Berührende Einblicke in die Welt einer jungen Frau in zwei Kulturen
Auf Basidis Dach"Auf Basidis Dach" von Mona Ameziane, erschienen bei KiWi, ist die autobiografische Erzählung der Autorin über ihre Erfahrungen mit der Frage nach Identität und Heimat in zwei Kulturen.
"Der österreichische ...
"Auf Basidis Dach" von Mona Ameziane, erschienen bei KiWi, ist die autobiografische Erzählung der Autorin über ihre Erfahrungen mit der Frage nach Identität und Heimat in zwei Kulturen.
"Der österreichische Schriftsteller Hugo von Hoffmannsthal hat einmal gesagt, er habe sich bei seinem ersten Besuch in der Medina gefühlt, als sei er in das innere eines Granatapfels geraten." - dieses Zitat fasst eigentlich sehr gut zusammen, wie sich Ameziane's Buch anfühlt, und wer schon einmal die Medina einer marokkanischen Stadt erlebt hat, kann dieses Gefühl vermutlich aus eigener Erfahrung bestätigen. Im Mittelpunkt von "Auf Basidis Dach" steht vor allem eine Reise, die Ameziane mit ihrem Vater unternommen hat, um als Erwachsene auch bewusster bekannte und unbekannte Eindrücke einorden zu können und bisher nicht gestellte Fragen stellen zu können. Dazwischen baut die Autorin regelmässig Rückblenden auf frühere Erfahrungen in und Reisen nach Marokko ein.
Man könnte meinen, für eine Autobiografie muss der Autor ein langes, bedeutendes Leben gehabt haben - nun, das stimmt nicht, wie Mona Ameziane eindrücklich beschreibt. Ihre Erinnerungen und Erfahrungen nehmen den Leser behutsam mit in zwei verschiedene Welten - und ich schreibe bewusst nicht "zwischen" sondern "in" zwei Kulturen: Ameziane scheint sich sowohl mit ihrem deutschen als auch ihrem marokkanischen Hintergrund sehr wohl zu fühlen, was ihrer Beschreibung nach auch ein wesentliches Verdienst ihrer Eltern ist, die ihr beide Welten vermittelt haben.
Für jemanden, dem die Erfahrung zweier Welten fremd ist hat mir das Buch sehr spannende Einblicke vermittelt. Auf das Buch gestossen bin ich kürzlich auf der Suche nach in Marokko handelnden Büchern zur Reisevorbereitung. Ich habe dieses Buch zwar erst im Anschluss gelesen, was aber eigentlich ganz wunderbar war, denn so hat sich direkt eine viel plastischere Vorstellung der erzählten Erlebnisse ergeben. Mona Ameziane schreibt auf eine sehr lockere, unterhaltsame Art und mit viel Sprachwitz, so dass das Lesen sehr leicht fällt.
Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne beim Lesen gedanklich in ferne Länder und Welten reisen, und die Freude an einer fröhlichen, lebendigen Sprache haben.