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Veröffentlicht am 23.04.2026

Wo das Leben einfach schmeckt

Sommerwind in der Toskana
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Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im ...

Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im schönen Süden.

Lebendig und voller bunter Bilder erzählt Karin Seemayer aus den Blickwinkeln von Laura und Luca, schildert die beeindruckende Landschaft der Toskana in leuchtenden Farben und bringt in Nonna Marias Küche die köstlichsten Speisen auf den Tisch. Wer bekommt kein Fernweh, wenn nussiges Olivenöl auf frisches Brot trifft, wenn saftige Marillen und satter Wein um die Wette strahlen? Wo das Leben einfach schmeckt, da findet Laura spannende Aufgaben, denen sie sich gerne widmet und wie von selbst ihre Werteskala neu ordnet. Der verschmitzt lächelnde Luca, den sie schon aus Sommerurlauben in Kindertagen kennt, lässt die junge Deutsche ebenfalls nicht kalt.

Ruhig und einfühlsam kommen die übersichtlich kurz gehaltenen Kapitel daher, bringen ohne großes Aufhebens Änderungen und Neuerungen mit und üben genau dadurch einen ungeahnten Sog beim Lesen aus. Naturverbundenheit und Familiensinn sind spürbar echt, die Figuren realistisch und glaubwürdig. Egal, ob man die Toskana bereits kennt oder nicht, spätestens nach dieser virtuellen Reise möchte man tatsächlich in die Ferne schweifen.

Ein stimmungsvoller Roman, der durch Ruhe und Geradlinigkeit überzeugt. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Im Miethaus

Stunden wie Tage
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In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken ...

In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken und der jüdische Hausbesitzer flüchtet, übernimmt Martha E. die Verantwortung für das Haus und kümmert sich um die zurückbleibende Tochter Liane.

Nüchtern im Schreibstil und dennoch berührend, so begegnet man dieser Geschichte, welche zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Wir begleiten Martha über mehrere Jahrzehnte, lernen sie in unterschiedlichen Situationen kennen. Die nach außen hin oft hart und forsch wirkende Frau hat jedoch ein weiches Herz, weshalb sie sich auch während der Kriegsjahre um ihre Nachbarn kümmert. Mit leisen Tönen wird die schreckliche Zeit geschildert, wenige Figuren stehen im Mittelpunkt und stellvertretend für viele ähnliche Schicksale. Die Zeit nimmt ihren Lauf, der Krieg ist zu Ende und Martha ist immer noch auf ihrem Hausbesorgerposten, selbst in der Rente streift sie armselig und unauffällig durch die Gassen. Was sie in all den Jahren gesehen und erkannt hat, bleibt lange ein Geheimnis.

Knapp an Seiten und dennoch mit so vielen Details erzählt Shelly Kupferberg nach eingehender Recherche aus einer düsteren Zeit, schildert das Leben von Menschen, die wie du und ich gewesen und plötzlich mit unfassbarem Leid konfrontiert worden sind. Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 16.04.2026

Zwischen den Welten

Der Fährmann
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1900: Zwischen Österreich und Deutschland bewegt sich Fährmann Hannes ständig hin und her, bringt seine Fahrgäste sicher über die Salzach von einem Land ins andere. Seit seiner Kindheit ist er befreundet ...

1900: Zwischen Österreich und Deutschland bewegt sich Fährmann Hannes ständig hin und her, bringt seine Fahrgäste sicher über die Salzach von einem Land ins andere. Seit seiner Kindheit ist er befreundet mit Elisabeth und Annemarie, heiraten darf er aber keine von beiden, ist einem Fährmann doch eine eigene Familie verboten. Elisabeth wird nach elterlichem Rat Josef Steiner versprochen, jedoch hat auch Annemarie ein Auge auf den jungen Bauern geworfen.

Mit einem kursiv gedruckten Abschnitt beginnt das Buch und mit ihm der Weg zwischen die Welten, zwischen Wasser und Land, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse. Fast poetisch fühlt sich die Beschreibung der tanzenden Flussläufe an, droht ein Unglück die Fluten zu besudeln. Weitere ähnliche Einschübe untermalen den nun folgenden Roman selbst, der sich ebenfalls auszeichnet durch sprachliches Geschick und einen erzählerischen Ton, welcher mit seinen mundartlichen Ausdrücken gut ins ländliche Milieu der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg passt. Eine durchgehend düstere Atmosphäre begleitet die Jahre im beginnenden 20. Jahrhundert, spiegelt die patriarchalischen Strukturen gekonnt wider und lässt die Frauen zu den eigentlichen Helden der Geschichte werden. Für den Leser ist es mitunter schwer zu ertragen, wenn von (häuslicher) Gewalt die Rede ist, aber so lebensfern dürften die Geschehnisse leider nicht sein. Durch die detaillierten Beschreibungen gelingt das Eintauchen in die fremde Welt besonders gut, werden die Figuren plastisch und ihre Art zu handeln stets nachvollziehbar. Die eng miteinander verknüpften Schicksale spitzen sich im Laufe der Zeit in ihrer Dramatik zu, das Ende gleicht einem Paukenschlag.

