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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2018

Mehr Schein als Sein

Easy. Überraschend. Low Carb.
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Low Carb – ein Schlagwort, das in Bezug auf Diät-Kochbücher heute kaum mehr wegzudenken ist. Da mir diese Art der Ernährungsform doch recht ausgewogen erschien, und ich von jeher immer auf der Suche nach ...

Low Carb – ein Schlagwort, das in Bezug auf Diät-Kochbücher heute kaum mehr wegzudenken ist. Da mir diese Art der Ernährungsform doch recht ausgewogen erschien, und ich von jeher immer auf der Suche nach guten, einigermaßen rasch zuzubereitenden Rezepten bin, wollte ich mir dieses Buch näher ansehen, zumal der Klappentext kohlenhydratarme Varianten von Broten und diversen Beilagen wie Gnocchi, Knödel und Spätzle versprach. Die Realisierung dessen machte mich neugierig, aber schon nach wenigen Seiten bekam meine anfängliche Euphorie den ersten Dämpfer: es fand sich kaum ein Rezept, das durchwegs gängige Lebensmittel enthielt! Da war von weißen Chiasamen, LC-Leinmehl, Guarkernmehl, gemahlenen Flohsamenschalen, Hanfsamen, Sojamehl bzw. Sojakleie oder Gold-Leinsamen die Rede. In meiner Naivität hatte ich angenommen, hier ganz einfach Rezeptvorschläge zu erhalten, die ganz alltägliche Zutaten raffiniert miteinander zu kombinieren verstehen, aber davon war weit und breit nichts zu sehen. Ich wusste nicht, dass man sich zuerst auf eine mittelmäßige Expedition durch diverse Spezial-Läden begeben muss, bevor man überhaupt beginnen kann, den Kochlöffel zu schwenken! Aber dies scheint in der Low Carb-Küche, wenn man nach diesem Buch geht, durchaus der Regelfall zu sein, was leider vielleicht nicht zu einer Reduktion des Körpergewichts, aber mit Sicherheit zu einer massiven Gewichtsreduktion des Portemonnaie-Inhalts zur Folge hat.

In der Einleitung wird dann anhand mehrerer Beispiele vorexerziert, wie man mit einer recht simplen Formel die richtige Eiweiß/Fett/Kohlenhydrat-Menge bestimmt. Was dabei ein wenig nervt, sind Pauschal-Urteile, etwa dass eine Frau mit 160cm Körpergröße und 65kg übergewichtig ist und daher ihre Kalorienzufuhr um 20% zu drosseln hätte. Dabei wird jedoch komplett außer Acht gelassen, wie sich diese 65kg der Frau zusammensetzen: es macht durchaus einen Unterschied, ob es sich dabei vorwiegend um Muskelmasse oder um Fettgewebe handelt! Das nur als kleiner Hinweis am Rande!

Was an diesem Kochbuch sehr positiv auffällt, sind die großflächigen Bebilderungen, wobei manche Gerichte sehr einladend wirken, manche allerdings auch abschrecken!

In diesem Kochbuch findet man mit Sicherheit ein paar Gerichte zum Nachkochen, die einem schmecken werden, und mit denen man seine Menü-Auswahl bereichern kann, aber ich zweifle sehr stark daran, dass jemand aufgrund dieses Buches seine gesamte Ernährung umstellen wird, weil es auf Dauer doch recht kostspielig ist, die Zutaten dafür bereitzustellen.

Veröffentlicht am 25.02.2018

Schöne neue Welt

Gut & Böse
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Mit „Gut und Böse – Ausgegrenzt“ ist Julian Fröhlich eine recht beklemmende Dystrophie gelungen, die in der Welt des Jahres 2031 beginnt und sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckt. In dieser Welt herrscht ...

Mit „Gut und Böse – Ausgegrenzt“ ist Julian Fröhlich eine recht beklemmende Dystrophie gelungen, die in der Welt des Jahres 2031 beginnt und sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckt. In dieser Welt herrscht eine neue Ordnung, Schwerverbrecher kommen dabei nicht mehr ins Gefängnis, sondern sie werden im Kollektiv auf einer einsamen, speziell adaptierten Insel ausgesetzt, von der es für die Betroffenen kein Entrinnen mehr gibt. Die Versorgung der Gefangenen erfolgt über den Luftweg, indem man monatlich Nahrungsmittelreserven via Flugzeug abwirft, ansonsten werden diese Menschen sich selbst überlassen.

