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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

TRIGGERWARNUNG. Wichtige, ernste Themen aus der Perspektive eines Mittäters

Death. Life. Repeat.
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Uff. Death. Life. Repeat. ist ein Buch, das erst einmal verdaut werden muss. Eine Triggerwarnung zu den Themen verbale und körperliche Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen, Vergewaltigung und toxische Männlichkeit ...

Uff. Death. Life. Repeat. ist ein Buch, das erst einmal verdaut werden muss. Eine Triggerwarnung zu den Themen verbale und körperliche Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen, Vergewaltigung und toxische Männlichkeit ist angebracht. Auch exzessiver Alkohol- und Drogenkonsum auf Partys kommen im Buch vor, darüber hinaus gewaltvolle Tode unterschiedlicher Art.

Es gibt vieles, was Death. Life. Repeat. von den Büchern unterscheidet, die ich normalerweise lese.
Als erstes fällt mir das Lesemotiv ein: ich lese im Normalfall zur Entspannung, zum Abschalten vom Alltag. Death. Life. Repeat. lässt das nicht zu.
Dann ist da die Erzählform, im Präsens aus der Ich-Perspektive eines Mitschuldigen. Alles Erzählte geschieht genau jetzt, während ich es lese. Im Gegensatz zur Vergangenheitsform, in der die meisten Bücher geschrieben sind, die ich sonst lese, wirkt dadurch alles sehr unmittelbar, distanzlos. Bedrückend.
Und schließlich enthält Death. Life. Repeat. abgesehen von der Zeitschleife keine Fantasy-Elemente, sondern nichts als die schonungslose Realität.

Die ersten paar Kapitel erinnerten mich an Bücher, die ich während meiner Schulzeit lesen musste (die Betonung liegt auf „musste“): trocken, gelangweilt, abgestumpft, stellenweise abstoßende „Jugendsprache“. Deshalb vergingen auch einige Wochen, bevor ich mich zum Weiterlesen aufraffen konnte. Und obwohl dieses Gefühl von Schullektüre, von einem Jugendbuch, das dringend eine Botschaft vermitteln will, bis zum Ende nicht verflog, gefiel es mir zum Ende hin etwas besser. Nachdem ich verstanden hatte, wie diese Geschichte aufgebaut ist, wie sie funktionieren soll.

Die Botschaft ist klar und deutlich: Übergriffe, Missbrauch und – im Klartext – Vergewaltigungen sind Realität. Darüber zu schweigen löscht diese Wahrheit nicht aus. Und neben den Tätern müssen nicht die Mädchen und Frauen, die meist als Betroffene oder Opfer dastehen, zur Verantwortung gezogen werden, sondern die Jungs und Männer, die die Anzeichen übersehen (wollen) oder gar in vollem Bewusstsein wegschauen.

Obwohl es auch für die Hauptfigur James Spencer mehr als eine Frau braucht, um ihn mit der Nase auf den Kern des Problems zu stoßen, erkennt er am Ende seine eigene Schuld und die Konsequenzen seiner Taten – und die Konsequenzen, die aus seinem Nichtstun entstanden. Der mühsame Weg zu dieser Erkenntnis, der von der Autorin in Form einer Zeitschleife und der ständigen Wiederholung eines einzelnen Tages dargestellt wird, ist auch für mich als Leserin mühsam und anstrengend gewesen.

An einigen Stellen wollte ich Spencer am Nacken festhalten und seinen Kopf in die richtige Richtung drehen, in anderen Momenten dachte ich, jetzt muss der Junge es doch verstanden haben! Aber nein, die gesellschaftliche Sozialisierung, also die Macht der Gewohnheit, war stärker. So frustrierend das als Leseerlebnis auch war – in der Realität sieht es eben genau so aus: Es sind immer die anderen. Nie kann Mann sich vorstellen, dass die eigenen Freunde etwas so Schreckliches tun würden. Und schon gar nicht würde man selbst irgendwelche Grenzen überschreiten. Sie wollten das doch. Hey, lach doch mal!

Es war stellenweise schwer, einfach weiterzulesen. Ich verstehe, was die Autorin mit ihren Dialogen, Chatverläufen und Gedanken von Spencer erreichen will, und meiner Meinung nach hat sie das zumindest bei mir auch geschafft. Genau das ist aber auch der Grund, weshalb ich keinen Spaß beim Lesen hatte und mich durchgehend richtig schlecht gefühlt habe.
Ich glaube, wenn jemand beim Lesen von Death. Life. Repeat. auch nur einen Funken Freude empfindet, ist das ein deutliches Signal, den eigenen moralischen Kompass unter die Lupe zu nehmen.

