings nicht in ihrer Feder. Hannah gerät langsam in Verzweiflung und in Geldnot. Da drängt ihr Bastian einen Aufenthalt auf Sizilien auf. Dort kann sie in einer kleinen Villa mit Meerblick einige Zeit verbringen, um endlich mit dem Krimi anzufangen. Nun mit dem Krimi will es erstmal nichts werden. Dafür lernt Hannah ein Ehepaar aus Dänemark kennen, dass sie in ihrer größeren Villa übernachten lässt. Am nächsten Morgen ist die Frau Greta tot und Hannah in einen echten Mord verwickelt.

Zum zweiten Mal landet Hannah Krause-Bendix auf einer Insel, um mit einem Roman voranzukommen, den es noch nicht gibt. Hannah sucht jede Ablenkung, damit sie nicht mit dem Schreiben beginnen muss. Mit einem Glas Wein in den Sonnenuntergang zu blicken ist doch viel schöner als auf einen leeren Bildschirm zu starren. Und dann dieser Mord, den Hannah zum Glück verschlafen hat. Dennoch ist es schrecklich, die Tote aus nächster Nähe zu sehen. Die Situation ist unklar, was dazu führt, dass sogar Hannah unter Verdacht gerät. Bald wird jedoch Hans, der Ehemann der Verstorbenen festgenommen.

Auf diesen Kriminalroman hat man sich gefreut, denn der erste Roman um die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix als unfreiwillige Krimiautorin war richtig witzig. Doch kann das Konzept ein zweites Mal funktionieren? Nicht ganz so wie erhofft, denn dieser Band ist irgendwie ein normaler Krimi, bei dem eine Hobbydetektivin in einen Mordfall gerät und selbst anfängt, Nachforschungen anzustellen, weil ihr die Ermittlungen der Polizei zu einseitig erscheinen. Dabei jagt sie den Spuren nach landet so manchen Zufallstreffer. Es wirkt so als werden die Verdächtigen abgearbeitet bis nur noch etwas übrig bleibt, dass sich eher am Anfang aufgedrängt hätte, am Schluss aber eher kurios wirkt. Immerhin könnte man sich nach der Lektüre gut vorstellen, einmal auf Sizilien Urlaub zu machen. Und auch Hannas Liebesleben scheint sich zu entwickeln.

Die warmen Farben des Covers lassen einen beinahe die Sommerhitze führen und gleichzeitig denkt man an die Villa mit Meerblick, die abends vielleicht in ähnlichen Farben erstrahlt.