Als es nach etwa einem Jahr zu Ungereimtheiten kommt, und man vom Flugzeug aus kein Lebenszeichen mehr auf der Insel wahrnehmen kann, wird ein Spezialtrupp hingeschickt, um Nachschau zu halten und um den Verbleib der Gefangenen zu klären. Diesem Spähtrupp gehören Samuel Sanders und Ben Benschel an, die seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet. In Kleingruppen durchsucht der Trupp die Insel und entdecken dort zahlreiche, zum Großteil schwer verstümmelte Leichen, was auf ein zurückliegendes Massaker unter den Gefangenen schließen lässt. Überlebende können sie bei diesem Einsatz jedoch nicht ausmachen. Ben wird bei diesem vermeintlichen Absturz schwer verletzt und blutüberströmt ausgeflogen. Was seine Retter jedoch nicht wissen, ist, dass der wahre Ben Benschel zu diesem Zeitpunkt bereits tot ist – ermordet vom einzig überlebenden Schwerverbrecher Xavier Martello, der sich absichtlich selbst verletzt, um die Identität von Ben anzunehmen.

Sowohl Samuel als auch Bens Frau Mary schöpfen jedoch aufgrund des gravierenden charakterlichen Wandels von Ben bald Verdacht, daher lässt sich dieser, sobald sich ihm die Möglichkeit dazu bietet, zu einem geheimen Einsatzort versetzen und entzieht sich dadurch dem Einflussbereich von Mary und Samuel…

Julian Fröhlich versteht es perfekt, mit interessantem Inhalt und geschicktem Aufbau der Geschichte die Spannung über lange Zeit zu halten. Dadurch, dass die Erzählung zeitlich gesehen relativ knapp an der Gegenwart angesetzt ist, wirkt sie sehr realitätsnah, was dem Ganzen noch mehr beklemmende Düsternis verleiht.

Die gesamte Erzählung wird aus unterschiedlichen Perspektiven einzelner Charaktere beschrieben, dadurch kommt es zu einem recht eigenartigen Effekt: Beim Lesen beginnen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschieben, was zuvor eindeutig Schwarz oder Weiß war, lässt sich jetzt zur noch schwer trennen. In der Zeit um 2031 wird hier mit den Begriffen „Gut“ und „Böse“ anders verfahren: „Gut“ ist, was der Machthaber des Regimes vorschreibt, alles andere gehört dem „Bösen“ an und wird ausgegrenzt. Das wiederum spiegelt sich im Titel des Werkes wider.

Die zum Teil sehr explizit ausgeführten menschlichen Abartigkeiten auf der Gefangeninsel, welche in ihrer Brutalität kaum zu übertreffen sind, würde ich als sehr starken Tobak bezeichnen, und würde daher zarten Gemütern eher von diesem Buch abraten.

Das Ende der Geschichte ist recht stimmig, es lässt einen jedoch mit einem bedrückenden Gefühl zurück, wie sich unsere Zukunft entwickeln könnte. Trotzdem entlässt uns der Autor nicht ohne den Fingerzeig, dass es sich lohnt, gegen eine Macht anzukämpfen, so stark diese auch sein möge.

Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein Hoch auf das Schablonendenken!

Der letzte Scheißkerl
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Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ wollte die Flut an begeisterten Zuschriften an den Autor nicht abreissen, unzählige Leserinnen teilten darin ihre persönlichen Erfahrungen mit jener im Buch beschriebenen ...

Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ wollte die Flut an begeisterten Zuschriften an den Autor nicht abreissen, unzählige Leserinnen teilten darin ihre persönlichen Erfahrungen mit jener im Buch beschriebenen Sorte Mann. So entschied sich Roman Maria Koidl zu einer Fortsetzung: „Der letzte Scheißkerl“, in welcher größtenteils der Erfahrungsschatz der Leserschaft hineinverwoben wurde. Die Herren der Schöpfung werden darin in vier Typen unterteilt: Den Macher oder auch General genannt, den Analysten oder Nerd, den Sonnyboy oder auch Blender und zu guter Letzt den fürsorglichen Diener. Jeder dieser Typen wird recht anschaulich beschrieben, und anschließend werden Tipps zum leichteren Auskommen mit dem jeweiligen Charakter gegeben.