Technisch gut gemacht fand ich die Zeitschleifen. Sie repräsentieren für mich das ständige Überdenken, ob eine einzelne andere Entscheidung irgendetwas an dem schlimmen Ausgang eines Abends geändert hätte. Was wäre gewesen, wenn? Hier wird dieses Gedankenkarussell nun zur Abwechslung einmal nicht dem Opfer eines Übergriffs, sondern einem Mitschuldigen bzw. Mitläufer des Schuldigen in den Kopf gesetzt.

Dass es Bücher wie Death. Life. Repeat. schwer haben, das richtige Publikum zu erreichen und die erhoffte Botschaft erfolgreich zu vermitteln, dafür bin ich selbst mit meinem ersten Instinkt aus „Oh, das liest sich wie eine Schullektüre – davon brauche ich erst einmal eine Pause!“ das beste Beispiel. Und das, obwohl meine letzte Schullektüre schon fast 10 Jahre her ist. Ich denke dabei auch an Bücher wie Wie du mich siehst von Tahereh Mafi, das ich lange nach meiner Schulzeit gelesen habe und noch immer so wichtig finde.
Deshalb hoffe ich, dass einige Jungen und junge Männer Death. Life. Repeat. lesen und verstehen – und dabei ihr eigenes Umfeld und ihre eigene Verantwortung überdenken.

Noch einmal: es machte mir keine Freude, Death. Life. Repeat. zu lesen, deshalb sieht meine Rezension entsprechend aus. Aber das Buch ist handwerklich gut gemacht und es vermittelt erfolgreich eine wichtige Botschaft. Hut ab.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Über dieses Buch musste ich länger nachdenken

Der Spiegel des Drachen - Weltenwandel
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Es fiel mir anfangs etwas schwer, mich in Der Spiegel des Drachen – Weltenwandel hineinzufinden, aber nachdem ich ein Gefühl dafür bekommen hatte, aus wessen Perspektive ein Kapitel erzählt wird und was ...

Es fiel mir anfangs etwas schwer, mich in Der Spiegel des Drachen – Weltenwandel hineinzufinden, aber nachdem ich ein Gefühl dafür bekommen hatte, aus wessen Perspektive ein Kapitel erzählt wird und was diese Personen ausmacht, war ich ziemlich schnell gefesselt. Ich mag die Idee der Weltenfresser und sehe viel Potenzial, noch mehr aus diesem Universum herauszuholen – auch, weil die Schreibweise so gut zur Geschichte passt. Es ist fast ein bisschen schade, dass die Geschichte nach diesem einen Band fertig erzählt ist.

Aber so gut es mir auch gefällt, dass aktuelle Diskurse und reale gesellschaftliche Probleme (Feminismus, Macht-Ungleichheiten, Tierschutz und allem voran die Klimakrise) ihren Weg in diese Geschichte finden, hat es mich doch stellenweise etwas aus der Story gerissen. Denn während sich der Großteil der Welt eher mittelalterlich anfühlte, wirkte die Art, wie diese Elemente erzählt wurden, zwar nicht total fehl am Platz, aber doch etwas zu modern.

Andererseits: Wer sagt, dass mittelalterliche Fantasy, in der ein Königshaus regiert, Assassinen ihre eigenen Ideen auch gern gewaltvoll durchsetzen und man sich auf die Suche nach einem Drachen macht, nicht auch Frauenrechte oder Klimathemen behandeln darf? Ich glaube, dass diese Autorin mit noch etwas mehr Übung richtig gute Ideen mit fast unmerklich eingeflochtenen Lehren umsetzen wird, ohne die jetzt noch etwas holprig wirkenden Bildungsmomente zwischendurch.

Kommen wir zu unseren Helden. Die vier ungleichen Gefährten brechen in Der Spiegel des Drachen wie auch Tolkiens Abenteurer auf zu einer gefährlichen Reise, wobei sie nicht nur das große Ganze im Blick behalten, sondern auch erst einmal als Gruppe zueinander finden müssen. Dabei kommen ihre sehr unterschiedlichen Charaktere schön zur Geltung.

Bis zum Ende war mir nicht ganz klar wie alt die Figuren eigentlich sind. Dadurch öffnet sich diesem Buch ein großes Zielpublikum. Auch, weil auf übermäßige Erotik oder, das andere Extrem, übermäßig „gewollt jugendliche“ (unreife) innere Monologe verzichtet wurde. Meiner Meinung nach können hieran fünfzehnjährige Leser*innen genauso Freude finden wie fünfunddreißigjährige.

