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Veröffentlicht am 15.04.2026

Mensch, liebender Ehemann und Vater, Widerstandskämpfer, Christ

Helmuth James von Moltke
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Ich interessiere mich als Laie sehr für die Ereignisse während des Dritten Reiches, weil ich es wichtig finde, sich zu erinnern. Und stelle immer wieder fest, dass ich nur kleine Puzzleteile kenne. So ...

Ich interessiere mich als Laie sehr für die Ereignisse während des Dritten Reiches, weil ich es wichtig finde, sich zu erinnern. Und stelle immer wieder fest, dass ich nur kleine Puzzleteile kenne. So sind mir zwar die Ereignisse rund um den 20.Juli 44 bekannt und Graf von Stauffenberg ein Begriff, aber der Kreisauer Kreis und Helmuth James von Moltke eher eine Leerstelle.

Der Autor zeichnet anhand des regen Briefwechsel, den von Moltke mit vielen verschiedenen Personen und im besonderen mit seiner Ehefrau Freya führte , ein lebendiges Bild und zeigt den Menschen hinter der historischen Person. Von Moltke wurde 1907 im kleinen Dorf Kreisau nahe Breslau geboren . Sein Elternhaus war liberal, besonders dank seiner Mutter Dorothy, die aus Südafrika stammte. Er war neuen Ideen aufgeschlossen und durch seine Reisen und Kontakten zu fortschrittlichen Gruppierungen nicht in engen Denkweisen gefangen. Von Anfang an stand er dem Naziregime ablehnend gegenüber. Er studierte Jura, sah seine Berufung aber in der Politik.

Zum Widerstandskämpfer , der Gleichgesinnte um sich sammelte, wurde er 1940 durch die Kriegshandlungen. Er war ein strikter Gegner der Appeasement Politik des Auslandes. Auf der anderen Seite lehnte er einen Umsturz durch ein Attentat auf Hitler aus nachvollziehbaren Gründen ab. Er sah seine Aufgabe darin, einen Plan für die politischen Ordnung nach dem Zusammenbruch des Regimes zu schaffen .

Moltke war sich immer bewusst, dass ihm sein Engagement, das Leben kosten konnte. Trotz dieser Gefahr hat ihn seine Frau Freya vorbehaltlos unterstützt und zuhause den Rücken frei gehalten. Für mich waren die Kapitel, die seinen Gefängnisaufenthalt schildern die mich am meisten berührt haben. Er hat in seiner Haltung nicht gewankt und hat seine Hoffnung auf Gott gesetzt. Der Briefwechsel mit Freya aus dieser Zeit ist sehr emotional und zeugt von großer Liebe. Für mich zeigt sich hier der Mensch , dem ich nahe kommen kann. Zudem gibt es einen kleinen Eindruck davon, was er und seine Mitstreiter persönlich auf sich genommen haben.

ich als Laie konnte dem Inhalt gut folgen. Es ist verständlich geschrieben und die vielen Zitate machen es lebendig. Eine Herausforderung war die Fülle der Daten. Der Autor gibt parallel zu Moltkes Leben einen kurzen Abriss der jeweiligen politischen Ereignissen und Entwicklungen. Da sind Vorkenntnisse von Vorteil, um den Überblick nicht zu verlieren. Das Buch mir viele neue Informationen beschert und einiges zum Nachdenken gegeben. Gut gefallen hat mir zudem , dass die Lebenswege der überlebenden Mitstreiter und seiner Ehefrau nach seinem Tod nachgezeichnet werden .

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Was im Leben wirklich zählt

Willkommen in Deerhusen. Scheitern mit Seeblick
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ady Isabell Duval und ihre erwachsenen Kinder Lukas und Clara werden über Nacht aus ihrem glamourösen Münchner High Society -Leben gerissen. Ehemann verhaftet, Vermögen weg, Freunde weg und dazu eine ...

ady Isabell Duval und ihre erwachsenen Kinder Lukas und Clara werden über Nacht aus ihrem glamourösen Münchner High Society -Leben gerissen. Ehemann verhaftet, Vermögen weg, Freunde weg und dazu eine sensationsgierige Journalistenmeute. Da bleibt nur die Flucht, aber wohin ohne Geld ? Nur gut, dass Isabell eine Schwester im nordfriesischen Deerhusen hat. Schwester Stine ist wenig begeistert über das plötzliche Auftauchen der Verwandtschaft , die gerade einen Kulturschock verarbeiten - kein Champagner und kein Personal. Nun müssen sich alle gezwungenermaßen neu erfinden.

