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Veröffentlicht am 27.04.2026

Hat mir immer weniger gefallen

Keeping it casual
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Als Max die Diagnose Gehirntumor erhält, geht auch noch ihr langjähriger Freund fremd und sie hat nun einiges, mit dem sie klar kommen muss. Zur Ablenkung überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Alice ...

Als Max die Diagnose Gehirntumor erhält, geht auch noch ihr langjähriger Freund fremd und sie hat nun einiges, mit dem sie klar kommen muss. Zur Ablenkung überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Alice sie dazu, sich bei Tinder eine zwanglose Abwechslung zu suchen. Somit beginnt Max mit Johnny zu chatten und dabei die Familienrezepte von ihrem Ex auszuprobieren.

Der Anfang der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil hier vieles so offen ist. Max hat zwar eine schlimme Trennung hinter sich und eine schwere OP vor sich, aber weil sie genau an diesem Punkt steht, kann so vieles passieren. Die Chatgespräche mit Johnny sind richtig schön und humorvoll. Das Geplänkel der beiden war mein Highlight in diesem Buch! Die Beziehung zu Max‘ Ex Scott spielt auch eine wichtige Rolle und wird meist in Rückblicken erzählt, wodurch man ein richtig gutes Bild von deren Beziehung bekommt.

Die schönste Phase in diesem Buch ist die mit Johnny vor Max‘ Gehirn-OP. Danach hat mir die Geschichte sehr viel weniger Spaß gemacht, weil die Ex-Beziehung von Max vermehrt eine Rolle einnimmt. Eine große Rolle, immer wieder! Ich hätte mir gewünscht, die Autorin wäre hier mehr auf Max‘ Hier und Jetzt und ihre gewünschte Zukunft eingegangen. Die Entwicklung der Protagonistin ist aber meist nachvollziehbar dargestellt. Teilweise kann ich auch verstehen, dass die Ex-Beziehung zu Scott einen so großen Raum einnimmt, weil sie für Max‘ Charakterentwicklung wichtig ist. Hier wurde die Geschichte auch vermehrt französisch. Das gibt der Geschichte einen besonderen Touch, weil bisher auch schon die gekochten Rezepte aus Frankreich stammen (und es sind auch alle hinten im Buch abgedruckt), aber andererseits war dieser zweite französische Punkt sehr gewollt und erzwungen von der Autorin. Ein neuer Charakter, den Max hier kennenlernt, empfand ich total aufdringlich. Auch hier versteh ich den Sinn dahinter, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn es nicht so übertrieben lustig dargestellt worden wäre.

Apropos Witz: Am Ende des Buches gefällt mir der Humor der Autorin auch immer weniger (z. B. soll Max auf einen Staubsauger stehen, what?), ich musste Szenen sogar mehrmals lesen um sie zu verstehen. Der Humor zwischen Max und Johnny ist richtig locker und lustig, den der Autorin mochte ich insgesamt leider nicht. Der Schreibstil hingegen hat mir gut gefallen. Er ist locker und Max‘ Gefühle werden in bestimmten Situationen sehr intensiv und anschaulich beschrieben, was mich sehr berührt hat.


Fazit:
Der Anfang des Buches hat mir wirklich gut gefallen und das Potenzial war da. Aber leider ging der Augenmerk der Geschichte in eine andere Richtung, als ich erwartet und mir gewünscht hätte. Statt Max‘ Zukunft und auch die aufkeimende Beziehung zu Johnny, nimmt die Ex-Beziehung sehr, sehr viel Raum ein. Immer wieder ging es um die alte Beziehung zu Scott, was mich wegen ihm echt genervt hat. Wer gerne charakterorientierte Geschichte liest und französischen Flair mag, könnte hier Freude am Lesen haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 12.03.2026

Weniger romantisch als erhofft

Botanic Hearts
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Nach einem verheerenden Hurricane muss Tansy mit ihrer kleinen Tochter Briar neu anfangen. Ihr Haus ist leer bis auf die Grundmauern und der Bibliothek droht die Schließung. Für ein paar Monate soll die ...

Nach einem verheerenden Hurricane muss Tansy mit ihrer kleinen Tochter Briar neu anfangen. Ihr Haus ist leer bis auf die Grundmauern und der Bibliothek droht die Schließung. Für ein paar Monate soll die Bücherei im Botanischen Garten unterkommen. Bei dessen Direktor Jack und Tansy fliegen von Anfang an die Fetzen, weil sie sich am Tage des Hurricanes auf falschem Fuß erwischt haben.