Obwohl in Der Spiegel des Drachen die Handlung immer wieder neue Bogen schlug, sich immer wieder steigerte und immer neue Handlungsstränge dazu kamen (ich schließe mich der Rezension von Thomas S. auf NetGalley an, dass ein zweiter Band absolut möglich wäre), bleibt die Erzählweise doch überwiegend unaufgeregt. Ich war neugierig, was als nächstes passiert, und wurde das eine oder andere Mal von einer Wendung überrascht, und doch war es für mich eher ein gemütliches Lesen als ein hektisches Inhalieren.

Mir hat Der Spiegel des Drachen. Weltenwandel richtig gut gefallen und ich werde definitiv die Augen offen halten nach neuen Büchern von April Wynter.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Rezension über Band 1 und 2

Kirschroter Sommer
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Als ich einen Gutschein für einen online-Gebrauchtbuchhändler geschenkt bekommen habe sind mir Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter aufgefallen. Nicht mehr ganz neu, aber mit einem vielversprechenden ...

Als ich einen Gutschein für einen online-Gebrauchtbuchhändler geschenkt bekommen habe sind mir Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter aufgefallen. Nicht mehr ganz neu, aber mit einem vielversprechenden Klappentext. Ich wurde neugierig, wie sehr sich New Adult in den letzten paar Jahren verändert hat – vor allem, da diese Bezeichnung damals auf dem deutschen Buchmarkt noch gar nicht so geläufig war.

In dieser Rezension gehe ich auf meine Meinung zu beiden Bänden ein, sodass es keine Spoiler für den zweiten Band Türkisgrüner Winter gibt. Klappentext, inhaltliche Beschreibungen und auch die kurzen Meinungen anderer Rezensent:innen am Ende des Beitrags beziehen sich deshalb nur auf Band 1.

Erwartet habe ich einen sehr kitschigen Collegeroman voller Klischees und eine halbwegs überzeugende Handlung. Kurz: Meine Ansprüche an diese beiden Bücher waren gering und ich war auf Enttäuschung eingestellt. Warum? Weil schon viele Bücher, die sich in erster Linie an junge Frauen richten und von deutschen Autor:innen geschrieben wurden, bei mir diese Eindrücke hinterlassen haben. Insbesondere Bücher, die in den späten 1990ern und frühen 2000ern veröffentlicht wurden, sind (sofern mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt) oft betont mädchenhaft, wollen ganz dringend über irgendetwas belehren und am besten noch Verhütungsmittel- oder Zigarettenwerbung machen. Ich war also neugierig, aber auch sehr skeptisch.

Deshalb war ich nicht überrascht, als der Anfang sich etwas schleppend las. Doch schon nach drei oder vier Kapiteln zog die Handlung an und es wurde kontinuierlich besser. Der Schreibstil ist großartig zu lesen und die Figuren realistisch: teilweise komplex und mit Tiefgang, aber doch mit so einigen Klischees bestückt. Es gibt zum Beispiel den sexy Typ, der eigentlich nett und tiefgründig ist, obwohl man Oberflächlichkeit erwartet und die tollpatschige Leseratte mit kleiner Körbchengröße und großer Bodenständigkeit.

Die Handlung ist unterhaltsam, enthält aber auch Szenen, die einen wirklich Schlucken lassen, wenn es doch mal ernst wird. Diese Balance zu halten und nicht von einem Extrem ins andere zu wanken, das muss man als Autor:in erst einmal schaffen. Carina Bartsch gelingt es in beiden Büchern mit viel Fingerspitzengefühl. Was mir aber am besten gefällt ist der durchgehend gute Humor und das Necken zwischen den beiden Protagonist:innen. Ich mag solche Liebesgeschichten, die mit gegenseitigem Piesacken anfangen (was ja grundsätzliche Sympathie impliziert) und sich humorvoll und erst im Lauf der Zeit weiterentwickeln. Sie erscheinen mir realistischer als gegenseitiges Anschmachten ab der ersten Begegnung.

So gut mir aber die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren und auch die Geschichte an sich gefällt: Meiner Meinung nach sind beide Bücher etwas zu lang. Es gab ein paar Durchhänger, in denen nicht genug passierte, um die Seiten zu füllen, und Szenen, die einfach zu lang waren, sodass zwischenzeitlich die Spannung flöten ging. Ich glaube, 50-100 Seiten weniger hätten beiden Büchern, aber insbesondere Türkisgrüner Winter gut getan.