Mir hat das Lesen großen Spaß gemacht. Die Autorin spielt gekonnt mit Klischees auf beiden Seiten . Gerade zu Beginn fand ich die Situation für Isabell und ihre Kinder zu komisch. Ich stelle es mir beängstigend vor, plötzlich völlig mittel- und obdachlos zu sein, trotzdem konnte ich über das Fehlen jedweden Realitätssinns und der damit verbundenen Überforderung der Familie herzlich lachen. Schon das Lösen einer Bahnfahrkarte ist eine kaum lösbare Aufgabe.

Schwester Stine ist aus Deerhusen nie weggekommen und führt eine kleine Pension mehr schlecht als recht. Veränderungen sind ihr ein Gräuel und so ist die Ankunft der Schwester kein Grund zur Freude. Zumal zwei völlig verschiedene Lebensentwürfe aufeinander treffen. Stine war mir auf jeden Fall näher als Isabell und ich konnte ihre Sichtweise oft verstehen. Die verschiedenen Erwartungshaltungen bieten reichlich Gelegenheit zu humorvollen Szenen. Trotzdem müssen alle irgendwie miteinander zurecht kommen. Beinahe unmerklich spielt sich das Zusammenleben ein und mir hat gut gefallen, wie beide Seiten auch das Gute im anderen entdecken und zu einer Familie zusammen wachsen.

Was ich ebenfalls gelungen fand, war die Erzählweise. Jede der vier Personen kommt abwechseln zu Wort und ich konnte sie dadurch gut kennenlernen. Clara sucht ihr Heil und Fluchtmöglichkeit in der Bekanntschaft mit einem reichen Mann, was sich dann anders entwickelt als erwartet. Lukas, der als Anwalt gearbeitet hat, entdeckt sein handwerkliches Geschick und hat mich mit seiner Haltung am meisten beeindruckt. Neben ihm hat auch das Schaf Anneliese mein Herz erobert. Ohne sie wäre die Geschichte nur halb so stimmungsvoll.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Ein Wohlfühlroman, der die Liebe feiert

Highland Happiness – Die Sternwarte von Kirkby
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Das war mein erster Besuch im schottischen Kirkby und es war sicher nicht mein letzter. Manche mögen die Reihe abfällig als Frauenromane bezeichnen, was auf den ersten Blick stimmt. Was der Roman aber ...

Das war mein erster Besuch im schottischen Kirkby und es war sicher nicht mein letzter. Manche mögen die Reihe abfällig als Frauenromane bezeichnen, was auf den ersten Blick stimmt. Was der Roman aber in erster Linie bietet, ist großartige Unterhaltung und eine erholsame Auszeit vom stressigen Alltag. Dabei werden durchaus schwierige Themen behandelt, aber so gut in die Handlung integriert, dass man sich nicht belehrt oder gelangweilt fühlt. Und ja, es gibt ein Happyend, was ich persönlich sehr gut finde. Drama habe ich im Alltag genug.

Die Autorin erzählt die Geschichte von Leo und Flora, die beide eine schwierige Vergangenheit haben, was dazu führt, dass die Liebe ein paar Anläufe braucht, bis sie zusammenfinden. Das fand ich durchaus realistisch und dabei einfühlsam geschildert , wie die beiden Vertrauen fassen. Leo möchte die erneuerbaren Energien voran bringen und stößt nicht überall auf Gegenliebe . Das wiederum fand ich aktuell und interessant. Auch das schwierige Thema der Familienplanung wird respektvoll angeschnitten. Was neben den kleinen und großen Dramen zudem für den Roman spricht, ist der Humor. Es gibt viele witzige Szenen, die mich zum lachen gebracht haben. Und nebenbei erwähnt, man kann der Handlung gut folgen, ohne die anderen Bände zu kennen, was ich aber unbedingt nachholen will. Für mich war das Buch ein gelungenes Gesamtpaket, das mir einige entspannte und unterhaltsame Lesestunden beschert hat.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Unterhaltsamer Roman mit tiefen und interessanten Einblicke in das bäuerliche Leben

Tage des Wandels
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Bereits der 1. Band der Saga konnte mich begeistern und auch die Fortsetzung konnte mich überzeugen. Man muss den 1. Band nicht kennen, um der Handlung folgen zu können. Die Autorin nimmt Zeitsprünge vor, ...

Bereits der 1. Band der Saga konnte mich begeistern und auch die Fortsetzung konnte mich überzeugen. Man muss den 1. Band nicht kennen, um der Handlung folgen zu können. Die Autorin nimmt Zeitsprünge vor, so dass die Hauptpersonen des 1. Bandes nur kurze Gastauftritte haben.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal Eva, die auf dem Kalmulehof aufgewachsen ist und ihn dann verlässt, weil sie mit den eingeheirateten Frauen nicht zurecht kommt. So wird sie Hauserin , zuerst bei der Tochter ihrer Patin, die mit einem Vikar zusammenlebt und später bei dessen Nachfolger.

