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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Toll

How We Feel - Hochsensible fühlen anders
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Dieses Buch hat mir so viele schöne Lesestunden beschert. Ich saß während des Lesens immer mit einem dankbaren schmunzeln im Gesicht. Weil ich mich endlich verstanden gefühlt habe. Beschäftigt habe ich ...

Dieses Buch hat mir so viele schöne Lesestunden beschert. Ich saß während des Lesens immer mit einem dankbaren schmunzeln im Gesicht. Weil ich mich endlich verstanden gefühlt habe. Beschäftigt habe ich mich mit dem Thema "Hochsensibilität" tatsächlich schon länger, denn ich wollte wissen, warum ich bei vielen Dingen "besonders" reagiere. Warum andere Menschen (Normal-Sensible) komplett anders reagieren und es für sie anscheinend überhaupt kein Problem darstellt und für mich wiederum die halbe Welt zusammenbricht.
Hochsensibilität ist keine Krankheit als solche, sondern eine Charaktereigenschaft. Hochsensible Personen nehmen zum Beispiel Stimmungen und Reize deutlich stärker wahr, als andere. Sie sind meist sehr empathisch und brauchen nach einer Reizüberflutung erstmal wieder genügend Zeit zum regenerieren.

Chris Gust hat mit ihrem Buch genau den richtigen Nerv getroffen. Sie richtet sich sowohl an "Betroffene" als auch an Angehörige oder Interessierte. Es gibt verschiedene Kapitel wie z.B. Typisch Hochsensibel; Selbstfürsorge für Hochsensible; Woran können Eltern erkennen, dass ihr Kind hochsensibel ist?; Übersetzungsversuche an verschiedenen Beispielen etc.
Während des Lesens habe ich mir ganz viele Markierungen gesetzt, einfach weil ich jedes Mal laut hätte jubeln können. Ich zeige euch einige Beispiele in den Slides.

Das Buch gibt mir Kraft und zeigt mir, dass ich nicht alleine bin, und dass es vollkommen okay ist so zu sein. Ich darf für mich einstehen und Grenzen setzen. Nur weil ich es allen immer recht machen möchte, heißt das nicht, dass ich mich selbst dabei verliere.

Eine absolute Herzensempfehlung für alle Vielfühler und für diejenigen, die sich mit den Thema einfach mal vertraut machen möchten.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wahbsinn!

Am Ende der Straße die Schlei
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Eine Geschichte, die sich für mich wie Urlaub angefühlt hat. Ich habe immernoch das Gefühl, dass ich mich gerade gezwungenermaßen in den Zug setzen musste um wieder nach Hause zu fahren. Diese Wehmut, ...

Eine Geschichte, die sich für mich wie Urlaub angefühlt hat. Ich habe immernoch das Gefühl, dass ich mich gerade gezwungenermaßen in den Zug setzen musste um wieder nach Hause zu fahren. Diese Wehmut, die immer am Ende des Urlaubs auftaucht.

In dem Buch geht es um Konstantin, er steht kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag und soll jetzt für seine Eltern das Ferienhaus an der Schlei verkaufen. Dort war er früher als Kind mit seinen Eltern sehr oft, aber damals hat es sich oft öde für ihn angefühlt. Im Gewusel der Hausbesichtigungen macht er sich erneut mit der Umgebung vertraut, fährt an Orte an denen er früher öfter war. Lernt Menschen kennen, die ihn bereits als kleinen Jungen kannten. Er findet Ruhe, Entspannung und einen Durchblick. Was ist eigentlich Heimat und ist es an einen Ort gebunden, oder an ein Gefühl?

Wir begleiten Konstantin an sehr viele Orte, mal mit dem E-Bike und mal mit dem Boot. In manchen Situationen auch auf einem Schiff oder zu Fuß. Die Meeresluft und die Geräusche der Möwen und Urlauber hatte ich beim Lesen nahezu vor Augen und im Ohr. Das war ein ganz besonderes Gefühl. Ich habe mich Konstantin sehr verbunden gefühlt. Als würde jemand von außen einfach mal den Stecker ziehen, und die Pause Taste drücken. Im Hier und Jetzt leben, ohne Hektik und Stress. Ich möchte mir nun unbedingt selbst einen Eindruck von der Schlei machen, ich bin so neugierig geworden! Die Orte im Buch existieren größtenteils wirklich, und das hat es irgendwie noch so viel schöner gemacht. Nebenbei habe ich die Umgebung gegoogelt und somit haben sich die Bilder im Kopf noch echter angefühlt.