Bücher und Natur – die beiden schönsten Dinge im Leben, finde ich, da war dieses Buch ein Muss für mich! Zunächst findet die Bibliothek Platz in einem kleinen Schuppen, aber mit der Zeit wird dieser Ort immer schöner und die Vorlesestunden im Freien ein Genuss für die Besucher/innen. Der Park, die Arbeiten dort und die wieder aufblühenden Pflanzen werden sehr schön geschildert. Die Natur hat einen festen Platz in der Geschichte, Bücher eher indirekt durch die Aktionen, die von der Bibliothek angeboten werden. Ich würde so gerne selbst durch den Garten schlendern und dann in der Little Green Library stöbern!

Die beiden Protagonisten haben es mir anfangs nicht leicht gemacht. Jack ist abweisend und legt der Bibliothek immer wieder Steine in den Weg und Tansy ist ständig nur genervt von ihm und dementsprechend unfreundlich gestalten sich auch ihre Gespräche. Außerdem hat Tansy so eine Art an sich, die ich am ehesten mit tollpatschig beschreiben kann und stampft oft mit dem Fuß auf, wenn ihr was nicht passt. Jack ist oft dominant und fast schon aggressiv dabei. Durch Tansys Tochter Briar sehen die beiden auch bald eine andere Seiten von dem/der Gegenüber und lernen sich besser kennen. Während die Protagonisten ihre extreme Art mehr und mehr ablegen, kommen ihre nachvollziehbaren und liebenswürdigen Verhaltensweisen ans Licht.

Die Hintergrundgeschichte der beiden macht Sinn, aber irgendwie kommen Konflikte auf, die auf den nächsten Seiten schon wieder unwichtig sind und es werden andere in den Vordergrund gerückt. Und einiges ist mir zu dominant und wiederholend. Es nicht wie bei anderen Liebesgeschichten üblich, dass sich Spannung um und zwischen dem Paar aufbaut und dann in einem Konflikt im dritten Akt gipfelt. Eine „Geschichte zum Wohlfühlen“ steht hinten auf dem Buch, aber es ist vielmehr eine typische RomCom mit sehr vielen kleinen Dramen. Die versprochene Sprache der Liebe durch Bücher oder Blumen hat mir gefehlt, das hätte mehr Romantik in die Geschichte gebracht. Und irgendwie habe ich am Ende das Gefühl, dass die beiden nicht gänzlich zusammen passen, weil sie in ihrer Sturheit und dem Willen zu Bestimmen zu ähnlich sind, und dieses Gefühl macht mich am Ende einer Liebesgeschichte echt unzufrieden.


Fazit:
„Botanic Hearts“ besticht mit so einer wunderschönen Idee, die Bücher und Natur vereint. Noch dazu, weil die Autorin von einer ähnlichen wahren Begebenheit inspiriert wurde. Doch die Protagonisten sind Enemys-to-Lovers, die sich erst langsam zusammenfinden und dann immer wieder unwichtige kleine oder zu aufgebauschte große Dramen haben. Ich hätte mir in der Liebesgeschichte weniger Heiterkeit einer RomCom und mehr Romantik gewünscht.

Veröffentlicht am 09.11.2025

Der Bachelor-Camp-Vibes

Falling in too deep
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Iva möchte mit ihrem Instagram-Kanal endlich durchstarten, weswegen sie sich riesig freut, dass sie nach Portugal in das Camp von fünf erfolgreichen Influencer/innen eingeladen wird. Dort leben und arbeiten ...

Iva möchte mit ihrem Instagram-Kanal endlich durchstarten, weswegen sie sich riesig freut, dass sie nach Portugal in das Camp von fünf erfolgreichen Influencer/innen eingeladen wird. Dort leben und arbeiten Sunny, Yasmin, Ishaan, Aurélie und Ed in einem großen Anwesen mit Pool und jeweils eigener Villa. Iva ist bald Sunnys beste Freundin und beschließt, dass dort ihr Zuhause ist. Doch Warnungen von außen und ein gescheiterter Einbruch bringen Ivas perfekte Welt ins Wanken.