Einige Zeit nach dem Lesen habe ich entdeckt, dass die Reihe um Emely und Elyas tatsächlich noch weitergeht. Weil auf der Seite des Rowohlt Verlags nur diese beiden Bücher aufgelistet werden, war ich davon ausgegangen, dass die Reihe damit beendet ist. Mit großem zeitlichem Abstand von 11 Jahren ist allerdings noch ein dritter Band, Sonnengelber Frühling, erschienen, der die Geschichte fortsetzt. Warum dieser nicht (mehr?) auf der Verlagsseite gelistet wird und auch in den gängigen Online-Shops nicht mit den ersten beiden Büchern verknüpft ist, kann nur vermutet werden. Er steht jedenfalls schon in meinem Regal und wartet auf meine Aufmerksamkeit.

Fazit
Alles in allem wurde ich von dieser Reihe sehr positiv überrascht – auch, weil ich nun wirklich kaum etwas erwartet hatte. Der Schreibstil ist super und der Humor noch besser. Die gesamte Stimmung hat mich ein bisschen an Der letzte erste Blick von Bianca Iosivoni denken lassen, und das ist für mich etwas Gutes. Ich kann Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter also wirklich sehr empfehlen. Dass diese Bücher schon 12 Jahre alt sind ist nicht spürbar – sie hätten genauso gut jetzt veröffentlich werden können, so gut passen sie in den aktuellen New-Adult-Collegeroman-Trend.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Schöner Sammelband zum Einstieg in die Reihe

Das Reich der sieben Höfe
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Den ersten Band der Reihe Das Reich der Sieben Höfe hatte ich schon vor Jahren halb gelesen und musste das Buch abbrechen, weil die Leihfrist der Bibliothek ablief. Irgendwie kam ich danach davon ab, das ...

Den ersten Band der Reihe Das Reich der Sieben Höfe hatte ich schon vor Jahren halb gelesen und musste das Buch abbrechen, weil die Leihfrist der Bibliothek ablief. Irgendwie kam ich danach davon ab, das Buch erneut auszuleihen. Als ich dann dieses eBook-Bundle der ersten drei Bände der Reihe entdeckte, das zwischendurch für einen super Preis zu bekommen war, habe ich einen neuen Versuch gestartet. Auch, weil ich in der Zwischenzeit die Reihe Throne of Glass von Sarah J. Maas gelesen hatte, die mir sehr gut gefiel.

Schon früh bekam ich das Gefühl, dass Feyre und Tamlin eine Nacherzählung von Die Schöne und das Biest sein könnten. Es gab einfach sehr viele Parallelen zwischen diesen beiden Geschichten. Das Worldbuilding hat viele spannende Ansätze, aber für meinen Geschmack wird etwas zu schwarz-weiß gezeichnet: Menschen sind schwach, Fae stark. Graubereiche zwischen diesen Extremen gibt es nicht. Am ärgerlichsten ist, dass Feyre – die Hauptfigur, in deren Kopf wir uns beim Lesen befinden – mir mit ihrer Art ziemlich auf die Nerven ging, fast den gesamten ersten Band Dornen und Rosen hindurch. Tamlin ist da auch nicht viel angenehmer.

Ab Band 2 – Flammen und Finsternis – wird die Geschichte dann recht gut. Band 3 – Sterne und Schwerter – ist wieder etwas schwächer, aber besser als Band 1. Inzwischen gibt es noch zwei Fortsetzungsbände mit den Titeln Frost und Mondlicht und Silbernes Feuer, die ich noch nicht gelesen habe. Zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Sammelband von Das Reich der Sieben Höfe gelesen habe, war das noch nicht abzusehen, sodass ich davon ausging, dass das Ende dieses Sammelbands – das mir ganz gut gefiel – auch das Ende der Reihe wäre. Soweit ich weiß führen die beiden neuen Bände aber auch nicht direkt die Story fort.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Bände 4 und 5 nicht mehr lesen werde. Mit Throne of Glass kann Das Reich der Sieben Höfe meiner Meinung nach bei weitem nicht mithalten. Ganz egal, was man auf TikTok dazu sagt.