Für mich war es ein unfassbar tolles Leseerlebnis und empfehle es gerne weiter, für alle, die sich mal wegträumen wollen, oder die auf der Suche nach einem Urlaubsbuch sind.

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Pina fällt aus
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Pina ist alleinerziehende Mutter eines zwanzigjährigen, autistischen Jungen namens Leo. Sie pflegt ihn, da er nicht eigenständig leben kann. Er geht in der Woche in einer Werkstatt für behinderte Menschen ...

Pina ist alleinerziehende Mutter eines zwanzigjährigen, autistischen Jungen namens Leo. Sie pflegt ihn, da er nicht eigenständig leben kann. Er geht in der Woche in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten und er braucht Routine, sein bekanntes Umfeld. Die beiden wohnen in der Hansastraße, in einem Wohnhaus mit mehreren Parteien. Einmal die Woche passt die 86 jährige Nachbarin Inge für 1,5 Stunden auf Leo auf, weil Pina in der Zeit für Inge einkaufen geht. Doch eines Tages kommt Pina nicht vom Einkaufen zurück. Sie ist auf der Straße zusammengebrochen und wurde ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert. Was passiert jetzt mit Leo?

Die Geschichte hat mich in einen Strudel hineingesogen. Es war so authentisch, bedrückend, humorvoll und informativ, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen. Die Charaktere werden vielschichtig gezeichnet. Inge ist seit einigen Jahren verwitwet und hat seitdem ihre Wohnung nicht mehr verlassen, die Schulabbrecherin Zola ist 16 und einfach absolut genervt von allem und jedem und möchte sich eigentlich nur noch Zuhause vor der Konsole verkriechen. Wojtek ist ein Einzelgänger und sehr wortkarg. Aber diese drei Personen, werden sich wohl oder übel um Leo kümmern müssen.

Vera Zischke schreibt mit unglaublich viel Gefühl für die einzelnen Figuren. Ich hatte zum Schluss den Eindruck, jeden von ihnen auf eine gewisse Weise zu kennen. Es wird deutlich, wie viel Pina täglich leistet und das Inklusion immernoch ein wichtiges Thema in der heutigen Gesellschaft ist.

Zitat: "Ich weiß nur, dass ich über achtzig Jahre alt werden musste, um zum ersten Mal einen Menschen wie Leo kennenzulernen. Wo sind die alle? Warum sieht man die nicht?"

'Drei Engel für Leo' nennen sich die drei Nachbarn. Und es war einfach herzlich, wie sehr sie sich für Leo einsetzen und ein Band zwischen ihnen entsteht.

Flüssig zu lesen, unheimlich tolle Charaktere und ein überaus wichtiges Thema. Ich habe sogar letzte Nacht von der Geschichte geträumt. So sehr hat es mich verfolgt.

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Der Fährmann
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Ich muss zugeben, dass ich ein wenig Angst vor der Geschichte hatte. Große Vorfreude, Euphorie und dennoch ein klein wenig Angst. Das sie mich entweder nicht so packt wie viele Leser vor mir, oder das ...

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig Angst vor der Geschichte hatte. Große Vorfreude, Euphorie und dennoch ein klein wenig Angst. Das sie mich entweder nicht so packt wie viele Leser vor mir, oder das sie mich wegpustet. Und ich kann euch sagen, dass letzteres der Fall war. 🖤

"Der Fährmann" spielt um 1900 an der deutsch - österreichischen Grenze an der Salzach. Dort sind Ende des 19. Jahrhundert drei Kinder, die ganz eng miteinander befreundet sind: Hannes, Annemarie und Elisabeth. Der Hannes überlebt wie durch ein Wunder einen Sturz in die Salzach. Und von da an ist es klar, dass er in die Fußstapfen seines Onkels tritt und der nächste Fährmann wird. Aber als Fährmann darf man keine Familie haben, also keine Frau und keine Kinder. Ein paar Jahre später wird die Elisabeth dem reichen Joseph Steiner aus Österreich versprochen. Egal, ob sie ihn liebt. Sie hat schon seit langer Zeit ein Auge auf den Hannes geworfen. Doch damals entschieden die Eltern für einen, wer der richtige zu sein scheint. Und auch die Annemarie, eine Wirtstochter aus ärmlichen Verhältnissen schwärmt für den Hannes. Doch der Joseph ist vernarrt in sie. Wut, Macht, Gewalt, unerfüllte Liebe. Männer nahmen sich was "ihnen zusteht".

