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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2026

Das Vermögen der Witwe

Das Vermächtnis
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Simon ist Anwalt in einer Kleinstadt. Von den hohen Honoraren im nahen Washington kann er nur träumen. Seine Klienten brauchen seine Hilfe meistens nur, wenn es um ein Testament oder eine Insolvenz geht. ...

Simon ist Anwalt in einer Kleinstadt. Von den hohen Honoraren im nahen Washington kann er nur träumen. Seine Klienten brauchen seine Hilfe meistens nur, wenn es um ein Testament oder eine Insolvenz geht. Mit solchen Aufträgen verdient er gerade genug, um seine laufenden Kosten zu begleichen.

Sein Leben ist alles andere als vollkommen. Seine Ehe ist zerrüttet. Er sehnt sich nach einer besseren Beziehung zu seinen Kindern. Dazu kommt eine ungute Gewohnheit, die ihn viel Geld kostet. Als eine ältere Dame ihn aufsucht, um ein neues Testament aufzusetzen, scheint es zunächst um ein schnelles, gewöhnliches Erbe zu gehen. Doch dann berichtet sie ihm von ihrem geheimen Vermögen. Simon sieht schon die Dollarzeichen vor seinen Augen. Das erwartete Honorar scheint die Lösung all seiner Probleme zu sein. Doch er muss erbittert feststellen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint.

Dieser Grisham-Roman ist wegen seiner unvorhersehbaren Handlung spannend. Nachdem die Werke dieses Bestsellerautors in den letzten Jahren nicht an seine ersten Bücher heranreichen konnten, ist dies wieder ein Top-Titel. Der Protagonist hat seine Probleme und Laster, und doch wächst er dem Leser mit seiner sympathischen Art von Seite zu Seite immer mehr ans Herz. Der Leser bangt mit, als sein Ruf und gar sein Leben bedroht sind.

Die Lösung des Rätsels ist unerwartet und am Ende des Buches wird deutlich, dass Grisham auf ein großes Unrecht hinweisen will. Das verleiht der Erzählung Stärke und gibt das Gefühl nicht nur zum Zeitvertrieb oder zur Entspannung zu lesen, sondern dabei gleichzeitig über ein wichtiges Thema informiert zu werden.

Fazit: Die Handlung ist bis zum Schluss mitreißend. Nach mehreren mittelmäßigen Büchern kann dieser packende Justizthriller mit den ersten Werken Grishams mithalten. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 28.04.2026

Zur Ruhe kommen

Träume sind wie Segel, Erinnerungen wie Ruder
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Der schwedische Pastor und Autor Tomas Sjödin ist bekannt für seine hilfreichen Werke über Stille und Achtsamkeit. Dazu schreibt er schon seit vierzig Jahren kurze Zeitungskolumnen. In diesem Band sind ...

Der schwedische Pastor und Autor Tomas Sjödin ist bekannt für seine hilfreichen Werke über Stille und Achtsamkeit. Dazu schreibt er schon seit vierzig Jahren kurze Zeitungskolumnen. In diesem Band sind achtzig von ihnen abgedruckt, die von Herbst 2019 bis Frühjahr 2024 erschienen sind.

Die Texte spiegeln Gedanken und Überlegungen des Autors wider, vor allem über Alltägliches und gewöhnliche Kleinigkeiten des Lebens, wie Erinnerungen an die Eltern, nächtliche Wachstunden, Begegnungen oder Reisen. Aktuelle Themen tauchen jedoch auch auf, zum Beispiel die Covid-Krise und der Krieg in der Ukraine. Sein Glaube an einen guten Gott ist wie ein leiser Unterton, der stets mitschwingt, sich aber nicht aufdrängt. Über sein Anliegen schreibt er: „Ich habe ein Motto für meine Texte: ehrlich über das Leben zu reden und dabei immer zu versuchen, ein Stückchen Hoffnung zu vermitteln.“

Jedes Kapitel umfasst zwei bis drei Seiten und lässt sich in wenigen Minuten lesen. Die Betrachtungen eignen sich gut für eine tägliche kleine Pause. Das Lesebändchen ist hilfreich und das schön gestaltete Cover macht beim Betrachten Freude.

Immer wieder geht es in den hoffnungsvollen Texten um Ruhe und um die Freude daran, nicht alles tun und erleben zu müssen – zu entschleunigen, sich an einem langsameren Lebenstempo zu freuen, sich Zeit für Stille zu nehmen.

