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Veröffentlicht am 08.05.2026

Das Leben eines älteren Witwers ausführlich erzählt

Die Angehörigen
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Katharine Dion zeichnet in ihrem Roman "Die Angehörigen" ein ausführliches Bild des ca. Anfang siebzigjährigen, kürzlich nach 49 Jahren der Ehe verwitweten Gene. Seine Frau Maida ist plötzlich verstorben ...

Katharine Dion zeichnet in ihrem Roman "Die Angehörigen" ein ausführliches Bild des ca. Anfang siebzigjährigen, kürzlich nach 49 Jahren der Ehe verwitweten Gene. Seine Frau Maida ist plötzlich verstorben und aufgrund dessen ist seine Tochter mit der Enkelin angereist. Berichtet wird über die Zeit kurz vor und einige Monate nach der Beerdigung Maidas. Wir erfahren aber durchaus viel mehr aus dem Leben von Gene mit seiner Frau durch Rückblenden zu verschiedenen Szenen ihres gemeinsamen Lebens.

Dion beschäftigt sich in ihrem Roman mit der psychologischen Betrachtung der Beziehungen - sowohl freundschaftlich als auch amourös und auch beides zusammen -, die wir im Laufe unseres Lebens führen, die wir gern geführt hätten und die wir nie geführt haben. Die Autorin lässt sich dafür genügend Zeit und formuliert aus, was häufig andere Bücher nur andeuten. So wird die Gefühls- und Gedankenwelt eines älteren Herren, der sich bisher ausschließlich über seine Rollen als Ehemann und Vater definierte, tiefgründig und vielschichtig. Die Autorin hat einen sehr liebevollen Blick auf ihren Hauptprotagonisten Gene, der sich auf den Leser überträgt.
Sprachlich befindet sich Dion auf einem hohen Niveau. Nicht nur die Beschreibung von Gefühlszuständen sondern auch der neuenglischen Landschaft an der Ostküste der USA überzeugen.

Ich habe das Buch zügig durchgelesen und war interessiert sowohl an den Erinnerungen von Gene an seine Ehe als auch sein weiteres Leben nach dem Tod seiner Frau. Kurz: Es hat definitiv mein Interesse geweckt. ABER: Es ist kein Meisterwerk. Ich befinde mich bei der Bewertung ca. bei 3,5 Punkten. Und ich fragte mich, warum das so ist. Dann kam mir in den Sinn, dass ich das Buch innerlich mit "Unsere Seelen bei Nacht" von Kent Haruf verglich und so bleibt das Fazit, dass es an dessen Klasse einfach nicht rankommt. Ich wurde nicht so emotional mitgerissen wie bei Haruf.

Es handelt sich hier um ein gutes bis sehr gutes Buch, was sich viel Zeit für seinen Hauptfigur nimmt aber emotional eher distanziert bleibt. Insgesamt empfehlenswert, auch wenn es aus meiner Sicht bessere Roman aus diesem Themengebiet gibt.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Eher ein morastiges als ein flüssiges Land

Das flüssige Land
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Bei diesem Debüt von Raphaela Edelbauer kann man nach der Lektüre gut nachvollziehen, warum es auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gelandet ist. Ein hohes Ansehen bei den (professionellen) Kritikern ...

Bei diesem Debüt von Raphaela Edelbauer kann man nach der Lektüre gut nachvollziehen, warum es auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gelandet ist. Ein hohes Ansehen bei den (professionellen) Kritikern wird der Autorin gewiss sein. Für den ambitionierten (Amateur-) Leser ist es wahrscheinlich weniger befriedigend.

Der Plot dreht sich um eine theoretische Physirkerin, welche seit vielen Jahren an ihrer Habilitation schreibt, unter diesem Druck medikamentenabhängig geworden ist und nun aus der Bahn geworfen durch den plötzlichen Unfalltod der Eltern in deren Heimatort "Groß-Einland" zurückkehrt. Dieser Ort scheint in Österreich, aber auch wieder nicht dort, zu liegen. Edelbauer beschreibt eine abgeschottete Gemeinschaft, die in einer sozialistischen Dikatatur zu leben scheint. Hier werden viele Metaphern zum Umgang mit Geschichte und dem Wunsch nach Vergessen eingeflochten in die bizarre und mitunter recht surreale Handlung des Buches. Es gibt eingeschobene fiktive Stadtarchiveinträge sowie metaphysisch-physikalische Textstellen.

