Ein Must-Read für alle Frauen
Die Krise liebt Frauen wie dich"Das Patriarchat hat kein Interesse daran, dass Frauen finanziell unabhängig werden und ein Vermögen aufbauen. Frauen sollen das (wenige) Geld, das sie haben, ausgeben, um sich Erholung zu kaufen. Von ...
"Das Patriarchat hat kein Interesse daran, dass Frauen finanziell unabhängig werden und ein Vermögen aufbauen. Frauen sollen das (wenige) Geld, das sie haben, ausgeben, um sich Erholung zu kaufen. Von dem System, das sie erschöpft und das gleichzeitig von ihrer Erschöpfung profitiert. Frauen sollen ihr Geld ausgeben, anstatt es anzulegen und ein Vermögen aufzubauen, und somit in der Abhängigkeit von Männern bleiben. Sie sollen genug Geld haben, um die Branchen zu erhalten, die es ohne ihre Erschöpfung und Unsicherheit nicht gäbe. Aber nicht so viel, dass sie finanziell unabhängig werden und somit dem System nicht mehr dienen. Der patriarchale Kapitalismus liebt erschöpfte Frauen."
In der Vergangenheit habe ich bei Sachbüchern vielleicht kurz mal einen Blick riskiert, dann allerdings schnell weitergedcrollt, da mein Herz sich nach Romance, Fantasy oder Cozy Crime sehnte - herrliche Alltagsfluchten eben, die ich natürlich auch heute noch genieße. ABER: Mittlerweile hat sich mein Blick auf Non-Fiction-Reads um 180 Grad gedreht, tatsächlich sind sie nach Liebesromanen nun mein 2. Favorit - und das vorliegende Werk ist das beste Beispiel dafür, warum das so ist!
'Augen auf!' würde ich meinem früheren (Lese-)Ich am liebsten zurufen - nicht nur in Bezug auf das Genre, sondern insbesondere im Hinblick auf die von der Autorin so wunderbar anschaulich präsentierte Thematik, die für mich lange Zeit ein 'Gruselthema' war: Finanzen. Dabei ist gerade für Frauen finanzielle Resilienz unabdingbar.
"Wenn alles teurer wird und Krise herrscht, wird von Frauen noch mehr erwartet als sonst. Sie sollen nett lächeln, sich autopfernd kümmern, bitte nicht jammern, sondern stattdessen stark sein für alle anderen und dabei natürlich gut aussehen, aber auch nicht too much! Die Welt kann brennen, aber sie sollen trotzdem gepflegt zur Kita fahren, pünktlich und leistungsbereit im Büro erscheinen und empathisch durch jede noch so schwere Beziehung manövrieren. […] Und während die Frauen versuchen, den Alltag irgendwie zu stemmen, hat die Industrie längst gelernt, wie sie aus deren Unsicherheit Kapital schlägt. Je mehr »Makel«, desto besser."
Dieses Buch ist keine Lektüre für nebenbei. Zunächst mal macht es einen so richtig wütend - ja, ganz recht. Nämlich über die vorherrschenden Zustände, die dermaßen ungerecht sind, das man beim Lesen aufpassen muss, nicht direkt mit dem Zähneknirschen anzufangen. Aber gleichzeitig findet etwas Grandioses statt: Man bekommt das Gefühl, gerade eine Nebelwand durchquert zu haben und plötzlich, endlich (!) wieder klare Sicht zu haben. Und dann setzt der Energie-Kick ein: Man verspürt neuen Mut, fühlt sich inspiriert - und möchte am liebsten sofort loslegen ... denn Zeit ist wirklich Geld.
Schreibstil: Fachkundig, klar, nahbar, authentisch - einfach sympathisch.
"Eine Krise bringt Frauen zusammen, die sonst vielleicht nie zueinandergefunden hätten, um Strukturen tiefgreifend zu verändern. Sie zwingt uns, Fähigkeiten zu entwickeln, die wir nicht gesucht hätten. Sie lässt uns wachsen - einzeln und gemeinsam. Und genau darin liegt die Zukunft: nicht in der Angst, sondern im Lernen. Nicht im Ertragen, sondern im Gestalten."
Wie gerne würde ich euch all die vielen Textpassagen in meine Rezension packen, die ich mir besonders hervorgehoben habe, aber das würde in jeglicher Hinsicht den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall werde ich mir das digitale und kostenlose Workbook ganz in Ruhe zu Gemüte führen.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁: Gleichermaßen informativ wie aufrüttelnd - noch dazu in einem Themengebiet, das insbesondere für Frauen so immens wichtig ist: Bildung, Financial Empowerment, Selbstbestimmung.