Die Ausführungen Koidls sind zwar zum Teil sehr amüsant zu lesen, oftmals kommt einem dabei das eine oder andere „Kaliber“ aus dem eigenen Bekanntenkreis in den Sinn, auf den so manche Beschreibung wie maßgeschneidert passt. Nur bezweifle ich, dass man Menschen so leicht in Schubladen stecken kann, wie es hier passiert. Ich denke, es ist vielmehr so, dass jeder von uns sämtliche Facetten dieser Charaktere in sich beherbergt und diese je nach Bedarf seiner Umwelt präsentiert. Das macht das Ganze in der Praxis doch ein wenig schwieriger als es die in diesem Buch doch eher schablonenhafte Darstellung glauben lassen will. Was aber durchaus stimmen mag, ist die (allerdings nicht unbedingt neue) Theorie, dass die eigene Partnerwahl oftmals stark durch das Elternhaus geprägt ist. Dass man dadurch des Öfteren auf einen ähnlichen Partnertyp zurückgreift (man also immer wieder dieselben Fehler macht), liegt irgendwie auf der Hand.

Das Cover finde ich hingegen sehr witzig und originell gestaltet. Leider muss ich hier jedoch anmerken, dass sich die goldene Schrift des Titels auf dem Einband trotz sorgfältigen Umganges mit dem Buch bereits nach kurzer Zeit beim Lesen abzulösen beginnt. Ein etwas beständigeres Cover wäre wünschenswert!

Mein Fazit: Ein sehr kurzweiliges und amüsantes Buch, ob es tatsächlich das Prädikat „Ratgeber“ verdient, wage ich allerdings zu bezweifeln!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Interessante Grundidee, leider mangelhafte Ausführung

Der Brief
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Die Journalistin Marie lebt mit ihrer Lebenspartnerin Johanna in Hamburg und ist in höchstem Maße verunsichert, als sie eines Tages einen höchst mysteriösen Brief von Christine erhält, einer alten Schulfreundin, ...

Die Journalistin Marie lebt mit ihrer Lebenspartnerin Johanna in Hamburg und ist in höchstem Maße verunsichert, als sie eines Tages einen höchst mysteriösen Brief von Christine erhält, einer alten Schulfreundin, mit der sie schon seit längerem keinen Kontakt mehr hat. Dieser Brief nimmt auf ein Aneurysma im Gehirn Bezug, an dem Marie angeblich leidet. Tatsächlich aber erfreut sich diese jedoch augenscheinlich bester Gesundheit. Auch sonstige Lebensumstände, auf die sich dieser Brief bezieht, stimmen nicht: Weder lebt sie in Paris, noch gibt es in Maries Leben einen Mann namens Victor, mit dem sie zusammen eine Galerie in Paris leitet. Darüber hinaus berichtet darin Christine von ihren beiden Kindern Paul und Amelie, obwohl sie in Wahrheit nur ein Kind, nämlich Paul, hat. Zuerst denkt Marie an einen schlechten Scherz eines Unbekannten, der sich als ihre Freundin ausgibt. Was allerdings dagegen spricht, sind Dinge, die im Brief erwähnt werden, über die nur Marie und Christine Bescheid wissen. Zutiefst beunruhigt, vor allem wegen des unheimlichen Aneurysma-Hinweises, beschließt Marie, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch je mehr sie nachforscht, desto mysteriöser wird das Ganze.

Der Klappentext klingt sehr verheißungsvoll, auch die Leseprobe zu diesem Buch hat mich in den Bann gezogen, zumal ich nicht wusste, womit ich es bei diesem Buch zu tun hatte: ein Thriller, in dem ein Unbekannter sein perfides Spiel mit der Protagonistin trieb? Oder ging das Ganze mehr in Richtung Mystery, und es trafen hier zwei Parallelwelten aufeinander? Oder vielleicht doch ein Drama und man hatte hier die Chronologie einer Geisteskranken vor sich? Die Idee hinter der Geschichte war gleichsam erschreckend wie faszinierend und dementsprechend hoch war auch meine Erwartungshaltung gegenüber ihrem Ausgang. Die Spannung wurde anfangs geschickt aufgebaut, nur leider konnte sich diese nicht bis zum Schluss halten. Was folgte, war ein viel zu abruptes, fast schon lieblos gesetztes Ende, das noch dazu ein wenig zu reißerisch und unlogisch war. Schade, denn die Grundidee für dieses Buch hatte echtes Potential, das letztendlich aber nicht wirklich ausgeschöpft wurde. Zurück blieben am Ende ein etwas ratloser Leser und viele, viele offene Fragen. Eine dieser Fragen war, was denn nun konkret die Aussage dieses Buches sein sollte: wollte die Autorin der Leserschaft vor Augen führen, dass jede Art sein Leben zu leben, seine positiven Seiten haben kann? Oder wollte sie vielmehr einen philosophischen Denkanstoß geben, dass nichts so ist, wie es manchmal scheint?

