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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Atmosphärische Story, die nachhallt

Die Touristin
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Ein Ort wie aus dem Bilderbuch: gleißende Sonne, weiße Häuser, das endlose Blau des Meeres – und doch liegt über allem ein kaum greifbarer Schatten. Genau in dieses scheinbare Paradies zieht es Juno. Nicht ...

Ein Ort wie aus dem Bilderbuch: gleißende Sonne, weiße Häuser, das endlose Blau des Meeres – und doch liegt über allem ein kaum greifbarer Schatten. Genau in dieses scheinbare Paradies zieht es Juno. Nicht für Urlaub, nicht für Leichtigkeit, sondern für Antworten. Und während sie Schritt für Schritt tiefer in die Insel eintaucht, merkt man schnell: Hier stimmt etwas nicht.

Was sofort packt, ist die Atmosphäre. Die Insel wirkt so lebendig, dass man sich fühlt, als würde man selbst durch die engen Gassen streifen, das Salz in der Luft schmecken und die Hitze auf der Haut spüren. Dieses Setting ist nicht nur Kulisse – es ist Herzschlag der Geschichte. Schönheit und Bedrohung liegen hier gefährlich nah beieinander.

Erzählt wird das Ganze auf mehreren Ebenen, die sich Stück für Stück ineinander verzahnen. In der Gegenwart folgt man Juno, die entschlossen ist, endlich ihre eigene Geschichte zu verstehen. Parallel dazu öffnen sich Fenster in die Vergangenheit: alte Briefe, Erinnerungen, Begegnungen – und eine leise, bittersüße Liebesgeschichte, die mehr verbirgt, als sie zunächst preisgibt. Gerade dieses Zusammenspiel aus damals und heute sorgt für einen Sog, der einen immer tiefer hineinzieht.

Die Spannung baut sich dabei nicht laut oder hektisch auf, sondern schleicht sich an. Es ist dieses konstante Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas brodelt. Kleine Hinweise, Andeutungen, ein Blick zu viel, ein Satz zu wenig – und plötzlich ist da dieses Unbehagen, das einen nicht mehr loslässt. Man will unbedingt wissen, was damals wirklich passiert ist und wie alles zusammenhängt.

Besonders stark sind die Figuren gezeichnet. Juno, suchend und gleichzeitig entschlossen, trägt die Geschichte mit einer intensiven emotionalen Tiefe. Und auch die Perspektiven aus der Vergangenheit fügen sich nahtlos ein und geben der Handlung zusätzliche Wucht. Alles wirkt greifbar, nah und echt. Und dann, wenn man sich fast zu sehr in der trügerischen Ruhe eingerichtet hat, zieht das Tempo an. Die Puzzleteile fallen zusammen, die Spannung verdichtet sich – und das Finale trifft unerwartet, emotional und absolut stimmig. Ein Ende, das nachhallt.

Fazit:
„Die Touristin“ ist kein klassischer, rasender Thriller – und genau das macht den Reiz aus. Es ist eine dichte, atmosphärische Geschichte, die von Geheimnissen, Beziehungen und einer Insel lebt, die ihre eigenen Regeln zu haben scheint. Perfekt für alle, die sich verlieren wollen – in einer Geschichte, die leise beginnt und einen am Ende umso stärker packt.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Packend und raffiniert

Nummer 138
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Ein harmloser Straßenname wird zum Todesurteil. Was nach einem absurden Zufall klingt, entwickelt sich zu einem Albtraum, der sich quer durch die Vereinigten Staaten frisst – leise, systematisch und mit ...

Ein harmloser Straßenname wird zum Todesurteil. Was nach einem absurden Zufall klingt, entwickelt sich zu einem Albtraum, der sich quer durch die Vereinigten Staaten frisst – leise, systematisch und mit einer Kälte, die erschreckt. Häuser werden zu Fallen, Türen zu Schwellen des Todes. Niemand weiß, warum. Niemand ist sicher.
Aus diesem beklemmenden Szenario entspinnt sich ein Thriller, der kaum Zeit zum Atmen lässt. Kaum hat man das Gefühl, ein Muster zu erkennen, zerfällt es schon wieder in Unge-wissheit. Die Ermittlungen von Zoe Hill und Ben Walker wirken dabei weniger wie kontrol-lierte Polizeiarbeit als vielmehr wie ein verzweifeltes Hinterherjagen eines unsichtbaren Geg-ners – stets einen Schritt zu spät, stets im Schatten einer Logik, die sich nur langsam und auf verstörende Weise offenbart.
Was diesen Stoff so wirkungsvoll macht, ist nicht nur die rasante Handlung, sondern die unterschwellige Brutalität der Idee selbst: Beliebigkeit als Prinzip. Die Opfer verbindet nichts außer einer Adresse – und genau das macht die Bedrohung so allgegenwärtig. Der Leser wird in eine Welt geworfen, in der Misstrauen zur Überlebensstrategie wird und jeder Fremde potenziell den Tod bringt. Diese Atmosphäre ist dicht, beinahe klaustrophobisch, und lässt einen auch nach dem Zuklappen des Buches nicht sofort los.
Dabei verzichtet die Geschichte bewusst auf übermäßige psychologische Tiefe ihrer Figuren – ein Punkt, der kritisch gesehen werden kann. Doch genau diese Reduktion funktioniert überraschend gut: Die Charaktere sind keine überhöhten Helden, sondern funktionale Teile eines größeren, düsteren Puzzles. Besonders Zoe Hill sticht hervor – nicht, weil sie bis ins Detail ausgeleuchtet wird, sondern weil sie inmitten des Chaos eine greifbare, entschlossene Präsenz bleibt.
Der Erzählstil ist schnörkellos, direkt und darauf ausgelegt, Tempo zu erzeugen. Perspek-tivwechsel treiben die Spannung zusätzlich an, während geschickt platzierte Cliffhanger die Kapitelenden zu kleinen Abgründen machen, in die man nur zu gern weiter hineinstürzt. Es ist ein Buch, das man kaum aus der Hand, weil es einen regelrecht zwingt, Antworten zu suchen, die es lange verweigert.