Die Sprache der Autorin ist zu Beginn für den ungeübten deutschen Leser, gespickt mit österreichischem Termini, gewöhnungbedürftig. Wer sich darauf einlässt wird mit durchaus anspruchsvollen und interessanten Formulierungen, Gleichnissen und Beschreibungen belohnt. Dies ist kein Buch, was man mal eben nebenher lesen kann und sollte.

Trotz interessanter Betrachtungen zu Geschichtsvergessenheit und Verdrängung von Gräultaten wirkt das Buch mit der Zeit eher zäh als flüssig. Es werden viele interessante Thesen aufgeworfen, dann aber einfach links liegen gelassen. Nichts wird zuende diskutiert, alles angestoßen. Nach der Lektüre bleibt man ratlos zurück. Natürlich ist dies als Anregung der eigenen Gedanken in einem gewissen Maße nie schlecht. Aber eben in einem gewissen Maße.

Eindeutig ein interessantes Buch, welches mir gut gefallen, mich jedoch nicht umgehauen hat. Da hätte ich mir bei der Ankündigung mehr erwartet. Die Autroin zeigt aber definitiv ihr massives kreatives Potential, welches den Leser aber mitunter überrollt.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Kinahanglan manumdom = Wir müssen uns erinnern

Überreste
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Für alle, die es schon wieder vergessen oder nie gewusst haben: Im November 2013 zog der Super-Taifun Haiyan über die zentrale Inselgruppe der Philippinen mit einer Spitzgengeschwindigkeit von 315 km/h. ...

Für alle, die es schon wieder vergessen oder nie gewusst haben: Im November 2013 zog der Super-Taifun Haiyan über die zentrale Inselgruppe der Philippinen mit einer Spitzgengeschwindigkeit von 315 km/h. Noch einmal: 315 km/h! Es kamen über 7000 Menschen ums Leben, betroffen war vor allem die Stadt Tacloban. Nachdem man das Buch „Überreste“ von Daryll Delgado gelesen hat, fragt man sich, wie überhaupt jemand diesen tropischen Wirbelsturm hat überleben können. Schnell sind die kurzen Meldungen in unseren Nachrichten wieder vergessen, wenn von den Folgen der Klimakrise im globalen Süden berichtet wird. Solange nicht viele Touristen aus dem globalen Norden sterben, wie beim Tsumani 2004, bleibt es meist bei einer kurzen Meldung. Was so eine Umweltkatastrophe allerdings ganz konkret für die vor Ort lebenden Menschen bedeutet, dem geht Delgado, selbst in Tacloban geboren und aufgewachsen, in ihrem Debütroman nach.

Wir begleiten Ann, die in Tacloban aufwuchs, zurück in ihren Geburtsort, wenige Tage nachdem Haiyan diesen fast restlos zerstörte, um ihr nicht nur bei ihrer Arbeit für eine NGO über die Schulter zu schauen, sondern auch in ihre eigene Psyche hinein, denn Tacloban birgt für sie ganz persönliche Familiengeheimnisse, denen sie in diesem Zuge auf den Grund gehen will. Nur drei Tage hat sie finanziert bekommen, danach muss sie wieder abreisen. In diesen drei Tagen macht sie sich auf, Aussagen von Betroffenen zu sammeln, Orte, die sie von ihrer Kindheit kennt, aufzusuchen und das Ausmaß der Zerstörung zu begreifen.

Delgado rückt nicht nur die Geschichten der Betroffenen direkt nach der Umweltkatastrophe auf den Philippinen ins Zentrum ihres Romans, sondern auch die jüngere politische Historie der Philippinen an und für sich. Da die Eltern ihrer Protagonistin Ann in den 1970er/80er Jahren noch während der Diktatur Ferdinand Marcos‘ scheinbar eng mit dem Präsidentenpaar verbandelt war´, sich dann die Mutter jedoch plötzlich aus der Familie zurückzog, beschäftigt Ann ihre Familiengeschichte mit all ihren Geheimnissen bis heute.

