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Veröffentlicht am 12.05.2026

Geschickte Verbindung von Historie und Fiktion

Ein Ort, der bleibt
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In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes ...

In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes in ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ in der Zeitgeschichte zurück in die 1930er und 1940er Jahre, als der Garten angelegt und zu Bedeutung gekommen ist.

Neben dem Botanischen Garten stehen drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Eine von ihnen ist Magda Heilbronn, Jahrgang 1889 und Ehefrau des Gründers. Obwohl sie nach der Geburt ihrer Kinder promovierte und einen Doktortitel in Philosophie erwarb, wurde ihr der erhoffte Lehrauftrag an der Universität ihres Wohnortes Münster verwehrt. Sie drängt ihren Mann, der Einladung zu folgen, ein Botanisches Institut in Istanbul aufzubauen.

Etwa zur gleichen Zeit strebt auch die einige Jahre jüngere, in Istanbul lebende Mehpare Basarman eine Habilitation an. Später wird sie zur geschätzten Assistentin von Alfred Heilbronn. Mit großer Sachkenntnis beschreibt die Autorin das Sammeln, Züchten und Pflegen von Pflanzen. Dabei wird spürbar, mit wie viel Begeisterung die Botanikinnen sich ihrer Aufgabe widmen.

Während Magda und Mehpare historische Persönlichkeiten sind ist Imke, die dritte Protagonistin des Romans, eine fiktive Figur. Eine befristete Anstellung als Stadtplanerin führt sie in der heutigen Zeit von Münster nach Istanbul. Dort arbeitet sie an einem Gutachten mit, das über die Zukunft des Botanischen Gartens entscheiden soll. Durch Imkes Perspektive greift Sandra Lüpke zudem die Situation von Frauen in der Türkei auf.

Dank ihrer sorgfältigen Recherche lässt Sandra Lüpkes sowohl die Zeit als auch die Schauplätze lebendig werden. Sie verdeutlicht die zunehmenden Repressalien, die jüdische Wissenschaftler in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hinzunehmen hatten und lenkt damit den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Es werden Magdas Sorgen angesichts des Aufbruchs in ein fremdes Land mit einer anderen Kultur deutlich. Gleichzeitig zeigt die Autorin, wie schwierig es für Mehpare ist, sich in einem von Männern dominierten Wissenschaftsbetrieb zu behaupten, obwohl in der noch jungen Republik offiziell eine Gleichstellung angestrebt wurde.

In ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpkes von einer heute kaum bekannten Episode der Geschichte: der Emigration deutsch-jüdischer Wissenschaftler
innen in die Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig thematisiert sie auch die Fragen nach Zugehörigkeit sowie den Platz der Frau in der Gesellschaft. Geschickt verbindet die Autorin historische Fakten mit fiktionalen Elementen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf überzeugende Weise. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eindringlich geschilderte Geschichte einer ständig scheiternden Liebesbeziehung

Toxibaby
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Kurz nachdem „Toxibaby“ in Dana von Suffrins gleichnamigem Roman zu der Autorin Herzchen Goldberg in deren Zweizimmerwohnung im Münchener Stadtteil Giesing gezogen ist, fahren beide ins Blaue hinein nach ...

Kurz nachdem „Toxibaby“ in Dana von Suffrins gleichnamigem Roman zu der Autorin Herzchen Goldberg in deren Zweizimmerwohnung im Münchener Stadtteil Giesing gezogen ist, fahren beide ins Blaue hinein nach Italien. Sie landen in einem kleinen Ort am Taro. Toxi hat eigentlich einen ungenannten altdeutschen Vornamen, aber sein Spitzname, den Herzchen ihm gegeben hat, spiegelt den Kern ihrer Beziehung wider. Ihr wird in den ersten Tagen der Reise bewusst, dass sie zwischen zwei widerstreitenden Gefühlen steht: Einerseits möchte sie mit Toxi ihr ganzes Leben verbringen, andererseits fürchtet sie, dass genau dieses gemeinsames Leben zum Scheitern verurteilt ist.