Persönliches Fazit:
Am Ende bleibt ein Thriller, der nicht nur spannend, sondern auch verstörend aktuell wirkt. Ein Werk, das zeigt, wie schnell Ordnung in Paranoia kippen kann – und wie dünn die Linie zwischen Sicherheit und Chaos tatsächlich ist. Packend, raffiniert, aber auch unbequem. Genau das macht ihn so wirkungsvoll.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Packend, atmosphärisch und mit starken Figuren

Moorland. Die Zwillinge
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Wenn dichter Nebel über der Marsch liegt und Geheimnisse im Moor zu versinken drohen, beginnt ein Thriller, der einen kaum noch loslässt. Genau diese düstere Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch ...

Wenn dichter Nebel über der Marsch liegt und Geheimnisse im Moor zu versinken drohen, beginnt ein Thriller, der einen kaum noch loslässt. Genau diese düstere Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch und sorgt von der ersten Seite an für Gänsehaut.

Die Geschichte entfaltet sich in unterschiedlich langen Kapiteln – mal kurz und knackig, mal etwas ausführlicher. Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss, der das Tempo immer wieder variiert und die Spannung hochhält. Erzählt wird überwiegend aus der Perspektive von Kommissarin Malia Gold, was der Handlung eine besonders persönliche Note verleiht.

Malia ist eine Protagonistin, die sofort Sympathiepunkte sammelt. Ihre aufrichtige, warme Art macht sie unglaublich greifbar, gleichzeitig bringt sie genug Ecken und Kanten mit, um authentisch zu wirken. Besonders spannend fand ich ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte und wie ihre eigenen Herausforderungen immer wieder in die Ermittlungen hineinspielen. Das verleiht dem Thriller nicht nur Spannung, sondern auch viel Menschlichkeit.

Auch die Nebenfiguren bleiben nicht blass. Jede Person bringt ihre eigene Tiefe mit, was die Atmosphäre der verschworenen Gemeinschaft noch intensiver wirken lässt. Man spürt förmlich, dass hier jeder etwas zu verbergen haben könnte – genau das macht das Miträtseln so packend.

Der Schreibstil ist unverkennbar der von Andreas Winkelmann: flüssig, fesselnd und perfekt darauf ausgelegt, dass man „nur noch ein Kapitel“ lesen will – und plötzlich sind wieder 100 Seiten vorbei. Man findet schnell in die Handlung hinein, behält die Figuren mühelos im Blick und wird gleichzeitig von einer konstant steigenden Spannung durch die Geschichte getragen. Die düstere Stimmung, die bereits Cover und Klappentext versprechen, zieht sich bis zum Finale konsequent durch. Und auch das Ende hat es wirklich in sich: Alle wichtigen Fragen werden schlüssig beantwortet, gleichzeitig bleibt genug Raum für weitere Fälle rund um Malia Gold.

Fazit:
Genau so wünscht man sich den Auftakt einer neuen Reihe! Packend, atmosphärisch und mit starken Figuren. Winkelmann überzeugt mit diesem Start in allen Punkten und macht schon heute neugierig auf weitere Ermittlungen mit Malia Gold.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Ein genialer und ausgeklügelter Familienkrimi

Wem du traust
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Susanne und Eva sind beste Freundinnen. Sie vertrauen einander blind und sind gegenseitig für sich und ihre Kinder da. Als plötzlich Sofia, Susannes fünfzehnjährige Tochter verschwindet, ist nichts mehr ...

