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Veröffentlicht am 13.04.2026

Mittelmäßiger Roman über einen interessanten Aspekt südtiroler Geschichte

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In seinem Roman lässt Marco Balzano die Südtirolerin Trina ihre Geschichte als Text an ihre Tochter schreiben. Sie erzählt nicht nur von Jugendfreundinnen und dem Kennenlernen des späteren Ehemannes, sondern ...

In seinem Roman lässt Marco Balzano die Südtirolerin Trina ihre Geschichte als Text an ihre Tochter schreiben. Sie erzählt nicht nur von Jugendfreundinnen und dem Kennenlernen des späteren Ehemannes, sondern auch den Auswirkungen der Machergreifung der Faschisten in Italien, die Zugehörigkeit zu diesem "fremden" Land als auch die Veränderungen des Lebens durch den Zweiten Weltkrieg.

Besonders letztere werden emotional spannend erzählt. Der titelgebende Kampf um den durch einen geplanten Staudamm im Wasser zu verschwinden drohenden Heimatort Graun, wird scheinbar eher zur Nebensache. Diese Teile der Geschichte zum Beginn und zum Ende, werden recht nüchtern rekapitulierend geschildert. Dadurch verlor ich mit Fortschreiten des Romans immer mehr das Interesse an dem Plot. Es wird stark langweilig zum Ende hin. Die eigentlich interessante Historie des Ortes geht dabei eher unter, genauso wie letztendlich der Ort, aber das wissen wir ja schon vorher. Letztendlich bekommt man den Eindruck, dass das historische Kapitel um die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg im so bezeichneten Teil des Buches "Auf der Flucht" einfach (wie immer) den Hauptpunkt des Buches ausmacht. Und das finde ich schade. Eine "universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen", wie im Klappentext behauptet, kann ich leider nicht in diesem Roman erkennen.


Insgesamt handelt es sich um einen mittelmäßigen Roman, dessen Figuren dem Leser leider zu fern bleiben, bzw. nur "auf der Flucht" ein wenig näher kommen. Immerhin, das Buch lässt sich zügig lesen und man hat ein wenig mehr über den durch Bilder bekannten "Kirchturm mitten im See" erfahren. Es hätte nur mehr Tiefe gebraucht, um dies dem Leser auch emotional näher zu bringen.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Kurzgeschichten erwartet, etwas ganz anderes bekommen

Deckname Offenes Ohr
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Daniel Dombrovsky versammelt in diesem Band zehn Alltagsschilderungen von jungen Autoren in einem Altersbereich größtenteils zwischen 20 bis 25 Jahren. Die Autoren beschreiben dabei tatsächlich schlicht ...

Daniel Dombrovsky versammelt in diesem Band zehn Alltagsschilderungen von jungen Autoren in einem Altersbereich größtenteils zwischen 20 bis 25 Jahren. Die Autoren beschreiben dabei tatsächlich schlicht ihren Alltag. Im Sinne von: einen Tag lang folgt man dem Autor/der Autorin auf Schritt und Tritt, bekommt mit, mit welchen Pflegeprodukten Haare, Haut und was auch immer bearbeitet werden, welche App als erstes geöffnet, wie der Weg durch den Wohnort (meistens Berlin) gemeistert wird.

Erwartet hatte ich mit der Beschreibung auf dem Buch "10 Kurzgeschichten" eigentlich auch genau das, Kurzgeschichten. Geschichten mit einem Spannungsbogen. Witzig, traurig, mitreißend, abwechslungsreich. Dies sind Beschreibungen, die ich häufig bei vergleichbaren Kurzgeschichtensammlungen zu einem vorgegebenen Thema wahrgenommen habe. Hier überwiegt leider die Monotonie. Die Tagesabläufe ähneln sich nun einmal, das liegt in der Natur der Sache. Da sich alle Beteiligten in einem ähnlichen Altersbereich bewegen, entsteht hier kaum Varianz. Mitunter werden unglaublich belanglose Situationen geschildert. Darf man alles machen, nur bitte benennt es dann auch so!

