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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Entscheidung zwischen Herz und Herkunft

Die Krabbenfischerin – Das Erbe der Küste
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Runa Hansen hat sich in Hamburg ein eigenes Leben aufgebaut. Zusammen mit ihrem Sohn wohnt sie auf einem Hausboot. Sie hat Arbeit, Struktur und Abstand zu ihrer Familie an der Küste. Dieses Leben wirkt ...

Runa Hansen hat sich in Hamburg ein eigenes Leben aufgebaut. Zusammen mit ihrem Sohn wohnt sie auf einem Hausboot. Sie hat Arbeit, Struktur und Abstand zu ihrer Familie an der Küste. Dieses Leben wirkt stabil und sicher.
Dann passiert in der Familie ein Unglück. Ihr Bruder verunglückt auf dem Krabbenkutter. Dadurch steht plötzlich alles wieder im Raum, was sie eigentlich hinter sich gelassen hatte. Der Familienbetrieb an der Nordseeküste ist in Gefahr und Runa muss sich entscheiden, ob sie eingreift oder weiter ihr eigenes Leben lebt.
Die Rückkehr an die Küste bringt vieles zurück. Der Krabbenkutter, die harte Arbeit auf See und die alten Spannungen in der Familie sind sofort wieder da. Es zeigt sich schnell, dass nicht alles so einfach getrennt werden kann, wie sie es gehofft hatte.
Zwischen Hamburg und Küste entsteht ein starker Gegensatz. Das eine steht für Sicherheit und Selbstbestimmung, das andere für Herkunft, Pflicht und Verantwortung. Runa gerät genau dazwischen und merkt, dass sie sich nicht einfach aus allem heraushalten kann.
In der Familie merkt man schnell, dass vieles noch nicht erledigt ist. Da steckt mehr drin als nur der Betrieb. Alte Verletzungen sind noch da und vieles wird nicht offen angesprochen. Runa versucht, einen Weg zu finden, ohne alles noch schlimmer zu machen.
Auch ihr Sohn begleitet diese Entwicklung. Er steht ihr nahe, bekommt aber natürlich auch mit, wie sehr sich ihr Leben verändert. Zwischen den beiden bleibt eine enge Bindung, aber auch eine Unsicherheit, wie ihre Zukunft aussehen wird.
Die Geschichte bleibt durchgehend ruhig erzählt. Es gibt keine großen Dramen, sondern viele kleine Schritte und Entscheidungen. Genau das macht sie sehr bodenständig und glaubwürdig, weil alles Zeit bekommt, sich zu entwickeln.
Am Ende bleibt einfach ein ruhiger Eindruck von der Geschichte. Vieles dreht sich um Familie, um Verantwortung und darum, wie schwer es ist, sich von der eigenen Herkunft wirklich zu lösen.
Die Sprache ist einfach gehalten und lässt sich gut lesen. Passt insgesamt gut zur Küste und zu der ganzen Stimmung im Buch.
5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die eher ruhige Geschichten mögen, in denen es mehr um Menschen und Entscheidungen geht als um große Ereignisse.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wenn das Leben keinen festen Plan hat

Zwischen Abschied und Neubeginn
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In der Wesermarsch Anfang der 1980er Jahre arbeitet eine kleine Hebammenpraxis, in der Esther und Luise viele ganz unterschiedliche Frauen begleiten. Da ist eine junge Frau, die als Friedensaktivistin ...