Ein Dreiecksgespann das über Jahre hinweg immer irgendwie verbunden ist. Der Fährmann, der die Menschen über die Salzach ins andere Land bringt. Der aber auch immer zwischen allem steht.
Elisabeth, die unterdrückt in ihrer Ehe lebt. Ausbrechen will, aus den strengen Regeln. Aber kein Weg geht daran vorbei. Auch die Zeit des Krieges wird hier nochmal sehr stark beschrieben, und wie sich zu dieser Zeit die Dinge änderten.

Regina Denk hat es geschafft, einen sehr atmosphärischen Roman zu schreiben. Der Schauplatz der Salzach (des Flusses) war sehr anschaulich. Und auch die besondere Sprache, mit dem österreichischen Dialekt, hat nochmal zusätzlich dafür gesorgt, dass ich beim Lesen einen Zeitsprung gemacht habe.

Es war krass, unheimlich atmosphärisch, düster und bedrückend. Absolute Empfehlung!

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Kennt ihr das, wenn ihr bereits nach wenigen Seiten merkt, dass ihr ein Highlight in den Händen haltet?
So ging es mir bei diesem Buch! Ich war schon nach wenigen Sätzen komplett in das Geschehen eingetaucht, ...

Kennt ihr das, wenn ihr bereits nach wenigen Seiten merkt, dass ihr ein Highlight in den Händen haltet?
So ging es mir bei diesem Buch! Ich war schon nach wenigen Sätzen komplett in das Geschehen eingetaucht, denn es startet eigentlich direkt mit dem Hauskauf, und trödelt nicht noch lange mit Belanglosigkeiten herum. Sophie ist Mitte zwanzig und steckt irgendwie fest. Im Hamsterrad des Alltags. Das kann es doch nicht gewesen sein - das Leben!? Kurzerhand klickt sie bei Kleinanzeigen eine Hausverkaufsanzeige zum Spottpreis an. Und kontaktiert den Verkäufer. Sie bricht bereits am nächsten Morgen auf, zieht aus ihrer WG aus, beendet das Praktikum, nimmt ihre sieben Sachen und das Fahrrad und bricht auf. Mit dem Zug geht es quer durchs Land nach Günderode in Ostdeutschland. Ein Haus für 3000 Euro, und sie hat es noch nicht mal gesehen. Ob das die richtige Entscheidung für Sophie war?

Die Autorin schreibt sehr eindringlich und anschaulich. Ich habe mich Sophie sehr nah gefühlt, denn die Gedanken und Gefühle konnte ich oft nachempfinden. Raus aus dem Trubel und einfach mal das Leben leben. Egal ob die Entscheidung nun gut oder komplett verrückt war, was hat sie schon zu verlieren? Eigentlich nicht viel, außer ihren Praktikumsplatz. Aber nun mit neuen Verantwortungen, so gut wie keinem Geld und Handyempfang mehr, lebt es sich ganz anders. Und das hatte etwas so entschleunigendes für mich. Ich habe die einzelnen Sätze unheimlich gerne gelesen, sie haben mich gedanklich an den Ort geführt, wo Sophies neues Haus steht. Ein zerfallenes Haus in einem Ort, in dem so gut wie niemand mehr wohnt. Eine Idylle! Ruhe und Abgeschiedenheit. Und eine Konfrontation mit sich selbst.

Eine atemberaubende Geschichte, die noch Ewigkeiten in meinem Kopf und meinem Herzen bleiben wird. Denn sie hat mich berührt und ich habe einfach alles daran geliebt. Ruhig erzählt, wächst sie mit der Zeit immer weiter und regt zum Nachdenken an. Einfach mal durchatmen. Wir leben im Jetzt (!), und nicht im Später.

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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