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Veröffentlicht am 13.06.2026

Wie Ödnis so einen Sog erzeugen kann?

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Einem über 30 Jahre alten BookTok-Hype konnte ich mich nicht entziehen. TikTok gibt es noch nicht so lange, denken jetzt einige. Das stimmt, aber den Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline ...

Einem über 30 Jahre alten BookTok-Hype konnte ich mich nicht entziehen. TikTok gibt es noch nicht so lange, denken jetzt einige. Das stimmt, aber den Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpamnn, welcher 1995 erstmals erschienen ist & dank TikTok eine Wiederbelebung erfahren hat. Ich kann Marie-Luise Goldmann nur zustimmen, die am 9. März 2026 (welch Zufall, dass das mein Geburtstag ist) in Welt am Sonntag meinte: „… vermutlich das Beste, was TikTok je angestoßen hat!“

„Mir fehlen wohl einige der Erfahrungen, die einen erst zum Menschen machen.“ S. 133

Was ist so besonders an dieser Dystopie? Alles & Nichts könnte man sagen. 39 Frauen & 1 Mädchen gefangen in einem unterirdischen Käfig, einem künstlichen Zeitrhythmus ausgesetzt, Tag für Tag eine Routine, die sie selbst nicht beeinflussen können, bewacht von Männern, die nicht sprechen, aber alles sehen. Ein Ereignis was den Frauen & dem Mädchen zur Flucht verhilft. Eine Flucht wohin?

Der Roman erzählt eindringlich & doch mit einer Ruhe, wie es den Frauen & der Kleinen im Käfig als auch in der Außenwelt ergeht. Eine Außenwelt, die anders ist, als Alles was die Frauen kannten, die Kleine, im Käfig aufgewachsen kannte Nichts. Weites Land, Ödnis …

„Sie fragte sich, wann wie begriffen hatten, dass wir im Freien genauso ausweglos gefangen waren wie hinter den Gittern des Käfigs.“ S. 142/143

Der Klappentext verrät Alles & Nichts. Der Roman wirft viele Fragen auf, die sich jeder selbst beantworten muss. Was macht Menschsein aus? Ist es das, was die Gesellschaft aus uns macht? Was wären wir ohne andere Menschen, ohne gewohnten Alltag, ohne das Leben selbst? Ist es angeboren, entwickelt es sich natürlich? Kann es verkümmern, wenn man es nicht auslebt? Kommen Emotionen ohne zwischenmenschliche Interaktion überhaupt auf?

„Zeit ist etwas Menschliches“ S. 210

Dieses Buch darf zu keiner Zeit wieder in Vergessenheit geraten. Es ist ein außergewöhnliches Werk & schade, das die Autorin den verspäteten Ruhm nicht mehr erleben kann.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Braucht dieses Buch eine Triggerwarnung?

Die Namen
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Vorweg, ich habe dieses Buch voller Begeisterung gelesen! Obwohl ich dies beinahe nicht getan hätte, da mich der Klappentext nicht abgeholt hat. Danke für Empfehlung, das in diesem Buch so viel mehr steckt.

Das ...

Vorweg, ich habe dieses Buch voller Begeisterung gelesen! Obwohl ich dies beinahe nicht getan hätte, da mich der Klappentext nicht abgeholt hat. Danke für Empfehlung, das in diesem Buch so viel mehr steckt.

Das Buch beginnt mit der Geburt von Bear, Julian & Gordon. Keine Drillinge, auch nicht zufällig am selben Tag geborene Kinder, sondern ein Mensch, der in drei parallel verlaufenden Handlungssträngen mit unterschiedlichen Namen, Entscheidungen, Situationen aufwächst & erwachsen wird. Der erwachsen wird trotz eines Vaters der nicht „nett“ ist …

Da bin ich auch schon beim Kern der Sache. Der Inhalt polarisiert. Beim Lesen bin ich gehäuft über Beiträge & Stimmen gestoßen, die finden, dass es hier eine Triggerwarnung gebraucht hätte. Für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, kurz ohne zu spoilern, häusliche Gewalt ist ein großes Thema in diesem Roman.

