Stimmungsvoller Cosy Crime mit 50er-Jahre Flair
Mord in der Pension MöwennestNach dreißig Jahren im Kloster verlässt Nora Breen ihren Konvent und macht sich auf den Weg nach Kent, in das pittoreske Küstenstädtchen Gore-on-Sea. Dort ist ihre einstige Novizin Frieda Brogan spurlos ...
Nach dreißig Jahren im Kloster verlässt Nora Breen ihren Konvent und macht sich auf den Weg nach Kent, in das pittoreske Küstenstädtchen Gore-on-Sea. Dort ist ihre einstige Novizin Frieda Brogan spurlos verschwunden. Ihre wöchentlichen Briefe sind plötzlich ausgeblieben, kurz nachdem Frieda angekündigt hatte, die Geheimnisse der sonderbaren Bewohner der Pension Möwennest zu lüften. Nora geht undercover und bezieht Friedas ehemaliges Zimmer im Möwennest. Ihr Verdacht, dass es in der Pension nicht mit rechten Dingen zugeht, erhärtet sich, als einer der Gäste tot aufgefunden wird …
Mord in der Pension Möwennest entführt die LeserInnen an die Küste Kents in den 1950er-Jahren. Der Schauplatz Gore-on-Sea wirkt lebendig, leicht entrückt und zugleich unterschwellig bedrohlich, denn nahezu jeder Bewohner scheint mehr zu verbergen, als er preisgibt.
Beunruhigt vom Verschwinden ihrer ehemaligen Novizin kehrt Nora nach dreißig Jahren klösterlichen Lebens in die Welt zurück. Sie ist keine klassische Ermittlerin, sondern eine aufmerksame, unbeirrbare Beobachterin, geprägt von einem strukturierten und einfachen Alltag im Kloster. Man begleitet sie gern bei jedem Gedanken und jeder noch so kleinen Entdeckung und die Erzählweise im Präsens unterstreicht dabei ihre innere Anspannung. Das Leben außerhalb des Klosters ist ihr fremd und sie begegnet ihm wachsam, vorsichtig und vorausschauend.
Während Detective Rideout den Tod eines Pensionsgastes rasch als Suizid abtut und auch Friedas Verschwinden keine größere Bedeutung beimisst, lässt Nora nicht locker. Ihre Beharrlichkeit steht im deutlichen Kontrast zu Rideouts pragmatischer, teils herablassender Ermittlungsroutine. Zwischen den beiden entwickelt sich ein feines Katz-und-Maus-Spiel, geprägt von unausgesprochenem Misstrauen, ironischen Untertönen und langsam wachsendem Respekt. Eine Dynamik, die kontinuierlich für unterhaltsame Momente sorgt.
Die Pension Möwennest selbst ist ein Schauplatz voller Merkwürdigkeiten und Geheimnisse. Die Pensionsgäste sind skurril, undurchsichtig und zugleich liebevoll gezeichnet. Der Kriminalfall entwickelt sich insgesamt eher gemächlich. Statt überraschender Wendungen liegt der Fokus auf Atmosphäre, Figurenzeichnung und der allmählichen Aufdeckung von Geheimnissen. Entsprechend unaufgeregt fällt auch die schlüssige Auflösung aus, nichtsdestotrotz sind Noras Ermittlungen durchgehend unterhaltsam.
Insgesamt ist Mord in der Pension Möwennest ein atmosphärischer Kriminalroman voller verdächtiger Figuren und einer Protagonistin, die mit klösterlicher Disziplin, scharfem Verstand und Sturheit ermittelt. Ein Roman mit trockenem Humor, feinen Beobachtungen und einer angenehm altmodischen Erzählweise, empfehlenswert für LeserInnen, die Cosy Crime mit Charaktertiefe und melancholischem Unterton mögen.