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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Zwischen Rausch und Verlust

Es war nicht anders möglich
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Das Cover des Debütromans von Svenja Liesau hat mich sofort angesprochen. Auch der Klappentext versprach eine interessante Geschichte - was dann aber erwartete, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet: ...

Das Cover des Debütromans von Svenja Liesau hat mich sofort angesprochen. Auch der Klappentext versprach eine interessante Geschichte - was dann aber erwartete, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet: ein wilder Ritt zwischen Rausch und Trauer.
Das Buch startet mit einer langen Playlist, die der Rowohlt-Verlag auch auf entsprechenden Streamingplattformen teilweise bereitstellt. Für ein stilechtes Erlebnis lief die Playlist natürlich während der Lektüre mit.
Im Zentrum des Buches steht Martina, die den Verlust ihres Vaters zu verarbeiten hat. Neben der Bewältigung dieses Verlusts stehen jedoch Rauschzustände und Berliner Eckkneipen im Mittelpunkt. Nach dem ersten Teil voller teilweiser Absurditäten schüttelt man vielleicht ein wenig den Kopf, will jedoch weiterlesen, um zu verstehen, was in der Protagonistin vorgeht. Im gesamten Buch verschwimmen Realität und absurde Rauschzustandsgedanken mit Gedanken an den verstorbenen Vater (inklusive Briefe und SMS an ihn). Daraus entsteht ein eigenwilliger, stellenweise absurder Text, der sich nicht immer leicht greifen lässt – der mir aber gerade durch diese Unberechenbarkeit Freude beim Lesen bereitet hat.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Ein Blick in verletzte Seelen

Narbenmädchen
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Der Klappentext von Lilly Bogenbergers Debütroman Narbenmädchen klang recht interessant, so habe ich mir das Buch näher angesehen. Ich hatte nicht gedacht, dass mich dieses Buch im Endeffekt so zum Nachdenken ...

Der Klappentext von Lilly Bogenbergers Debütroman Narbenmädchen klang recht interessant, so habe ich mir das Buch näher angesehen. Ich hatte nicht gedacht, dass mich dieses Buch im Endeffekt so zum Nachdenken bringt und mich bewegt.
Im Zentrum der Geschichte steht Lara, die aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Selbstverletzungen (sie nennt Ritzen einfach "Schneiden") vier Wochen in einer Kurklinik mit anderen Jugendlichen verbringt - von den Jugendlichen aufgrund eines Graffitis "Elisabethknast" genannt. Dabei entwickelt sich die Freundschaft zu Neo und Finn zu einer eigenen Art von Therapiegruppe, die im Endeffekt Anker für alle drei und ihre Zukunft ist.
Der Roman greift eine Vielzahl belastender Themen auf, mit denen Jugendliche konfrontiert sein können: Selbstverletzung, Essstörungen und Suizidgedanken. Dabei gelingt es der Autorin, zumindest ansatzweise Einblicke in die Gedankenwelt der Betroffenen zu geben. Man beginnt zu verstehen, was in jungen Menschen vorgehen kann, die mit solchen inneren Kämpfen ringen.
Gerade dieses Nachdenken über die dargestellten Probleme und die bestehenden Therapieansätze hat mich besonders bewegt. An manchen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Tiefe und Ausarbeitung gewünscht. Insgesamt ist Narbenmädchen jedoch ein berührendes Debüt.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Zerrisenheit

Zugwind
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Zunächst konnte ich mit dem Cover wenig anfangen – und doch passt es im Nachhinein erstaunlich gut zum Ton des Buches. Die Protagonistin Mira Zehmann erzählt von ihrem Leben in Deutschland, wohin sie aus ...