Um dies besser verstehen zu können, hat der Verlag einen kurzen geschichtlichen Abriss zu den Philippinen im Anhang des Buches abgedruckt. Dieser Abriss ist unglaublich wertvoll, um die Hintergründe von Anns Familiengeschichte besser zu verstehen als auch um sich selbst weiterzubilden bezüglich dieses 7500 Inseln umfassenden Staates. Ebenso hilfreich sind die zahlreichen Anmerkungen hauptsächlich zu Besonderheiten der Sprache der um Tacloban ansässigen Waray-Bevölkerungsgruppe, da im Text viele Ausdrücke in der Waray-Sprache eingebaut sind. Außerdem enthält der Roman authentische Interviewmitschriften von vom Taifun Betroffenen, die allerdings direkt ins Deutsche übersetzt wurden, im Originalroman wohl aber sowohl in Waray als auch Englisch abgedruckt wurden.

Insgesamt muss ich sagen, dass dieser Roman inhaltlich von hohem Wert ist, um sich der Folgen des Klimawandels und den damit verbundenen Katastrophen, die sich direkt auf viele Menschen und besonders auf die Bevölkerung der Philippinen auswirken bewusst zu werden. Ich habe unglaublich viel gelernt im Rahmen dieser Lektüre.

Allerdings hatte ich meine Probleme mit dem ein oder anderen zusätzlich eingebauten Themengebiet, welche zum Plot des Romans gehörten. So erschien mir die Suche von Ann nach einer Verwandten eines Freundes der Familie sowie nach einer „Bestie“, welche in Tacloban ihr Unwesen treiben soll und mit diesem Freund zusammenhängt zu schwammig. Ich nehme an, hier soll die Bestie metaphorisch für Geheimnisse der Vergangenheit stehen, bekommt dann aber ein sehr physisches Auftreten. Für mich waren die Beweggründe von Ann nicht richtig greifbar. Zusätzlich taucht immer wieder im Zwiegespräch Ann Schwester Alice auf, die in den USA Psychologie studiert hat. Diese psychologisiert ständig an ihrer Schwester herum, was wahrscheinlich die Art der Autorin ist, um die psychologischen Folgen eines Traumas zu verdeutlichen. Auch war mir von Anfang an nicht so richtig klar, was eigentlich die Aufgabe der NGO ist, von der Ann entsandt wurde, und auch was eigentlich konkret Anns Aufgabe ist. Sie soll wohl eine Mappe zusammenstellen, die die Resilienz, die „Erholung“ von Menschen nach einem solchen Ereignis darstellt. Dafür bekommt sie nur drei Tage Zeit. Also sammelt sie Aussagen von Überlebenden, dies aber so kurz nach dem Ereignis selbst. Aber so richtig etwas darunter vorstellen, konnte ich mir bis zum Ende nicht. Auch erlebt Ann in den drei Tagen so viel, trifft so viele Menschen, dass es zumindest so wirkt, als ob das gar nicht schaffbar ist in dieser kurzen Zeit. Eindeutig noch nebulöser empfand ich jedoch die Geschichte um die Bestie und den Familienfreund. Leider konnten mich diese erzählerischen Entscheidungen nicht überzeugen und letztlich auch nicht gut mitnehmen, sodass ich gerade ab der zweiten Hälfte des Romans eher damit zu kämpfen hatte. So fragt ein alter Kindheitsfreund von Ann und ihr Begleiter durch das zerstörte Tacloban genau das, was ich mich als Leserin ebenso fragte und spricht mir aus der Seele: „Ann, ano gud, worum geht es hier eigentlich? Wozu die ganzen Fragen?“

Es handelt sich hier um einen thematisch wichtigen Roman, mit dem ich erzählerisch allerdings meine Probleme hatte. Trotzdem würde ich zu einer Lektüre raten, gerade auch aufgrund der ganz besonderen Gesamtzusammenstellung durch den Verlag und die sehr gute Übersetzungsleistung von Gabriele Haefs. Hier geht es um echte Menschen und ihre Schicksale, welche durch den Taifun maßgeblich geprägt wurden. Denn wie es Delgado im Roman benennt, gab „es um uns herum nur Finsternis […], Chaos, Tod und Verwüstung.“ Allein schon für all diese Toten und Überlebenden einer schrecklichen, letztlich menschengemachten bzw. zumindest menschenverstärkten Naturkatastrophe, die ein kollektives Trauma induziert hat, ist es wichtig, dass wir uns erinnern. Kinahanglan manumdom.