Veröffentlicht am 14.05.2026

Genrebruch

Böser, böser Wolf
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Inhalt & Handlung:
Die gefeierte Krimiautorin Katie wird entführt und wird in der Abgeschiedenheit festgehalten, mit dem Auftrag eines irren Killers, für ihn frei nach den Gebrüdern Grimm Märchen zu schreiben, ...

Inhalt & Handlung:
Die gefeierte Krimiautorin Katie wird entführt und wird in der Abgeschiedenheit festgehalten, mit dem Auftrag eines irren Killers, für ihn frei nach den Gebrüdern Grimm Märchen zu schreiben, die allesamt allerdings einen tödlichen Ausgang haben, sollte sie sich weigern, würde sie selbst sterben. Katie gerät immer mehr in die Zwickmühle, als sie erkennt, dass ihre fiktiven Märchen alsbald in die Tat umgesetzt werden, und sie quasi zur Auftragsmörderin wird. Sie versucht, für den Täter unbemerkt, in ihren Geschichten Hinweise an die Polizei einzubauen, um diesen das Handwerk zu legen.
Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Mordserie betraut, da auch der Mörder an sie direkte Hinweise am zu den Taten hinterlässt. Sie erkennt einen Zusammenhang zum Verschwinden ihrer besten Freundin, die im Teenageralter unter mysteriösen Umständen verschwunden war.

Schreibstil:
Der Krimi beginnt sehr spannend, das Setting ist düster. Man wird gleich mitten ins Geschehen geworfen. Doch nach und nach fließen ab der Mitte des Buches immer mehr mystische und übernatürliche Elemente ein, und das Buch entfernt sich immer mehr vom eigentlichen Genre und wird in zunehmendem Maße verworrener.

Charaktere:
Man erfährt zwar recht viel über die Opfer, die einzelnen Opfer erscheinen trotzdem recht farblos, sodass man zu keiner Figur eine echte Bindung aufbaut. Ihre Hauptaufgabe scheint es, Opfer zu sein, hierbei erscheinen sie jedoch ziemlich austauschbar zu sein. Am ehesten konnte ich mich mit der ermittelnden Inspektorin Lyla anfreunden, die immer mehr begreift, wie manipuliert bzw konstruiert ihr eigenes Leben ist.

Cover:
Pluspunkt ist für mich sicherlich das Erscheinungsbild des Covers, es wirkt auf den ersten Blick wie ein Märchenbuch, auf den zweiten Blick erkennt man jedoch den Blutstropfen, welcher entlang der Buchstaben des Titels herunterrinnt und über den wahren Inhalt des Buches Aufschluss gibt.

Meinung/persönliche Kritik:
„Böser, böser Wolf“ von Alexandra Benedict hätte eigentlich alles, was ein guter Thriller braucht: ein düsteres Setting, eine Prise Märchenmystik und eine Hauptfigur mit Vergangenheit. Doch leider gelingt es dem Roman nur bedingt, diese Zutaten zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden.
Die Grundidee – eine Mordserie, die an Kinderreime erinnert – klingt spannend, verliert aber schnell an Reiz, weil die Handlung zu sehr auf Schockeffekte statt auf Spannung setzt. Viele Wendungen wirken konstruiert, als hätte die Autorin unbedingt überraschen wollen, anstatt der Geschichte ihren natürlichen Lauf zu lassen. Die Figuren bleiben dabei erstaunlich blass; man versteht selten, warum sie handeln, wie sie handeln. Dadurch fällt es schwer, wirklich mitzufiebern.
Auch der Stil – oft sehr bemüht dramatisch und mit gelegentlich unpassenden Metaphern – trägt nicht unbedingt zur Atmosphäre bei. Was als beklemmendes Psychospiel hätte funktionieren können, wird so eher zu einer überladenen Mischung aus Mystery und Slasher.

Fazit:
Unterm Strich ist „Böser, böser Wolf“ solide Unterhaltung für ein Wochenende, aber kein Roman, der lange nachhallt. Wer psychologische Tiefe oder feine Spannung sucht, wird hier eher enttäuscht.