Gerade die Einzelheiten, die nicht geschildert wurden, hätten mich am Leben der AutorInnen besonders interessiert. Der tiefere Blick hinein ins Leben. Leider schloss scheinbar der Einreichungsaufruf aber genau das aus. So lässt es sich mit diesen Texten auch schwer einschätzen, was die AutorInnen literarisch auf dem Kasten haben. Allein der Beitrag von "fakemaggy" hebt sich von der Masse ab. Sie bietet einen kreativen, poetischen, tiefsinnigen Text, der sicher noch nicht voll ausgereift ist, jedoch aufzeigt, wohin es in den nächsten Jahren mit der Autorin gehen könnte. Sie ließ sich beim Schreiben scheinbar als Einzige nicht so stark in das enge Korsett der Themenvorgabe zwängen, wagt hier mehr. Punkten konnte auch Leonard Stöckl durch den klug gewählten Schlusspunkt seiner Tagesbeschreibung. Sehr gern hätte ich mehr von den beiden Genannten gelesen.

Insgesamt ist dies für mich eigentlich ein "zwei-Sterne-Buch", da mir jedoch die grafische Gestaltung des Buches sehr gut gefällt und ich den AutorInnen mehr zutraue, als sie hier haben zeigen können, entscheide ich mich für die drei Sterne und hoffe auf zukünftig interessantere Geschichtensammlungen von "DOMBRO editoria". Die aktuell vorliegende Sammlung würde ich jedoch Kurzgeschichten-Fans nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Gut unterhalten, aber leider nicht tiefgründig genug

Paradise City
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In diesem Zukunftsthriller, der scheinbar mindestens 80-100 Jahre in der Zukunft spielt, beschäftigt sich Zoe Beck hauptsächlich mit dem Thema Gesundheits-App bzw. Gesundheitsüberwachung. Es wird ein Klassensystem ...

In diesem Zukunftsthriller, der scheinbar mindestens 80-100 Jahre in der Zukunft spielt, beschäftigt sich Zoe Beck hauptsächlich mit dem Thema Gesundheits-App bzw. Gesundheitsüberwachung. Es wird ein Klassensystem mit konformen Bürgern und Verweigerern dargestellt, welches (wie sollte es anders sein) deutliche Mängel aufweist. Die Geschichte dreht sich um die journalistische Rechercheurin Liina, welche einer zunächst langweiligen Story auf der Spur ist. Sie selbst wird in einen größeren Komplott hineingezogen, welcher bis in hohe Regierungskreise reicht. Soweit, so bekannt.

Beck entwirft eine interessante Zukunftsidee, die aber leider aus meiner Sicht nicht tiefgründig genug beleuchtet wird. In Rückblicken erfährt man nicht nur mehr über die Hauptfigur sondern auch zu den Geschehnissen, welche zum aktuellen Gesellschaftsmodell geführt haben. Die Thriller-Geschichte bleibt spannend und kurzweilig. Leider schaffte sie es nicht, mich emotional anzusprechen. Überraschend findet der Plot innerhalb wenider Seiten zum Schluss zu einem Ende. Alles wird irgendwie schnell abgeschlossen, aber gerade an der Stelle hätten noch einmel gute 50 Seiten zur Vertiefung genutzt werden können. Man fühlt sich ein wenig überrumpelt und fallengelassen. Schade, ich dachte noch kurz vor Schluss, es könnte sich um einen Fortsetzungsroman handeln. Die Sprache von Zoe Beck ist weniger intensiv/interessant, als ich sie von ihren Übersetzungstexten kenne und scheint sich eher in die Gepflogenheiten des allgemeinen Krimi- und Thrillergenres einzufügen. Sie bleibt simpel und wenig literarisch feinsinnig.

Insgesamt wurde ich recht gut unterhalten, würde nach der Lektüre aber auch nicht unbedingt nach anderen Büchern der Autorin greifen. Das gewählte Thema hätte auf jeden Fall das Thrillerformat eines Frank Schätzings verdient.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Zu viel der poetischen Sprache

Die Unschärfe der Welt
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In ihrem Roman erzählt die Autorin die Geschichte von Menschen aus einer nur selten aufgegriffenen historischen, wie auch geografischen Region, dem Banat. Ein Gebiet in Südosteuropa, welche als Vielvölker-Region ...

In ihrem Roman erzählt die Autorin die Geschichte von Menschen aus einer nur selten aufgegriffenen historischen, wie auch geografischen Region, dem Banat. Ein Gebiet in Südosteuropa, welche als Vielvölker-Region bezeichnet werden kann und in diesem Buch hauptsächlich der rumänische Anteil beschrieben wird. Unsere sieben Protagonisten, die in je einem Kapitel genauer begleitet werden, hängen dabei durch verschiedene Verwandtschaft- und Bekanntschaftsgrade miteinander zusammen und beeinflussen sich mitunter über Jahrzehnte hinweg gegenseitig.