Ich musste über diese Forderung nachdenken, verstehe auch den Hintergrund. Seitdem schwirrt mir Einiges dazu im Kopf herum. Ist es vielleicht richtig nicht vor Allem zu warnen, um ein Thema, vor dem gesellschaftlich auch gerne mal die Augen verschlossen werden, weil es einen selbst nicht betrifft & man somit die Negativität, die real ist, nicht einfach wegschieben kann? Fangen wir an vor Allem warnen zu wollen & irgendwann zu müssen? Ich überspitze jetzt mal. Gehen wir in ferner Zukunft ins Museum & die Exponate sind verhangen, mit Hinweisschildern versehen, weil es gegebenenfalls Dinge zeigt, die aufwühlen könnten? Ist der Zeitgeist, dass wir entstehende Emotionen, vor dem Entstehen einen Riegel vorschieben? Wäre eine Ausweitung der Altersbeschränkung eine Alternative? Ich könnte die Gedanken ewig weiterführen, leider lässt die Zeichenbegrenzung das nicht zu …

Nicht das ich für unsensibel & empathielos gehalten werde. Ich habe leider im Bekanntenkreis auch eine Person (hoffe das es nur eine ist & war), die über Jahre ein Opfer war. Ich bin dankbar, dass in der Vergangenheitsform schreiben zu können. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Thematisierung sicherlich nicht einfach ist, aber schlimmer ist, das Schweigen!

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Kala hat mich in ihren Bann gezogen

Kala
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Dieses Buch hat mich von Anfang an interessiert, das Cover, der Klappentext haben mich sofort abgeholt. Der erste Eindruck, das könnte mal wieder ein Buch sein, das ein so sehr geliebtes Lesegefühl weckt, ...

Dieses Buch hat mich von Anfang an interessiert, das Cover, der Klappentext haben mich sofort abgeholt. Der erste Eindruck, das könnte mal wieder ein Buch sein, das ein so sehr geliebtes Lesegefühl weckt, das ich das Buch nicht so schnell lesen kann wie ich gern wöllte und wiederum gar nicht möchte das es so schnell vorbei ist.

Dann die ersten 100 Seiten, ich war nicht enttäuscht, eher etwas entrüstet, weil es mich noch nicht so gefesselt hat, wie ich es mir erhofft hatte. Etwas fehlte mir noch, der Spannungsbogen hatte sich noch nicht so aufgebaut, die Charaktere alle schön vorgestellt & nahmen in meinem Kopf Gestalt an & doch wirkte es, etwas zu sehr konstruiert, es fühlte sich noch nicht leicht an.

Dann der Kipppunkt, der Switch, der Twist, die Eigendynamik hatte mich gecatcht. Der Wechsel zwischen Gegenwart & Vergangenheit von Helen, Musch & Joe, die Erzählung aus den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten im Hier & Jetzt, wundervoll verknüpft mit Erinnerungen und Rückblenden. Fragen entstehen im Kopf, werden beantwortet, werden offengelassen. Details kommen ans Licht, werden angedeutet, Mutmaßungen die im Raum stehen …

Kurzum, Kala als Buch hatte mich fest in der Hand, so wie sie als Figur ihren Freundeskreis in ihren Bann gezogen hat. Kolin Walsh hat hier eine Geschichte konstruiert, aufgespannt & mir präsentiert, die ein wundervolles Lesegefühl hervorgerufen hat. Trotz der Startschwierigkeiten war es ein innerliches Blumen pflücken es zu lesen. Die Frage nach der Leseempfehlung erübrigt sich!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Tragisch schön

Der Fährmann
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Das Buch ist gespickt mit kleinen Zwischenkapiteln die immer mit „Anderswo“ betitelt sind und eben mit einem solchen beginnt das Buch. Man wird sofort mit einem sich anbahnenden Unglück konfrontiert und ...

