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Veröffentlicht am 09.05.2026

Besser als der Vorgänger

Erwartung
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In "Erwartung" erzählt der dänische Autor Jussi Adler-Olsen die Geschichte des Sonderdezernates Q um Carl Mørk, Assad und Rose und deren Fälle weiter. Nachdem der letzte Band meinen Erwartungen nicht wirklich ...

In "Erwartung" erzählt der dänische Autor Jussi Adler-Olsen die Geschichte des Sonderdezernates Q um Carl Mørk, Assad und Rose und deren Fälle weiter. Nachdem der letzte Band meinen Erwartungen nicht wirklich entsprach, habe ich diesen Thriller mit einer gewissen Skepsis in die Hand genommen. Zu Anfang ist der Handlungsverlauf etwas unklar, aber spätestens nach dem Auftauchen von Marco, der jugendlichen Hauptfigur, entwickelt sich die Geschichte rasant und sehr, sehr spannend.

Im Mittelpunkt des fünften Bandes der Reihe steht Marco, ein fünfzehnjähriger Osteuropäer, der sich mit seinem Familienverbund seit geraumer Zeit in Dänemark aufhält. Dieser Clan ist streng hierarchisch organisiert – an der Spitze steht Zola, Marcos Onkel, und am untersten Ende der Pyramide sind die Kinder und Jugendliche zu finden, die von diesem auf Bettel- und Diebestour geschickt werden und um deren "Erträge" zu steigern, schreckt die Bande auch nicht davor zurück, die diese zu Krüppeln zu schlagen. Aber wehe dem, der sich widersetzt, oder gar, wie im vorliegenden Fall Marco, aussteigen möchte. Auf seiner Flucht wird er per Zufall in seinem gewählten Versteck mit einem Leichenfund konfrontiert, und genau um diesen Ermordeten geht es auf Betreiben von Mørks Assistentin Rose in dem neuen Fall des Sonderdezernates.

Wie immer menschelt es in Adler-Olsens Thriller ganz gewaltig, wobei ich gestehen muss, dass mich das Schicksal des Jungen weitaus mehr interessiert, als das Geplänkel zwischen Rose und Gordon, dem Neuzugang im Dezernat, oder der Schlagabtausch zwischen Assad und Carl. Auch die Ausflüge in Mørks Privatleben finde ich nicht sonderlich erquicklich, vor allem deshalb, weil diese absolut nichts zum Fortgang der Handlung beitragen. Aber leider geht auch bei den skandinavischen Autoren der Trend in die Richtung, jeden Protagonisten mit möglichst vielen privaten Problemen auszustatten. Schade, denn gerade durch diese Passagen wird die Handlung immer wieder ausgebremst, was die Spannung reduziert.

In der Konstruktion des Kriminalfalles allerdings beweist Adler-Olsen seine Klasse, denn dieser ist unglaublich spannend. Gerade dann, wenn er Marcos Überlebenskampf beschreibt. Oder die korrupten Verflechtungen zwischen Bankern und Politikern und deren Skrupellosigkeit, wenn es darum geht, sich mit Geldern, die eigentlich für humanitäre Projekte gedacht sind, die eigenen Taschen zu füllen - das erzeugt Spannung auf höchstem Niveau und stellt den Thriller-Leser fast rundum zufrieden.

Veröffentlicht am 09.05.2026

Einer der besten Romane Grishams

Das Komplott
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Wenn ich einen Roman von John Grisham in die Hand nehme, erwarte ich in erster Linie gut unterhalten zu werden, und dieses Versprechen löst der Autor auch mit seinem neuesten Buch “Das Komplott“ ein, wobei ...

Wenn ich einen Roman von John Grisham in die Hand nehme, erwarte ich in erster Linie gut unterhalten zu werden, und dieses Versprechen löst der Autor auch mit seinem neuesten Buch “Das Komplott“ ein, wobei die Geschichte diesmal eher untypisch für Grisham ist. Üblicherweise sind die Hauptfiguren dadurch gekennzeichnet, dass ihre Moralvorstellungen sehr hoch sind und sie sich für die Rechte der kleinen Leute ohne Rücksicht, auch auf persönliche Verluste wie ihre Reputation einsetzen, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Das ist diesmal ganz anders.