Sprachlich großartig, inhaltlich bedrückend – wer sich von ernsthaften Themen nicht abschrecken lässt, wird vom Fährmann begeistert sein.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Borkum - einst und jetzt

Ruf der Wellen
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Um eine Doktorarbeit über die wandernden Ostfrieseninseln zu schreiben, reist Helen nach Borkum. Dort lernt sie nicht nur freundliche Einheimische kennen, sondern erfährt auch einige interessante Anekdoten ...

Um eine Doktorarbeit über die wandernden Ostfrieseninseln zu schreiben, reist Helen nach Borkum. Dort lernt sie nicht nur freundliche Einheimische kennen, sondern erfährt auch einige interessante Anekdoten über die Geschichte des Eilands.

Schon zu Beginn, bei Helens Überfahrt mit der Fähre von Emden nach Borkum im Jahre 2025, geht es dramatisch zu auf den Wellen, welche bereits 1855 eine ungeahnte Tragödie heraufbeschworen haben. Die damalige Flut hat nicht nur Häuser und Fischerboote zerstört, sondern auch Menschenleben mit sich gerissen und Hunger und Leid unter den Überlebenden ausgelöst. Generationen später sind die Narben davon immer noch spürbar. Mit viel Liebe zum Detail und bildreichen Beschreibungen erzählt Anna Jessen diese wundervolle Geschichte vom Leben in und mit der Natur, von gewaltigen Stürmen und heranbrandenden Wellen und vom Zusammenhalt der Menschen in der Not. Die beiden Zeitebenen sind auf spannende Weise miteinander verquickt, die abwechselnden Blickwinkel bringen Schwung in die eher ruhige Darstellung der Handlung. Sowohl einst als auch jetzt begegnen wir mutigen Figuren, welche vor wichtigen Entscheidungen stehen. Da wie dort stehen Lebenswege vor einem Umbruch, dessen Auswirkungen man nicht vorhersehen kann. Das Ende lässt natürlich noch einiges offen, handelt es sich doch um den ersten Band eines Mehrteilers. Die Neugierde ist jedenfalls geweckt.

Ein schöner Start der Borkum-Reihe, empathisch erzählt und realistisch dargestellt. Ich reise bei der Fortsetzung gerne wieder mit in die mitunter recht stürmischen Gefilde Ostfrieslands.


Veröffentlicht am 11.04.2026

Tankstellennächte

Giftiger Grund
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Drei junge Männer überfallen eine Tankstelle und werden zu entsprechenden Haftstrafen verurteilt. Am längsten, nämlich knapp sieben Jahre, sitzt Joran, der nun endlich freikommt und ein neues Leben beginnen ...

Drei junge Männer überfallen eine Tankstelle und werden zu entsprechenden Haftstrafen verurteilt. Am längsten, nämlich knapp sieben Jahre, sitzt Joran, der nun endlich freikommt und ein neues Leben beginnen will. Allerdings holt ihn die Vergangenheit schneller ein als er sich das vorstellen kann.

Ein so außergewöhnlicher wie fesselnder Kriminalroman ohne Ermittlerteam verbirgt sich hinter dem passenden giftgrünen Titelbild. Drei einander fremde Personen treffen unter sonderbaren Umständen aufeinander, kommen in mehreren Nächten an eine verlassene Tankstelle, einen Lost Place. Dabei handelt es sich um eine Influencerin, ein kleines Mädchen und um Joran selbst. Makaberer Nachbar in einem alten Schacht nebenan ist eine Leiche … Regelmäßige, aber stets übersichtliche, Blickwechsel bringen Kurzweil und Schwung in die Handlung, die selber aus gar nicht viel besteht, aber dennoch eine breite Themenpalette aufweist. Auch wenn die Figuren ein tristes Bild abgeben, wirken sie authentisch und glaubwürdig in ihren widrigen Lebensumständen. Möglicherweise ist es der bedrückende Unterton, welcher nicht bei allen Lesern gut ankommt, mir hingegen gefällt diese Stimmung gut, spiegelt sie doch die Gefühlswelt der Protagonisten perfekt wider. Besonders gelungen ist die Verknüpfung der drei Lebenswege, die einander hier kreuzen und eine Kaskade an Geschehnissen auslösen. Das Ende ist – wie bereits bei „Gudelia“ – eine gekonnte Auflösung aller losen Erzählstränge und eine gelungene Überraschung.

Ein Kriminalroman, wie man ihn noch nicht gelesen hat. Wer das Außergewöhnliche sucht mit vielen Grauschattierungen zwischen Schuld und Schicksal, der wird mit dieser Tankstellengeschichte bestimmt seine Freude haben. Von mir kommt jedenfalls eine Empfehlung.