Die Geschichte hat vor allem anfangs eher sommerliche, luxuriöse Vibes, da die Influencer/innen oft im Meer surfen, im Pool entspannen oder private, wie auch offizielle Partys feiern. Erst im weiteren Verlauf der Geschichte erhält Iva seltsame Warnungen oder kommen krasse Dinge ans Licht. Dadurch ist das Buch hauptsächlich eine spaßige Sommerlektüre, in der erst später die grauen Wolken über das Camp ziehen und Spannung aufkommt. Durch Sunnys sorgloses Leben (typische Influencerin, wie sich das jeder vorstellt. Ist aber nicht jede/r im Camp so), der Badespaß am Meer und Ivas Fangirl-Momente bezüglich der anderen Campbewohner/innen, weil sie deren Kanäle schon lange folgt und bewundert, wurde ich oft an die Serie „Der Bachelor“ erinnert.

Leider waren mir die Protagonist/innen nicht sonderlich sympathisch oder zu blass, dass man sich ihnen überhaupt nahe fühlen konnte. Iva nimmt ihre Karriere kaum ernst, fast alles dreht sich um ihre neue Freundin Sunny, die nur Party im Kopf hat. Sunnys Ex-Freund Luan hat nicht nur eine düstere Ausstrahlung, sondern haut Iva auch an den Kopf, dass sie aus dem Camp verschwinden soll. Eine spätere Aussage hat ihn mir gänzlich unsympathisch gemacht, nicht aber Iva, die so unfassbar eingenommen von ihm ist. Andererseits gibt’s da auch noch ihren Schwarm Ishaan. Das Liebesdreieck wurde vom Verlag angekündigt, also darf ich es gar nicht bemängeln, aber dass Iva mit jemanden flirtet, ihn dann zurückweist, woraufhin er sich einer anderen zuwendet und sie daraufhin eifersüchtig wird, ist für mich nicht nachvollziehbar. Außerdem finde ich es unfair, dass Iva einer Campbewohnerin in einer Ausnahmesituation eine Bemerkung übel nimmt, einer anderen aber Lügen sehr schnell verzeiht. Iva erscheint anfangs unbedarft, was noch okay war, aber im Laufe der Geschichte wird sie immer naiver und vertrauensselig, was mich gestört hat.

Der Suspence-Anteil der Geschichte ist anfangs nicht wirklich präsent. Dafür wurden aber immer wieder der Such-Post der Camp-Bewohnerinnen und Artikel über Ivas Verschwinden zwischen die Kapitel verstreut (und auch Instagram-Posts in den Innenklappen abgedruckt, wie passend!). Die Überschriften „X Wochen/Tage bis Ivas Verschwinden“ deuten ein Countdown an. Trotzdem wurde die Leichtigkeit der Sommerlektüre für mich aber irgendwann auch eintönig und langwierig, da es einfach nichts Greifbares gab. Kommentare auf Instagram sind genauso schwammig, wie die Versuche von Luan Iva loszuwerden. Es ist einfach nichts Bedrohliches, nichts, was etwas düstere Stimmung in die Geschichte bringen würde. Erst ein gescheiterter Einbruchversuch erweckt bei Iva Angst und bringt mir endlich Spannung. Wobei Geschehnisse konstruiert und sehr holprig in die Geschichte eingebaut wirken. Bezüglich der Geschehnisse bei zwei Dritteln, wie auch am Ende, muss ich der Autorin zugutehalten, dass sie mich jedes einzelne Mal überraschen konnte! Ich hätte mit sowas nie gerechnet, fand es schockierend und vor allem das Ende ist schon sehr krass! Diese Wendung? OMG!

Fazit:
„Falling in too deep“ ist eine sommerliche und lockere Geschichte, die erst spät mit spannenden und vor allem überraschenden Geschehnissen punkten kann. Mir haben leider die Charaktere und die oft offensichtlich konstruierte Situationen nicht gefallen. Das Buch liest sich vielmehr wie ein High Society Drama als Romantic Suspense. Alleine die Wendungen konnten mich total überraschen und schocken, aber der Rest des Buches hat mich nicht gepackt.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Zu wenig Gefühl

Dark Venice. Deep Water (Dark Venice 1)
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Merle verbringt ein Auslandssemester in Venedig, aber nicht, weil die Lagunenstadt so schön ist, sondern weil sie ein Familiengeheimnis über ihre Großeltern aufdecken will. Direkt angekommen gibt es Probleme ...