Mein persönlicher Favorit ist die Kolumne „Tiefseetaucher“. Sjödin schreibt dort: „Genau das ist das große Geheimnis der Sprache, dass sie ein Zufluchtsort werden kann, dass man in der Sprache eines anderen seine eigene finden kann.“ Und über Schriftsteller, dass sie: „… an meiner Statt in die Tiefe getaucht waren und eine Sprache heraufgeholt hatten, die meiner Situation Worte gab, und ich begriff, dass ich nicht allein war.“

Und genau das macht Sjödin selbst auf ausgezeichnete Weise. Er versteht es mit wenigen Worten Gedanken in Bewegung zu bringen.

Fazit: Dieses sehr empfehlenswerte Buch ist eine Einladung, sich täglich für einige Minuten zurückzuziehen, um über die Bedeutung von Stille, Achtsamkeit und Gottes Wirken in meinem Leben nachzudenken.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Gutes tun

Die Apotheke der Hoffnung
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Was mache ich, wenn schreckliche Gräueltaten vor meiner Haustür geschehen? Sehe ich weg, wenn meine Nachbarn bedroht sind, um mich nicht selbst in Gefahr zu bringen? Das fragt sich die junge Witwe Zosia, ...

Was mache ich, wenn schreckliche Gräueltaten vor meiner Haustür geschehen? Sehe ich weg, wenn meine Nachbarn bedroht sind, um mich nicht selbst in Gefahr zu bringen? Das fragt sich die junge Witwe Zosia, als eine befreundete Familie aus ihrem Krakauer Wohnhaus vertrieben wird. Zusammen mit den anderen Juden in der Stadt muss sie in ein heruntergekommenes Ghetto.

Komischerweise darf die Apotheke im Elendsviertel weiterhin betrieben werden. Dort findet Zosia Arbeit und nutzt die Gelegenheit, um ihre jüdischen Freunde so gut es geht zu unterstützen. Es bedrückt sie, dass die junge Hania ihre Träume begraben muss. Denn das Leben der Juden wird mehr und mehr von den deutschen Besatzern eingeschränkt.

Diese berührende Geschichte erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Zosia und Hania. Beide Erzählstränge greifen immer wieder ineinander über, um sich dann wieder zu trennen, weil die Umstände die beiden Frauen auseinanderbringen. Während Zosia aus Gewissengründen helfen möchte, wo sie nur kann, kämpft Hania hartnäckig ums Überleben. Beide Sichtweisen auf diese schrecklichen Jahre sind wertvoll und ergänzen sich.

Die dargestellten Menschen mit ihren Höhen und Tiefen werden schnell zu Freunden. Ihre Beweggründe und Entscheidungen sind nachvollziehbar. Das Schlimme, das sie erleben, bewegt zutiefst.

Der Roman ist fesselnd geschrieben und lässt sich kaum aus der Hand legen. Gleichzeitig ist er stellenweise schwer zu ertragen, da Gewalt und Unmenschlichkeit eindrücklich geschildert werden. Das ist umso schlimmer, weil die dargestellten Ereignisse auf historische Tatsachen beruhen.

Wichtige Fragen, wie die Frage nach dem Leid, werden angesprochen, doch nicht vollständig beantwortet. Das wirkt authentisch, denn es gibt im Leben oft keine leichten Antworten. Dafür wird der Leser herausgefordert sich bewusst dafür zu entscheiden, Gutes zu tun, selbst wenn es scheint, als könne es nie genug sein.

Fazit: Eine eindrückliche Erzählung über die Hilfsbereitschaft einer kleinen Schar von Menschen im Dritten Reich, die nicht wegsehen wollen, wenn Unrecht in ihrer Umgebung geschieht. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Romane mit Tiefgang lieben.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Echtheitsprüfung

Entdeckungen in der Einsamkeit
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Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen ...

Mein Leben als Christ – ist das etwas Echtes, Lebendiges oder eher eine einmal getroffene Entscheidung, die wenig mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat?

Um solche Fragen geht es in diesem wertvollen Buch von Peter Strauch, Theologe, ehemaliger Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und Liederdichter.

Erstmals 1982 erschienen, schreibt Peter Strauch in diesem Buch über seine Erfahrungen in einer tiefen seelischen und gesundheitlichen Krise. Als nichts mehr geht, zieht er sich in die Einsamkeit der holländischen Küste zurück, um sein Leben in der Gegenwart Gottes zu überdenken.

Inzwischen sind 45 Jahre vergangen, doch seine Gedanken sind noch immer aktuell. Neben den ursprünglichen dreizehn Kapiteln, die seine Überlegungen in dieser herausfordernden Zeit beschreiben, ergänzt der inzwischen 83jährige in sieben weiteren Abschnitten Erkenntnisse aus seinem langen Leben als Christ. Am Ende jeden Kapitels bieten Reflexionsfragen, passende Bibelstellen oder Denkanstöße die Möglichkeit, das Gelesene auf das eigene Leben anzuwenden.

