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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Ganz nah am Kinderalltag

Hör mal (Soundbuch): DU und ICH und unser WIR
1

Im Alltag der Gartenstraße vier wird gespielt, gestritten, gelacht und getröstet und mittendrin wächst etwas Unsichtbares, aber ganz Starkes: ein Gefühl von Zusammenhalt. Mal ist es riesengroß, mal schrumpft ...

Im Alltag der Gartenstraße vier wird gespielt, gestritten, gelacht und getröstet und mittendrin wächst etwas Unsichtbares, aber ganz Starkes: ein Gefühl von Zusammenhalt. Mal ist es riesengroß, mal schrumpft es ein bisschen, doch es zeigt immer, wie wichtig Miteinander ist. Genau darum geht es: um Nähe, Freundschaft und dieses besondere Band, das alles verbindet.

Schon nach den ersten Seiten wird klar: Hier passiert mehr als nur Vorlesen. Ein fröhliches Plitsch-platsch lässt Kinder direkt in Pfützen springen, ein kicherndes Hihi! steckt an, und beim sanften Puuust wird jedes kleine Wehwehchen gleich ein bisschen besser. Die Geräusche sind nicht einfach Beiwerk, sie machen die Geschichte lebendig und greifbar. Kinder reagieren sofort darauf, lachen mit, hören genauer hin und tauchen richtig ein.

Und dann dieses Detail, das im Alltag wirklich zählt: aufladen statt Batterien suchen. Der USB-Anschluss wirkt fast unscheinbar, macht aber einen riesigen Unterschied. Gerade unterwegs oder im Dauerbetrieb ein echter Gamechanger, der zeigt, wie durchdacht dieses Buch ist.

Die Illustrationen bleiben dem vertrauten Stil treu: klar, warm, emotional. Sie geben den Szenen Raum, ohne zu überladen, und lassen genug Platz für die Fantasie. Zusammen mit den Sounds entsteht ein Erlebnis, das nicht nur konsumiert wird, sondern aktiv einlädt: zum Mitfühlen und Mitlachen.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Hochzeit mit dunklem Beigeschmack

Dein letztes Fest
1

Frank fällt aus allen Wolken, als seine Tochter sich nach Jahren plötzlich meldet und ihn direkt zu ihrer Hochzeit einlädt. Klingt nach Happy End, wäre da nicht der Bräutigam aus einer steinreichen Familie ...

Frank fällt aus allen Wolken, als seine Tochter sich nach Jahren plötzlich meldet und ihn direkt zu ihrer Hochzeit einlädt. Klingt nach Happy End, wäre da nicht der Bräutigam aus einer steinreichen Familie und ein abgelegenes Anwesen irgendwo in New Hampshire, das eher nach abgeschotteter Welt als nach romantischer Kulisse wirkt. Je näher der große Tag rückt, desto mehr bröckelt die perfekte Oberfläche: Die Dorfbewohner begegnen den Gästen mit offener Ablehnung, es gehen Gerüchte über das Verschwinden einer jungen Frau um und ausgerechnet der zukünftige Schwiegersohn scheint darin verwickelt zu sein. Während Frank versucht, das Puzzle zusammenzusetzen, stößt er bei seiner Tochter auf völliges Unverständnis.

Der Reiz der Geschichte entsteht aus dieser ungewöhnlichen Mischung: unterschwellige Bedrohung trifft auf eine überraschend lockere, oft sogar richtig witzige Erzählweise. Frank ist kein typischer Thriller-Protagonist, eher jemand, der mit trockenem Humor, Selbstironie und einem leicht skeptischen Blick auf die Welt durch diese absurde Situation stolpert. Genau das sorgt dafür, dass man trotz der düsteren Untertöne immer wieder schmunzeln muss.

Ein echtes Highlight ist Abigail, das Pflegekind seiner Schwester. Sie bringt frischen Wind in die Handlung, wirkt klug, aufmerksam und angenehm direkt. Ihre Auftritte sind nicht nur unterhaltsam, sondern geben der Geschichte auch zusätzliche Tiefe und kleine, treffende Momente, die im Kopf bleiben.