Zum Beispiel ist das Thema Diversity zu oberflächlich eingewoben in die Geschichte. Es wirkt viel zu gezwungen und passt oft überhaupt nicht in die jeweiligen Szenen. An vielen Stellen kam mir der Gedanke, dass diese Elemente in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung irgendwie in den Plot gequetscht werden mussten, um den jugendlichen Lesenden eine Moral mitzugeben. Das fiel mir besonders bei der Figur Mor auf.

Gleichzeitig finde ich es aber gelungen, mit Mor – oder, nicht abgekürzt, Morrigan – eine existierende Mythologie mit der eigenen Fantasy zu verweben. Wie sehr das in den Folgebänden ausgebaut wird, kann ich noch nicht beurteilen, aber der Ansatz war nicht schlecht. Auch Rhysand mag ich als Charakter sehr gern. Wichtige Unterscheidung: als Charakter, nicht als Person. Rhys ist interessant, nicht unbedingt gut. Die ganze Truppe, die ihn umgibt, ist sehr sympathisch (besonders im Vergleich zu Tamlins Hofstaat und Feyre als Hauptfigur). Ich habe den Eindruck bekommen, dass die Autorin in die Entwicklung von Rhys viel mehr Zeit und Fingerspitzengefühl gesteckt hat als in den Großteil der anderen Figuren.

Der Schreibstil ist, wie ich es aus Throne of Glass schon kannte, sehr flüssig und lässt sich gut stundenlang herunterlesen. Da dieses eBook beinahe 2000 Seiten hat – ein Sammelband eben -, habe ich nach den jeweiligen Bänden immer kurz pausiert und die Geschichte erst einmal sacken lassen – aber die Pause zwischen Band 2 und Band 3 war wesentlich kürzer als die erste. Ich wollte wissen, wie es weitergeht! Im Vergleich mit den dicken physischen Büchern war es sehr angenehm, das eBook einfach mitnehmen zu können, ohne schwer schleppen zu müssen.

Was mir an dem eBook aber so gar nicht gefallen hat, ist, dass die obligatorische Karte quasi nicht nutzbar war. Wie in vielen Fantasy-Romanen lebt auch Das Reich der Sieben Höfe davon, sich von A nach B zu bewegen, auf Reisen zu gehen und ganze Kontinente zu überqueren. Die Karte ist deshalb durchaus hilfreich dabei, einen Überblick über die jeweiligen Reiche und das ständige Wer-gegen-wen zu behalten. Wenn man diese aber im eBook kaum im Verzeichnis findet und beim Hin- und Herblättern aufpassen muss, um die richtige Position im Text wiederzufinden, dann ist das einfach nicht so praktisch.

Vielleicht hätte ich mir die Karte ausdrucken und beim Lesen in Reichweite halten müssen. Die Lektion nehme ich mit in die Zukunft. 🙂

Insgesamt hat mich Das Reich der Sieben Höfe also recht gut unterhalten, nachdem ich mich im Lauf des ersten Bandes an Feyres anstrengende Art gewöhnt hatte. Mit Throne of Glass kann diese Reihe meiner Meinung nach aber lange nicht mithalten und ich verstehe wirklich nicht, warum diese und nicht die andere Reihe von Sarah J. Maas im Internet und ganz besonders auf TikTok so gehypt wird.

Übrigens gibt es inzwischen – auf der anderen Seite der Hype-Welle – auch ordentlich Kritik an der Reihe, insbesondere an der Tatsache, dass die US-amerikanische Autorin viele Elemente irischer Kultur übernimmt (angefangen bei der Landkarte) und sich dabei nicht besonders feinfühlig anstellt. Die Dinge, die ich bisher aufgeschnappt habe, sind folgende: Der Name der Insel, auf der die „bösen“ Fae leben, ist quasi derselbe wie der lateinische Name für Irland. Die „guten“ Fae leben auf einem Fleckchen Erde, das aussieht wie Großbritannien. Das allein bringt schon Konfliktpotenzial mit sich, wenn man die irisch-britische Geschichte berücksichtigt. Die „bösen“ Fae wollen aber ihr Reich erweitern und in den Krieg ziehen – das schlägt in dieselbe Kerbe wie Vorurteile gegenüber Irland.

Ich habe zu dieser speziellen Kritik der Appropriation (noch) keine fundierte Meinung, weil mir im Moment der nötige Blickwinkel fehlt. Dass Das Reich der Sieben Höfe aber zu generisch und unoriginell ist, um diesen extremen Hype um die Reihe zu rechtfertigen; dieser Kritik schließe ich mich an.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Tolle Geschichte, tolle Illustrationen - aber was soll das mit den Namen?

