Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Spannende Ermittlungen im Berlin der Nachkriegszeit

Die weiße Nacht
0

Als die junge Fotografin Lou Faber im Schnee eine weibliche Leiche findet, verständigt sie die Polizei, doch sie schießt auch einige Fotos von der jungen Toten. Kriminalkommissar Alfred König übernimmt ...

Als die junge Fotografin Lou Faber im Schnee eine weibliche Leiche findet, verständigt sie die Polizei, doch sie schießt auch einige Fotos von der jungen Toten. Kriminalkommissar Alfred König übernimmt den Fall, so richtig voran kommt er aber erstmal nicht mit seinen Ermittlungen. Anfangs eher widerstrebend, doch zunehmend nimmt er Lous Gedanken über die Tote zur Kenntnis und ist auch an den Fotos interessiert, die die junge Fotografin geschossen hat. Noch ahnen die beiden es nicht, doch nur gemeinsam werden sie den Mordfall lösen.

Es ist der grimmig kalte Winter 1946, zwei Jahre nach Kriegsende in einem geteilten Berlin, wo vieles noch unklar ist und die Menschen vor allem nach Essen und Wärme suchen müssen, oft aber auch noch nach vermissten Personen wie auch nach einer Perspektive für die Zukunft. Schnell lässt die Autorin Anne Stern den Leser in die damalige Zeit eintauchen und miterleben, wie mühsam das Leben in diesem bitterkalten Winter war. Der Mordfall, dem noch weitere folgen werden, wirft die Ermittler zurück in eine düstere Vergangenheit, die jedoch dringend nach Aufklärung schreit. Sowohl Lou Faber wie auch Alfred König haben ihre eigene Geschichte, die ihre Handlungen beeinflusst. Zaghaft beginnt ihre Zusammenarbeit, doch der Leser weiß sehr schnell, wie gut die beiden sich ergänzen. Das ist sehr anschaulich dargestellt und hinterlässt noch weitere Fragen, die neugierig machen auf weitere Fälle dieses Ermittlerduos.

Mich hat dieser historische Kriminalroman nicht nur gut unterhalten können, sondern mich auch die düsteren Nachkriegsjahre nacherleben lassen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Herausfordernder Fall

Der Kuckucksjunge
0

In Kopenhagen verschwindet die geschiedene Mutter Silje Thomsen. Auf ihrem Handy entdecken die Ermittler einen Abzählreim sowie zum Schluss die Worte “Hab dich”. Kommissarin Naia Thulin findet Zusammenhänge ...

In Kopenhagen verschwindet die geschiedene Mutter Silje Thomsen. Auf ihrem Handy entdecken die Ermittler einen Abzählreim sowie zum Schluss die Worte “Hab dich”. Kommissarin Naia Thulin findet Zusammenhänge zum Fall einer 19-jährigen Schülerin, die auch solche Nachrichten erhielt, kurz bevor sie ermordet wurde. Und diese beiden Toten sind nur der Anfang einer Reihe von Menschen, die immer nach dem Abzählreim verschwinden...

Das Buch ist nach dem Erfolg des “Kastanienmanns” der zweite Thriller von Søren Sveistrup. Naia Thulin hat bereits im ersten Band der Reihe mit dem eher verschlossenen Ermittler Mark Hess zusammen gearbeitet, und eigentlich wollte sie das nicht wiederholen... Doch erneut findet sie sich in enger Zusammenarbeit mit ihm. So schwierig die Zusammenarbeit der beiden erscheint, ergänzen sie sich doch sehr gut in einem äußerst herausfordernden Fall. Die Geschichte, die zu den Morden führt, gibt lange Rätsel auf, wobei die Auflösung genial gestrickt ist. Das Privatleben der beiden Ermittler spielt eine große Rolle, man kann hier gut die Entwicklung der einzelnen Charaktere nachverfolgen. Viele Handlungsfäden lassen zunächst mal etwas Verwirrung aufkommen, doch schnell hatte ich mich hier zurechtgefunden und habe mitgerätselt, warum ein harmloser Kinderreim zu einem grausamen Tod führen kann.

Auch dieser Thriller hat mich bestens unterhalten können, wie schon sein Vorgänger. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Fälle mit Naia Thulin und Mark Hess.

Veröffentlicht am 20.03.2026

Ungeschönt und dabei äußerst einfühlsam

Narbenmädchen
0

Lara ist fünfzehn. Die nächsten vier Wochen wird sie wegen psychischer Probleme in einer Kurklinik verbringen. Sie ritzt sich regelmäßig, das verschafft ihr Erleichterung, wenn alles andere über ihr zusammenzubrechen ...

Lara ist fünfzehn. Die nächsten vier Wochen wird sie wegen psychischer Probleme in einer Kurklinik verbringen. Sie ritzt sich regelmäßig, das verschafft ihr Erleichterung, wenn alles andere über ihr zusammenzubrechen droht. Deshalb musste sie auch alle Rasierklingen gleich zu Beginn der Kur abgeben. Doch klammheimlich hat sie welche mit hineingeschmuggelt. Nichts in dieser Kur scheint wirklich zu helfen. Doch dann fangen Lara, Finn und Neo an, über den Grund ihres Kuraufenthaltes zu sprechen. Und das hilft mehr als alles andere...