Susanne und Eva sind beste Freundinnen. Sie vertrauen einander blind und sind gegenseitig für sich und ihre Kinder da. Als plötzlich Sofia, Susannes fünfzehnjährige Tochter verschwindet, ist nichts mehr wie es war. Evas Mann hat sie nach Hause gefahren und ist somit der letzte, der Sofia gesehen hat. Schon bald zählt er genau deshalb zum Kreis der Verdächtigen. Eine Zerreißprobe für Evas Ehe und auch für ihre Freundschaft mit Susanne. Was steckt wirklich hinter Sofias Verschwinden? Lasst euch überraschen!
Ich habe dieses Buch weginhaliert wie nix! Denn die Story, die Petra Johann ihren Lesern präsentiert ist nicht nur genial und ausgeklügelt. Ich war von Anfang bis Ende gefesselt in einem Strudel, der mich immer wieder in seinen Bann gezogen hat.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Eine davon ist Eva und wir sind Zeuge ihrer Gedanken und Gefühle, nachdem ihr Mann als Verdächtiger im Vermisstenfall Sofia gilt. Ich empfand Eva als willensstark und selbstbewusst und habe sie schnell ins Herz geschlossen. Ihre innige Bindung zu Susanne und damit auch zu Sofia fand ich wunderschön. Die beiden Freundinnen sind wie Schwestern und geben sich gegenseitig Halt, obwohl sie nicht wissen können, ob sie der jeweils anderen wirklich trauen können. Auch Susanne war mir auf Anhieb sympathisch und mein Mutterherz hat ordentlich mitgelitten, als Sofia plötzlich verschwand.
Der Schreibstil von Johann ist mitreißend und lebhaft. Sie hält ihre Leser permanent auf Trab und überrascht immer wieder mit unvorhersehbaren Wendungen, die die komplette Story auf den Kopf stellen. Manno Mann! Mitunter wusste ich selbst nicht mehr, wem ich eigentlich noch trauen kann und wem nicht. Da macht der Buchtitel der Story wirklich alle Ehre!
Die Ereignisse im Schlussteil in Worte zu fassen ist geradezu unmöglich. Schlag auf Schlag, Seite für Seite gibt es wieder neue Überraschungen und Johann hat nicht nur meine ganzen Theorien zerschlagen, sondern mich mit ihrer Auflösung fassungslos, aber super zufrieden, zurückgelassen. Schade, dass das Buch zu Ende war – ich hätte noch ewig weiterlesen können!

Fazit:
Ein genialer und ausgeklügelter Familienkrimi, der mich von Anfang bis Ende in Schach gehalten hat. Unerwartete Wendungen haben mich immer wieder aus der Bahn geworfen und verwirrt zurückgelassen. Richtig coole Story, die ihr unbedingt gelesen haben solltet!

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Fesselnde und tiefgründige Lektüre

Devil's Deal
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Layla Faes „Devil’s Deal“ ist kein gemütliches Märchen. Es ist ein Strudel aus dunkler Poesie, uralter slawischer Mythologie und einer hitzigen Auseinandersetzung, die mit der Wucht eines Blitzschlags ...

Layla Faes „Devil’s Deal“ ist kein gemütliches Märchen. Es ist ein Strudel aus dunkler Poesie, uralter slawischer Mythologie und einer hitzigen Auseinandersetzung, die mit der Wucht eines Blitzschlags einschlägt und sofort in ihren Bann zieht. Hier betritt man einen verwunschenen, lyrischen Wald, dessen Pfade von Geistern, geflüsterten Flüchen und lebendigem Volksglauben gesäumt sind.

Im Zentrum dieses Dramas steht Jaga: eine junge Frau, deren Traum, die angesehene Heilerin ihres Dorfes zu werden, von misstrauischen Ältesten zunichte gemacht wird, die ihr das Amt nach dem Tod ihres Mentors verwehren. Ausgestoßen und in ihrer Isolation gefangen, ändert sich Jagas Leben während der Sommersonnenwende auf verhängnisvolle Weise. Sie gerät in den Bannkreis der Götter und begegnet Woland, dem Teufel selbst. Die Nacht, in der sie mit ihm tanzt, stellt ihre Existenz auf den Kopf.

Was folgt, ist eine unglaublich spannende, fesselnde und oft verstörende Achterbahnfahrt. Woland wird von Jaga besessen, und seine Anwesenheit bringt Leid und eine dunkle Magie in ihre Gemeinde. Die Rezensenten sind sich einig: Woland ist kein missverstandener Bad Boy aus der Romantasy-Schublade. Er ist ein launischer, mürrischer Alpha und ein regelrechter Idiot, der sich am Leid anderer weidet.

Die wahre Stärke der Geschichte liegt jedoch in Jaga. Sie ist eine toughe, fehlerhafte und zutiefst menschliche Heldin, die sich zur Wehr setzt. Trotz der Verführungsversuche, Drohungen und Manipulationen des Teufels weigert sie sich, ihre Seele preiszugeben. Dies ist keine Geschichte über eine süße, schnulzige Romanze; es ist eine düstere, verbotene Enemies-to-Lovers-Saga, deren wahre Magie in Jagas entschlossenem Kampf um ihre Autonomie und Identität liegt.

Layla Faes Schreibstil ist atmosphärisch und immersiv. Er lässt die reiche slawische Folklore – von Rusalka bis zur Hoffnung auf Baba Jaga – lebendig werden. Wer Dark Fantasy, düstere Pakte und eine Heldin sucht, die es wagt, sich dem Schicksal und dem Teufel persönlich entgegenzustellen, findet in „Devil’s Deal“ eine fesselnde und tiefgründige Lektüre. Es ist nicht nur ein Pakt, es ist die Rückeroberung des eigenen Lebens.

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