Aus der Gegenwart heraus schildert die inzwischen 37-jährige Herzchen, die als Ich-Erzählerin auftritt, von ihrer Beziehung zu Toxi, die sich inzwischen zu einer On-Off-Romanze entwickelt hat. Dreizehn Trennungen in drei Jahren sind es nach ihrer Zählung, wie man bereits auf den ersten Seiten erfährt. Seit dem letzten Beziehungsende hat sich jedoch das sonst übliche Ritual bis zur Versöhnung geändert, denn erstaunt stellt sie fest, dass Toxi sie nun wie ein vernünftiger Erwachsener ignoriert. Jede ihrer bisherigen Trennungen hat sich für Herzchen wie ein Kleinkrieg angefühlt, den sie am Ende verlor. Nun steht ein mehrwöchiger beruflicher Aufenthalt in der Schweiz bevor und mit ihm die Angst, dort allein zu sein.

Die besondere Stärke des Romans liegt in seiner differenzierten Figurengestaltung, in der sich exemplarisch die prägenden Erfahrungen und Eigenschaften der sogenannten Millennials widerspiegeln. Herzchen ist einige Jahre jünger als Toxi. Sie beschreibt sich selbst als impulsiv und als jemand, deren Gefühle sich schnell zuspitzen, die sie im Streit auch bewusst einsetzt. Toxi zu provozieren ist kein Zufall, denn es reizt sie, sich ihrer eigenen Freiheit ihm gegenüber zu versichern. Als Tochter eines bereits verstorbenen Chirurgen mit jüdischen Wurzen in Polen ist sie in München aufgewachsen. Ihre Mutter ist gebürtige Italienerin. Sie kennt von ihr eine gewisse Neigung, die sie auch bei Toxi feststellt. Gemeinsam ist den beiden auch, dass sie mit ihren Handlungen kleinsten Widerstand leisten.

Toxis Attraktivität und seine Intelligenz findet sie anziehend, jedoch benötigt er viel Aufmerksamkeit, ist eher humorlos und wenig zur Selbstreflexion bereit. In einem Punkt unterscheidet sie sich deutlich von ihm: Toxi schreibt das Scheitern seiner Lebenspläne der Gesellschaft zu, wohingegen Herzchen glaubt, dass der Mensch selbst daran Schuld hat, weil er es sein Können und Wissen stets dazu einsetzt, sich mit anderen zu messen. Sie neidet es ihm, dass er in einer unaufgeregten, konventionellen Familie aufgewachsen ist. Die Werte, die beiden durch ihre Herkunft vermittelt wurden, haben sich bei ihnen tief eingeprägt.

Herzchen fehlt das Verständnis für die Lage ihres Freunds, dem sie ihrer Meinung nach jedwede Unterstützung gewährt und der doch nie zufrieden ist, was sich in Wutausbrüchen äußert. Ihre langjährige Freundin Daria, die eher nüchtern auf die Verbindung mit Toxi schaut, erdet sie, schafft es aber nicht, die festgefahrenen Muster der Vorwürfe aufzubrechen. Trotz der gewollten und ungewollten Konflikte hält Herzchen an der Beziehung mit Toxi fest, weil sie es für schwierig hält, ihn zu ersetzen. In diesem Punkt möchte man ihr Mut zusprechen, sich von ihm zu lösen. Ihr Wunsch nach Romantik und einer intakten Familie mit Vater, Mutter und Kind bleiben unangetastet.