Die Ausgangssituation in „The Racketeer“ ( wörtliche Übersetzung eigentlich „Der Gauner“) ähnelt dem bekannten Muster: Malcolm Bannister, ein mäßig erfolgreicher Anwalt, wird wegen Geldwäsche zu zehn Jahren Haft verurteilt. Seine Familie wendet sich von ihm ab und seine Zulassung verliert er ebenfalls. In der Justizvollzugsanstalt betreut er die Bibliothek und bietet seinen Mitgefangenen Rechtsberatung an. Fünf Jahre hat er bereits abgesessen, als ein Bundesrichter samt Geliebte ermordet aufgefunden werden und das FBI fieberhaft nach dem Täter sucht. Das ist die Chance, auf die Bannister gewartet hat, und er beschließt, dies zu seinem Vorteil zu nutzen. Im Gefängnis hört man so manches, und deshalb bietet er ihnen einen Deal an – er nennt den Namen des Täters und dafür wird er aus der Haft entlassen. Das FBI nimmt an und Bannister eröffnen sich plötzlich ganz neue Perspektiven, um seine Rache eiskalt zu servieren.

Der Protagonist ist nicht edel, hilfreich und gut, sein Handeln nicht moralisch bestimmt, ihm geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern in erster Linie darum, ein korruptes System auszutricksen und zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Und dennoch hat er meine Sympathien, da er bereits durch das Handicap der falschen Hautfarbe in den USA wesentlich schlechtere Voraussetzungen als die Hauptfiguren der vorherigen Romane des Autors hat.

John Grisham ist einer der Vorstände des „Innocent Project“, einer Organisation, die sich um Inhaftierte kümmert, an deren Schuld berechtigte Zweifel bestehen. Und offenbar hat die Beschäftigung mit diesen Fällen ihn zu dieser Story inspiriert, auch wenn er im Nachwort schreibt, dass diese reine Fiktion ist.

„Das Komplott“ ist kein Justiz-Thriller, sondern Roman mit sehr kritischen Untertönen, der zu Beginn zwar einige Längen aufweist, sich dann aber im gewohnten Fahrwasser des Autors bewegt: Spannend und unterhaltsam - genau das, was der Leser erwartet.

Veröffentlicht am 09.05.2026

Keine Gute Nacht - Geschichten

Blut - Skeleton Crew
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Im Lauf der Jahre wurden immer wieder einmal Sammelbände des Autors Stephen King veröffentlicht, die seine in den unterschiedlichsten Medien wie Zeitschriften, Anthologien etc. erschienenen Erzählungen ...

Im Lauf der Jahre wurden immer wieder einmal Sammelbände des Autors Stephen King veröffentlicht, die seine in den unterschiedlichsten Medien wie Zeitschriften, Anthologien etc. erschienenen Erzählungen zusammentrugen. So auch „Blut – Skeleton Crew“, erstmals 1985 in Original und 1996 in der deutschen Übersetzung veröffentlicht, in dem zwanzig Erzählungen aus den drei Einzelbänden „Im Morgengrauen“, „Der Gesang der Toten“ und „Der Fornit“ zusammengefasst sind und nun in neuer bzw. überarbeiteter Übersetzung vorliegen.

Die behandelten Themen sind vielfältig und erfahrungsgemäß differiert die Qualität der einzelnen Geschichten in solchen Bänden immer. Aber für King typische Muster tauchen auch hier auf, nämlich Erfahrungen, die rational nicht erklärbar sind und Konfrontationen mit Ereignissen, die demjenigen, dem sie widerfahren, Angst einjagen. Manchmal ist es bloß ein mulmiges Gefühl, aber sehr oft geht es für die Akteure nur noch ums nackte Überleben, wie z. B. in „Der Nebel“, der Geschichte, in der die wabernden Schwaden zunehmend bedrohlich werden und ein Eigenleben zu führen scheinen.

Die Größe dieses meisterhaften Erzählers aber offenbart sich vor allem dann, wenn er aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen erzählt („Das Floß“). Hier spinnt King den Plot detailliert und vermittelt dem Leser glaubwürdig und mit dem passenden Tonfall die unterschiedlichen Emotionen der Akteure.

Wenn man die Erzählungen mit den Romanen vergleicht ist es auffällig, dass Stephen King die Fähigkeit hat, selbst auf wenigen Seiten eine besondere Atmosphäre zu kreieren, die bei dem Leser die unterschiedlichsten Gefühle weckt. Das geht von Gänsehaut über Mitleid bis hin zu blankem Entsetzen. Natürlich wäre es bei mancher Story ergiebiger und auch für den Leser befriedigender, wenn der Autor in seinen Beschreibungen stärker in die Tiefe gehen könnte, was aber leider aus Gründen des verwendeten Formats nicht möglich ist. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise die umfangreichen Romane des Autors.