Atmosphärisch funktioniert das Ganze richtig gut. Das luxuriöse, abgeschiedene Anwesen, die kühle Distanz der Gastgeber und die spürbare Abneigung im Dorf ergeben zusammen eine dichte, leicht unheimliche Kulisse. Die Spannung entwickelt sich dabei eher leise als spektakulär, durch Blicke, Andeutungen und dieses konstante Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Auch die Figuren sind vielschichtig angelegt und bleiben bewusst ein Stück weit undurchschaubar. Jede Begegnung kann eine neue Richtung andeuten, jede Information alles verändern. Genau das hält die Neugier konstant oben. Der Schreibstil ist modern, flüssig und sehr zugänglich. Man ist schnell drin und bleibt mühelos dabei, während sich die Spannung Stück für Stück aufbaut. Like it!

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein Funke im Dunkeln

Solange ein Streichholz brennt
1

Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit kämpfen und solche, die einfach da sind und einen trotzdem nicht mehr loslassen. Dieses hier gehört definitiv zur zweiten Sorte. Ohne großes Drama, ohne übertriebene ...

Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit kämpfen und solche, die einfach da sind und einen trotzdem nicht mehr loslassen. Dieses hier gehört definitiv zur zweiten Sorte. Ohne großes Drama, ohne übertriebene Inszenierung erzählt es eine Geschichte, die sich erstaunlich echt anfühlt.

Bohm ist eine dieser Figuren, die man nicht sofort durchschaut. Er lebt am Rand der Gesellschaft, aber die Geschichte macht ihn nicht zum Klischee. Statt Mitleid zu erzwingen, zeigt sie ihn mit Ecken, Kanten und einer gewissen Distanz, die man erst nach und nach versteht. Sein Alltag wirkt rau, manchmal fast trostlos, aber nie künstlich überzeichnet. Und irgendwo zwischen all dem ist da Fox. Nicht nur ein Hund, sondern so etwas wie sein letzter Halt.
Alina bringt eine ganz andere Energie mit. Sie steht nicht am Existenzminimum, aber auch sie hängt fest; beruflich, vielleicht auch persönlich. Ihr Auftrag wirkt anfangs wie ein klassischer Karriererettungsversuch, doch je mehr sie sich auf Bohm einlässt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Distanz und Nähe. Das fühlt sich angenehm glaubwürdig an, weil nichts daran überstürzt wirkt.

Was das Buch besonders macht, ist seine Zurückhaltung. Es erklärt nicht alles, es bewertet nicht ständig und es versucht auch nicht, große Wahrheiten aufzudrängen. Stattdessen lässt es Situationen wirken, lässt Figuren atmen und vertraut darauf, dass man als Leser selbst mitdenkt. Gerade beim Thema Obdachlosigkeit ist das erfrischend ... keine Klischees, kein erhobener Zeigefinger, sondern ein Blick, der hängen bleibt.

Die Beziehung zwischen Bohm und Alina entwickelt sich leise, fast vorsichtig. Am Ende ist es kein Buch, das mit einem großen Knall endet. Eher eines, das sich langsam verabschiedet und noch eine Weile nachwirkt. Unaufgeregt, ein bisschen melancholisch und genau deshalb so überzeugend.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Wut darf sein – und gehen

Wenn liebe Waschbären wütend sind
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Ein kleiner Waschbär ist richtig wütend, weil ihm sein Apfel weggenommen wurde und auf seinem Weg durch den Wald begegnet er verschiedenen Tieren, die alle ganz unterschiedlich mit ihrer Wut umgehen. Ob ...

Ein kleiner Waschbär ist richtig wütend, weil ihm sein Apfel weggenommen wurde und auf seinem Weg durch den Wald begegnet er verschiedenen Tieren, die alle ganz unterschiedlich mit ihrer Wut umgehen. Ob stampfen, schreien, weinen oder tief durchatmen; jede Begegnung zeigt ihm eine neue Möglichkeit, mit starken Gefühlen umzugehen, bis er schließlich seinen eigenen Weg findet.