Vordergründig ist der Roman „Toxibaby“ die Geschichte einer ständig scheiternden Liebesbeziehung. Dana von Suffrin erzählt mit einem feinen Gespür für das Beziehungsgeflecht ihrer Figuren in einem durchgehend lockeren Tonfall mit Spuren von Ironie. Zunehmend gewährt die Protagonistin Herzchen einen Blick auf ihre Herkunft und ihre Ansichten, die ein tieferes Verständnis dafür geben, warum sie trotz ständiger Trennungen ihren Traum von einer Zukunft an Toxis Seite nicht aufgibt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eine 19-jährige Protagonistin zwischen Loslösen und Aufbruch

Little Hollywood
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Im Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka begleitet man die Protagonistin Leonie, kurz Leo genannt, zurück in die 1990er Jahre. Leo hat gerade ihre letzte Abiturklausur geschrieben und steht ihr gefühlt ...

Im Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka begleitet man die Protagonistin Leonie, kurz Leo genannt, zurück in die 1990er Jahre. Leo hat gerade ihre letzte Abiturklausur geschrieben und steht ihr gefühlt die ganze Welt offen, obwohl ihr Weg alles andere als frei ist. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem sieben Jahre jüngeren Bruder Ben in einer Zweizimmerwohnung in einer Kleinstadt. Der Vater entzieht sich seiner Verantwortung, auch beim Unterhalt für sie, weswegen die finanzielle Lage der Familie angespannt ist.

Dennoch ist es Leos großer Traum in das weiter entfernte Köln zu ziehen und dort zu studieren. Gleichzeitig zweifelt sie daran, überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Für den Fall, dass sie die Möglichkeit eines Studium bekäme, fürchtet sie den Trennungsschmerz ihrer Mutter und damit verbundene Probleme.

Glücklicherweise gibt es nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch Klassenkameraden, mit denen sie Schwimmen geht und zu Feten. Mit einem von ihnen kann sie sich sogar eine feste Beziehung vorstellen. Besonders gerne leiht sie sich Filme in der Videothek aus, die dem Buch den Titel gibt. Dort arbeitet auch ihr Mitschüler Jo, von dem sie zwar nicht mal seinen vollständigen Vornamen kennt, mit dem sie aber so vertraut ist, dass sie sich jedes Mal auf sein Wahrheit oder Pflicht-Spiel einlässt.

Die Handlung erstreckt sich über die Monate von Mai bis September, in denen Leo wichtige Entscheidungen zu treffen hat, die ihr zukünftiges Leben prägen werden. Belastet wird sie von der familiären Situation. Mit ihren inzwischen neunzehn Jahren hat sie sich bisher immer den Ansprüchen ihrer Mutter gebeugt. Ihr ist bewusst, dass es nicht einfach sein wird, die nächsten Schritte allein zu gehen. Da sie bereits einige Zeit volljährig ist, fand ich es überraschend, wie wenig Freiraum sie sich bisher genommen hat.

Für Leo ist die Welt des Films eine Möglichkeit, sich der Realität zu entziehen. Die vielen Filmtitel und -zitate steigern die 1990er Atmosphäre der Geschichte noch weiter, allein das Benutzen von öffentlichen Fernsprechern zum Kontakt nach Hause habe ich vermisst. In Jo findet Leo einen ebenbürtigen Videokenner*in wie sie selbst eine ist. Das Wachsen ihrer Beziehung ist feinsinnig beschrieben und nachvollziehbar. Leos Bemühungen, richtige Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen, werden immer wieder vom schwierigen Verhältnis zu ihrem Vater überschattet.

Inga Hanka hat mit ihrem Roman „Little Hollywood“ eine Coming-Of-Age-Geschichte geschrieben, die das Flair der 1990er Jahre stimmungsvoll einfängt. Zwischen Loslösen und Aufbruch der Protagonistin Leo werden die Unsicherheiten des Erwachsenenwerdens ebenso spürbar wie ihre damit verbundene familiäre Abhängigkeit. Ein für jede und jeden schwierige Zeit, die hier realistisch dargestellt wird. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Berührender Roman über ein Stück wenig bekannte Zeitgeschichte

Moosland
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In ihrem Roman „Moosland“ beleuchtet Katrin Zipse ein wenig bekanntes Kapitel der Zeitgeschichte aus dem Jahr 1949. Damals warb Island in Deutschland per Annonce Frauen an, die auf dem Inselstaat bei der ...

