Eine Frau weigert sich, den Tod ihres Geliebten zu akzeptieren – und hält ihn um jeden Preis fest.
BleibAdeline Dieudonnés Roman Bleib ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach so liest. Schon nach wenigen Seiten schwankte ich zwischen Erstaunen und Entsetzen. Es ist genau diese emotionale Zerrissenheit, ...
Adeline Dieudonnés Roman Bleib ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach so liest. Schon nach wenigen Seiten schwankte ich zwischen Erstaunen und Entsetzen. Es ist genau diese emotionale Zerrissenheit, die das Buch so eindringlich macht.
Die Atmosphäre ist zugleich vertraut und zutiefst verstörend. Und die Sprache der Autorin ist klar, fast nüchtern – und gerade dadurch entfaltet sie eine enorme Kraft. Szenen, die in einem anderen Kontext vielleicht banal wirken könnten, kippen hier ins Abgründige. Immer wieder habe ich mich gefragt: Wie kommt man auf die Idee, so eine Geschichte zu erzählen? Und noch mehr: Wie schafft man es, sie so kompromisslos umzusetzen? Menschliche Abgründe kommen hier zum Vorschein, die man eigentlich nicht haben möchte. Es ist kein angenehmes Lesen, aber ein intensives.
Der Roman ist verstörend, zeigt aber auch, wie Literatur Grenzen überschreiten kann.
Am Ende bleibt man mit der Frage zurück, ob man das Gelesene bereut oder gerade deshalb schätzt. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Ich war selten so hin- und hergerissen zwischen Erstaunen und Fassungslosigkeit.