Lara ist ein Mädchen, das sich mit psychischen Problemen herumschlägt. Anfangs weiß der Leser noch nicht in allen Einzelheiten, was der Hintergrund dazu ist, und mit Lara zusammen fühlt man, wie vergebens die Kur doch sein wird. Die drei jungen Menschen finden ihre Inseln, in denen sie sie selbst sein können. Das kann dann schon mal eine Sauferei sein, wobei die Jugendlichen schnell merken, wie wenig sinnvoll diese Aktion ist. Doch nach und nach gelingt es ihnen, tiefer ins Thema zu gleiten, und sie nehmen den Leser mit auf ihre Weiterentwicklung. Sehr gut kommt dabei heraus, wie verletzlich alle drei jungen Menschen sind. Die Geschichte wirkt sehr authentisch, insbesondere da sie aus Laras Sicht erzählt wird. Da schwingt vor allem anfangs auch viel Wut mit, ungefiltert und ungehindert, wie Lara sie selbst empfindet. Am Ende des Buches sind hilfreiche Adressen gelistet, für alle Leser, die selbst Hilfe brauchen.

Dieser ungeschönte Roman über psychische Probleme bei Jugendlichen überzeugt mit der Einfühlsamkeit, in der das Geschehen geschildert wird. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Faszinierende magische Welt

Die Chroniken von Mistle End 3: Der Untergang droht
0

Die entscheidende Schlacht um Mistle End steht an – und für die Welt der magischen Lebewesen, denn Crutch hat viele finstere Gestalten auf seine Seite gezogen, um Cedrik zu schlagen und die Macht über ...

Die entscheidende Schlacht um Mistle End steht an – und für die Welt der magischen Lebewesen, denn Crutch hat viele finstere Gestalten auf seine Seite gezogen, um Cedrik zu schlagen und die Macht über die gesamte Welt zu übernehmen. Der junge Druide hat bereits die Hilfe von seinen magischen Freunden Emily und Elliot, und zusammen mit den beiden bricht er auf, um weitere Hilfe zu ersuchen. Dabei findet er auch seine Mutter, die Baumnymphe, Tochter von Cerunnos, gebannt in einen Baum, so dass sie ihn nicht verlassen kann. Crutch aber zeigt sich nicht nur erbarmungslos in seinen Vorbereitungen für den Kampf, sondern auch findig in der Suche nach dunklen Verbündeten. Wird es Cedrik gelingen, die Schlacht für sich und für den Erhalt der magischen Welt zu entscheiden?

Das Buch ist der dritte Band der Chroniken von Mistle End und damit der Abschluss dieser Geschichte. Wieder einmal taucht der Leser in die Welt von Mistle End ein, Refugium für magische Wesen. Hier wimmelt es von Hexen, Trollen, Gestaltwandlern und noch vielem mehr, und jeder von ihnen hat seine Begabung. Einige Mythen über alte Götter sind in die Geschichte eingebaut, verbunden mit einer Prophezeiung, die schwer zu deuten ist und eigentlich erst nach all den Ereignissen wirklich Sinn ergibt. Das zu entdecken, ist äußerst faszinierend beschrieben. Spannend ist es auch, die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen. Und obwohl diese Trilogie endet, gibt es bereits eine Fortsetzung in der Reihe über den Druiden von Mistle End, da bin ich schon sehr darauf gespannt.

Der Abschluss der Trilogie hat mich mit seiner magischen Welt von Anfang an begeistern können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Voll ins Schwarze getroffen

Amokalarm
0

H.C. Nachtnebel ist mit seinen sechzehn Jahren Schüler auf einem Gymnasium. Während er ein absolutes Mathegenie ist, tut er sich in anderen Fächern schwer. Nach einem Verlust ist er tief traumatisiert. ...

H.C. Nachtnebel ist mit seinen sechzehn Jahren Schüler auf einem Gymnasium. Während er ein absolutes Mathegenie ist, tut er sich in anderen Fächern schwer. Nach einem Verlust ist er tief traumatisiert. Wie alle Jugendlichen sucht er er seinen Platz im Leben. Als die neue Schülerin Keira auftaucht, ist er voll von ihr fasziniert, erlebt die erste Liebe. Doch dann kippt alles, so dass für ihn nur noch ein Ausweg bleibt: ein Amoklauf.

Dieser Coming-of-Age-Roman spiegelt so sehr die Welt der Jugendlichen und ihrer Themen wieder, dass ich von der ersten Seite an voll auf H.C.s Seite war. Klar wollte ich wissen, wie er in eine solch fatale Lage gekommen ist, war dies doch nicht vom Anfang der Geschichte an zu ersehen. Der Autor Uli Black taucht tief in das Erleben der Jugendlichen ein, einschließlich der Jugendsprache, dass ich als Mutter von Teenies und als Sozialarbeiterin nur sagen kann: voll ins Schwarze getroffen. Die Mischung aus Suche nach der eigenen Identität, Erleben der ersten Liebe, aber auch die Selbstgefälligkeit der Lehrer an der Schule bis hin zum Machtmissbrauch führt H.C. zu einer völligen Überforderung, so dass er nur noch einen Ausweg sieht – scheinbar hat er ja nichts zu verlieren... Während die Lehrer an der Schule im besten Fall wegsehen und vor lauter Lehrstoff die Teenies übersehen, teilweise bewusst, teilweise unbewusst, zeigt uns dieses Buch, wie fragil die Jugendlichen in diesem Alter sind und wieviel Halt sie noch bis zum Erwachsensein brauchen. H.C. erzählt seine Geschichte selbst, so dass er völlig authentisch wirkt.

Dieses Buch sollte nicht nur eine Geschichte für Teenies sein, sondern Pflichtlektüre für alle, die mit Teenies zu tun haben: für Eltern, Lehrer, Therapeuten, Sozialarbeiter usw. Es öffnet die Augen für all das, was man bei Teenies übersieht. Ich empfehle das Buch unbedingt weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.