3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Spannender Abschluss der Romanreihe

His Dark Materials 3: Das Bernstein-Teleskop
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Auch im letzten Teil der Reihe macht sich Philip Pullman daran, eine bzw. mehrere facettenreiche, fantasievolle Parallel-Welten um das Mädche Lyra, ihren Begleiter Will sowie die im letzten Band eingeführte ...

Auch im letzten Teil der Reihe macht sich Philip Pullman daran, eine bzw. mehrere facettenreiche, fantasievolle Parallel-Welten um das Mädche Lyra, ihren Begleiter Will sowie die im letzten Band eingeführte Figur der Physikerin Mary Malone zu erschaffen.

Die Geschichte ist - wie gewohnt - flott und süffig erzählt, der Leser wird in die Welt hineingesogen. Selten hat eine Romanreihe meine Fantasie so angeregt. Die Ideen, die Pullman nun zum Abschluss bringt sind wirklich sehr interessant und kurzweilig. Die dahinterstehenden Thesen des Autors werden jedoch - meines Erachtens - nicht wirklich aufgelöst. Gerade der außerst kritisch Blick in Richtung der institutionellen, christlichen Kirche wird hier zwar massiv eingebaut, trotzdem bleibt für mich offen, was genau der Autor seinen Lesern vermitteln will. Die Leser sollten, wie schon bei den vorherigen Bänden, nicht allzu jung ausfallen. Ältere Jugendliche ab ca. 16 Jahren können sicherlich das Material besser fassen und vertragen als jüngere Kinder. Pullman flechtet bis zum Äußersten Naturwissenschaften und religiöse Lehren zu einem mitunter undurchsichtigen Zopf zusammen. Rein vom Sinn für Layout und Stringenz stören die im letzten Band der Reihe plötzlich eingeführten Zitate zum Beginn eines jeden Kapitels. Diese haben meist religiöse Bezüge und haben auch immer irgendetwas mit dem folgenden Kapitel zu tun. Trotzdem bleiben sie redundant. In meiner Ausgabe wurden die Zitate durch schwarze Textfelder mittig in den ersten Sätzen des Kapitels angeordnet. Wirklich nicht schön anzusehen und auch störend im Lesefluss.

Insgesamt handelt es sich hierbei also um ein spannendes Fantasy-Buch, was jedoch mehr Schwächen aufweist, als die Vorgänger. Trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Großartig geschrieben und trotzdem nicht ganz packend

Der letzte Satz
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Wie von Robert Seethaler gewohnt, umfassen die letzten Lebensjahre des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler lediglich 120 Seiten in diesem Büchlein. Die Erzählung (und ich wähle dieses Wort mit einer ...

Wie von Robert Seethaler gewohnt, umfassen die letzten Lebensjahre des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler lediglich 120 Seiten in diesem Büchlein. Die Erzählung (und ich wähle dieses Wort mit einer Intention) setzt wenige Monate vor dem Tod des Komponisten während einer Schiffsüberfahrt von New York zurück nach Europa ein. Mit reduzierten Beschreibungen bringt uns der Autor den gar nicht so alten, aber trotzdem sterbenskranken Komponisten näher. In mitunter kürzesten Erinnerungen, Gedanken und Gefühlsbeschreibungen Mahlers erfahren wir vor allem etwas über die tiefe Verbundenheit Mahlers zu seiner Ehefrau Alma und den Verlust der ersten Tochter Maria.

Die Beschreibungen sind kurz gehalten, nichts ist hier zu viel. Der Roman mutet dabei eher wie eine längere Kurzgeschichte an. Kaum hat man begonnen zu lesen, ist auch schon wieder alles vorbei. Hier schwanke ich zwischen dem Eindruck, dass alles punktgenau gesagt wurde und doch irgendwie etwas fehlt. Letztendlich so richtig am Herzen packen, konnte mich dieser Roman nicht. Er ist großartig geschrieben mit einem herausragenden Sinn für die richtigen Momente. Trotzdem fehlt etwas, was für mich nicht richtig greifbar bleibt.

Alles in allem ist man für einen Leseabend durchaus auf hohem Niveau gut unterhalten worden, hat interessante, bodenständige Einblicke in das Leben eines hochkarätigen Komponisten bekommen und trotzdem fehlt das i-Tüpfelchen, um auch dieses Buch herausragend zu machen.

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