Die Stille im Bauch des Wals
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In der Buchhandlung war ich über Die Stille im Bauch des Wals gestolpert. Ein Bilderbuch, das – so mein Eindruck – nicht ein abenteuerlustiges, energiegeladenes, lautes Kind in den Vordergrund stellt, ...

In der Buchhandlung war ich über Die Stille im Bauch des Wals gestolpert. Ein Bilderbuch, das – so mein Eindruck – nicht ein abenteuerlustiges, energiegeladenes, lautes Kind in den Vordergrund stellt, sondern endlich einmal ein stilles Kind mit einem Bedürfnis nach Ruhe zu Wort kommen lässt. Das musste ich einfach lesen.

Diese Rezension ist ein wenig länger geworden als erwartet, weil ich zur Erklärung meiner wenigen Kritikpunkte sehr genau sein wollte.

Illustrationen und Übersetzung

Als erstes, noch bevor die Geschichte richtig losgeht, fiel mir der Illustrationsstil auf. Ob die Bilder wirklich analog mit Buntstiften gezeichnet und anschließend digital bearbeitet oder komplett digital gezeichnet wurden, kann ich nicht beurteilen. Sie wirken jedoch sehr weich und angenehm fürs Auge. Das hebe ich deshalb hervor, weil ich diese Art der Illustrationen immer seltener sehe. Es sind inzwischen öfter Bilder, die mich durch den Stil an Zeichentrickserien erinnern; die keine Pinsel- oder Buntstiftstriche mehr erkennen lassen. Das ist nicht automatisch gut oder schlecht, es ist einfach eine Stilveränderung und vielleicht auch ein wechselnder Trend, den ich wahrnehme. Hier gefällt mir der Buntstiftstil sehr gut – er passt zur Geschichte.

Die Bilder sind seitenfüllend oder ansprechend mit Weißraum gestaltet. Dabei gibt es sowohl große Motive, als auch viele kleine Details, die erst beim zweiten oder dritten Anschauen auffallen. Jede Seite ist individuell gestaltet und passt hervorragend zur jeweils dargestellten Szene.

Einige Elemente sind eindeutig digital eingefügt worden, insbesondere Schriften. Das hängt natürlich auch mit der deutschen Übersetzung zusammen, denn es ist besonders auffällig bei den Titeln auf gemalten Buchrücken oder bei Lautwörtern wie „Tatütata“, die ebenfalls übersetzt werden mussten. Ich habe mir zum Vergleich eine Innenansicht des englischsprachigen Originals I lived inside a Whale angeschaut, wobei sich meine Vermutung bestätigt: Dort sind die Schriften weicher und ermöglichen dadurch einen ungestörten, viel harmonischeren Gesamteindruck der Illustrationen.

In Die Stille im Bauch des Wals fällt die digitale Bearbeitung deshalb auf, weil die Schriften harte Kanten haben. Es wirkt so, als hätte man in beliebigen Schriftarten die benötigten Texte geschrieben und dann einfach in die Illustration kopiert. Man hat sich kaum – oder erfolglos – Mühe gegeben, sich dabei den Originalschriften anzunähern. Ich kenne mich auf dem Gebiet nicht so gut aus, kann also nicht beschreiben, wie genau es hätte besser gemacht werden können. Aber ich bin mir sicher, dass es digitale Tools und Einstellungen gibt, die eine Anpassung an den Illustrationsstil und das Zeichenwerkzeug – ich behaupte, es sind Buntstifte – erlaubt hätten.

Dass andere Texte einfach so gelassen oder minimal verändert wurden („Pinocchio“ wurde nur auf den Kopf gestellt und leicht verdunkelt und aus „Alice in Wonderland“ wurde durch wenige Striche „Alice im Wunderland“, ohne, dass der Stil des Originaltextes verändert wurde), erlaubt einen direkten Vergleich, wodurch die digital eingefügten deutschen Ersetzungen an anderen Stellen besonders hervorstechen.

Zugegeben, vielleicht ist dies Kritisieren auf hohem Niveau und sehr pingelig von meiner Seite. Weil der Unterschied aber so krass ist, fiel es mir immer wieder auf, was mich wünschen ließ, man hätte diese Dinge etwas liebevoller umgesetzt. Auf wessen Entscheidung das beruht – Übersetzer, Grafik, Satz, Lektorat, etc. – möchte ich gar nicht beurteilen. So, wie diese Übersetzung im Bild umgesetzt wurde (Wichtig: Nicht im Text; die Übersetzung finde ich gut, es geht mir wirklich nur um das grafische Einfügen der deutschen Texte!), fällt sie beim Lesen immer wieder störend ins Auge und lenkt von dem Rest der wirklich tollen Illustrationen und der eigentlichen Geschichte ab. Das finde ich einfach schade.