Veröffentlicht am 08.05.2026

Vom Gehen und Bleiben

Aus und davon
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Elisabeth, die „Eli-Oma“, hat Enkel-Dienst. Ihre Tochter gönnt sich eine Verschnaufpause in den Vereinigten Staaten und sie managt derweil den Familienalltag in der Stuttgarter Ostendstraße mit den beiden ...

Elisabeth, die „Eli-Oma“, hat Enkel-Dienst. Ihre Tochter gönnt sich eine Verschnaufpause in den Vereinigten Staaten und sie managt derweil den Familienalltag in der Stuttgarter Ostendstraße mit den beiden Kindern. Raus aus dem vertrauten Habitat in Hedelfingen in eine Umgebung, die ihr äußerst suspekt ist, die so gar nichts mit der gewohnten Aufgeräumtheit zu tun hat, die ihr bisheriges Leben bestimmt hat, sie mit Herausforderungen konfrontiert, denen sie sich anfangs nicht gewachsen fühlt, schlussendlich aber doch bewältigt. Auch – und vor allem – durch den Blick zurück.

„Aus und davon“ ist aber mehr als ein bloßer Familienroman. Hahn richtet ihren Blick entlarvend, aber nie wertend, auf die kleinen und großen Fluchten aus brüchigen Beziehungen, auf das Weggehen und das Dableiben, auf das sich Davonstehlen aus Lebensumständen, die die Freude am Leben im Keim ersticken. Elisabeth hat es schon einmal geschafft, konnte sich aber dennoch nicht völlig von ihrer pietistischen Sozialisation lösen, auch wenn sie glaubte, ihr durch die Heirat mit Hinz entkommen zu sein. Jetzt hat er sie nach seinem Schlaganfall verlassen, ist weg mit einer Reha-Bekanntschaft. Auch ihre Tochter Cornelia braucht wieder Luft zum Atmen, nachdem ihr Mann sie verlassen hat und zurück in seine griechische Heimat gegangen ist. Ob ihr die USA-Reise auf den Spuren ihrer ausgewanderten Großmutter dabei helfen kann?

Drei Ebenen aus Vergangenheit und Gegenwart, die Hahn gekonnt verbindet. Natürlich der Stuttgarter Alltag mit Elisabeth und den beiden Enkeln, Cornelias Erlebnisse während ihrer Reise und dazu dann noch der Rückblick auf die Geschichte der Großmutter. Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander, bedingen und beeinflussen sich gegenseitig, zeigen Zusammenhänge auf und heilen am Ende. Jeden einzelnen. Zumindest ein bisschen.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Der blanke Horror

Yesteryear
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Wir kennen es aus den Sozialen Medien: Das Bild eines weitläufigen, irgendwo im Nirgendwo gelegenen Bauernhofs, der aussieht, als wäre er das Top-Objekt aus dem Verkaufsprospekt des Immobilienmaklers. ...

Wir kennen es aus den Sozialen Medien: Das Bild eines weitläufigen, irgendwo im Nirgendwo gelegenen Bauernhofs, der aussieht, als wäre er das Top-Objekt aus dem Verkaufsprospekt des Immobilienmaklers. Die heimelige Küche auf dem Land, deren Einrichtung blitzt und blinkt, in der die junge, bildhübsche Hausfrau mit Rüschenschürze Brote backt und/oder Mahlzeiten aus dem selbstangebauten Gemüse für ihre Großfamilie zubereitet. Um sie herum eine vielköpfige Kinderschar und der gutaussehende „Pater familias“. Eine harmonische Familie, die die „alten“ Werte lebt und in der alle glücklich und zufrieden sind. Aber ist das wirklich so?

Zeigen die Reels der „Tradwives“ deren Realität oder lediglich ihr gefaktes Leben für die Millionen Follower, das sich in klingender Münze auszahlen soll? Und was macht das auf lange Sicht mit den Beteiligten, insbesondere mit den Kindern? Wie wirkt sich dieses permanente „Vorführen“ auf deren Entwicklung aus?

Und was sagt der Erfolg eines solchen nach rückwärts gerichteten Formats, das traditionelle und religiös geprägte Werte, vor allem im Hinblick auf Geschlechterrollen und Mutterschaft, ohne kritisches Hinterfragen in die Welt schickt, über den Zustand der jeweiligen Gesellschaft aus?

Das sind einige der Fragen, die mir bei der Lektüre von Caro Claire Burkes „Yesteryear“ in den Sinn kamen. Mich hat dieser Roman nicht unterhalten. Er hat mich gefordert, war anstrengend zu lesen, hat zum Nachdenken genötigt. Und nein, das war weder eine Satire noch ein Thriller, sondern in erster Linie der blanke Horror.