Zunächst konnte ich mit dem Cover wenig anfangen – und doch passt es im Nachhinein erstaunlich gut zum Ton des Buches. Die Protagonistin Mira Zehmann erzählt von ihrem Leben in Deutschland, wohin sie aus der Ukraine, genauer aus Odesa, in die "Stadt N." gezogen ist. Sie erzählt von ihrem Leben, von ihrer Familie und ihrer Arbeit als Ärztin.
Und genau diese Arbeit ändert sich, als der Krieg in der Ukraine beginnt. Plötzlich suchen viele ukrainische Flüchtlinge ihre Praxis auf, weil sie ja "ein von ihnen" ist. Diese Situation löst eine Zerrissenheit in Mira aus, ein Zugwind in ihr setzt sich fest. Sie möchte ihr Leben leben, aber darf man auf Urlaub fahren, wenn im Heimatland Krieg herrscht? Darf man sein Leben weiterleben, wenn Freunde und Bekannte in Gefahr sind?
In einer bewusst schlichten, beinahe nüchternen Sprache wird diese innere Spannung erzählt. Dadurch wird es zu einem Buch, dass zum Nachdenken anregt. Nachdenken über die Schwere des Krieges, über die, die fliehen und die, die bleiben und ihr Leben trotzdem weiterleben. Keine einfache Situation. Ich habe dieses Buch gerne gelesen, wer etwas zum Nachdenken braucht, gerne mal zu diesem Buch greifen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

interessante neue Perspektive

Elyssa, Königin von Karthago
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Die Geschichte um Aeneas war mir noch aus dem Lateinunterricht bekannt, daher weckte dieses Buch mit seiner Neuerzählung sofort mein Interesse. Die Autorin wählt eine faszinierende Perspektive: Der Ich-Erzähler ...

Die Geschichte um Aeneas war mir noch aus dem Lateinunterricht bekannt, daher weckte dieses Buch mit seiner Neuerzählung sofort mein Interesse. Die Autorin wählt eine faszinierende Perspektive: Der Ich-Erzähler bzw. die Ich-Erzählerin wechselt von Kapitel zu Kapitel. Als Leser/in taucht man dadurch in die Gedankenwelten von Aeneas, Elyssa, Anna, Eros und sogar Vergil ein. Diese unterschiedlichen Blickwinkel auf die Geschichte sind erfrischend und äußerst interessant.

Besonders nachvollziehbar ist die aufblühende Liebe von Elyssa zu Aeneas, die aus Elyssas Gedanken gut herauszulesen ist. Allerdings empfand ich manche Passagen als etwas langatmig. Dennoch bleibt die Erzählung spannend, vor allem durch die geschickte Einbindung von Vergil und so einen klaren Bezug zu seinem Aeneas-Epos herstellt. Dieser literarische Kniff verleiht dem Buch eine zusätzliche Tiefe und macht es zu einer empfehlenswerten Lektüre für alle, die sich für antike Mythologie und neu interpretierte Klassiker interessieren.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

nette kleine Weihnachtsgeschichte

Das verborgene Weihnachtskind
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Titus Müller liefert hier eine nette kleine Weihnachtsgeschichte und will damit das zentrale Wesen des Weihnachtsfestes herausstreichen.
Grundsätzlich zeigt der Text ein paar kleine Ideen wie unsere Zukunft ...

Titus Müller liefert hier eine nette kleine Weihnachtsgeschichte und will damit das zentrale Wesen des Weihnachtsfestes herausstreichen.
Grundsätzlich zeigt der Text ein paar kleine Ideen wie unsere Zukunft mithilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz aussehen könnte. Viele Dinge werden sicherlich unser Leben erleichtern, natürlich gibt es auch Tücken und man muss vorsichtig sein, sodass die Menschheit nicht nur mehr von Maschinen abhängig ist und vergisst, dass Menschsein auch beinhaltet, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Leben kann wohl nicht nur daraus bestehen, einen (digitalen) Tagesablauf zu haben, es gibt viel mehr auf das man sich besinnen sollte.
Der Text ist insgesamt sehr leicht zu lesen und arbeitet recht schnell auf das Ende und die Aussage des Buches hin. Perfekte Lektüre für einen Weihnachtsnachmittag, für meinen Geschmack könnte man aus dem Stoff noch mehr rausholen, detaillierter und breiter in der Erzählung werden.

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