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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2025

Wissen ist nicht gleich Wahrheit

Himmelerdenblau
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Ich habe den Roman angefangen zu lesen und als Hörbuch weitergehört und egal für welche Form man sich entscheidet, es ist ein herausragendes Werk.

Theo, dessen fortschreitende Demenz ihn immer weiter ...

Ich habe den Roman angefangen zu lesen und als Hörbuch weitergehört und egal für welche Form man sich entscheidet, es ist ein herausragendes Werk.

Theo, dessen fortschreitende Demenz ihn immer weiter am erinnern hindert, will nach 20 Jahren das Verschwinden seiner Tochter aufklären, ehe er dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist. Liv eine True-Crime-Podcasterin und ihr Partner greifen den Fall wieder auf und wollen sogar eine Reportage darüber machen. Sophia die jüngere Schwester der Verschwundenen, die zwischen Trauer, vergessen wollen und letzter Hoffnung sich den beiden vorangegangen nicht ganz unfreiwillig anschließt. Daniel, der Ex-Freunde der Vermissten, damals beschuldigt und zu Recht freigesprochen oder vielleicht auch nicht …

Romy Hausmann zeigt in Himmelerdenblau das Wissen nicht gleichbedeutend ist mit der Realität, mit Wahrheit. Sie zeigt wie unterschiedlich man Indizien und Tatsachen miteinander verknüpfen kann und doch zu dem gänzlich falschen Schluss kommen kann oder auch zu dem richtigen, der trotzdem nicht zur Wahrheit führt. Und auch wenn zum Schluss alle Fäden zusammenlaufen, bleibt man als Leser mit dem Gefühl zurück das ein kleiner verirrter Faden nicht zum ziel gelangt ist und genau dieser birgt noch das ein oder andere Detail. Das eine Stück was ein Puzzle vollendet. Mit letzten Fragen im Kopf, ist zwar alles aufgeklärt aber man merkt das Wissen und Wahrheit auch immer ein wenig Interpretationssache ist.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Wie Phönix aus der Asche

Sunbirds
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Wer wären wir? Wie wären wir? Ohne Verpflichtungen, gesellschaftliche Normen, Besitz, Bedenken … Wären wir anders, wären wir, wir selbst? All diese Fragen kamen in mir auf, als ich Sundbirds gelesen habe.
Anne ...

Wer wären wir? Wie wären wir? Ohne Verpflichtungen, gesellschaftliche Normen, Besitz, Bedenken … Wären wir anders, wären wir, wir selbst? All diese Fragen kamen in mir auf, als ich Sundbirds gelesen habe.
Anne ist auf der Suche nach ihrem Sohn. Vor Jahren ist er in Indien verloren gegangen und seitdem sucht sie ihn. Es scheint als hätte sie sich bei dieser Suche über die Jahre selbst verloren oder hatte sie das schon vorher. Ist sie im Leben falsch abgebogen oder genau auf dem richtigen Weg.
Fast scheint sie sich der Tatsache hinzugeben ihn nie wieder zu finden, bis neue Hinweise sie dazu bewegen, sich mit ihrer Nichte Esther auf eine letzte Reise zu begeben. Eine Reise, von der sie nicht ahnt, dass sie alles finden wird was sie sucht, vor Allem sich selbst.
In Sunbirds wird eine Reise beschrieben, wie sie vielleicht jeder von uns einmal im Leben gehen sollte. Das Buch ist von einer gedanklichen Schlichtheit, dass es wiederum wunderschön ist, Seite um Seite weiter zu gehen. Es lässt einen sich selbst fragen, tue ich Dinge, weil ich sie tun will oder weil es erwartet wird, weil man meint es tun zu müssen. Die Antworten findet jeder Leser selbst in seinen Gedanken …

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Wiederbelebung mit Worten

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Liliana: eine junge Studentin der Architektur in Mexiko-Stadt. Lebendig, voller Emotionen, Ideen, Tatendrang, die jedweden Gedanken schriftlich festhält. Schreiben ist ihre Form des Ausdrucks und Verarbeitung ...

Liliana: eine junge Studentin der Architektur in Mexiko-Stadt. Lebendig, voller Emotionen, Ideen, Tatendrang, die jedweden Gedanken schriftlich festhält. Schreiben ist ihre Form des Ausdrucks und Verarbeitung mit den Personen um sie herum und mit ihrem Inneren.

Liliana: ein Femizid-Opfer

Cristina Rivera Garza hat etwas Wundervolles vollbracht, sie hat ihrer getöteten Schwester mit Worten wieder Leben verliehen. Worte von Liliana selbst, Worte ihrer Familie, Worte von Freunden.