Handlung

Apropos Geschichte. Die Stille im Bauch des Wals überrascht mich damit, dass der Wal gar kein echter Wal ist – weil diese Geschichte so voller Fantasie ist, war das eine realistische Option -, sondern ein selbst gebauter Rückzugsort für Emma, unsere Protagonistin. Ein kleiner, dunkler, heimelig dekorierter Raum, in dem Emma einfach sie selbst sein kann und nicht in der lauten Welt funktionieren muss. Der Titel und auch die Idee, im Bauch des Wals zu sein, verschluckt zu werden, und dabei Frieden und Ruhe zu finden, hat mich schnell neugierig gemacht.

Die Kombination von „Wal“ und „im Bauch“ erzeugte bei mir bisher immer eher Beklemmung. Kein Wunder, nach der Geschichte von Jona und dem Wal oder auch Pinocchio, die mich beide als Kind schon beunruhigt haben. Hier jedoch ist keinerlei Angst oder Unruhe zu spüren. Ganz im Gegenteil: Während die Welt draußen laut ist, stressig, und immer etwas von Emma will, hat sie hier endlich ihre Ruhe. Sie sagt an einer Stelle sogar ganz ausdrücklich:

„Ich will irgendwo sein, wo es still ist. […] Damit ich meine eigene Stimme hören kann.“

Dabei geht es nicht nur um die Stimme, die laut gesprochen werden kann, sondern auch um die innere Stimme, die sonst so oft von äußeren Eindrücken übertönt wird. Es geht um das Ich-selbst-sein, es geht um Hier-darf-ich-so-sein-wie-ich-bin. Emma schafft sich ihren eigenen Fluchtort. Als plötzlich ein Eindringling, ein abenteuerlustiger Entdecker, Emmas Wal entdeckt und ihre Stille mit lauten Fragen und Ideen und Vorschlägen für Spiele zerreißt, müssen diese beiden sehr unterschiedlichen Kinder erkennen: Nur, weil mir etwas Spaß macht, muss es nicht auch allen anderen Spaß machen.

Emma zieht eine deutliche Grenze und darf mit Überraschung feststellen, dass diese nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert wird. Etwas, das sie bisher scheinbar selten erleben konnte. Deshalb kommt auch sie dem Neuzugang ein wenig entgegen, was zum Happy End der Geschichte führt, bei dem Emma auch von anderen Kindern Wertschätzung erfährt.

Diversität – Whitewashing?

Während des Lesens schoss mir kurz der Gedanke durch den Kopf, ob die Hauptfigur auch im Original Emma heißt, denn die Autorin ist Chinesin und auch das Mädchen in dieser Geschichte kann asiatisch gelesen werden – da erschien mir „Emma“ einfach so sehr generisch-deutsch, dass ich eine Übersetzung für möglich hielt und neugierig wurde.

Wieder habe ich bei I lived inside a Whale nachgesehen und dabei festgestellt, dass das Mädchen tatsächlich auch im Original Emma heißt. Ich fand heraus, dass die Autorin aktuell in Norwegen lebt und ein kurzer Check nach der Beliebtheit des Namens Emma ergibt, dass er in Skandinavien durchaus geläufig ist – wieder etwas gelernt! So weit, so zufriedenstellend war diese kleine Recherche. Wenn es dabei geblieben wäre, hätte ich das in dieser Rezension gar nicht so groß erwähnt.

Aber dann fielen mir zwei Details auf: Im Klappentext des Originals wird ein Nachname genannt, der im Deutschen nicht auffindbar ist: Emma heißt mit Nachnamen Wen. Und der namenlose Junge, der Emmas Stille im Wal stört, ist eigentlich gar nicht namenlos. Er heißt Owen Tang.