Besonders die ersten beiden Kapitel des Buches machten es mir durch zu gewollt poetische Formulierungen in der Sprache der Autorin schwer, im Buch anzukommen. Die Geschichten interessierten mich wenig, die Sprache wirkte zu ausufernd, mitunter schwafelnd. Dadurch entstehen dann Sätze wie: „...setzte sich auf die Treppenstufen zum Hinterhof und überführte den Morgen seiner Anwesenheit.“ oder „Florentine war ... ein Einverständnis zugewachsen“. Dies änderte sich mit fortschreitender Kapitelzahl. Gerade zum Schluss fühlte ich mich erstmals der Familie ein bisschen nahe. Leider konnte ich, trotz interessanter Themengebiete, die im Roman angeschnitten werden, nicht berührt werden. Sowohl der Inhalt als auch die Figuren bleiben eine ferne Beobachtung. Verluste wirken nicht schlimm, da man nie wirklich nah dran war. Schade.

Hervorheben möchte ich, dass mir die gesamte Buchgestaltung wirklich sehr gefällt und es weiterhin eine Freude ist, das Buch in den Händen zu halten. Insgesamt handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen Roman, den ich explizit jemandem empfehlen würde, dafür bleibt er mir zu unkonkret.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Dagegen ist "Die Wand" ein lieblicher Heimatroman

Eigentlich müssten wir tanzen
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Beim Grundszenario von Heinz Helles Roman muss man natürlich als erstes an "Die Wand" von Marlen Haushofer denken, wobei sich einzelne Variablen unterscheiden. So reisen bei Helle fünf Männer um die 30 ...

Beim Grundszenario von Heinz Helles Roman muss man natürlich als erstes an "Die Wand" von Marlen Haushofer denken, wobei sich einzelne Variablen unterscheiden. So reisen bei Helle fünf Männer um die 30 für ein verlängertes Wochenende auf eine einsame Berghütte in die Alpen, um wie in alten Zeiten zu feiern/zu saufen. Am Morgen der Abreise liegt die Welt in Schutt und Asche und so machen sich die fünf scheinbar letzten Menschen zu Fuß auf den Weg nach Norden Richtung Heimat.

Helle erzählt den Roman aus Sicht eines Ich-Erzählers, der zur Truppe gehört, in wechselnden Episoden, welche zu Beginn des Buches direkt auf dem postapokalyptischen Fußmarsch einsetzt und später durch Rückblicke sowohl die Anreise zur Hütte, das Entdecken der ersten Anzeichen der Apokalypse sowie Szenen aus den Leben der fünf Protagonisten aufschachtelt.

Die Leserin wird direkt auf der zweiten Seite durch eine Gruppen-Vergewaltigungsszene geschockt und der Autor stellt damit eindeutig klar: Der Mensch wird zum Monster, wenn die Zivilisation zusammenbricht, denn schnell sind auch die zivilisatorischen Werte über Bord geworfen. Er macht deutlich, dass Männer, die "im früheren Leben" mitunter verheiratet und von Beruf Pilot, Mikrobiologe oder Anlagenberater sind, trotzdem schnell die Menschlichkeit beiseite schieben können. Da wird es gleich sehr schwer, Sympathien für die Protagonisten zu entwickeln. Trotz brutaler Handlungen der Figuren schafft es der Autor im weiteren Verlauf, dass diesen immer eine Rationalität zugrunde liegt und somit auch ein gewisses Verständnis entstehen kann. Ich kreide es jedoch dem Autor an, dass er unreflektiert bis zum Schluss die Vergewaltigungsszene vom Beginn stehen lässt. So könnte ein abgestumpfter Leser geneigt sein, dies hinzunehmen als "notwendiges Übel zur Erleichterung in harten Zeiten". Sprachlich arbeitet der Autor sehr gut und fädelt geschickt philosophische Betrachtungen in die Erzählung ein.

Insgesamt konnte der Roman mich nicht vollkommen überzeugen. Eine durchaus interessante Abwandlung des "Die Wand"-Themas, jedoch mit - wenn auch nur an einem Punkt - zu viel unreflektierter Brutalität. Hier hätte aus meiner Sicht eine psychologische Einordnung passieren müssen, die mir definitiv fehlt.

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