Das Buch ist gespickt mit kleinen Zwischenkapiteln die immer mit „Anderswo“ betitelt sind und eben mit einem solchen beginnt das Buch. Man wird sofort mit einem sich anbahnenden Unglück konfrontiert und somit auch mit der Struktur des Romans, immer damit rechnen zu müssen, dass dieser seltene schöne Moment, diese idyllische Ruhe, das friedlich geführte Gespräch in etwas mündet, das nicht gut endet.

Am Anfang lernen wir die vier Hauptprotagonisten kennen und mit ihnen gefühlt auch das halbe Dorf bzw. die halben Dörfer, denn es dreht sich schließlich um zwei, die direkt an der Grenze von Österreich und Deutschland liegen, getrennt durch die Salzach, einzig verbunden durch die Fähre. Man wird als Leser schnell mit den gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten konfrontiert & eben auch mit der Ungerechtigkeit die daraus hervorgeht.

Das Buch ist nicht zimperlich mit dem Leser, kaum schöpft man etwas Hoffnung, das die Brutalität endet und man sich der romantischen Vorstellung hingeben könnte, wird der Moment in die Realität zurückgeholt. Trotzdem liest man weiter, so wie man vielleicht an das Gute in jedem Menschen glaubt, will man das Gute in dem Buch erreichen, das versöhnliche Ende, das doch kommen muss, bei all der Grausamkeit und dem Leid, was die Leute erleben. Ob es dies gibt, muss jeder selbst erfahren bzw entscheiden, ob es ein Ende ohne Schrecken oder doch ein Schrecken ohne Ende ist oder Beides ist, sein kann.

Das Setting an der Salzach fand ich wundervoll gewählt, tatsächlich hatte ich mehr als einmal das Gefühl, das der Fluss sinnbildlich für Mehr steht, für die Gesellschaft, die ebenfalls nicht ausbrechen kann, wie der Fluss es nicht aus seinem Flussbett schafft, wie es in den Menschen brodelt, so wie auch die Strömungen unter der Oberfläche sprudeln. Vielleicht kann mir Regina Denk beantworten ob dieser Eindruck ein bißchen wahr ist?

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Veröffentlicht am 21.03.2026

„Einen schlechten Tag noch“ – Kap. 15 S. 157

Eine Frage der Chemie
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… wird kein Mensch haben der dieses Buch liest. Ein Buch über Elizabeth Zott, Chemikerin, TV Köchin, ihre kleine Tochter, ihr absolutes Mini-Me und den Familienhund, der schlauer zu sein scheint als einige ...

… wird kein Mensch haben der dieses Buch liest. Ein Buch über Elizabeth Zott, Chemikerin, TV Köchin, ihre kleine Tochter, ihr absolutes Mini-Me und den Familienhund, der schlauer zu sein scheint als einige Menchen es sind.

Ich spare mir die Zeit ausführlich über den Inhalt des Buches zu berichten, den sich jeder selbst erlesen sollte und weil ich es selbst nicht mag, Dinge zu lesen, die weit über den Klappentext hinausgehen.

Was ich mir nicht spare, eine Lobeshymne auf Bonnie Garmus für die Erschaffung des Romans und somit auch der Figur Elizabeth Zott. Mit ihr wurde eine Protagonistin geschaffen, die einem nur in ihrem Bann ziehen kann. Sie ist rational ehrlich, auf eine Weise, an der sich viele ein Beispiel nehmen könnten. Sie hinterfragt nicht ob, es sich gehört gewisse Dinge auszusprechen, sie formuliert Tatsachen, enthüllt damit gesellschaftliche Widersprüche und das in einer Zeit, wo Frauen einem bestimmten Rollenbild entsprechen sollten. Ihre Andersheit sorgt ungewollt für einige Schmunzler über doch Recht ernste Themen und trifft damit genau den Geist des Lesers.

Übersetzt von: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
(ohne sie wäre das Buch für viele nicht lesbar, was fast eine Tragödie wäre, danke dafür)

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