Merle verbringt ein Auslandssemester in Venedig, aber nicht, weil die Lagunenstadt so schön ist, sondern weil sie ein Familiengeheimnis über ihre Großeltern aufdecken will. Direkt angekommen gibt es Probleme mit der Unterkunft, weshalb sie eine junge Italienerin kurzerhand mit in ihre WG nimmt, die aber etwas zu verbergen hat. Allen voran Mitbewohner Matteo, aus dessen und Merles Sichtweise die Geschichte geschildert wird.

Die Liebesgeschichte konnte mich gar nicht überzeugen. Die Emotionen sind nicht bis zu mir übergesprungen und ich konnte mich nicht in die Protagonisten hineinfühlen. Zunächst ist Matteo einfach unverschämt, die beiden treffen immer wieder aufeinander, aber hier entsteht kein Feuer oder gar Romantik. Als die beiden dann miteinander schlafen, fand ich es richtig unangehm zu lesen. Bei Merle habe ich die Bewegründe nicht gesehen, als wollte sie halt einfach die Chance nicht verstreichen lassen. Matteo war dann sehr dominant, ja, es war einvernehmlich und nichts daran kritisch, aber er hatte die Oberhand und hat alles bestimmt, da hätte ich mir nach dem vorangegangenen abweisenden Verhalten von ihm einfach ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden gewünscht. Und später waren die Gefühle zwischen den beiden Protagonisten plötzlich da. Warum und wann sie sich entwickelt haben, hat mir leider, trotz des Perspektivwechsels in den Kapiteln, gefehlt.

Ansonsten hat mir das Setting in Venedig sehr gut gefallen, auch wenn man von der Stadt nicht ganz so viel mitbekommt, sondern sich oft in der Uni, der WG oder im Restaurant (wo Merle später jobbt) befindet. Die Nebencharaktere, wie Giulia, die Filmgruppe an der Uni oder Matteos Schwester geben der Geschichte noch viel Würze.


Fazit:
„Dark Venice – Deep Water“ handelt überwiegend von der Liebesgeschichte, als dem Familiengeheimnis. Leider konnte mich diese überhaupt nicht überzeugen, da ich die Gefühle nicht nachvollziehen, geschweige denn nachempfinden konnte. Das Setting hingegen ist schön gewählt und die Nebencharaktere sehr sympathisch und interessant.

Veröffentlicht am 30.09.2024

Anfangs nervig, dann emotional

Alles, was ich geben kann – The Last Letter
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Ella ist eine junge Mutter mit 5-jährigen Zwillingen und besitzt außerdem ein Hotel mit einigen kleinen Hütten. Ihr Bruder ist Soldat und schlägt ihr vor, einem anderen Soldaten aus seiner Einheit, Deckname ...

Ella ist eine junge Mutter mit 5-jährigen Zwillingen und besitzt außerdem ein Hotel mit einigen kleinen Hütten. Ihr Bruder ist Soldat und schlägt ihr vor, einem anderen Soldaten aus seiner Einheit, Deckname Chaos, einen Brief zu schreiben, woraus sich eine innige Brieffreundschaft entwickelt. Währenddessen erkrankt ihre Tochter an Krebs und Ella muss um deren Leben kämpfen. Dann fällt ihr Bruder und auch von Chaos kommt kein Lebenszeichen mehr, während Beckett vor ihrer Tür steht, weil Ellas Bruder sich gewünscht hat, dass er sich um seine Schwester kümmert. Was wir Leser/innen wissen, Beckett aber tunlichst verschweigt: Er ist ihr Brieffreund Chaos.

