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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine Frau weigert sich, den Tod ihres Geliebten zu akzeptieren – und hält ihn um jeden Preis fest.

Bleib
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Adeline Dieudonnés Roman Bleib ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach so liest. Schon nach wenigen Seiten schwankte ich zwischen Erstaunen und Entsetzen. Es ist genau diese emotionale Zerrissenheit, ...

Adeline Dieudonnés Roman Bleib ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach so liest. Schon nach wenigen Seiten schwankte ich zwischen Erstaunen und Entsetzen. Es ist genau diese emotionale Zerrissenheit, die das Buch so eindringlich macht.

Die Atmosphäre ist zugleich vertraut und zutiefst verstörend. Und die Sprache der Autorin ist klar, fast nüchtern – und gerade dadurch entfaltet sie eine enorme Kraft. Szenen, die in einem anderen Kontext vielleicht banal wirken könnten, kippen hier ins Abgründige. Immer wieder habe ich mich gefragt: Wie kommt man auf die Idee, so eine Geschichte zu erzählen? Und noch mehr: Wie schafft man es, sie so kompromisslos umzusetzen? Menschliche Abgründe kommen hier zum Vorschein, die man eigentlich nicht haben möchte. Es ist kein angenehmes Lesen, aber ein intensives.

Der Roman ist verstörend, zeigt aber auch, wie Literatur Grenzen überschreiten kann.
Am Ende bleibt man mit der Frage zurück, ob man das Gelesene bereut oder gerade deshalb schätzt. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Ich war selten so hin- und hergerissen zwischen Erstaunen und Fassungslosigkeit.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Leider anders, als erwartet

Das Buch der verlorenen Stunden
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„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist ein mutiger Roman voller Magie, Geheimnisse und zwischenmenschlicher Spannungen und mit einer Idee, die fasziniert. Aber der Anspruch, Fantasy, Geschichte, Politik ...

„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist ein mutiger Roman voller Magie, Geheimnisse und zwischenmenschlicher Spannungen und mit einer Idee, die fasziniert. Aber der Anspruch, Fantasy, Geschichte, Politik und Liebesgeschichte zu verbinden, führt nicht durchgehend zu einem stimmigen Ergebnis.

Mir fiel sofort die hohe Brutalität auf, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht.
Das mag Spannung erzeugen, doch es wirkt schnell übertrieben und unnötig drastisch. Anstatt über psychologische Tiefe zu fesseln, setzt der Roman auf Schockmomente.

Ein weiterer Punkt ist die ausufernde politische Ebene. Während politische Hintergründe in Fantasy ohnehin oft wichtig sind, wirken sie hier stellenweise erdrückend.

Der Mix aus Fantasy, historischem Hintergrund, Liebesgeschichte, Agenten/Spionage sowie magischem Setting wirkt bisweilen etwas aufgesetzt: Manchmal scheint das Buch zu viele Genre-Bausteine auf einmal verwenden zu wollen. Das kann den Eindruck erwecken, das Buch wolle zu viel auf einmal — und nehme dafür Tiefe in anderen Bereichen in Kauf.

Die Grundidee des Buches – die Verbindung von Magie mit persönlichen Verlusten und dem Umgang mit der Vergangenheit – ist spannend. Doch sie wird durch die Kombination aus Härte und politischer Komplexität überlagert.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Ein Reaktor außer Kontrolle, ein Wettlauf gegen die Zeit

Reaktor
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In „Reaktor“ handelt es sich um ein hochaktuelles und brisantes Thema: die Gefahr durch einen nuklearen Zwischenfall. Die Grundidee weckt Neugier, aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Der ...

In „Reaktor“ handelt es sich um ein hochaktuelles und brisantes Thema: die Gefahr durch einen nuklearen Zwischenfall. Die Grundidee weckt Neugier, aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Der Schreibstil ist angenehm direkt und flüssig, was das Buch leicht zugänglich macht. Man kommt schnell voran, ohne sich in komplizierten Konstruktionen zu verlieren. Leider entfaltet sich die Spannung sehr zögerlich. Viele Handlungselemente folgen einem bekannten Thriller-Muster, wodurch der Plot recht vorhersehbar wirkt.
Zwar wird ein solides Grundtempo aufgebaut, doch echte Höhepunkte oder überraschende Wendungen gibt es kaum.

Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass sich das Buch mühelos lesen lässt und für Zwischendurch gute Unterhaltung bietet. Wer einen unkomplizierten, aktuellen Thriller für zwischendurch sucht, wird auf seine Kosten kommen.

Wer Thriller mit mehr psychologischer Tiefe, dichter Atmosphäre oder originellen Ideen sucht, wird hier vermutlich enttäuscht.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Voller Wortwitz

Es rappelt in der Kiste
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Ein Krimi, bei dem man merkt: Der Autor kommt aus der Kinder- und Jugendliteratur – und das ist keineswegs negativ gemeint. Die Figuren sind herrlich überzeichnet, fast wie aus einem satirischen Theaterstück ...

Ein Krimi, bei dem man merkt: Der Autor kommt aus der Kinder- und Jugendliteratur – und das ist keineswegs negativ gemeint. Die Figuren sind herrlich überzeichnet, fast wie aus einem satirischen Theaterstück entsprungen, und die Handlung nimmt immer wieder groteske Wendungen. Dabei musste ich tatsächlich öfter laut lachen, denn viele Szenen sind urkomisch, die Dialoge spritzig, und die Einfälle so absurd, dass man sich dem Charme kaum entziehen kann.

Zugegeben, für meinen Geschmack driftet das Ganze manchmal etwas zu sehr ins Klamaukige ab, mit einer kräftigen Portion Slapstick. Die eigentliche Geschichte gerät dabei stellenweise etwas in den Hintergrund. Und ja – ein bisschen mehr erzählerische Zurückhaltung hätte dem Ganzen an manchen Stellen gutgetan.

Aber: Wer schrägen Humor liebt, Freude an überdrehten Figuren hat und Lust auf einen Krimi der ganz anderen Art verspürt, wird hier bestens unterhalten. Ein herrlich abgedrehter Lesespaß mit viel Witz, Tempo und Situationskomik. Ich hatte auf jeden Fall viel zu lachen!

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Die Abgründe der menschlichen Seele

Schattenwald
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„Schattenwald“ ist bereits der achte Band der Anton-Brekke-Reihe des norwegischen Autors Jan-Erik Fjell – für mich jedoch die erste Begegnung mit seinem Werk. Der Krimi entführt den Leser in eine Welt ...

„Schattenwald“ ist bereits der achte Band der Anton-Brekke-Reihe des norwegischen Autors Jan-Erik Fjell – für mich jedoch die erste Begegnung mit seinem Werk. Der Krimi entführt den Leser in eine Welt voller ungelöster Rätsel und Parallelen zu längst vergangenen Verbrechen.

Im Mittelpunkt steht ein junger Ermittler, der sich mit einem besonders verstörenden Fall konfrontiert sieht. Um Licht ins Dunkel zu bringen, bittet er seinen ehemaligen Kollegen um Hilfe – einen spielsüchtigen Ex-Polizisten, der nach einem traumatischen Erlebnis den Dienst quittiert hat und nun als Sozialarbeiter tätig ist. Widerwillig kehrt dieser in die Ermittlungen zurück, doch je tiefer er gräbt, desto mehr verstricken sich die Spuren.

Fjell versteht es, verschiedene Handlungsstränge zunächst unabhängig voneinander zu verweben, bis sie schließlich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenlaufen. Der flüssige Stil und die kurzen Kapitel sorgen für ein hohes Erzähltempo. Immer wieder lockt der Autor den Leser auf falsche Fährten – dennoch bleiben einige Entwicklungen vorhersehbar.

In der Mitte des Romans verlor die Geschichte für mich an Reiz; die Spannung flaute ab, und ich legte das Buch für eine Weile zur Seite. Doch das überraschende Finale entschädigte für die Längen.

„Schattenwald“ ist ein atmosphärischer Krimi, der sich den dunklen Abgründen der menschlichen Seele widmet – packend, wenn auch mit Schwächen. Empfehlenswert für Fans skandinavischer Thriller, die psychologische Tiefe ebenso schätzen wie raffiniert konstruierte Fälle.

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