Wenn man die Information, das Liliana durch ihren Ex-Partner getötet wurde, enthalten würde, ist es ein Buch was eine Frau beschreibt, die ihr junges Leben lebt. Diese Information hat man natürlich als Leser, sie schwingt überall mit, findet sich zwischen den Zeilen, wird ganz klar ausgesprochen. Und genau darum geht es in diesem Werk. Es stellt das Leben und Wesen von Liliana auf eine ganz spezielle Art und Weise dar, das man das Gefühl hat, sie wäre wiederbelebt.

Zugleich ist das Buch ein Mahnmal, ein riesiges Ausrufezeichen hinter der Thematik Femizid.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was treibt dich bis zum Äußersten? Was hält dich vom Äußersten ab?

Zugvögel
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Franny, ist in sich selbst gefangen, mit den Bürden die sie sich im Laufe ihres Lebens auferlegt hat. Und doch ist Franny ein Freigeist, der nichts mehr widerstrebt als gefangen zu sein, in einem Raum, ...

Franny, ist in sich selbst gefangen, mit den Bürden die sie sich im Laufe ihres Lebens auferlegt hat. Und doch ist Franny ein Freigeist, der nichts mehr widerstrebt als gefangen zu sein, in einem Raum, an einem Ort, in einer Situation.

Franny liebt das Meer, ist mit ihm verbunden und sie liebt Vögel, seit ihrer Kindheit. Eben diese Liebe verbindet sie mit ihrem Mann, dem sie seinen Lebenstraum erfüllen will. Sie will beweisen das die Küstenseeschwalben nicht ebenso ausgestorben sind, wie viele der Tierarten in der Welt in der sie mittlerweile lebt.

Franny begibt sich auf eine Reise, von ihren Wanderfüßen getragen, findet sie die Schwalben und folgt ihr auf ihrem Zug rings um den Globus. Nichts ahnend, dass das Ende dieser Reise anders sein wird als sie es für sich geplant hat. Nicht ahnend, dass sie außer den Vögeln sich selbst findet, inneren Frieden. Nicht ahnend wie weit sie bereit sie bereit ist zu gehen und dass das Äußerste, was sie sich vorstellt und bereit ist zu tun, nicht annähernd das ist was sie am Ende erwartet.

Dieses Buch ist ein emotional und mental konstruiertes Meisterwerk. Man versinkt in Frannys Gedanken, in ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und fragt sich was die Zukunft mit ihr anstellen wird. Über all diese Gedanken hinaus, stellt das Buch auch gesellschaftliche Fragen, Fragen die sich die Protagonistin für alle Leser stellt und jeder für sich selbst beantworten muss.

Ich muss denke ich nicht erwähnen, das ich jedem empfehle es zu lesen, wenn sich die Möglichkeit bietet.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Das letzte Kapitel ...

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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… vom 89-jährigen Bo der seine Tage mit seinem Hund Buster in der weiten Leere seines Hauses fristet, was er nur noch selten und wenn auch nur kurz für eine Gassirunde verlässt. Doch so leer und einsam ...

… vom 89-jährigen Bo der seine Tage mit seinem Hund Buster in der weiten Leere seines Hauses fristet, was er nur noch selten und wenn auch nur kurz für eine Gassirunde verlässt. Doch so leer und einsam wie es scheint, ist Bo längst nicht. Was ihn ständig begleitet – seine Erinnerungen. Erinnerungen an ein langes Leben, an seine Frau, an seinen Sohn, an harte Arbeit. Erinnerungen die er, jetzt wo er körperlich nicht mehr so schaffen kann, wie er gern wollen würde, Revue passieren lässt. Erinnerungen die er festhält, analysiert, vergleicht und geniest. Erinnerungen die ich hinterfragen lassen, was er hätte anders machen können, was er jetzt noch ändern kann. Erinnerungen an Ungesagtes, Ungefühltes und Ungetanes.

Im Laufe des Romans werden Bo’s Gedanken und Taten mit Einträgen des Pflegedienstes gemischt. Diese Einträge sind, wie die zweite Seite einer Medaille. Und man erkennt, dass keine der Seiten falsch ist, dass es einfach an der Wahrnehmung liegt, daran auf welcher Seite man sich befindet und ja vielleicht auch, ob es einem gelingt, beide Seiten mit Unvoreingenommenheit zu betrachten. Dadurch schafft das Buch ein Verständnis zwischen Generationen, zwischen unterschiedlichem Handeln, zwischen ähnlichen Verhaltensweisen und woher diese rühren.

Dieses Buch hat mich mit Tränen zurückgelassen, etwas das ein Buch selten, um nicht zu sagen bisher in der Form noch nie geschafft hat. Anfangs war ich skeptisch wo diese Reise, um einen alten Mann in seiner Küche, hingehen soll. Bis ich erkannt habe, dass es zum einen seine letzte gedankliche Reise und zugleich eine Reise durch sein Leben ist, welches er in Frieden abschließen möchte.

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