In der Wesermarsch Anfang der 1980er Jahre arbeitet eine kleine Hebammenpraxis, in der Esther und Luise viele ganz unterschiedliche Frauen begleiten. Da ist eine junge Frau, die als Friedensaktivistin lebt und sich gleichzeitig mit ihrer Rolle als Mutter schwer tut. Eine andere Frau bangt nach der Geburt um ihr Neugeborenes. Und dann gibt es noch einen Mann, der um sein uneheliches Kind kämpft.
In der Praxis treffen all diese Lebensgeschichten aufeinander. Esther und Luise sind dabei oft die ersten Ansprechpartnerinnen, wenn Angst, Unsicherheit oder auch Hoffnung im Raum stehen. Es geht um Geburten, aber genauso um das, was die Menschen davor und danach bewegt.
Im Verlauf der Geschichte wird auch deutlich, dass die Arbeit der beiden nicht einfach bleibt. Die Praxis gerät unter Druck und Esther steht plötzlich selbst vor Entscheidungen, die sie stark belasten. Nicht alles lässt sich leicht lösen und manches zieht größere Folgen nach sich, als zunächst gedacht.
Die Erzählung bleibt ruhig und ohne große Dramatik. Gerade dadurch wirken die einzelnen Schicksale sehr nah. Vieles passiert im Kleinen, in Gesprächen oder stillen Momenten, und genau das macht die Geschichte glaubwürdig.
Am Ende bleibt eine bewegende Geschichte über Menschen, die in einer unsicheren Zeit versuchen, ihren Weg zu finden, und trotzdem nicht aufgeben.
Es ist eine ruhige und sehr menschliche Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Alltag in einer Hebammenpraxis, in der nicht nur Geburten begleitet werden, sondern auch viele persönliche Sorgen Raum bekommen.
Die verschiedenen Schicksale sind einfach erzählt, wirken aber gerade dadurch sehr echt. Auch die Entwicklung rund um die Praxis bringt eine Spannung in die Handlung, sodass die Seiten nur so dahin fliegen.
5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die gefühlvolle Geschichten mögen, die nah am Leben bleiben und starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellen.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Ungewöhnlich, jedoch gut

Bis die Bären tanzen
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Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, ...

Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, die sich durch das ganze Buch zieht.
Im Mittelpunkt steht eine Familie in einer Zeit, in der vieles ins Wanken gerät. Der Erste Weltkrieg verändert das Leben spürbar. Die Geschwister gehen danach eigene Wege. Einer geht nach Berlin, eine Schwester zieht bis nach Australien, eine andere nach Brasilien. Kontakt bleibt, aber eher aus der Ferne.
Die Handlung läuft langsam. Vieles wird nicht direkt erklärt, sondern einfach erzählt, ohne viel Drumherum. Manche Abschnitte ziehen sich etwas, andere springen stärker. Das ist nicht immer gleich leicht zu greifen, passt aber zur Art des Buches.
Die Erzählweise ist besonders. Es gibt viele Bilder und ungewöhnliche Gedanken. Nicht alles wirkt sofort klar. Man muss manchmal ein Stück mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.
Beim Lesen bleibt eine ruhige Stimmung. Es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten. Einige Szenen wirken nach, auch wenn sie nicht stark betont werden.
Insgesamt ein ruhiger Familienroman, der sich Zeit nimmt und nicht alles ausformuliert. Manche Passagen sind etwas zäh, andere bleiben im Kopf. Wer sich darauf einlässt, findet eine eigene Art von Geschichte, die nicht sofort greifbar ist. Dafür gebe ich dem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser, die ruhige Familiengeschichten mögen, bei denen nicht alles direkt erklärt wird und manches offen bleibt. Wer sich gern auf eine etwas andere Erzählweise einlässt und auch mit längeren, ruhigen Passagen zurechtkommt, wird hier fündig. Für alle, die eine sehr klare und schnelle Handlung erwarten, kann es stellenweise etwas schwerer zugänglich sein.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Zwischen Not und Zusammenhalt

Die Titscha
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Die Geschichte spielt in einer kargen, schwer zu bewirtschaftenden Landschaft, in einem Oberwalliser Bergdorf, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Brüder Gustav und Alphons Briggeler müssen aus Not das Dorf ...