Ich fand die Umsetzung unglaublich süß und gleichzeitig richtig alltagsnah. Die Geschichte wirkt zu keiner Zeit belehrend, sondern eher wie ein sanfter Begleiter durch ein Gefühl, das Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene) nur zu gut kennen. Die Sprache ist angenehm einfach gehalten, ohne dabei langweilig zu sein. Perfekt zum Vorlesen, aber auch so geschrieben, dass Kinder aktiv mitdenken und sich wiedererkennen können. Was das Buch aber wirklich besonders macht, sind die Illustrationen: warm, weich und total einladend. Sie transportieren die Stimmung richtig gut. Von wütend und aufgebracht bis hin zu ruhig und versöhnt. Man merkt, dass hier viel Herz drinsteckt.

Für mich ist das Buch nicht nur eine schöne Geschichte, sondern auch ein kleiner Türöffner für Gespräche über Gefühle. Gerade im Alltag, wenn die Emotionen mal hochkochen, kann man wunderbar darauf zurückkommen.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Familiengeheimnisse unter mediterraner Hitze

Die Touristin
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Eine Frau reist auf eine kleine Mittelmeerinsel, nicht aus Fernweh, sondern aus einem inneren Druck heraus. Sie will endlich verstehen, wo sie herkommt, konkret: wer ihr Vater ist und warum dieses Kapitel ...

Eine Frau reist auf eine kleine Mittelmeerinsel, nicht aus Fernweh, sondern aus einem inneren Druck heraus. Sie will endlich verstehen, wo sie herkommt, konkret: wer ihr Vater ist und warum dieses Kapitel in ihrem Leben immer ein blinder Fleck geblieben ist. Während sie sich vor Ort vorsichtig an Menschen und Erinnerungen herantastet, entfaltet sich parallel die Geschichte ihrer Mutter in der Vergangenheit. Zwei Perspektiven, die sich zunächst unabhängig anfühlen, aber nach und nach immer enger ineinandergreifen ... bis klar wird, dass hier mehr verborgen liegt, als man anfangs vermutet.

Die Geschichte wirkt nicht wie ein klassischer Thriller, der einen sofort packt und durchzieht, sondern eher wie ein langsames Hineingleiten in etwas Unangenehmes. Es beginnt fast ruhig, beinahe unspektakulär und genau das macht es so effektiv. Diese unterschwellige Spannung baut sich leise auf, fast unmerklich, bis man irgendwann merkt, dass man längst mittendrin steckt. Juno ist dabei alles andere als glatt oder sympathisch im klassischen Sinne. Sie schwankt, zweifelt, passt sich an, zieht sich zurück und genau das kann auch mal nerven. Aber gleichzeitig macht es sie greifbar. Man versteht irgendwann, warum sie so ist, auch wenn man nicht jede ihrer Entscheidungen gutheißt. Ihre Entwicklung passiert nicht plötzlich, sondern eher in kleinen, glaubwürdigen Schritten.

Die Rückblicke haben für mich eine ganz eigene Wirkung. Sie fühlen sich intensiver an, emotional aufgeladener, teilweise auch widersprüchlich. Man merkt schnell, dass Erinnerungen nicht immer verlässlich sind und dass Menschen sich ihre eigene Version von Wahrheit zurechtlegen. Gerade diese Unschärfe fand ich spannend, weil sie einen als Leser ständig zweifeln lässt.
Was die Atmosphäre angeht, lebt das Buch stark vom Kontrast: diese helle, fast schon kitschige Inselkulisse und darunter ein Gefühl von Enge, von unausgesprochenen Dingen. Es ist nicht laut oder dramatisch, sondern eher dieses stille Unbehagen, das sich festsetzt. So ein Gefühl, dass hinter freundlichen Fassaden etwas kippen kann. Auch die Figuren rund um die Protagonistin bleiben bewusst schwer einzuordnen. Man weiß nie so genau, wem man trauen kann, und genau das sorgt dafür, dass man gedanklich immer dranbleibt. Es gibt keine klaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen, sondern viele Grautöne.

Für mich ist das Buch kein typischer Pageturner im klassischen Sinn, sondern eher eines, das sich langsam entfaltet und dabei immer mehr Spannung aufbaut. Es lebt von Stimmung, von zwischenmenschlichen Dynamiken und von der Frage, wie gut man die Menschen kennt, die einem am nächsten stehen. Und genau das bleibt auch nach dem Lesen noch hängen.

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