Mir hat gut gefallen, dass ich die historischen Ereignisse und Beschwernisse des täglichen Lebens erneut aus Frauensicht miterleben kann. Weiterhin verbreiten marodierende Söldner Angst und Schrecken und in ihren Gefolge die Pest. Auch die Hexenverfolgung erhebt noch stärker ihr hässliches Haupt. Eine noch größere Bedrohung zeichnet sich ebenfalls ab. Die Machtkämpfe zwischen den katholischen und protestantischen Herrschern haben begonnen. Die Autorin schildert lebendig, welche Auswirkungen das alles auf die einfache Landbevölkerung hat, denen die wechselnden Machtverhältnisse herzlich egal sind und dennoch die Hauptlast der negativen Folgen zu tragen haben. Das einzige, was sie dagegen setzen können, ist der dörfliche und familiäre Zusammenhalt.

Mit Eva hatte ich jemanden, die mir dies alles näher brachte und mit der ich mitleiden oder auch freudige Situationen erleben durfte. Auch den ruhige Erzählstil, der zeitweise an einen Bericht erinnert, fand ich angemessen. Mich hat die Geschichte sehr gut unterhalten und ich konnte in die damalige Zeit völlig eintauchen, was mein Verständnis für die historischen Gegebenheiten vertieft hat.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Humorvoll, liebenswerte Figuren und unglaublich herzerwärmend

The House Witch 1
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Im Schloss von Daxaria hält ein neuer Koch , Fin Ashowan, Einzug und macht sich sofort unbeliebt, indem er neue Sitten in seiner Küche durchsetzt und launige Antworten gibt. Für ihn spricht sein phantastisches ...

Im Schloss von Daxaria hält ein neuer Koch , Fin Ashowan, Einzug und macht sich sofort unbeliebt, indem er neue Sitten in seiner Küche durchsetzt und launige Antworten gibt. Für ihn spricht sein phantastisches Essen und dass er immer zu wissen scheint, was sein Gegenüber gerade braucht. Für seine Mägde und Helfer ist ein guter Beschützer und legt sich, wenn es sein muss, auch mit Höhergestellten an. Ein besonderes Verhältnis hat er zum kleinen Prinzen Eric, der ein regelmäßiger Gast in Fins Küche ist und für den immer ein Leckerbissen bereit steht.

Schwieriger gestaltet sich sein Verhältnis zur bildschönen, intelligenten und etwas undurchsichtigen Adligen Lady Annika Jenoure. Fin findet sie faszinierend und um so mehr ist er bemüht, sie aus seiner Küche fernzuhalten. Zum einen ist eine Beziehung zu ihr aus Standesunterschieden undenkbar und zum anderen ist er auf das äußerste darauf bedacht, dass niemand erfährt, dass er eine Haushexe ist. Zu oft wurde er deswegen beleidigt . Trotzdem schleichen die beiden umeinander wie die Katze um den heißen Brei. Ihre Wortgefechte sind beim Personal legendär und verraten mehr, als die beiden ahnen. Das Spannungselement ergibt sich daraus, dass Daxaria von Krieg bedroht wird, was Spione auf den Plan ruft und einige Intrigen auslöst.

Ich war nach den ersten Seiten in das Buch verliebt und von der Geschichte verzaubert. Ich konnte verstehen, dass das weibliche Personal trotz seiner Bärbeißigkeit ein wenig in Fin verliebt war - so wie ich. Wortgefechte, egal mit wem, waren jedes Mal ein Quell der Freude und voller Humor.

Wenn ich etwas an Fin kritisieren wollte, dann ist es sein mangelndes Selbstvertrauen. Ans Herz gewachsen ist mir auch seine Katze Kraken, die versucht Fin zu unterstützen. Besonders gelungen fand ich , wie Fin ein paar Ritter in die Schranken weist, die seine Magd Hannah bedrängen, auf den rechten Weg bringt. Es dauert etwas, bis sich alle zusammen gerauft haben, aber als es drauf ankommt, ist die Küchenbrigade ein verschworener Haufen.

Ich wünschte, das Buch hätte mehr Seiten gehabt, so begeistert war ich von der Handlung mit den vielen tollen Einfällen und den liebenswerten Personen. Das Ende ist so gestaltet, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Darauf hoffe ich ganz fest.

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