Die Geschichte spielt in einer kargen, schwer zu bewirtschaftenden Landschaft, in einem Oberwalliser Bergdorf, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Brüder Gustav und Alphons Briggeler müssen aus Not das Dorf verlassen und arbeiten als Melker in Schlesien. Dort lernen sie die Schwestern Anna und Elisabeth kennen. Jahre später kehren die Familien ins Wallis zurück. Nach Annas frühem Tod bleibt Elisabeth zurück und wird von den Dorfbewohnern ausgegrenzt. Sie wird die Titscha genannt und muss sich ihren Platz im Dorf mühsam erkämpfen. Gustav und Elisabeth stehen gemeinsam vor Herausforderungen, die von harter Arbeit, wenig Geld und einem schweren Unfall geprägt sind.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt, ohne dass die Härte des Lebens übertrieben dargestellt wird. Alles wirkt glaubwürdig, und die Figuren sind nachvollziehbar. Die Ausgrenzung von Elisabeth und ihr leiser Kampf berühren, ohne dass es gekünstelt wirkt. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie sorgt für kleine, warme Momente, die die Handlung lebendig machen.
Über die Jahre hinweg zeigt sich, wie das Dorf sich langsam verändert. Die Entwicklungen sind nachvollziehbar und realistisch. Dadurch entsteht das Gefühl, ein Stück Leben mitzuverfolgen, das über Generationen hinweg geprägt ist.
Am Ende bleibt eine bewegende Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, lebensnahe Geschichten schätzen, in denen es nicht um große Dramen geht, sondern um das, was Menschen durch schwierige Zeiten trägt.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Was von Martha blieb

Vier Seiten Leben
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Ein Name, der plötzlich auftaucht und Fragen hinterlässt. Mehr braucht es nicht, um in diese eindringliche Geschichte hineinzufinden.
Beim Lesen entsteht schnell das Gefühl, dass hier etwas lange verborgen ...

Ein Name, der plötzlich auftaucht und Fragen hinterlässt. Mehr braucht es nicht, um in diese eindringliche Geschichte hineinzufinden.
Beim Lesen entsteht schnell das Gefühl, dass hier etwas lange verborgen geblieben ist. Zwischen alten Unterlagen taucht eine Frau auf, über die in der eigenen Familie nie gesprochen wurde. Nur wenige Spuren sind vorhanden, vor allem eine knappe Akte aus einer psychiatrischen Einrichtung. Und doch beginnt sich nach und nach ein Bild zu formen.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt. Ohne große Worte, jedoch mit viel Feingefühl. Gerade das macht sie so eindringlich. Es geht nicht nur um das, was damals geschehen ist, sondern auch um das Schweigen danach. Warum wurde Martha aus der Erinnerung gelöscht? Diese Frage bleibt die ganze Zeit präsent.
Im weiteren Verlauf wird die Suche nach Antworten immer persönlicher. Die wenigen Fakten stehen fest, doch vieles dazwischen bleibt offen. Und in diesen Lücken entfaltet das Buch seine besondere Wirkung. Es sind oft nur kleine Details, die hängen bleiben. Ein Satz aus einem Dokument, eine vorsichtige Einordnung. Daraus entsteht nach und nach ein Gefühl für das Leben dieser jungen Frau.
Auffällig ist, wie behutsam mit den vorhandenen Informationen umgegangen wird. Nichts wirkt ausgeschmückt oder übertrieben. Stattdessen entsteht ein stilles Nachdenken darüber, was gewesen sein könnte.
Der Blick auf die damalige Zeit wirkt bedrückend. Der Umgang mit jungen Frauen erscheint hart und oft kaum nachvollziehbar. Begriffe wie „unfügsam“ lassen erahnen, wie schnell jemand abgestempelt wurde. Dabei bleibt vieles unausgesprochen, und genau das wirkt nach.
Zum Ende hin wird das Buch noch ruhiger. Es geht weniger um neue Erkenntnisse als um das, was bleibt. Die wenigen Spuren fügen sich nicht zu einem vollständigen Bild. Denn nicht alles lässt sich klären.
Nach dem Lesen bleibt ein ruhiges Nachdenken. Gedanken kehren immer wieder zu dieser jungen Frau zurück, zu ihrem Widerstand und zu dem, was daraus geworden ist.
Dieses Buch ist ruhig, unaufgeregt, dabei sehr eindringlich und bleibt im Kopf.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für ruhige, wahre Geschichten und vergessene Schicksale interessieren.

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