In ihrem Roman „Moosland“ beleuchtet Katrin Zipse ein wenig bekanntes Kapitel der Zeitgeschichte aus dem Jahr 1949. Damals warb Island in Deutschland per Annonce Frauen an, die auf dem Inselstaat bei der Landarbeit mithelfen sollten. Man bezeichnete sie später als „Esja-Frauen“, weil sie mit dem gleichnamigen Schiff Island erreichten. Die Maßnahme wurde nicht nur zur Hilfe für die Bauern initiiert. Hintergründig sollten damit heiratsfähige Frauen ins Land geholt werden, denn viele Isländerinnen waren abgewandert, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten. Nicht allen gefiel die Anwerbung der Frauen, denn auch vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren negative Erfahrungen mit dem deutschen Volk verbunden. Die Autorin verdeutlicht das Thema in ihrem Buch.

Die lange unbenannte Protagonistin Elsa wird der Familie, für die sie tätig werden soll, an einem windigen und kühlen Tag zugeführt. Die Familie lebt in einem Haus, mitten in der grenzenlos erscheinenden Weite ihres bewirtschafteten Landes. Die Frau des Hauses stellt sich ihr vor und anschließend ihre Angehörigen. Elsa distanziert sich von ihr, indem sie nie mit ihrem Namen an sie denkt. Das Ehepaar hat zwei Söhne in etwa ihrem Alter. Später stellt sie fest, dass beide ihre eigenen Vorstellungen von einer Zukunft haben und dafür kämpfen.

Obwohl es insgesamt mehr als in der Heimat zu essen gibt, ist die Versorgung eintönig und reicht gerade, um über den Winter zu kommen, auch für die Tiere. Elsas Arbeitgeber lebt vor allem von der Schafzucht. Sie wird nicht nur im Haushalt beschäftigt, sondern auch nach Bedarf in der Landwirtschaft, beispielsweise beim Heuen und dem Viehtrieb. Bei der körperlichen Tätigkeit behauptet sie sich. Schmerzen lässt sie rasch hinter sich, was mich mitunter verwundert hat. Ob sie früher bereits an ähnliche Arbeiten gewöhnt war, bleibt unklar, denn man erfährt wenig über ihre Herkunft.

Die Geschichte bleibt stets bei der Hauptfigur, die lange nicht spricht und sich in der ersten Zeit der isländischen Sprache verwehrt, was sich eventuell als Ausdruck einer posttraumatischen Belastungsstörung deuten lässt. Einer der Söhne bemerkt später, dass sie Englisch spricht, ohne dass ihre Kenntnisse näher erklärt werden. Gelegentlich wirkt ihr Verhalten verstörend, wenn bestimmte Erinnerungen zurückkehren, etwa an ihre Freundin Sola, deren Mantel sie an sich genommen hat. Elsas Alter bleibt unbestimmt, aber vermutlich ist sie volljährig.

Katrin Zipse hat mit „Moosland“ einen berührenden Roman geschaffen, der eine Protagonistin zeigt, die mit dem Nachhall vergangener Ereignisse ringt und sich dennoch auf einen Neubeginn in einem fremden Land, fern ihrer Heimat, eingelassen hat. Er spiegelt ein Stück weniger bekannte Zeitgeschichte wieder und ist eingebunden in die raue Schönheit der isländischen Landschaft. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Closed_in Szenario mit atmosphärischem Handlungsort

Fünf Fremde
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An einem windigen Oktobermorgen befinden sich neben anderen Passagieren auch vier Frauen und ein Mann im Salon einer Fähre, deren Ziel die nur etwa drei Quadratmeter große Insel Neuwerk ist. Sie sind die ...