Im Zentrum der Überlegungen steht die Echtheit der Gottesbeziehung. Die Gedanken des Autors sind klug und gut reflektiert. Als Leser fühle ich mich ermutigt, in der Tiefe über meinen eigenen Glauben nachzudenken.

Besonders wertvoll ist der ehrliche Blick des Autors auf eigene Fehler und Schwächen, die er konkret benennt. Er beschreibt, wie er teilweise innerlich mit dem, was Gott ihm in der Stille sagt, ringt, und erzählt auch von Entscheidungen, die ihm helfen, zukünftig einen besseren Weg einzuschlagen. Dabei stützt er sich auf Worte und Geschichten der Bibel und zitiert geistliche Vorbilder. Das alles fordert beim Lesen heraus eigene Schritte zu gehen.

Fazit: Dieses persönlich geschriebene Buch ist eine wertvolle Hilfe, um über das eigene Glaubensleben nachzudenken und Gott besser kennenzulernen. Es ist besonders empfehlenswert für Leiter, engagierte Christen und Menschen, die sich nach mehr Tiefe und Echtheit in ihrem Glaubensleben sehnen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Nah am Herzen des Vaters

Immanuel: Immer bei dir
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Was für einen Unterschied würde es machen, wenn Christen wirklich in dem Bewusstsein leben könnten, dass Gott bei ihnen ist – immer, an jedem Tag und in jeder Sekunde. Und dass das etwas Gutes, etwas Schönes ...

Was für einen Unterschied würde es machen, wenn Christen wirklich in dem Bewusstsein leben könnten, dass Gott bei ihnen ist – immer, an jedem Tag und in jeder Sekunde. Und dass das etwas Gutes, etwas Schönes ist.

Der Titel dieses Buches kommt aus dem Hebräischen. Immanuel bedeutet „Gott ist mit uns“ und weist auf den menschgewordenen Gott hin, auf Jesus. Das feiern wir besonders an Weihnachten, doch was bedeutet das im Alltag? Spüre ich auch am Montag, dass Gott mir nah ist – oder nur sonntags in der Kirche?

Die anglikanische Priesterin und Seelsorgerin Summer Joy Gross zeigt in diesem Buch, wie dieses Kopfwissen ins Herz rutschen kann. Sie stellt fest, dass Wunden aus der frühesten Kindheit uns daran hindern können, der Liebe Gottes zu vertrauen. Unsere ersten Bindungserfahrungen – also wie unsere Bezugspersonen auf unsere Bedürfnisse reagiert haben – prägen unser Bild von Beziehungen. Ein Mangel aus diesen frühen Jahren wird, so die Autorin, häufig auf Gott projiziert. Dadurch fällt es vielen schwer, ihn als guten, zuverlässigen Vater wahrzunehmen.

Gross beschreibt die Bindungstheorie in verständlicher Sprache und greift dabei auf Erkenntnisse der Neurowissenschaft zurück. Besonders ermutigend ist ihre Betonung der Neuroplastizität: Das Gehirn kann sich immer wieder verändern. Fehlende Erfahrungen von Sicherheit und Geborgenheit können nachgeholt und im Gehirn neu verankert werden.

Es wärmt das Herz, zu lesen, wie viel Gott an uns liegt und wie sehr er sich nach Beziehung mit uns sehnt. Die Autorin versteht es gut, das Bild eines wunderbar liebenden Vaters vor Augen zu malen.

Im zweiten Teil nennt sie praktische Übungen, die diesen Vorgang unterstützen. Diese kontemplativen Praktiken, wie Stille, Gebet, Bibellesen und Buße, sind keine neumodischen Erfindungen, sondern haben eine lange Geschichte in der Christenheit. Die Erklärungen der Autorin zeigen, wie wohltuend diese Praktiken sein können. So schreibt sie beispielsweise: „Buße ist Gottes Einladung, sich losbinden zu lassen und ungehindert im Licht zu leben.“ Es geht nicht um den Zwang, etwas Bestimmtes praktizieren zu müssen, sondern um das Aufblühen in einer liebevollen und vertrauensvollen Beziehung zu Gott.

Der Schreibstil dieses Buches ist wohltuend, stets verständnisvoll und niemals verurteilend. Hilfreich ist, dass die Autorin viele eigene Beispiele für das Gesagte nennt – ob es um traumatische Erfahrungen oder um das liebevolle Werben Gottes um ihr Herz geht. Immer wieder lädt sie ihre Leser ein, innezuhalten und mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Fazit: Dieses Buch ist eine liebevolle Einladung, sich nah an Gottes Herz zu schmiegen und die eigene Gottesbeziehung zu vertiefen. Theologisch fundiert und zugleich warm und persönlich geschrieben, ist es ein Werk zum Immer-wieder-Lesen – für alle, die Gottes Nähe nicht nur wissen, sondern tief erfahren möchten.