Es wird direkt mit Ellas ersten Brief an Chaos begonnen, während wir Chaos und Ellas Bruder in der Einheit kennenlernen und daraufhin auch Ella in ihrem Leben. Was mich direkt überrascht hat, war, dass Ellas kleine Tochter erkrankt ist und nun gegen den Krebs kämpfen muss. Als dann Ellas Bruder und vermeintlich auch Chaos fallen, ist die Geschichte sehr negativ belastet, was mir teilweise zu viel wurde. Nach 50 Seiten springt das Geschehen vier Monate voran, als Beckett vor Ellas Tür steht. Und dieser Aufbau hat mich gestört, so vieles daran hat mich gestört, dass ich das Buch für einige Wochen weggelegt habe, weil mir die Lust vergangen ist, bis ich es nun schlussendlich beendet habe. Ich konnte unter anderem nicht in die Geschichte finden, weil Beckett bis über beide Ohren in Ella verliebt war. Nach nur vier Briefen und 50 Seiten, die wir Leser/innen miterlebt haben. Ich mag es mitzuverfolgen, wenn sich Protagonisten verlieben und hier waren seine heftigen Gefühle einfach da. Die anderen Briefe werden nach und nach in einigen Kapiteln vorangestellt, weil der Inhalt des Briefes perfekt zu dem jeweiligen Kapitel passt. Das ist wirklich schön gemacht und hat mir gut gefallen, aber anfangs fehlen mir einfach die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten und das Nachempfinden ihrer Emotionen. Der nächste störende Punkt ist, dass Ella ständig bemängelt hat, sie wäre so alleine. Ja, ihre Eltern und Großmutter sind gestorben und ihr Bruder als Soldat ständig abwesend, aber erstens hat sie die Herausforderung alleinerziehende und arbeitende Mutter zu sein gut gemeistert und zweitens gibt es drei Mitarbeiter/innen im Hotel, von dem zwei ein älteres Ehepaar ist, dass schon seit Jahrzehnten dort arbeitet und Ella auch bei der Kinderbetreuung unterstützt. Weiterhin hat Ella mehr um Chaos getrauert, den sie inzwischen schon gut kennengelernt hatte, als um ihrem Bruder. Ich bin jetzt noch verunsichert, wie eng ihre Geschwisterbeziehung eigentlich war. An Beckett haben mich auch einige Dinge gestört: Da er in Ella verliebt ist, will er sie natürlich beschützen, aber dass er ihren Ex verprügeln will, wenn er ihm je begegnen sollte, wobei dieser gar keine Rolle mehr in Ellas Leben spielt, und später auch ein mögliches Date, ist einfach zu viel. Er war zu dem Zeitpunkt nicht mit Ella zusammen und selbst wenn, sind diese Gedanken zu viel Aggressivität für mich. Ja, er ist ein Soldat, da ist er krasser drauf und dass mir Soldaten in Geschichten nicht zusagen, ist dann doch meine Schuld zu dem Buch gegriffen zu haben, aber trotzdem… Ein weiter Punkt ist, dass Beckett Ella nicht verraten will, dass er Chaos ist, weil er denkt für den Tod ihres Bruders verantwortlich zu sein. Es ist völlig verständlich, dass er Schuldgefühle hat, aber erstens: Welcher Loveinterest hat wirklich je so eine große Schuld auf sich geladen? Und zweitens hat er das immer wieder und wieder und wieder gedacht, was mir auch einfach zu oft unnötig wiederholt wurde.

>>Wir sind unvollkommene Menschen, in einer unvollkommenen Welt zu solchen geworden, und wir können nicht immer beeinflussen, was uns formt. <<, Ella, S. 442

Als ich also nach einigen Wochen Abstand zu der Geschichte und den Dingen, die mich daran genervt haben, weitergelesen habe, hat sie mir viel mehr zugesagt. Abgesehen von Becketts besitzergreifender Art ist er einfach ein wunderbarer Mann, der voll und ganz für Ella und die Kinder da ist, um ihnen zu helfen. Ein perfekter liebevoller und unterstützender Bookboyfriend. Wie er mit den Zwillingen umgegangen ist und eine Verbindung aufbaut, ist einfach nur herzerwärmend. Der Schreibstil von Rebecca Yarros ist wunderschön und sehr gefühlvoll. Ich wurde beim Lesen von schönen oder auch schwierigen Situationen richtig emotional. Ich liebe es, wenn die Geschichte mir zu Herzen geht. Ich liebe es, wenn ich emotional so tief in der Geschichte abgetaucht und gefangen bin. Vor allem das Ende hat mich sehr berührt, dass ich Tränen in den Augen hatte. Rebecca Yarros hat sich tief in mein Herz geschrieben, es zerrüttet und wieder zusammengesetzt – naja teilweise, denn das Ende empfinde ich als unnötig.


Fazit:
„Alles, was ich geben kann“ ist vieles, zuerst zu viel an negativen und nervigen Details und dann perfekt viele Emotionen für mein Herz. Rebecca Yarros hat einen wunderschönen, gefühlvollen Schreibstil, sodass mir das Herz aufgegangen ist. Ich war beim Lesen emotional richtig tief in der Geschichte, was nur wenige Autor/innen in dem Ausmaß schaffen. Aber leider haben mich anfangs so viele Dinge an den Charakteren und Plot gestört, genauso wie das unnötige Ende, dass die Geschichte insgesamt leider nur Mittelmaß für mich ist.