An einem windigen Oktobermorgen befinden sich neben anderen Passagieren auch vier Frauen und ein Mann im Salon einer Fähre, deren Ziel die nur etwa drei Quadratmeter große Insel Neuwerk ist. Sie sind die Protagonistinnen des nach ihnen benannten Thrillers „Fünf Fremde“ von Romy Fölck. Der Untertitel „Nur einer kennt das tödliche Geheimnis, das sie alle verbindet“ weckt die Neugier darauf, hinter die Fassade der Figuren zu blicken.

Eine der Fremden ist Annika, 43 Jahre alt und Kriminalkommissarin in Hamburg. Sie hat um Freistellung gebeten, um sich auf Neuwerk um ihre demente Mutter zu kümmern. Aber nur sie selbst kennt den wahren Grund für ihre Auszeit. Erst spät erkennt sie, wer die Nonne ist, die sich ebenfalls an Bord befindet und die angeblich von ihrer Mutter eingeladen wurde, obwohl Annika stark daran zweifelt, dass diese dazu überhaupt in der Lage ist.

Sinje hingegen lebt in Rom und schreibt an einem True-Crime-Krimi. Sie wird von der Nachricht nach Neuwerk gelockt, dass sich dort das Verschwinden eines Jugendlichen zum dreißigsten Male jährt. Es bleibt zunächst rätselhaft, wer ihr diese Information zugespielt hat. Auch der Meteorologe Mats hat eine Mitteilung erhalten, die ihn auf die Insel führt. Sein beruflicher Werdegang wird ebenfalls von einem Geheimnis überschattet. Die fünfte Hauptfigur ist Michelle, eine junge Frau, die sich darum beworben hat, demnächst auf einer unbewohnten Nachbarinsel von Neuwerk als Vogelwartin zu arbeiten. Der Grund für ihren Jobwechsel bleibt zunächst im Dunkeln.

Mit der Insel Neuwerk hat Romy Fölck ein wunderschönes Setting für ihren Thriller gefunden. Sie lässt viel Lokalkolorit einfließen, so dass man sich am Ende beinahe wünscht, diesen abgelegenen Ort selbst zu besuchen. Gleich zu Beginn werden zahlreiche Fragen aufgeworfen. Bereits während der stürmischen Überfahrt ereignet sich ein Unfall, in den auch die Protagonist
innen verwickelt sind.

Während sich in der Gegenwart die Spannung langsam steigert, unterbrechen Kapitel mit Rückblicken auf Geschehnisse im Sommer 1995 die Handlung. Dem Lesenden wird bald deutlich, dass die damaligen Ereignisse eng mit den aktuellen Begebenheiten verknüpft sind. Nach und nach erschießt sich, was die Hauptfiguren nach Neuwerk führt.

Die Wetterkapriolen sorgen dafür, dass die Spannung im letzten Drittel zeitweise ins Stocken gerät. Obwohl sich am Anfang schnell ein Lesesog bei mir einstellte, vor allem weil ich die Geheimnisse und Hintergründe der Protagonist*innen ergründen wollte, fiel mir auf, dass die Führung der Figuren nicht immer geschickt war. Um so viele Rätsel wie im Thriller aufzuwerfen, bedarf es einer komplexen Konstruktion. Diese ist zwar gegeben, wirkt gelegentlich aber gestellt, wozu auch das Ende gehört, welches jedoch für eine überraschende Wendung mit Auflösung sorgt.

Der Thriller „Fünf Fremde“ von Romy Fölck kombiniert ein Closed-In Szenario mit einem atmosphärischen Handlungsort. Die interessante Ausgangsidee, eine psychologisch tiefgründige Figurengestaltung, mysteriöse Rätsel und miteinander verwobene Lebensgeschichten überdecken kleine Schwächen der Geschichte und sorgen für unterhaltsame Lesestunden.

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