Es spielt für die Geschichte meiner Meinung nach keine Rolle, wie die Kinder heißen. Weder der Vorname noch der Nachname sind irgendwie wichtig, wenn es darum geht, die Eigenschaften „das Kind mag lieber Ruhe als Lärm“ oder „das Kind ist laut und abenteuerlustig“ darzustellen. Soweit ich es anhand der Leseproben beurteilen kann, werden diese Namen im Originaltext – also nicht im Klappentext, sondern in der Geschichte – auch nicht genannt. Aber:

Dass es in der deutschen Übersetzung keinerlei Erwähnung dieser beiden typischen chinesischen Nachnamen gibt, welche die Autorin sicherlich bewusst gewählt hat und die im Original zumindest im Klappentext stehen, ist entweder ein sehr unglückliches Versehen, weil man den Klappentext nicht 1:1 übersetzt hat, oder eine bewusste Entscheidung, die in Richtung Whitewashing geht. Dabei ist doch rein optisch offensichtlich, dass die meisten der abgebildeten Kinder asiatisch gelesen werden können, und auch der Name der Autorin steht groß auf dem Cover! Warum sich da die Mühe machen, die chinesischen Namen zu unterschlagen?! Ich hoffe auf ein Versehen und eine Korrektur, falls es weitere Auflagen geben wird.

Die anderen abgebildeten Personen neben Emma und Owen sind überwiegend asiatisch zu lesen. Zusätzlich konnte ich ein Schwarzes Kind und vier weiße Kinder mit verschiedenen Haarfarben entdecken. Eines trägt eine Brille. Davon abgesehen sind keine Einschränkungen oder Behinderungen erkennbar.

Message

Für mich ist die Message dieses Bilderbuches: Kinder sind verschieden. Manche Kinder sind laut, abenteuerlustig, extrovertiert. Andere Kinder sind leise, in sich gekehrt, introvertiert. Die einen sind nicht „richtiger“ oder „falscher“ als die anderen: sie sind einfach nur verschieden. Und in Die Stille im Bauch des Wals wird den ruhigen Kindern eine Stimme verliehen, die sonst im Geräuschpegel der lauten Kinder nicht gehört werden (können). (Es gibt meiner Meinung nach auch wesentlich weniger Bücher mit stillen Hauptfiguren als Bücher mit abenteuerlustigen Charakteren.) Es geht um Akzeptanz von Unterschieden und Respekt vor den Wünschen und Bedürfnissen anderer. Gleichzeitig geht es auch darum, das Setzen eigener Grenzen zu lernen.

Der Fokus liegt hier natürlich eher auf dem stillen Kind und zeigt, dass die Stille nicht nur etwas Schlechtes ist, sondern als Energielieferant auch etwas Positives sein kann: Emma hat erfahren müssen, dass in ihrem Umfeld laute Kinder den Ton angeben und dass sie selbst nicht zu Wort kommt. Nach und nach zieht sie sich deshalb zurück. Owen scheint nach einer langen Zeit der erste zu sein, der ihr wirklich zuhört, ihre Grenzen und Wünsche respektiert und dem sie trotzdem nicht langweilig wird. Dadurch vertraut sie ihm genug, um sich etwas aus ihrem Schneckenhaus – ups, ich meine natürlich: aus dem Bauch des Wals – herauslocken zu lassen und auch außerhalb sie selbst zu sein.

Emma lernt, dass andere Kinder ihr zuhören, wenn sie Geschichten erzählt, obwohl die Welt weiterhin viel zu laut für sie ist. Sie entdeckt ihre verloren geglaubte Stimme und lernt, sie einzusetzen. Owen dagegen lernt, ihr nicht ständig ins Wort zu fallen, sondern richtig zuzuhören und zu akzeptieren, dass nicht jeder Lust auf seine aufregenden Spiele hat. Beide lernen, dass auch sehr unterschiedliche Kinder vielleicht Freunde werden können.

Kurz: Mit Die Stille im Bauch des Wals lernen Kinder ein gesundes gemeinsames Miteinander und wie wichtig deutliche Kommunikation ist. Etwas, was den Erwachsenen aktuell zu fehlen scheint und das sie dementsprechend ihren Kindern auch nicht vorleben können. Diese Message macht Die Stille im Bauch des Wals deshalb für mich nicht nur zu einem schönen, sondern auch zu einem wichtigen Kinderbuch.

Fazit

Die Message ist wichtig, die Illustrationen ansprechend und die Geschichte eine, die mir als stiller Person nahegeht. Ich werde Die Stille im Bauch des Wals lange in Erinnerung behalten, wahrscheinlich an junge Familien in meinem Umfeld verschenken und hoffe, dass die enthaltenen Lektionen gelernt werden. Das einzig Negative an diesem Buch sind für mich die ungeschickte grafische Einarbeitung der übersetzten Textelemente im Bild und die Löschung der chinesischen Namen in der deutschen Übersetzung. Ich hoffe sehr, dass es ein Versehen und keine Absicht war.